Standesdünkelzentralpostillenbashing
Ein Grund dafür, warum ich die FAZ – trotz einiger guter Artikel – verachte, ist der intellektuell-abgehobene Nimbus, der das Blatt umgibt und auch umgeben soll. Den finde ich kaum erträglich.
Ein paar Zielgruppen-Klischees? Gerne. Es fängt beim Format an: 371 × 528 Millimeter darf man schon fast als separatistische Tendenz bezeichnen. Ein mit Rührei gefüllter Mund wird beim Frühstück niemals “Schatz, reichst Du mir mal bitte den FAZ-Sportteil?” hauchen, sie ist einfach zu großformatig um bei Tisch gelesen zu werden (wobei, die “Bild” ist noch größer – aber die hat auch eine höhere Schriftgröße und weniger Schachtelsätze). Im öffentlichen Raum sieht man das Blatt deswegen meist zusammengefaltet anzugstoffgefilterten Achselhöhlenmief atmen. Nein, die Frankfurter Allgemeine wird entweder vorgezeigt oder in schweren Ledermöbeln “genossen”, am besten mit Pfeife im Mundwinkel. FAZ-Leser sind über fünfzig, männlich, beruflich erfolgreich und fahren BMW oder Mercedes. Sie glauben an die Gesetze der Ökonomie und die Faulheit der anderen. Sie sind stets hart gegen sich selbst, allein schon indem sie das vollkommen unbunte und gediegen-steife Layout ertragen. Die dezente, aber prägnante Werbung spricht sie deswegen an, weil sie genau auf das Selbstbild der intellektuellen Elite abzielt: “Gehen Sie in Meinungsführung”, “Kopfstütze”. Alles klar, ihr mich auch.
Über Frank Schirrmacher reden wir gar nicht erst. Das kann die taz besser.
Dass das Feuilleton als links und/oder progressiv gilt – meinetwegen, mir egal. Solange, die Nase hart am Wind, für Bücher mit vollkommen abgehobenen FAZ-Zitaten wie diesem geworben wird, die keinen Zweifel zulassen, wer die Mehrzahl sein soll und wer die Minderheit:

Spiegel-Leser wissen mehr, FAZ-Leser wissen alles. Und zwar besser. Eklig.

