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Studie entfacht Streit um Witzpopulismus

Sebastian, 30. June 2008

Berlin / Köln. Die Reaktion der Netzgemeinde auf die aktuelle Urlaubsvertretung des führenden Internet-Tagebuchschreibers Stefan Niggemeier ist weiterhin gespalten. “Das sind einfach Witze, die man immer wieder gerne hört!”, jubelt ein Fan. “Niggemeier ist immer so ernst”, stimmt seine Freundin zu, “und diese Hyperlinks konnte ich noch nie leiden. Jetzt gibt’s endlich mal den puren Spaß aus groben Kellen. Toll!”

scary clowns
Bild: trishylicious (cc)

Doch das Lob ist nicht einhellig – Niggemeier-Vertreter Markus Barth ruft auch Kritiker auf den Plan. “Der reinste Witzpopulismus!”, wettert ein “Blogger”, wie die Internet-Tagebuchschreiber sich selbst nennen, aus dem Umfeld des umstrittenen “Craplog”. Er hält die jüngsten Äußerungen des Gastbloggers für “unverantwortlich”; dieser spiele “mit dem Feuer” und habe es sich letztlich selbst zuzuschreiben, wenn immer mehr junge Menschen ihren Glauben an die subversive Kraft des Humors verlören und Rattenfängern wie Bernd Stelter in die Hände fielen.

Die Kritik war erneut aufgeflammt, nachdem vor wenigen Tagen eine Studie bekannt geworden war, in der schwere Vorwürfe gegen die Witze Barths erhoben werden. Dessen Themen Kurt Beck ist unbeliebt, das iPhone lebt vom Hype, Rosamunde Pilcher ist öde, Politiker sind bekloppt, Spam nervt, Männer: Fußball, Frauen: Sex and the City, Fußballerslang, Benzinpreise: Jammern auf hohem Niveau, Microsoft ist scheiße, Apple aber auch sowie Al Gores Klimafilm ist reißerisch seien “so ausgelutscht, wie ein Thema nur ausgelutscht sein” könne, verrieten eine “Witzphilosophie der erstbesten Idee”, bedienten “den kleinsten gemeinsamen Nenner der humoristisch zu kurz Gekommenen” und zeigten die Notwendigkeit, “erneut die Möglichkeit zu prüfen, bestimmte Witze in Sonderfällen vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen”, heißt es darin.

Fans finden diese Kritik naturgemäß überzogen, die Forderung nach einer geheimdienstlichen Überwachung absurd. Einer gewissen Wehmut allerdings können auch sie sich nicht erwehren, vor allem im Hinblick auf die frühen Welterfolge des Komiker-Urgesteins Barth, darunter die Klassiker “Der Zeugendienst der Gemeinde in der Welt”, “Aus den Psalmen leben – Das gemeinsame Gebet von Kirche und Synagoge neu erschlossen” und “Solidarität mit den Sündern – Wesen und Auftrag der Gemeinde nach dem Epheserbrief”. So gibt mancher treuer “Newsblog”-Leser auf Nachfrage unter vorgehaltener Hand zu: “Klar, die alten Nummern waren spritziger”. Aber das sei ja oft so.