Offener Brief an die Frau hinter mir in der Kassenschlange

Frank, 2. May 2010

kasse

Du blöde Kuh,

ich kann dir versichern, dass du auch drankommst. Es geht nicht schneller dadurch, dass du näher an die Kassiererin heranrückst – dazwischen stehen immer noch ich und zwei andere Kunden. Dass du mir so sehr auf die Pelle rückst, dass wir permanenten Körperkontakt haben, würde ich ja vielleicht noch gutheißen, wenn du eine attraktive Mittzwanzigerin wärst, jedoch bist du eine 50-jährige blöde Kuh mit strengem Körpergeruch.

Weißt du, du blöde Kuh, andere Leute haben zumindest noch einen Einkaufswagen, den sie mir in den Rücken rammen, du jedoch trägst deine Flasche Korn und dein Toastbrot in der Hand, wie Trophäen auf Brusthöhe an den schwabbeligen Körper gepresst. Ein bisschen Abstand ist also wirklich möglich und entspräche zudem den impliziten Normen unserer Gesellschaft. Du blöde Kuh aber betaschst mich, die ganze Zeit, obwohl du beim Vorrücken der gesamten Schlange einfach mal stehenbleiben könntest, während ich mich einen halben Meter nach vorn bewege. Das tust du aber nicht, stattdessen scheinst du dich immer ein paar Zentimeter mehr nach vorne zu bewegen als ich, und das finde ich ungehörig. Das Toastbrot verwelkt übrigens gerade, weil es die Aussicht nicht erträgt, von dir verspeist zu werden.

Wie du siehst, trage ich einen Rucksack. Wenn du so nahe hinter mir stehst, kann ich den Rucksack nicht abnehmen, ohne ihn dir ins Gesicht zu ballern. Leider muss ich ihn abnehmen, um an meinen Geldbeutel zu kommen. Wenn du also jetzt, in diesem Moment, die Gefahr für dein morsches Restgebiss minimieren willst, nimmst du Abstand. Und zwar 100 Meter, mindestens!

Dein Frank

 

Bild: evilregime (cc)

7 Kommentare

  1. Cuba Libre Jr. sagte am 2. May 2010 um 11:56 Uhr:

    Hier ist ja richtig High Life im Craplog. Aber Supermarktcontent geht immer. Ich habe beobachtet, dass sich schon beim Betreten des Marktes ein Spezi herauskristallisiert, der einen dann den ganzen Einkaufsvorgang hinweg terrorisieren wird, weil er den Wagen immer genau vor einen querstellt.

  2. Simon sagte am 2. May 2010 um 13:55 Uhr:

    Auch gerne gesehen: Der ältere Herr im elektrischen Rollstuhl, der nicht nur in bester Mario-Kart-Manier durch die Gänge rast, sondern auch die Schlange an der Pfandflaschenabgabe anblökt, dass er jetzt “endlich” mal “dran” sei.

  3. nik sagte am 2. May 2010 um 19:41 Uhr:

    Im Zweifel der blöden Kuh einfach mal auf den Fuß latschen… Nur in ganz seltenen Fällen wird das als Annäherungsversuch gewertet werden. Im Normalfall herrscht danach Abstand.

  4. Benjamin sagte am 3. May 2010 um 22:27 Uhr:

    Warum so höflich?

    Lass es raus!

  5. Svenja-and-the-City sagte am 12. May 2010 um 15:01 Uhr:

    Danke für diesen Beitrag. Endlich normale Menschen! Aber ich weiß, wie man sich an den Biestern rächen kann und letztens hab ich es endlich mal getan:
    mysvenja.blogspot.co...opper-from-hell.html

    Toller Blog, dich lese ich jetzt regelmäßig.
    Viele Grüße aus Kiel,
    Svenja

  6. ul sagte am 15. May 2010 um 22:15 Uhr:

    Neulich, in einer Stadt in der die Alterspyramide schon die bedrohliche Spitze unten Ausrichtung hat, schob mir eine von oben nicht nur den Wagen in die Hacken, nein, gleich darauf sich selbst mit Wagen an mir vorbei.
    Mein Kommentar :”Gehen Sie nur, es ist ja kaum noch Zeit !” blieb ungehört oder ignoriert. Bleibt die Frage: Hörgerät defekt oder doch irgendwie clever ?

  7. Bätschman sagte am 3. July 2010 um 12:35 Uhr:

    Solche Geschichte kennt jeder. Manchmal könnte man schon glauben wird leben noch in einem Ostblockland. Als ob es nicht genug Nahrung für alle gäbe.
    Auch schön sind die Leute, die vor Weihnachten oder Ostern an der Wurst- und Fleischtheke Angst habe nicht dran zu kommen um dann vor ausverkauften Regalen zu stehen. Als ob an den Feiertagen nicht 25 Schweinehälften extra im Kühllager sind.
    Ganz zu schweigen von „Parklpatzkämpfen“ vor dem Supermarkt.

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