No matter what I do, I do it just for you

Frank, 22. January 2007

klaws

Castingshows sind nicht deswegen blöd, weil sie Müll sind. Der Großteil aktueller Fernsehunterhaltung ist das.

Castingshows sind blöd, weil man sich immer mal wieder dann doch verschämt dabei erwischt, sabbertriefend und vakuösen Hirnes “mitzufiebern”, wenn sich ein paar arme Tropfe von minderbemittelten Nord- oder Ostdeutschen dauer-ankacken lassen, weil sie sich zu wenig aufopfern für den Fast-Food-Popkultur-Endsieg, der bloß aus weiterer Selbstaufopferung, Prostitution und andauerndem Kampf gegen die Selbsterkenntnis der eigenen Bedeutungslosigkeit besteht. Mir ging’s zuletzt in der Pizzeria so, dass ich den Blick nicht abwenden konnte. Drei runde Fladen zu belegen, zu backen und einzupacken dauert schon so seine Zeit. Im TV lief RTL, eine Tanzshow. Ein schwuler Schwarzer wird in einem Intro als “Alessandro – Der Schweigsame” o.Ä. charakterisiert. Anschließend hüpft dieser mit überzeichnenden Gesten (die dort wohl verlangt werden) zu irgendwelchen beliebigen Tönen auf einer Turnmatte herum. Nach einer Minute fragt die Moderatorin, blond, Perlweißgrinsen, den Atomlesen Atemlosen, wie’s denn so war. Nichsozufrieden, Publikum spitze, danke an meinen Freund… Der nächste bitte! Pizza fertig.

Weißt Du was? Manchmal schau ich sowas gerne.

Warum sollte man leugnen, dass man das tut, “wenn’s halt grad kommt”? Ein kleiner sensationsgeiler Voyeur steckt doch in uns allen. Man muss die Schwachmaten da ja nicht mögen. Popstars, DSDS und alle Klonformate taugen 2007 genauso wenig, den Niedergang von Kultur und Jugend zu konstatieren wie z.B. Klingeltöne. Es gibt das einfach, ein Unterschichtsphänomen, das Alltagskultur geworden ist, so what? Wesentlich anstrengender als blechernes Rapgedudel oder bleiernes Popgefistel sind die, die sich als Gralshüter des guten Geschmacks aufspielen (während sie in anderen Kontexten Ironie und die topmoderne Koketterie mit Trashkultur zum Stil erheben). Wer sich dessen schämt, Bohlen zu gucken, dem D! beim Quengeln zuzuhören, Leuten beim Rumhampeln und Schlittschuhlaufen zuzusehen – sollte besser schweigen, anstatt in despektierlicher Ironie über andere zu urteilen, die dazu stehen. Was nicht heißen soll, dass dort nicht ausnahmslos Dreck produziert würde. Nur ist es eben unterhaltsamer Dreck, wenn man gerade für Dreck empfänglich ist.

Nebenbei: Das Erzeugnis von Castingshows sind Perversionen der Popmusik. Wenn das dort vermittelte Stilbild aber noch weiter verzerrt wird – so etwa wie wenn man Brei immer und immer wieder püriert – dann kommt so etwas heraus wie das, was Mr. Batz da fand: Ein Kobold mit “Superstar”-Frisurpracht namens Declan Galbraith trällert das Nationalheiligtum “An Angel” von der Kelly Family (Remember Angelo?), stilistisch ein brünftiger Lemming, der zuviel gekokst hat (Man beachte den Gesichtsausdruck!), in Flori Silbereisens neuer Stadlstation “Am laufenden Band”. Sieh selbst, geht das noch schlimmer? Ich habe es mir bis zum Schluß angesehen.

(Bild und Titel dieses Beitrags entstammen dem furchtbaren “Behind the Sun” von Alexander Klaws)

1 Kommentar

  1. Simon sagte am 27. January 2007 um 17:00 Uhr:

    Aber was wollen die eigentlich? Ich versteh’s nicht. Zu den Castings strömen sie immer noch zu Tausenden hin – und was bekommen sie? Eine Karriere als Musiker(in) jedenfalls nicht. Im besten Fall (na ja…) ein Fünfminutenruhm bei RTL und BILD. Dann wird man selbst zu einem längst vergessenen Negativbeispiel aus vergangenen Shows / Jahren und
    hat Angst, ein Kandidat für die stern-Rubrik “Was macht eigentlich…?” zu werden. Traurig.

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