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Bad things not always have a cause. Sometimes they’re just… Happening

Frank, 18. June 2008

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Gestern Abend haben wir acht Euro verbrannt. Das sind sechzehn Mark!!1! Was war geschehen? S. und ich haben es gewagt und sind in den neuen Film von M. Night Shyalaman (Shymalan? Shylanam? Who cares…) gegangen: The Happening. Im Prinzip war das 28 Days Later ohne alles, was den Film gut machte. Wir ahnten ja im Ansatz, was da auf uns zukommt, aber dass es so übel werden würde? Handlungsmäßig gibt es eigentlich nicht viel über den Film zu sagen, Kurzfassung: Marky Mark versucht sich und seine Patchwork-Kleinfamilie mit konsequent unlogischen Handlungsweisen vor dem Pollenflug des Todes — ja, hier killen Bäume Menschen, indem sie sie per Nervengift zum kreativen Selbstmord animieren — zu retten. Man rennt also einen Gutteil des Films vor, nun ja, Wind weg, der von wogenden Baumwipfeln illustriert wird. Zum Schluß sind viele tot und der Rest glücklich.

Exemplarische Szenen: Marky Mark ist ein reichlich scheeler und enerviert rumkumpelnder Biolehrer in New York. Lehrerversammlung in der Aula: Alarm! Man nimmt an, dass Terroristen im Central Park einen Nervengasangriff gestartet haben. Es gibt wohl auch sauviele Tote. Was tut man da? Alle Fenster schließen, Ruhe bewahren, große Versammlung in der Aula und abwarten, bis irgendjemand etwas Genaueres weiß? Nein, sebstverständlich nicht. Sämtliche Schüler und Lehrer werden, ab nach Hause mit euch, an die frische Luft geschickt! Marky Mark verabredet sich mit der Familie seines Kumpels, fährt nach Hause, trifft sich mit seiner Ische, findet Zeit noch Sachen zu packen, trifft sich an der Central Station mit der ganzen Baggage, erlebt eine angesichts der Terrorwarnung merkwürdig unpanische Bevölkerung am nicht sonderlich überfüllten Bahnhof und — oh Wunder — es fahren sogar noch Züge!

Der ganze Zug voll New Yorker kommt schließlich in einer gottverlassenen Kleinstadt zum Stehen, die Lokführer wollen nicht mehr weiterfahren. Warum? Nun, man hat den Kontakt nach überallhin verloren. Später hört man zwar, es sei nur die Ostküste betroffen, aber egal. Auch ob das Anhalten in der Pampa eine bessere Alternative ist, egal. In diesem Dörfchen gibt es jedenfalls eine Kneipe, die auf wundersame Weise genug Vorräte hat, um eine komplette Zugladung Leute zu sättigen. Im Etablissememt sieht man Fernsehen. Illustriert durch äußerst bedrohlich wirkende gelbe Punkte auf einer Karte (wirkt anscheinend anschaulicher als Livereportagen), wird gesagt dass die gesamte nördliche Ostküste gerade abnippelt. Alle geraten in Panik und fahren plötzlich mit Autos los, um über die Grenze des Gefahrengebiets zu flüchten. WTF: Woher kommen all diese Autos? Warum scheint es keine Probleme mit fehlenden Zündschüsseln zu geben? Egal. Marky Marks Kumpel gibt ihm seine achtjährige Tochter, weil er nach seiner Frau suchen will, die, nun ja, irgendwo ist. Hier geschieht meine Lieblingsszene des Films. Man sieht, wie ein Auto anhält. Marky Marks Frau: “Oh, da hält ein Auto hält an!”

The Happening
(“Fuck, da liegen tote Menschen. Wir können nicht weiterfahren” — Die hier gezeigten Gesichtsausdrücke variieren während des Films nur geringfügig)

Später flüchtet man, wie bereits erwähnt, vor dem Wind. Wir haben eine Großgruppe und eine Kleingruppe (zu der neben unseren drei Helden zwei nicht gerade traumatisiert wirkende Teenager gehören). Die Großgruppe befindet sich am Fuße des Hügels, die Kleingruppe obendrauf. Wer nippelt ab? Die Großgruppe natürlich! Denn der Wind weht selbstverständlich untenrum viel doller und macht dazu noch irgendwie gemeinsame Sache mit dem toxischen Nervengas, indem sie zusammen bevorzugt die größeren Menschenzusammenrottungen angreifen. Weil ist ja klar, mehr Menschen = größeres Gefahrenpotential für die Bäume, nicht wahr?

Muss ich mehr sagen? Nein, muss ich nicht. Dieser Film hat ein völlig missratenes Drehbruch und ausschließlich Hauptdarsteller, die agieren als hätten sie einen Baseballschläger im Arsch. Da herrscht kein bißchen Atmosphäre, stattdessen nur Logiklücken gewaltigen Ausmaßes, die durch ein paar Handlungsfragmente zusammengehalten werden. Sämtliche in “The Happening” vorhandenen Ansätze, die auch nur ein bisschen psychologisch interessant sein könnten (Warum mag Marky Marks Freund Marky Marks Ische nicht? Was passiert mit der Frau von Marky Marks Freund? Wie panikt die Bevölkerung? Warum will Marky Marks Ische Marky Mark nicht erzählen, dass sie mit Joey Tiramisu (!!!) essen war? Was haben die zwei für Eheprobleme? Warum ist die Eremiten-Omma so durch?) werden im Laufe des Films zugunsten schnarchiger Klischees fallengelassen. Schnitt und Kamera sind grottenschlecht, man erträgt die ständigen Gesichtstotalen irgendwann einfach nicht mehr und wenn man die Dialoge als hölzern bezeichnen will, muss man der Metapher eher Pressspan denn Kiefernholz zugrunde legen. Nicht mal einen Clou, eine geniale Wendung, wie man ihn eigentlich von diesem Scriptschreiber und Regisseur erwartet, bekommt man geliefert: Der Grund der Misere wird einem bereits nach einem Drittel des Films geliefert, wenn man ihn bis dahin auf Grund der zahlreich vorhanden Hinweise nicht längst selbst erraten hat, und bleibt auch die Erklärung wenn schon der Abspann läuft. Wie gesagt: Pollenflug. Weitere Lächerlichkeiten attestiert das Magazin “The New Republic” in einem sehr amüsanten Review [via Nerdcore auf Twitter].

Für mich ist “The Happening” klarer Anwärter auf die “Goldene Himbeere”. Unfassbar, dass M Night Sowieso dafür 10 Millionen Dollar erhalten haben soll. Gebt mir einen Park, drei Leute und eine Kamera, dann dreh ich euch bis Ende der Woche einen zweiten Teil.