Malte und das StudiVZ

ovit, 20. June 2007

Zum Thema StudiVZ wurde alles gesagt. Auf der Blogbar, auf Spreeblick und auf allen anderen Blogs, die sich an die großen Themen anhängen. Doch jetzt ist das StudiVZ die meistgeklickte Seite im Internet. Das geht so nicht, dachte sich Malte von Spreeblick und wärmt das Thema mal wieder auf.

Zuerst brauchen wir den Beweis, dass Studenten dumm sind. Der ist natürlich einfach. Da Blogs ja ausschließlich hochgebildete Menschen ansprechen – die Macher sind alle Teil der Bildungselite – müssen eben die Massenmedien herhalten:

Aber auch Spiegel Online und das ZDF berichteten und listeten die Recherche-Ergebnisse der Blogs auf. Es lief also aus Bloggersicht ganz wunderbar. Deutschlands Studenten lesen jedoch nicht nur keine Blogs, auch das größte Online-Magazin schreit in einen abgeholzten Wald hinein.

Die Motivation der Studenten ist auch leicht gefunden.

Sie wollen Kontakte vortäuschen wie die Erwachsenen bei Xing.

Und um das ganze auch mal mit Erfahrungen aus der eigenen erlebten Welt zu unterlegen, kommt die Freundin einer Freundin ins Spiel, die sich scheinbar gerne und aktiv und wohl auch mit einem gesunden Sendungsbewusstsein auf StudiVZ austobt.

Diese Freundin braucht also vermutlich keine aufklärerischen Artikel, sie braucht einen Psychologen. Besser: Eine Gehirnwäsche. Noch besser. Eine Gehirnhochglanzpolitur.

Verwerflich, wenn jemand Fotos von sich ins Internet stellt. Mit brauner Haut und weißen Zähnchen. Dagegen scheint es aber völlig in Ordnung, wenn man per Blog erstmal eine Diagnose stellt. Ich würde wenig Vergnügen empfinden, würde jemand über eine Ecke von mir behaupten, dass ich mal einen Psychotherapeuten aufsuchen sollte. Aber für Malte geht das in Ordnung. Ist ja schließlich auch nichts bei. (Vielleicht ist diese Freundin auch nur ein Produkt der Phantasie, damit sich so ein Eintrag auch ein bisschen ausschmückt…)

Girls with low Self-Esteem und Boys mit Kontaktneurodermitis, ist das die deutsche Studentenschaft?
Scheint so.

Ja. In deiner Welt schon.

Männer mit überzogenem Ego, die glauben, alles besser zu wissen, sieht so der deutsche Blogger aus? Scheint so.
Ausländer werden übrigens im StudiVZ und der deutschsprachigen Blogosphäre auch nicht zugelassen.

Anschließend stellt Björn Grau in den Kommentaren interessante Fragen:

Ging es nicht eigentlich in Maltes Post um den Einfluss der Blogosphäre als Informationsinstanz auf individuelle Entscheidungen, wie ich mich bezüglich bestimmter Firmen verhalte?

Ja Björn, es kann gerne darum gehen, wie DU dich bezüglich bestimmter Firmen verhalten kannst. Ist ja schließlich eine individuelle Entscheidung aus der wir keine allgemeingültige Handlungsnorm für alle Studenten und Studentinnen ableiten können und sollten. (Studierende sagt man nicht!)

Ging es vielleicht nicht auch um die Frage, warum die angeblich bildungselitäre Blogosphäre so wenig Einfluss hat auf die bei StudiVZ versammelte angebliche Bildungselite?

Laut Malte sind die Studenten zu dumm und brauchen Therapie! Das “angeblich” vor “bildungselitäre Blogosphäre” kann allerdings auch gestrichen werden.

Ging es NEBEN den oben genannten Punkten nicht lediglich zusätzlich um die Frage, warum die Bildungselite bei StudiVZ zu nicht unerheblichen Teilen durch Saufen, Sexismus, Voyeurismus und ähnliche Dummheiten unheimlich sinnentleerte Selbstbespaßung auffält?

Vielleicht bilden die dort registrierten Studenten ein Querschnitt der Realität ab? Und es sind ja auch noch Kinder und Jugendliche (die Erwachsenen sind bei XING!). Sollten die das dann nicht dürfen? Und wer bestimmt die Norm, wie man sich im Internet darzustellen hat? Alle möglichst gleich und anständig. Scheiß auf Diversifität. Jeder wie ein Blogger. Dann wäre unsere Welt moralisch völlig in Ordnung und die Menschheit wäre auch noch hochgebildet.

Habt Ihr schonmal darüber nachgedacht, dass naives Fragen (”Wozu machen wir das hier eigentlich?”) ein rhetorischer Kunstgriff sein kann?

Ja. Kann ein Kunstgriff sein. Der Artikel im allgemeinen scheint ein allumfassender Kunstgriff zu sein. Ins Klo nämlich.

Es wird also pauschalisiert und überspitzt, um die Probleme offen zu legen und da hinein dann mit dem moralischen Finger der fragt: wie können so viele Studenten nur so dumm sein?

Oder aber: wie kann man, wenn man von so vielen Leuten gelesen wird, sich nur solch dummes Zeug erlauben und 1.000.000 Millionen Usern das Vermögen absprechen, ihr eigenes Handeln zu hinterfragen, ohne bei sich selbst anzufangen? Wenigstens ist da aber einer absolut kritikresistent. Denn wer alles besser weiß und kann, muss sich von Studenten nichts erzählen lassen. Bravo.

4 Kommentare

  1. .markus sagte am 20. June 2007 um 22:13 Uhr:

    Nach dem “die große Graslüge” Artikel und jetzt StudiVZ (*gähn*) hab ich aber fast ein bisschen ich Angst, dass Malte hier ein Dauerthema werden könnte.
    Wenn anderen langweilig ist, schauen sie Fernsehen, bei Malte müssen/können es halt dann hunderte lesen…

    Danke, ovit (sonst hätte ich mich hinsetzen müssen)!

  2. Tom sagte am 13. May 2008 um 19:07 Uhr:

    und wieder ein Blog den die Welt nicht braucht!

    Es lebe das Web 2.0 …

  3. Frank sagte am 13. May 2008 um 22:15 Uhr:

    @Tom:

    Vielen Dank, Tom. Dein Kommentar war aber auch überflüssig und ganz schön scheiße. 🙂

    Ein Hoch auf den Web 2.0.

  4. ovit sagte am 13. May 2008 um 23:18 Uhr:

    wenn ich nicht auch so wäre, ich könnte echt in eine tischkante beißen.

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