Wirf mal das Stöckchen rüber!

ovit, 31. January 2007

Die Beantwortung von Fragebögen scheint dem Menschen von Natur aus im Blut zu liegen. Nachdem eine kurze Hemmschwelle überwunden und mit dem Ausfüllen eines Fragebogen begonnen wurde, wird alles was möglich ist, angekreuzt und ausgefüllt und mit bestem Gewissen beantwortet. Als Ausnahme muss das Befüllen von Amtsformularen gelten. Die sehen zwar manchmal aus wie Fragebögen und werden mit ähnlichem Unwissen ausgefüllt, haben einen unterirdischen Spaßfaktor und sind eher ein Horrortrip.

Um die eigenen Antworten aber auch richtig einzuschätzen, bringt ein Fragebogen auch nur dann etwas, wenn möglichst viele ihn ausfüllen. Das ist wie in der Marktforschung. Da befragt man zur Sonntagsfrage nicht nur eine Person, sondern eher mal lieber ein paar Hundert. Das nennt man dann repräsentative Umfrage. Darum enden diese neuen, digitalen Fragebögen üblicherweise mit der Frage, wer denn noch bitte die eben gerade beantworteten Fragen beantworten soll. Bis hierhin kann man über die Blödheit der Fragen, die Unlust in den Antworten und die Unsinnigkeit des Weiterreichens schimpfen, doch dann landen alle Menschen üblicherweise in der Tierwelt. Da wird der Fragebogen nicht von dem Herrn XY übernommen oder man hat ihn nicht bei Frau YX gefunden sondern man bekommt STÖCKCHEN zugeworfen. Und die hebt man dann auf, abgerichtet wie man ist, aber bringt dieses eben nicht zurück (Hunde können sowas!) sondern kaut lieber selbst etwas auf diesem STÖCKCHEN herum, um es am Ende wieder weg zu schmeißen, also zu den nächsten Menschen, die auf Hund machen.

Das ist mittlerweile so ein geflügeltes Wort und so von der breiten Masse akzeptiert, dass das Schneeballsystem in der Fachsprache schon in Stöckchensystem umbenannt wurde. Denn darauf fällt der abgerichtete Hund Mensch wieder herein. Bei dem Wort Schneeballsystem läuten direkt die Alarmglocken, liegt irgendwo aber so ein STÖCKCHEN herum, hebt er es schnell auf und wirft es an mindestens fünf Leute weiter. Denn wenn man das nicht macht, dann passiert in den nächsten 48 Stunden ein Unglück, das Konto wird zum Beispiel ausgeraubt, oder ein Kind stirbt in Afrika, oder die Hunde übernehmen die Kontrolle über die Menschheit. Verübeln würde ich es ihnen nicht.

4 Kommentare

  1. maloXP sagte am 31. January 2007 um 07:31 Uhr:

    Har Har. Aber auch:*schäm*

  2. .markus sagte am 31. January 2007 um 10:16 Uhr:

    Ham’ wir nicht alle einen hündischen Schnappreflex?! 😉

  3. maloXP sagte am 31. January 2007 um 15:05 Uhr:

    Ich glaub auch. Jeder, der mit Nachdruck bloggt, braucht entweder einen Hang zum Narzissmus oder zum Masochismus. Dementsprechend sind diese Stöckchen fast immer auch entweder tödlich peinlich oder von frappanter Selbstüberschätzung gezeichnet.

    Zweierlei Anmerkung: Diese Stöckchen gab es auch schon in Form von E-Mails um die Jahrtausendwende herum. Ich erinnere mich, stundenlang über möglichst pfiffige Antworten zu Fragen wie “Isst Du den Strunk von Brokkoli mit?” oder “Bist Du eher Autoscooter oder Achterbahn?” gebrütet zu haben.

    Ferner: Don Vanone hat sich ja wegen dieses Stöckchen-Trackers, den er programmiert hatte, wahnsinnig hoch in die Blogcharts katapultiert, weil jedes Stöckchen mit einem Link zu dessen Blog versehen war. Dieser lustige Mitnahmeeffekt sei hier ganz wertfrei erwähnt.

  4. .markus sagte am 31. January 2007 um 15:49 Uhr:

    Doch dieser Ruhm ist vergänglich. 😉

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