Wie das Internet das Craplog überholte und das Craplog es mit angezogener Handbremse duldete

ovit, 24. January 2014

Früher(TM) als das Craplog das neue Phänomen des grundlosen Pöbelns im Internet als erstes wahrnahm wie die erste junge Knospe nach einem langen und matschigen Großstadtwinter, da riss sie es an sich, das Monopol der schlechten Laune. Es würde gekübelt, gekotzt und gelästert und natürlich am besten ohne ersichtlichen Grund. Da war das Pöbeln noch in fester Hand einer selbstbestimmten Elite, entsprechend groß war der Gegenwind, den es gar nicht gab, außer vielleicht von Sarah Connor Fans und PI-News Verwirrten, beides aber auch keine zu vernachlässigende Gruppe mehr, obwohl, so schlimm ist Sarah Connor nun auch wieder nicht, vor allem jetzt am Ende ihrer Karriere.
Und es kam wie es kommen musste, das Pöbeln wurde modern und angesagt und in der gleichen Geschwindigkeit, wie sich das grundlose Pöbeln im Internet wie ein Lauffeuer verbreitete, stellte das Craplog sein elitäres Handeln ein, was man aber auch als sozialen Akt verstehen kann. Pöbeln für alle. Und umsonst.

Jedoch sollte man sich aus verschiedenen Punkten dem Pöbeln nähern, um es zu verstehen und so zu einem neuen wichtigen und erfolgreichen Zeittotschläger machen kann.
1. Die Gründe:
Warum man im Internet pöbelt, ist ganz einfach: man will selbst bepöbelt werden. Wer bepöbelt wird, hat es geschafft, ist angesagt, modern und hat endlich seinen wohlverdienten und erpöbelten Ruhm.
Wer nicht gut im Pöbeln ist, kann es auch mit Klugscheißern versuchen, das Ergebnis ist im besten Falle das Gleiche.
Jetzt erfolgt die Abgrenzung zu früher(TM) und zum Craplog: damals pöbelte man noch des Pöbeln willens. Doch diese Unschuld wurde dem Pöbeln genommen, pöbeln dient heute nur noch der Aufmerksamkeitserhascherei, dass macht es dem Craplog sehr viel schwerer seine Position außerhalb der Inaktivität zu finden. Heute versucht sich zB jede noch so gute Sendung durch das Bepöbeln von Randgruppen Aufmerksamkeit zu erschleichen, und damit auch Einschaltquoten zu generieren und zu einer lebhaft diskutierenden Facebookfangemeinde zu kommen, wo sich die Pöbler und Verteidiger des Ursprungpöblers zum gemeinsamen Austausch treffen.
2. Formen des Pöbelns
Wie schon angedeutet: das Pöbeln hat sich verändert. Die Message ist die gleiche geblieben (ich gut, du doof), aber die Formen sind vielfältiger geworden. Heute darf es gerne mal eine Petition sein, damit sich auch die Politik über den zu bepöbelnden Gegenstand Gedanken machen muss, darf, soll. Ein Kommentar oder eine im recht trüben Wasser fischende Spon-Forumsdiskussion sind schon lange nicht mehr ausreichend, da man dort schnell in der Flut der pöbelnden Masse untergeht. Nutze also kreative Formen für maximalen Pöbelerfolg.
Ein Video neu zu synchronisieren hat sich als der neuste Trend erwiesen. Auf Memes sollte in Zukunft eher verzichtet werden. GIFs sind dagegen im Kommen. Pöbelt mit guten GIFs!
3. Mehr Erfolg beim Pöbeln
Wichtig: je viraler du pöbelst, um so größer und aggressiver wird der pöbelnde Mob der gegen Dich pöbelt oder mit Dir zusammen gegen irgendwas ist. Nutze also Pöbelformen, die sich gut und leicht teilen lassen und die nur wenig Aufmerksamkeit und Zeit beanspruchen. Blogeinträge wie sie der Craplog früher(TM) verfasste, sind also aus der Zeit gefallen – zu lang, zu wenig Sinne werden angesprochen, lesen auch noch, lesen ist doof.
Pöbel gegen der letzten viralen Erfolg und starte deine noch größere virale Imagekampagne!
Pöbel am konkreten Ding, am besten vor der eigenen Haustür oder für etwas, für das alle Menschen Geld bezahlen müssen. Pöbel entlang bekannter Konfliktlinien in der Gesellschaft und beziehe die plattesten Klischees mit ein.
Weiterer wichtiger Punkt: versuche auf der Meta-Ebene zu pöbeln. Bei der Verteidigung eines Pöbelgegenstands lohnt es sich immer, in harschem Ton das Pöbeln als solches zu bepöbeln. (zb: “Sagt mal ihr abgespackten Vollidioten, jetzt seid doch mal freundlich und pöbelt hier nicht wie zugesoffene schwule Huren aus Osteuropa herum, sonst lauer ich euch zu Hause auf”, oder subtiler “In was für einer intoleranten Gesellschaft leben wir eigentlich, wo jeder seine Meinung ins Internet schreiben darf? Wenn es nach mir gehen würde, müsste man euch alle wegsperren damit ihr morgen nicht wieder die nächste Sau durchs Dorf treibt. Sucht Euch Hobbies und pöbelt nicht den ganzen Tag im Internet! Habt ihr nichts zu tun, oder was?”.

Wenn sowas dann viral geht, sind euch die nächsten 20 Likes sicher und ihr der Star des Internets. Wenn auch nur für ganz kurz.

Satiremagazine sind übrigens nichts anderes als das Craplog früher(TM). Sie machen das Gleiche, sind nur verlogen dabei.

Good Luck

6 Kommentare

  1. Sebastian sagte am 25. January 2014 um 14:44 Uhr:

    Diese fast schon altersmilde Distanziertheit steht dir gut. Wir sollten uns als Craplog vielleicht als Elder Statesmen des Pöbelns positionieren. Das Immer-noch-eine-Metaebene-Rauflegen-Rennen kann man nicht gewinnen.

  2. Frank sagte am 27. January 2014 um 11:46 Uhr:

    Vielleicht sollten wir es wagen und ein Blog aufmachen, in denen Sachen gelobt werden, die sonst keiner lobt. Ich finde zum Beispiel die Arbeit der Berliner Polizei gut, habe mit denen bislang nur positive Erfahrungen gemacht. Den Kritikern, die immer nur „Bullenschweine“ rufen, kann man dann ja mal höflich nahelegen, dass sie darüber noch einmal nachdenken sollten – aber nicht rummosern, das ist dann schon wieder zu meta.

  3. ovit sagte am 27. January 2014 um 11:57 Uhr:

    du meinst mit dem lob dahin gehen, wo es richtig weh tut? ohne ironie und eingebaute zweite ebene? das wäre ja ein unique selling point und könnte uns reich machen. wäre aber auch hart, sich regelmäßig so ein lob aus dem dunklen innern herauszukratzen.

    und jetzt der nuhr mit der gegenpetition und der petition für die nuhr-petition. DAS kann niemand gewinnen und ernsthaft wollen.

    wer schreibt also als erstes den lobenden artikel über dieter nuhr? 😉

  4. Sebastian sagte am 27. January 2014 um 17:13 Uhr:

    Lügen soll man ja auch nicht.

  5. Frank sagte am 27. January 2014 um 17:42 Uhr:

    Like, like, alles like!

  6. .markus sagte am 27. January 2014 um 17:57 Uhr:

    Dafür! Als großes Beispiel und ersten Artikel: Julia Engelmann.

    Was ich mir da oft beim Tweets-Lesen gedacht habe: “Nur weil etwas existiert und du es nicht magst, brauchst du es noch lange nicht hassen und verurteilen”.

    Da auf Twitter gerne auch mal der Hass mainstreamt, findet man sicher immer viele frische Beispiele (I like Anglizismen).

    Off-Topic: Uhrzeit stimmt hier nicht, außerdem zeigt es mir das Blog nur im Fefe-Style an, wenn ich nicht eingeloggt bin.

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