“The Secret” und manischer Optimismus sind scheiße

Frank, 5. November 2009

Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag
(Symbolbild gefunden bei eBay)

Wer sich durch positives Denken so sehr die Wahrnehmung schöntünchen lässt, dass er sich an jedem ihm widerfahrenden Schrott die Schuld gibt, ist gehirnamputiert. Und leider betrifft das sehr viele. Am derbsten haben wohl diejenigen einen an der Marmel, die sich einen Tünnef wie “The Secret” antun. Da heißt es nämlich, man könne jeden Wunsch erfüllt bekommen, indem man es im Geiste fokussiert (“visualisiert”) und vom Universum wünscht. Zum Beispiel den Traumpartner! Andersrum genauso: Wenn man den Blick von etwas abwendet, betrifft einen das gar nicht. Zum Beispiel die Überbevölkerung! Wenn man die nämlich bekämpft – wie auch immer – dann gibt’s die noch und hat einen Einfluss auf das eigene gemütliche Einfamilienreihenhausmitcarportleben. Ja, das ist wirr.

Einen schönen Einblick, welche Qual positives Denken im Mutterland des positiven Denkens darstellen muss, wenngleich man sich auch hierzulande beste Mühe gibt, in die Kakophonie der Seelenwellness (pur!) einzustimmen, gibt dieser Vortrag von Barbara Ehrenreich, gefunden bei thiswasteland. Stell dir vor, du hast Brustkrebs und alle um dich herum wollen dich zum Lächeln bringen, indem sie dir rosa Bändchen anheften und dir Malstifte schenken. Argh!

 

2 Kommentare

  1. Cuba Libre Jr. sagte am 6. November 2009 um 09:12 Uhr:

    Frau Ehrenreich war vor einer Weile auch in der Daily Show zu Gast, ihre Gedanken waren sehr einleuchtend.
    Was Du da schon wieder für eine Subkultur ausgegraben hast…

  2. Michael sagte am 6. November 2009 um 09:26 Uhr:

    Ist das linke Bild mit den Sofas und dem Spruch geil. Diese intensive Beziehung zwischen Text und Bild. Man könnte von der Ur-Relation reden. Sie ist, bei gegebenem Individuum, die allzeit richtige Antwort auf die Frage “Was habe ich eigentlich mit dem am Hut, was ich da gerade denke/mache?”

Und was meinst Du?

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