Rolltreppen

Frank, 20. December 2006

Meistens geht die unmotorisierte Treppe schneller. ‘S liegt in der Natur der Sache: In touristischen Einzugsgebieten offenbart sich häufig die Inkompatibilität des Touristen-an-sich mit dem urbanen Leben eindrucksvoll, indem auf einer Rolltreppe gestanden wird.


Argh: Menschen auf einer Rolltreppe
[Foto: herrtobe (cc)]

Im gleißenden Licht der Lebens-, aber auch der Rolltreppenmitte in das Obergeschoss S-Bahnsteig am Alexanderplatz fährt er oder sie aufwärts, bepackt mit La Fayette- und KaDeWe-Tüten und scheint es zu genießen, das die Sonne in prachtvoller Langsamkeit immer mehr Partien seines Oberkörpers erhellt und Fragen nach der Relativität von Bewegung ihren/seinen Geist stroboskopartig durchzucken, während ich innerlich, wenige Zentimeter hinter bewusster Person, Go fuck yourself fluche.

Artig darum bittend, vorbei gelassen zu werden, ist mir schon im Ansatz klar, dass es zwecklos ist. Dass die blockierende Person sich erst einmal umdrehen wird und mir mit latent dümmlichem, fragendem Blick etwas Irrelevantes mitteilen will, dass entweder Shoppingabsicht, Herkunft oder “Müsst ihr Städter immer so hektisch sein?” sein könnte, ehe sie mich vorbeilässt, ich aber sowieso keine Chance habe die Bahn zu erwischen, die mich als letzte hätte pünktlich zum Uniseminar befördern können, weil in dem Moment in dem ich den Bahnsteig erreiche – die Tür schließt.

Diese Situation ist weder Einzelfall, noch gibt es für sie keine Steigerungen: Schlimm wird’s bei Paaren, die halten Händchen. Oder Schulklassen, die blöken, blockieren und riechen schlecht.

Links gehen, rechts stehen ist eine alte Weisheit, die uns Marie von Ebner-Eschenbach oder irgendjemand anders hinterließ. Eine Regel, die zwar schlecht ist für die Rolltreppe wegen der ungleichmäßigen Gewichtsbelastung des Geräts, gut hingegen für das Nervenkostum der Mitmenschen, vor allem der “Ureinwohner”. Wegen der viel beschworenen Eigenverantwortung aber, wie gesagt, sollte man – wenn in Eile – am besten gleich die “normale” Treppe nehmen. Wenn es denn eine gibt! Die nagenden Fragen jedoch verbleiben unverzagt: Könnt ihr euch nicht vorstellen, dass es in Berlin Menschen gibt, die keinen Urlaub machen, die Ziele im wörtlichen Sinn haben? Ja, gibt’s denn nicht wenigstens ein paar Rolltreppen als Anschauungs- und Lernobjekt bei euch? Oder anders: Hat Baden-Würtemberg keine Einkaufszentren?

4 Kommentare

  1. ovit sagte am 20. December 2006 um 17:39 Uhr:

    ja genau. sehr richtig. könnte ich völlig bei ausflippen. in wien sind an jeder rolltreppe schilder und rechts stehen alle menschen und links gehen alle menschen und es ist ein segen für die eigenen nerven. in berlin scheint ein ganzer schwung menschen schlichtweg zu blöd für sowas zu sein. und manchmal bleibt eine ganze kohorte wegen einem touristen hängen und der ist dann noch blöd genug, diesen umstand nicht zu bemerken. so schwer kann es doch nicht sein.

  2. oasisUK sagte am 27. January 2007 um 18:32 Uhr:

    Informations-Flash: Als ich letzten Herbst meine Freundin und Gattin in spe im schönen Baden Württemberg besuchte, machten wir einen Ausflug nach Pforzheim, und dort befindet sich -auf Tafeln an diversen Eingängen auffällig promotet- das “schönste Shopping Center Europas”. Es gibt dort auch Rolltreppen… ūüėČ

  3. maloXP sagte am 27. January 2007 um 21:14 Uhr:

    Das kann nicht sein. Das schönste Shopping Center Europa’s steht hier in Berlin: Das Ring-Center. Pomp und Luxus übertreffen in diesem zweigeteilten Prachtbau sogar das “Biesdorf Center” und die “Schönhauser Allee Arcaden”.

    Ne mal ehrlich, die sehen doch alle gleich aus.

  4. karsten sagte am 14. January 2008 um 05:03 Uhr:

    finde ich auch

Und was meinst Du?

Bitte beachten: Kommentare sind uns sehr willkommen. Die Redaktion behält sich jedoch vor, Redebeiträge von Spinnern, Spammern und anderen Idioten zu löschen bzw. sinnentstellend zu verfremden. Kommentare müssen unter Umständen erst freigeschaltet werden, das dauert manchmal seine Zeit. Hab Geduld.