Penetranz vs. Filmvergnügen

Lieber Kunde,
es ist doch gar nicht so schwer zu verstehen. Schau mal: Ich kann dir keine Mitgliedskarte ausstellen, wenn kein Vertrag von dir da ist. Und ich kann mit dir keinen Vertrag machen, wenn Du dich nicht ausweisen kannst. Da ist mir egal, was mein Kollege gestern gesagt haben mag und da kannst Du mich belatschen so lange Du willst — es geht einfach nicht.
Wenn deine sinnlosen Überredungsversuche dann aber noch minutenlang mit mantraartiger Wiederholung des Null-Arguments “Ich wohn gleich um die Ecke” in den nach einem eh schon beschissenen Arbeitstag wohlverdienten Feierabend hinein angereichert werden — dann, mein Lieber, ist es bei aller Liebe zum Kunden absolut kein Wunder, wenn ich irgendwann gepflegt in die Luft gehe.
Herzlichst,
deine Ausleihschlampe freundliche Servicekraft aus der Videothek
[Dieser Beitrag hängt irgendwie zusammen mit Wenn Kunden zu sehr nerven und Prosa wie sie sein soll: Auf der Arbeit]

Solange Du dieses gepflegte in die Luft gehen niederschreibst bin ich so egoistisch und freue mich drauf. Ein weiterer Tropfen für’s Fass: “Ich habe vergessen, die DVD zurückzuspulen.”
Wirst lachen, der Spruch kommt tatsächlich hin und wieder. Ich versuch mir dann immer ein Lächeln abzuquälen.
Dieser Film gibt den Alltag einer Ausleihschlampe übrigens recht gut wieder.