TKKG, die Nazis in spe

Sebastian, 9. October 2007

Das Thema Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie hatten wir ja erst vor Kurzem. Wenn man das Thema ein wenig verarbeitet hat, in sich gegangen ist und einige Tränen geflossen sind, weil die Welt so schlecht ist, stellt man sich die Fragen nach den Ursachen vor der Angst vor fremdem. Ich kenne den Grund. Ohne eine komplexe Thematik vereinfachen zu wollen, aber der Grund sind: KINDERHÖRSPIELE! And I can prove it.

hörspiele

Ich will ja nicht angeben, aber meine *hüstel* Sammlung an Kinderhörspielen ist doch recht groß. Die wichtigsten Reihen besitze ich natürlich vollständig, außer Bibi Blocksberg, das ist ja Mädchenkram. Auch von Hui Buh habe ich mich getrennt, zu Hans Clarin kann man einfach nicht einschlafen. Aber meine Reihe umfasst unter anderem das Gesamtwerk der Drei ???, einige der Nachfolgeserie Die Dr3i, Alf, Benjamin Blümchen, Knight Rider und noch so einiges andere. Um diese Serien soll es hier nicht gehen, die Qualität schwankt zwar hier enorm, aber ich klassifiziere sie als unbedenklich. Andererseits: ICH klassifiziere die Serien als unbedenklich, die Bundeszentrale für politische Bildung sieht das nochmal ganz anders.

Kurz: Die “richtigen” politischen Positionen bzw. Verhaltensweisen sind ökologisch, postmaterialistisch, basisdemokratisch, kritisch, zivilcouragiert, pazifistisch, sozial, antikapitalistisch, egalitär, tendenziell anarchisch bzw. antistaatlich, antihierarchisch, antiautoritär und antikonservativ; mit anderen Worten: “links” der politischen Mitte (linksliberal bis linksalternativ).

Abschließende Bewertung

Die Hörspiele von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg verdienen aus politikwissenschaftlicher Sicht keineswegs das Prädikat “wertvoll”

Aber darauf wollte ich garnicht hinaus, diese sinnlose Stillbeschäftigung für verhaltensunauffällige Mitarbeiter der BpB wäre eigentlich mal einen eigenen Artikel wert.
Nein, mir geht es um Verhaltensweisen in Hörspielen, die mir persönlich sauer aufstoßen. Manches befindet sich nämlich durchaus “rechts” der politischen Mitte und verdient das Prädikat Arschtritt.

Da wäre zum einen die Hörspielserie He-Man. Ich möchte voran stellen, dass diese Serie grundsätzlich meine Lieblingsserie ist, da die Geschichten an sich sehr fantasievoll sind, sich eine Linie durch die ganzen 37 Folgen zieht und eine einzelne Story auch mal über mehrere Folgen erzählt wird. he-manAußerdem sind die Sprecherleistungen enorm und es gibt viele fantasievolle Figuren.
Und das ist der Knackpunkt. Die Figur des Adam, also des Normal-Ichs von He-Man, ist sogar sehr fantasievoll. Er trägt eine rosa Hose mit Wollteilchen zu seiner purpurnen Weste, schneidet gerne Rosen im Garten und schreibt dazu Gedichte über Bienen. Mit einem Wort: gay. Was überhaupt kein Problem wäre, jedenfalls nicht für mich. Wohl aber für die anderen Bewohner Eternias, allen vor an Teila Herrmann, äh, Teila at-Arms, der Tochter von *lol* Man-at-Arms. Jede Folge muss sich Adam belehren lassen, warum er nicht auch ein “richtiger Mann” sein kann wie He-Man, der trainiert und Skeletor verkloppt, anstatt sich um den Garten und sein Outfit zu kümmern. Da frage ich mich, warum sich Teila nicht im Gegensatz mal wie eine richtige Frau verhalten kann und ihr Maul hält, wenn sie nicht gefragt wird. Naja, veraltetes Weltbild halt.

Aber so richtig auf den Sack geht mir Tim. Tim heisst eigentlich Peter und nannte sich früher Tarzan, was er aber nicht mehr darf, da irgendwelche Bonzen was dagegen hatten. Eigentlich bekloppt, sich Tim zu nennen, wenn man schon einen langweiligen Namen hat, aber PKKG klingt wohl irgendwie nach einer K-Gruppe. Postkapitalistisch-kommunistische Gruppierung oder so. Und TKKG sind alles, aber sicher nicht links.

Reden wir doch mal über die Bösewichte. Im Gegensatz zu den drei ??? gibt es hier keine Detektivgeschichten, bei denen mal als Hörer miträsteln darf. Nein, hier stehen die Bösewichte von vornherein fest: Es sind die Männer mit der Narbe im Gesicht, die mit der, hoho, großen Geiernase, es sind Zigeuner, es sind die Türken oder zumindest Südländer, es sind die Armen. Hier wird wirklich jedes Klischee erfüllt. Einfach zum Kotzen.

Warum finde ich dann Tim so schrecklich? Nun, Tim ist ein Arschloch, wie er im Buche steht. Er hält sich nicht mit rechtstaatlichen Prinzipien auf, die bösen werden gleich mal verkloppt, ohne Grund. Tim kann das, weil er mit seinen 14 Jahren der stärkste Mensch der Welt ist. Aber man muss nicht mal böses verbrochen haben, um die harte Knute des Chefdetektivs zu spüren. Es reicht schon, ein Landstreicher zu sein. Ich bin jetzt zu faul, die genaue Folge zu recherchieren (ich müsste mich da jetzt durch 140 Folgen quälen), aber in einer Episode war ein Landstreicher, der sich in einer Hütte im Wald niedergelassen hat, Zeuge eines Überfalls. Ohne auch nur abzuwarten gleich die Bedrohung “Rück raus, was hast Du gesehen, sonst gibt es Dresche!”
Oder mein Favourit die Folge, in der sich Klösschen, ein fetter Millionärssohn und Tim, als, haha, Obdachlose verkleiden, weil sie eine Wette abgschlossen haben, wie lange man das durchhält. Offensichtlich halten es die verweichlichten Internatsgören nicht allzu lange aus, denn bei Einbruch der Dunkelheit suchen sie sich eine kleine Laube. Die ist zwar schon von zwei anderen Obdachlosen besetzt, aber die werden dann kurzfristig aus ihrer Wohnung geprügelt.

Es gibt neben dem sehr einsilbigen (“Schokolade mampf mampf”) Klösschen und dem Polohemdkragen-hoch Tim noch den Computernerd Karl, der mal überhaupt nichts zu melden hat in der Serie und die hübsche Gabi, die mit ihrer nervenden Stimme nicht viel mehr zu sagen hat als “Frag mich nicht, ich bin nur ein Mädchen”.

Und dieses asoziale Verhalten zieht sich durch sämtliche Folgen. Und sowas hören unsere Kinder seit über 20 Jahren. Da wundert man sich noch über solche Gestalten wie die Grüne-Pest Spinner? Ich bin kein Kulturpessimist und fange hier auch nicht an, von Killer-Hörspielen zu reden, aber liebe Eltern, wenn ihr euch schon zu schade seid, euren Kindern abends was vorzulesen, achtet wenigstens ein wenig drauf, womit sie einschlafen!

34 Kommentare

  1. Sebastian sagte am 9. October 2007 um 13:37 Uhr:

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich habe TKKG früher sogar gelesen, und seit einigen Jahren erschauere ich rückblickend, wie erzreaktionär und aufklärungsfeindlich das ist.

    Auch, dass sich so ziemlich jeder Mann – allen voran der Erzähler – sofort in Gaby verliebt, hat einen ziemlich unangenehmen Beigeschmack, wenn man bedenkt, dass dieses Mädchen 13(!) sein soll.

    Kennst du eigentlich die Ferienbande? Wenn nicht: heißer Tipp.

  2. Harry Kuntz sagte am 9. October 2007 um 13:49 Uhr:

    Ne, ich kenne noch die Pizzabande, auch heisser Tipp: Finger weg.

  3. Sebastian sagte am 9. October 2007 um 14:19 Uhr:

    Ok, keine Pizzabande, merk ich mir. War aber ernst gemeint: Für mich als Jugendbandenhörspiel-Hörer und TKKG-Hasser der ersten Generation war und ist die Ferienbande ein Geschenk des Himmels.

    Wollte das nur noch mal klarstellen; man kann ja nie wissen, wegen Ironie und so.

  4. EuRo sagte am 9. October 2007 um 15:32 Uhr:

    Da blieb mir grad die Spucke weg.
    Immerhin erklärt das so einiges – aber: Hat das denn keine Sau gemerkt? Ich meine – ich bin noch aus der Vorleser Generation, als schon die halbe Welt Kassetten hörte. Meine Tochter hat sich danach Gottseidank an Alf gehalten…

  5. Harry Kuntz sagte am 9. October 2007 um 15:52 Uhr:

    @ Sebastian: Alles klar, ich halte die Ohren offen.
    @ EuRo: Am Ende hat wieder keiner was gewusst 😉

  6. maloXP sagte am 9. October 2007 um 16:34 Uhr:

    Die Ferienbande ist wirklich ganz nett, ich hatte mir mal ein paar Folgen “besorgt”, nachdem Sebastian kürzlich bei sich im Blog drauf hinwies.

    Das antikapitalistische, streckenweise anarchistische Moment in Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen mag durchaus vorhanden sein, bloß hielt ich es schon immer für abstrus, da zuviel reinzuinterpretieren. Was soll man da erst von Pippi Langstrumpf halten?

  7. Harry Kuntz sagte am 9. October 2007 um 17:19 Uhr:

    Die kifft!

    funfire.de/lustige/b...563-pippi-kifft.html

    Ich stelle mir das halt so vor bei der bpd, dass die da morgens im Pausenraum sitzen und überhaupt nichts zu tun haben. Da wird dann brainstorming gemacht, die Angst geht um, dass ihre Arbeitsplätze überflüssig sind, und dann füllen die sehr, sehr viele Zeilen mit so einem Müll.

  8. maloXP sagte am 9. October 2007 um 19:51 Uhr:

    Der Bundeszentrale für politische Bildung möchte ich dann aber dochmal zu Gute halten, dass sie ja nicht nur Müll wie oben genannten oder “El Hombre” Hembros jüngstes Werk veröffentlichen, sondern mithin auch auch Erbauliches wie etwa dieses grandiose Essay von Mark Terkessidis.

  9. ovit sagte am 9. October 2007 um 21:22 Uhr:

  10. Harry Kuntz sagte am 9. October 2007 um 21:46 Uhr:

    Willst Du jetzt 30 Prozent mehr Beiträge oder wat?

  11. .markus sagte am 9. October 2007 um 21:48 Uhr:

    Von mir wird nur noch jeder zweite Beitrag geschrieben!

  12. maloXP sagte am 9. October 2007 um 23:21 Uhr:

    Folgendes wusste ich nicht zu unterdrücken:

  13. Harry Kuntz sagte am 10. October 2007 um 08:44 Uhr:

    Dieses ewig gleiche Lasergeräusch, herrlich.

  14. Nerdcore — Links vom 10. 10. 07: The Beatles, Best Breasts In Movie History, Krieg der Welten und die sieben Kreativregeln sagte am 10. October 2007 um 14:16 Uhr:

    […] TKKG, die Nazis in spe Das Thema Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie hatten wir ja erst vor Kurzem. Wenn man das Thema ein wenig verarbeitet hat, in sich gegangen ist und einige Tränen geflossen sind, weil die Welt so schlecht ist, stellt man sich die Fragen nach den Ursachen vor der Angst vor fremdem. Ich kenne den Grund. Ohne eine komplexe Thematik vereinfachen zu wollen, aber der Grund sind: KINDERHÖRSPIELE! And I can prove it.TKKG, die Nazis in sp […]

  15. Julez sagte am 12. October 2007 um 23:31 Uhr:

    Aaaaaaahhhhh!!! MALOXP!!!!
    WIE KANN MAN NUR BIBI B. MIT PIPPI L. VERGLEICHEN?!?!?! Du Kulturverbrecher!!!
    (Wahrscheinlich liest wieder kein Schwein.;-))
    Ihr Computernerds, also das haut einem doch wirklich alles weg.
    Bibi und Pippi vergleichen!! Ist doch ‘ne völlig andere LIGA! Das ist ungefähr, wie… wie… wie einen Toyota-Werbespot mit “Death Proof”, wie ‘n Aldi-Nusspli mit ‘ner Mousse au Chocolat im “4 Seasons” wie – wie ‘ne Rechenmaschine mit ‘nem… äh… sehr guten Computer zu vergleichen!!??
    Das eine ist ein billiges kleines Hörspiel, das andere hochwertige Kunst. (Ja, auch Kinderliteratur und gerade sie kann und muss Kunst sein.)Und, um dein Argument zu entkräften: “Pippi Langstrumpf” wurde damals in den rigiden 50ern – ja, du wirst lachen – wegen des ausgeprägten anarchistischen Elemtents böse zensiert und arg verstümmelt, sowohl im eigenen Lande als auch in den Übersetzungen, weshalb eine vollständige, heute handelsübliche Pippi-Übersetzung in der BRD erst später (nicht dass ich lüge…), also frühestens in den siebzigern
    auf die Ladentische kam. Kinderbücher bestanden in der Zeit vor Pippi (in bester Struwwelpeter-Tradition) aus altbackenen, öden Geschichten, mit Braves-Kind-Böses-Kind-Du-Du-Du-Schemen, pädagogisch wertvoll sollte das sein; dass Kinder an dem Machwerk ihre Freude haben sollten, stand erst an zweiter Stelle, am wichtigsten war der “erzieherische” und bildende Aspekt. Als Pipi rauskam, sind die Herren Pädagogen und die Eltern und die Zensurbehörde und weiß ich wer noch ausgetickt, weil sie Schiss hatten, dadurch würden ihnen ihre gehorsamen kleinen Kinderlein versaut. Zu Recht!!!!

    Bibi Blocksberg war verhältnismäßig auf dem neuesten liberalen Stand, das hab ich auch so empfunden, aber mit einem befreienden, anarcho-kreativen Feuerwerk wie “Pippi Langstrumpf” weder vom Inhalt noch von der Sprache noch von der Absicht her zu vergleichen. War aber gut zum Im-Hintergrund-Hören beim Malen. Und Benjamin Blümchen war mir zu albern. Und später hab ich ein kleines bisschen auf Justus Jonas gestanden. Und TKKG fand ich doof.
    So. Jetzt HAB ich mich aber aufgeregt. Gut so. Für die unsterblichen Helden meines Kinderherzens. Pippi. Peter. Poo. Mary. Danke!

  16. maloXP sagte am 13. October 2007 um 04:50 Uhr:

    Hab ich die verglichen? Meine Güte, vielleicht. Aber auf eine Stufe gestellt doch nicht…! Pippi Langstrumpf war das erste Buch überhaupt, welches ich las und ich träumte monatelang von Zitronensprudelflaschen, die in hohlen Bäumen wachsen. Bibi Blocksberg kam später und auch “nur” als Hörspiel.

    Übrigens gibt’s drüben bei Harry noch mehr Diskussion über Hörbücher.

  17. sm sagte am 20. October 2007 um 12:12 Uhr:

    geiler artikel. schon lang nicht mehr so gelacht (was nicht heißt, dass ich das thema nicht ernst nähme).
    warum sind die 5Freunde bisher nicht erwähnt worden? Das ganze tkkg ist doch von denen abgekupfert? ich hab das immer gelesen, aber an den politischen gehalt konnte ich mich nicht erinnern.
    ach gab es da nicht einen transgender – george?
    mächtig subversiv.

    übrigens: pkkg – geil. klingt nach kurdischer untergrundorganisation

  18. Harry Kuntz sagte am 20. October 2007 um 12:46 Uhr:

    Mit den 5 Freunden habe ich mich nie befasst, das sah immer so bieder aus im TV. Ich erinnere mich aber diesen Lockenkopf, bei dem ich nicht wusste, ob das Mädchen oder Junge ist.

  19. Mikrowelle » Vom Hundertsten ins Tausendste sagte am 20. October 2007 um 14:00 Uhr:

    […] Teufelskreis, eine Zeitverschwendung par excellence – und unterhaltsam eben. Eben noch im Craplog gelesen, schon bei der Bundeszentrale für politische Bildung, um dann mit lauter Medienrauschen den […]

  20. maloXP sagte am 20. October 2007 um 14:15 Uhr:

    Laut Wikipedia kam der erste “Fünf Freunde”-Band bereits ’42 heraus. Enid Blyton, die Verfasserin, war dafür berüchtigt bekannt, ein Buch in nur einem Tag schreiben zu können.

  21. julian sagte am 29. October 2007 um 15:14 Uhr:

    also… tarzan hat sich einfach mit seinen 14 jahren schon zuviel gekoooukst!!!!
    ich erkenn doch n koukscharakter direkt 🙂 hahaaaaaaaaa tkkg is echt ma kaputt wenn man das so plakativ hier sagen darf:-)

  22. Harry Kuntz sagte am 19. December 2007 um 12:07 Uhr:

    Ich habe jetzt tatsächlich mal die Ferienbande gehört. Ich dachte, das ist eine ernste Serie, aber halt qualitativ gut. Aber nein, das ist ja noch viel geiler 🙂 Danke für den Tipp.

  23. Stefan sagte am 4. February 2008 um 02:38 Uhr:

    In der Tat, Tim/Tarzan übertreibt es manchmal etwas in der Serie. Eine politische Gefahr kann ich jedoch grundsätzlich nicht erkennen. Und warum sollen Kindergeschichten eigentlich links der Mitte angesiedelt sein? Das wäre genau so falsch wie rechts der Mitte. Wenn schon gehören die in die Mitte.

    Übrigens: Die eine Folge kenne ich nicht. Aber die andere von Dir angesprochene Folge heißt “Sklaven für Wutawia”. Hier wirft Tim definitiv KEINE Obdachlosen aus der Baubude. Er vertreibt lediglich welche die ihn und Klößchen aus der Hütte werfen wollen, obwohl die beiden zuerst darin waren.

  24. Frank sagte am 4. February 2008 um 03:52 Uhr:

    Ich finde ja auch, stalinistische Hörbuchunterhaltung gehört nicht in Kinderhände. Sowas kann ganz schnell indoktrinierend wirken!!1

    Danke Stefan, dass Du hier ein folgenschweres Missverständnis aufgeklärt hast. Nun erscheint die Sache in einem ganz anderen Licht: Tim und Struppi, pardon — Klößchen sind also gar nicht “rechts” (schmeißen Obdachlose raus), sondern “mitte” (hindern Obdachlose nur daran, den von ihnen okkupierten Raum zu betreten). Was mich jetzt interessiert: Wie sähe die “linke” Variante aus? Tarzan und Jane, pardon — Klößchen lassen die Obdachlosen herein, kochen noch ein Tässchen Tee, geben jedem ein Fünfmarkstück und verduften dann in ihre eigene, warme Heia? Die Gutmenschen, die… Pft.

  25. Harry Kuntz sagte am 4. February 2008 um 07:34 Uhr:

    So eindeutig ist die Situation in der Hütte auch nicht, meine ich. Afair sagt einer der beiden, dass sie für gewöhnlich darin hausen.

    Und überhaupt, selbst WENN: Da sind 2 verzogene Gören, die mal einen auf obdachlos machen und besetzen eine Hütte, die zwei (meinetwegen unfreundliche) echte Obdachlose gut gebrauchen könnten. Ich würde da meinen Arsch vor schlechtem Gewissen aber schleunigst hinausbewegen. Was soll das denn werden? Eine Hüttenbesetzerszene?

    Gute Unterhaltung für Kinder muss für mich auch nicht zwingend links sein, oder überhaupt irgendwie politisch. Wie gesagt, He-Man ist stellenweise furchtbar sexistisch, Jan Tenner teilweise sehr militaristisch. Beide halte ich für hervorragende Hörspielserien.

  26. Anja sagte am 13. March 2009 um 23:49 Uhr:

    Man kann es auch übertreiben mit der Kritik. Ich halte die Pfefferkörner für die pädagogisch wertvollste Kinderkrimiserie aller Zeiten. Gut sind da allerdings meiner Meinung nach vor allem die ersten 53 Folgen.
    Wenn ich aber lese, dass die fünf Freunde pädagogisch wertvoller als TKKG sein sollen, dann läuft es mir wirklich eiskalt den Rücken runter. Was bei Blyton an rassistischen Vorurteilen vor allem gegen Zigeuner breit getreten wird, das ist echt nicht mehr feerlich.
    Bei TKKG halte ich die ersten 20 Folgen für gut und teilweise auch für pädagogisch wertvoll (Angst in der 9a, Die Bettelmönche aus Atlantis, Abenteuer im Ferienlager etc.) ich finde es extrem trashig und für Kinder ungeeignet, dass die Bösen so oft Rocker, Punker und “Proleten” sind. Allerdings gibt es dazu auch genug Gegenbeispiele. Es wird regelmäßig Stellung gegen Rassismus bezogen. Ich erschrecke selber, wenn ich die TKKG Geschichten die ich als Kind gehört und gelesen habe aus erwachsenem Blickwinkel betrachte. Aggro Tim ist ein menschenverachtender, brutaler Schläger und geht auf keine Kuhhaut mehr. Allerdings sind er und der besonnene, schüchterne und fast militant faire und gerechte Tarzan aus den ersten Folgen und dem Kinofilm auch irgendwo wie Dr. Jakyll und Mr. Hyde. Die Serie war mal in Ordnung und ist zu einer untragbaren Karrikatur verkommen, so wie alle handelnden Personen. Aber mir hat TKKG bestimmt nicht geschadet und es hat mich auch nicht zum Rassisten gemacht. Wobei ich als Kind auch immer nur die Klassiker hören wollte, in denen die vier noch Kinder waren und es keine Kampfmaschine mit der Stimme eines 43jährigen gab, die immer noch 13 sein sollte. Wenn man TKKG nicht ernst nimmt, dann kann man im im Nachhinein doch darüber lachen ;).

  27. Harry Kuntz sagte am 15. March 2009 um 20:15 Uhr:

    Bei der Stimme braucht man natürlich Phantasie, das ist bei den drei ??? ja auch nicht anders. Die gehen ja auch schon auf die 40 zu und sind in der Serie (mittlerweile) 16 🙂

    Ich glaube, niemand hat hier die 5 Freunde als pädagogisch wertvoll eingestuft (oder ich überlese es), ich selber kenne die auch garnicht wirklich.

    Was ich nicht verstehe, ist, warum man es Deiner Meinung nach mit der Kritik übertreiben kann, zumal Du gegen Ende ja munter mit einstimmst.
    So richtig vor ernst trieft meine Kritik ja nun auch nicht. Das musste halt alles mal raus nach 20 Jahren.

  28. Simon sagte am 2. March 2010 um 03:41 Uhr:

    BRAVO an den Author, komplett D’Accord auf allen Ebenen!

  29. Kathy sagte am 23. September 2010 um 09:52 Uhr:

    “ICH klassifiziere die Serien als unbedenklich, die Bundeszentrale für politische Bildung sieht das nochmal ganz anders.”

    Nur um das klarzustellen: Die BPB sieht das überhaupt nicht anders, denn die Aufsätze werden nur von ihr veröffentlicht. Gert Strohmeier ist Prof für Politikwissenschaft in Chemnitz, und der Aufsatz erschien in der Zeitschrift “Aus Politik und Zeitgeschichte”. Für den Inhalt – den fand ich auch eher unterhaltsam als wissenschaftlich – ist die BPB in keiner Weise verantwortlich!

  30. Benjamin sagte am 10. October 2010 um 08:25 Uhr:

    Ein großes LOL für diesen Artikel.

    Stimmt aber total, rückblickend waren die TKKG-Geschichten wirklich tendenziös, aber auch auf eine dumme Art und Weise lustig; so wie etwa Götz Wiedenroth-Karikaturen 🙂

  31. blacklebowski sagte am 5. November 2012 um 14:32 Uhr:

    Ich fand schon als Kind die Folge “Das Paket mit dem Totenkopf” sehr bedenklich…da verhaut Tarzan einen Junkie und verhöhnt das arme Schwein noch dazu.

    Schlimm für mich war, dass mich ich als Sohn eines Afroamerikaners und einer Deutschen sehr mit dem Bild von Tarzan auf den Kassetten und Büchern identifiziert habe…sogar in der Schule sagte jeder : Du siehst aus wie Tarzan von TKKG…dann kam die Fernsehserie und Fabian Harloff (blond, blauäugig) spielt Tarzan…bis dahin dachte ich, dass irgendwann erklärt wird dass Tarzan auch einen schwarzen Papa hat wie ich…echt schaut Euch die Bilder mal an…Tarzan/Tim sieht absolut nicht deutsch aus….

  32. Sebastian sagte am 6. November 2012 um 00:28 Uhr:

    Da hast Du recht… Das finde ich tatsächlich sehr interessant. Mit Fabian Harloff möchte man sich aber auch wirklich nicht identifizieren.

  33. Greifenklaue sagte am 24. June 2013 um 10:47 Uhr:

    Ja, TKKG, herrlich. Ich höre die immer mal wieder gern, gerate aber schnell in Schnappatmung vor Lachen. Daher, nicht abends hören …

    Neben den drei Fragezeichen lohnt sich in jede Fall noch Funk-Füchse und natürlich Point Whitmark.

    Und, wenn man rollenspielinteressiert ist, 1W6 Freunde, die Rollenspielumsetzung insbesondere von TKKG (und 5 Freunde).

  34. Greifenklaue sagte am 24. June 2013 um 10:48 Uhr:

    PS.: Ganz großartig im Kontext des Artikels: 5 Geschwister. Das war quasi christliche Missionierung in Kinderhörspielform, aber mit tollen Geschichten …

Und was meinst Du?

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