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pantoffelpunk, 2. October 2007

Horst Schlämmers angeblich lustiger Running-Gag “Ich hab ja Rücken!” funktionierte schon vor 15 Jahren bei den weitaus witzigeren Figuren “Frieda und Anneliese” aus dem “Frühstyxradio” von Radio FFN, einer recht amüsanten Comedy-Sendung, bei der unter anderem Oliver Kalkofe unter der Knute seines Ziehvaters Dietmar Wischmeyer den Hörer mit allerlei Unsinn erfreute. “Ich hab ja auch Kreislauf!” stöhnte eine der beiden Damen jammernd zwischen Sahnekirschtorten und Kaffee, Klatsch und Tratsch sowie den genauesten Schilderungen der Krankheiten des gesamten Bekannten- und Verwandtenkreises. “Ich hab ja auch Kreislauf.” Ich fand das lustig. “Ich hab ja Rücken.” ist aufgrund des Alters dieses Witzes für mich persönlich dadurch ungleich unlustiger, es ist, bei Licht betrachtet, nicht einmal ein Schmunzler, es bringt mich aber auch nicht zur Weißglut.

Das sieht ganz anders aus bei einer anderen ähnlich gelagerten sprachlichen Unsitte, die sich einem Virus gleich durch die gesamte Republik vorgearbeitet hat und keine Grenzen akzeptiert – er nimmt keine Rücksicht auf gesellschaftlichen Status, auf politische Orientierung, nicht auf Alter oder Herkunft der Menschen. Gnadenlos frisst er sich in die Hirne des Wirtes und fällt wie die roten Khmer in das Sprachzentrum ein. Er nistet sich dort in einer kleinen Nische ein und wartet auf “seinen Auftritt”. Bis dahin fällt es kaum jemandem auf, dass auch er befallen ist, denn der Wirkungskreis des Virus’ ist nicht groß. Es gibt infizierte Menschen, die können rhetorisch perfekte Reden elaborierten Sprachcodes vor studiertem Publikum halten, ohne dass das Symptom zum Tragen kommt. Menschen schreiben Romane oder wissenschaftliche Dissertationen – dass sie befallen sind von diesem ekelhaften Virus, niemand merkt es.

Magendarm

Aber wehe, einer von ihnen oder aus deren Familie kotzt, lässt dünn unter sich oder kombiniert wahlweise beides. Dann zeigt der Dämon seine hässliche Fratze, kommt die widerliche Krankheit zum Ausbruch, die sprachliche Pest, die rhetorische Cholera, dann rette sich, wer kann. Vermeide konsequent das Gespräch mit diesen Menschen, stecke Dir etwas in die Ohren, über die der zerstörungswütige Virus sonst seinen rücksichtslosen Weg auch in Dein Hirn findet und die kleine Nische des Sprachzentrums befällt, dort wütet, Gehirnmasse zu einem stinkenden Brei zersetzt, laufe am Besten weg und halte Dich fern, bis diese Menschen mindestens 3 Wochen wieder gesund sind. Mindestens. Die Kotzeritis sollte mindestens 3 Wochen zurückliegen, damit Du nicht Gefahr läufst, dass sie Dir doch noch davon erzählen. Dass sie davon erzählen, dass sie und ihre Kinder “Magen Darm” hatten.

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich jemanden sagen höre, er sie es hätte “Magen Darm”, dann kriege ich Kreislauf.