liebe kameramänner

ovit, 25. October 2007

die ausübung eines berufes ist nicht immer leicht. vor allem dann, wenn menschen nicht so funktionieren, wie man sich es wünscht. das craplog scheut sich nicht, die eigenen medaillen umzudrehen und auch das verhalten der kameraleute zu hinterfragen, die mit ihrer überteuerten technik meinen alles zu dürfen.

seit geraumer zeit fahre ich in berlin mehr regionalbahn als sbahn. sei es eine signalstörung oder eine liegengebliebene sbahn in sichtweite. da man nach feierabend auf solche eskapaden entsprechend viel lust hat, steigt die gude laune auf sven-väth-niveau an. also wechselt ein von menschen überfüllter bahngleis im kollektiv das transportmittel und minuten später reibt man sich schon in einem dieser regionalzüge aneinander. man macht ja alles für ein beheiztes zu hause.

endlich am ostbahnhof angekommen, muss man sich dann auch noch filmen lassen, von einem typen der meint, dass alle menschen, die sich aus dieser bahn raus- und reinquälen ein bedürfnis danach haben, dass dieser monumentale vorgang für die nachwelt festgehalten wird. dieses verhalten erinnert an einen bundesinnenminister, der seine kamera auch immer da hinbaut (hinbauen möchte) wo sich viele menschen gleichzeitig befinden.

da hilft nur eins: in die kamera winken, freunde und bekannte grüßen, dämliche fragen stellen, auf die linse fassen oder ein paar beleidigungen richtung dieses menschen pfeffern. nur so kann wirklich garantiert werden, dass man aus sinnbefreiten einspielern, die aller wahrscheinlichkeit nach im falschen kontext benutzt werden, auch wirklich herausgeschnitten wird.

darf man nun in diesem land gefilmt werden wie man will? was darf der kameramann, was der schäuble nicht darf? ich will nicht in irgendwelchen filmbeiträgen auftauchen ohne das ich meine mimik darauf vorbereiten konnte und überhaupt. was ist denn das bitte für ein scheiß? kein respekt für kameramänner. verderbt den medienleuten den spaß an ihrer arbeit. grinst und winkt und nervt! anders kann man solchen menschen nicht beikommen, die glauben, mit ihrer teuren technik hätten sie einen freifahrtschein um alles und jeden aufzunehmen.

41 Kommentare

  1. oasisUK sagte am 25. October 2007 um 11:18 Uhr:

    “(…) mit ihrer teuren technik hätten sie einen freifahrtschein um alles und jeden aufzunehmen.”

    Das wär schön… Eigenes Equipment… *seufz* 😉

    “darf man nun in diesem land gefilmt werden wie man will?”

    Jein. Im allgemeinen natürlich nicht, und das ist unbestritten eine gute Sache (schließlich -und das ist kein Witz!- habe ich meinen Beruf auch unter anderem deshalb ausgesucht weil ich dann immer sicher hinter der Kamera stehe und somit nicht ins Bild komme…). Wenn Du aber -wie geschildert- aus mit vielen Leuten gleichzeitig aus einer gut gefüllten Bahn aussteigst, dann bist Du rechtlich gesehen nach 23 des Kunsturheberrechtsgesetzes “(…)Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit(…)” oder kurz “journalistisches Beiwerk”.

    Ich kann natürlich nicht für alle Kollegen sprechen, aber bei mir ist es so: wenn mich jemand bittet ein Bild auf dem er drauf ist nicht zu verwenden, dann wird das auch nicht verwendet; eigentlich alle Kollegen die ich kenne halten das so. Die Gefahr sich durch winken “unsichtbar” zu machen und dann aber erst recht im Beitrag aufzutauchen ist da wesentlich höher: Cutter haben manchmal einen recht eigensinnigen Humor… 😉

  2. ovit sagte am 25. October 2007 um 11:21 Uhr:

    das hat mich geärgert, dass ich ihn nicht darum gebeten habe. aber darum geht es hier ja nicht, sondern um blanke wut! 😉

  3. oasisUK sagte am 25. October 2007 um 13:18 Uhr:

    Weiß ich doch, keine Sorge: ich hab nach dem Lesen nicht gleich das Arbeitsamt nach einer Umschulung gefragt! 😉

  4. pantoffelpunk sagte am 25. October 2007 um 16:45 Uhr:

    Genau! Geanu! Genau! Einstmals, ich trug noch (Smart)Glatze und Kapuzi, ging ich interessehalber zu bei einem vom Kieler “Türkisches Volkshaus” initiierten Treffen türkischer Jugendlicher aus Kiel mit Rostocker Naziskins, die beim Volkszündeln in Lichtenhagen dabei waren. Des Abends bekam ich Anrufe von Aktivisten, ob ich denn Pro7-Nachrichten gesehen hätte, weil da wurde ich schön fett eingeblendet, als aus dem Off die Stimme über arbeitslose junge Männer berichtete, die aus Frust Ausländer anzünden würden. Danke Schnitt. Danke Redaktion. Danke Pro7. Danke Kameraleute.

  5. Heiko sagte am 25. October 2007 um 18:39 Uhr:

    “Danke Schnitt. Danke Redaktion. Danke Pro7. Danke Kameraleute.”

    Ist sicher nicht schön, aber ist auch nicht die Schuld des Kameramannes. Soll er denn etwa von den hundert Leuten bei einer Veranstaltung jeden einzeln fragen, ob die Frisur denn nun zur Gesinnung passt oder nicht, und wie die Arbeitssituation des Einzelnen aussieht? Und natürlich vereinfachen Boulevard-Redakteure die Tatsachen, fassen sie in 2:30 zusammen und unterlegen sie mit emotionalen Bildern. Das ließe sich ganz einfach ändern, indem keiner mehr den Boulevard-Schrott anschaut, sondern alle nur noch arte gucken. Glaubt mir, das wäre auch im Sinne eines jeden Kameramannes, denn dann könnten wir alle ausschließlich für arte arbeiten, und müssten uns nicht auf idiotischen Drehs von den Leuten dumm anschnauzen lassen, die eigentlich genau die Zielgruppe der entsprechenden Sendung sind…

  6. lia sagte am 25. October 2007 um 18:48 Uhr:

    Blanke Wut, tatsächlich.
    Da möchte man doch darum bitten, die eigene Visage nicht ganz so wichtig zu nehmen und bitteschön zu akzeptieren, dass sie als Minimalpünktchen im Menschenpulk eventuell zu erkennen sein könnte.
    Mir tut es so leid, dass einige von euch wohl schlechte Erfahrungen mit schlechten Redakteuren gemacht haben. Nicht alle sind so.
    Es gibt Leute, die diesen Beruf ausüben, weil sie mit Leidenschaft dabei sind, und nicht, weil sie aus Mangel an hippen Alternativen “was mit Medien machen”.
    Da ist es natürlich hilfreich, wenn hier zum Kameramann-Mobbing aufgerufen wird.
    Denn – Achtung, Phrasenschwein! – der Kerl macht auch nur seinen Job. Und will vielleicht auch nur ins beheizte Zuhause. Und hat die Nase von Schäuble-Paranoiden Mittzwanzigern gestrichen voll.
    Wer nicht ins Fernsehen will, kann das freundlich sagen, in eine Kleinstadt umziehen oder die Jalousien von innen zumachen und das beheizte Zuhause nicht mehr verlassen.

  7. ovit sagte am 25. October 2007 um 19:31 Uhr:

    die eigenen kommentare auch nicht so wichtig nehmen und bitteschön akzeptieren, dass andere menschen anderer ansicht sind.

  8. lia sagte am 25. October 2007 um 19:35 Uhr:

    Nicht so wichtig, dass man ganze Blogs damit füllen muß?

  9. .markus sagte am 25. October 2007 um 19:41 Uhr:

    Kontextsensitives Leseverständnis, sag ich da mal…

  10. maloXP sagte am 25. October 2007 um 20:27 Uhr:

    Ruhig Blut, alle miteinand’. Also, ein Kameramannbashingblog ist das hier tatsächlich nicht, Micha ist ja auch hier zu Wort gekommen mit konträrer Ansicht. Nähere Infos zu unserem “Projekt” Craplog, sowie den Hinweis darauf, nicht alles bierernst zu nehmen gibt’s auf der About-Seite.

  11. pantoffelpunk sagte am 26. October 2007 um 12:04 Uhr:

    @Heiko: Du meinst also, ich muss damit leben, dass ich in Nahaufnahme mehrere Sekunden als Naziskin gezeigt werde, nur weil ich more sexy bin als die anwesenden Arier? Und wenn ich das nicht will, soll ich mich ausschließlich auf einem Kartoffelacker aufhalten, weil da kommen die hippen Medienmitarbeiter ja nicht hin? Hallo, in welcher Welt lebst Du? Wenn Menschen der Gruppe A rechts sitzen und andere Leute in den Bereichen für die Zuschauer, dann kann ich, wenn ich mich in zweitem aufhalte, doch davon ausgehen, nicht zur Gruppe A gerechnet zu werden. Und wenn die Kameraleute den Redakteuren dann nicht erklären können, was sie da gefilmt haben, dann machen sie halt einen schlechten Job und dann interessiert es mich einen Scheißdreck, ob der doch auch nur in seine beheizte Stube will, um sich dort von Mutti am Sack kratzen zu lassen.

    Ich bin absolut FÜR Kameraleutebashing, sie sind an der Supply-Chain der Entstehung dieses volksverdummenden Fernsehmülls unmittelbar, direkt und mit Einflussmöglichkeiten beteiligt. Und diese verkackte Ausrede, die machten auch nur einen Job, lasse ich nicht gelten. So.

  12. lia sagte am 26. October 2007 um 13:02 Uhr:

    Liebster Pantoffelpunk,
    du schimpfst also über Leute, die “an der Supply-Chain der Entstehung dieses volksverdummenden Fernsehmülls unmittelbar, direkt und mit Einflußmöglichkeiten beteiligt” sind. Gerne. Allerdings möchte ich dich darauf hinweisen, dass du direkt an der Supply-Chain der Entstehung eines Blogs beteiligt bist, der gerne mal den Glauben, die Einstellungen und die Aktionen anderer Menschen in Mißkredit bringt, und zwar unmittelbar, direkt und mit Einflußmöglichkeiten. Da finde ich es ein ganz klein wenig bigott, wenn man auf die ach so fiesen Medien schimpft, weil man sich plötzlich am receiving end wiederfindet.

  13. lia sagte am 26. October 2007 um 13:03 Uhr:

    Allerdings muß ich gestehen, dass dieser Blog das auf sehr unterhaltsame Weise tut. Nur mal so.

  14. .markus sagte am 26. October 2007 um 13:53 Uhr:

    Das schöne an rhetorischen Paradoxien ist ja, dass sie so wunderbar funktionieren und man auch durchaus mal über das Schimpfen schimpfen kann…

    Lia, mal unter uns, wenn die empörten Kommentare hier nicht wären, hätten wir schon längst aufgehört 😉

  15. oasisUK sagte am 26. October 2007 um 13:54 Uhr:

    @pantoffelpunk

    Ich…

    … -wünschte ich wäre “direkt und mit Einflussmöglichkeiten beteiligt”, allerdings bist Du selten mit dem selben Redakteur auf Drehterminen der “diesen volksverdummenden Fernsehmüll” dann im Schnittraum verwurstet, was Deine Einflussmöglichkeiten extrem einschränkt

    … -habe bis jetzt (bedingt durch meine Ausbildung beim Regionalfernsehen) tatsächlich öfter auf Kartoffeläckern mit der Kamera rumgestanden als irgendwo anders

    … -definiere mich selbst nicht als ein dem bekannten Klischee des “hippen Medienmenschen”, der cool ist weil er eine Kamera spazieren trägt und sich keinerlei Gedanken macht darüber was und wie er es abbildet: als Berichterstatter habe ich die Verpflichtung den Leuten die nicht vor Ort waren in Bildern zu zeigen was dort los war. Ich bin kein Redakteur (von denen es eigentlich fast keine mehr gibt, was auch einiges erklärt: ein Praktikant der nur wenige Wochen oder Monate für einen Hungerlohn redaktionelle Arbeiten erledigt, hat in 99% der Fälle leider keinerlei Ahnung von Medienrecht und meistens ebenso wenig nachgedacht über Medienethik im allgemeinen als darüber was er eigentlich für eine Verantwortung trägt (Verantwortung im Sinne von “sticks and stones can break your bones but words can hurt as well”; die meisten Menschen gehen ja davon aus dass etwas stimmt wenn es in der Zeitung steht oder im Fernsehen gesendet wird, deswegen denken ja auch zB die ganzen C-Z Promis dass sie prominent sind…) macht sich erfahrungsgemäß weniger Gedanken darüber ob zB Du jetzt ein Nazi bist oder nicht, einfach weil er total unbedarft ist. Für ihn ist da eine Textstelle für die er vier Sekunden ein Bild braucht, und auf der Kassette ist das Bild mit Dir drauf. Verstehst Du? Das ist keine böse Absicht von dem Typen den Du auf der Straße getroffen hast, oft weiß der nicht einmal wie der Text am Ende aussieht.

    Unabhängig davon gebe ich Dir absolut recht in dem Punkt dass man als mitdenkender Kameramann wissen sollte dass man bei Nazi-Demos keine Nahaufnahmen macht weil im echten Leben die Leute nicht mit Fußballtrikots rumlaufen an denen abzulesen ist zu welchem Verein sie gehören. Ich weiß es. Heiko weiß es. Trotzdem: es läuft selten ein Bericht den einer von uns beiden gedreht hat so wie wir uns das beim Dreh selber gedacht haben, um nochmal auf die Einflußmöglichkeiten einzuhacken…

  16. oasisUK sagte am 26. October 2007 um 14:00 Uhr:

    @markus.

    Wir sind doch nur zwei, und es macht viel mehr Spaß sich über was sinnvolles konstruktiv aufzuregen als über Sara Connor… 😉

  17. pantoffelpunk sagte am 26. October 2007 um 14:08 Uhr:

    Herzallerliebste lia,

    Allerdings möchte ich dich darauf hinweisen, dass du direkt an der Supply-Chain der Entstehung eines Blogs beteiligt bist, der gerne mal den Glauben, die Einstellungen und die Aktionen anderer Menschen in Mißkredit bringt, und zwar unmittelbar, direkt und mit Einflußmöglichkeiten.

    Ja, und das tue ich außerordentlich gern.

    Aber nicht alles, was hinkt, ist auch ein Vergleich: Sag, meinst Du nicht auch, dass die 20:15-News auf Pro7 andere Quoten haben, als es das craplog hat? Und eine andere Zielgruppe? Und einen anderen Anspruch? Und wenn wir schon vergleichen: Hat hier irgendjemand einen Kameramann mit Namen genannt? Ein Foto veröffentlicht? Nein, wir stecken hier alle in einen Sack und hauen mit dem Knüppel drauf! Sosiehddasdochaus!

  18. pantoffelpunk sagte am 26. October 2007 um 14:11 Uhr:

    @oasis: Ich gehe den Schmusekurs nicht mit. Niemals.

  19. oasisUK sagte am 26. October 2007 um 14:15 Uhr:

    Jippi! 😉

  20. pantoffelpunk sagte am 26. October 2007 um 14:21 Uhr:

    Der Feind steht HINTER der Kamera!

  21. ovit sagte am 26. October 2007 um 14:39 Uhr:

    dieses beschwichtigen von malo bringt doch auch nichts. und sarah connor hat eine reichweite wie die prosieben nachrichten. und wie die blogs schon zeigen: die reichweite macht die relevanz aus. ein anderes kriterium für sinnvoll und sinnlos gibt es nicht.
    so. werft steine auf die kameras! (liest das bka hier schon mit?)

  22. lia sagte am 26. October 2007 um 15:03 Uhr:

    @ .markus:
    Manchmal macht es einfach furchtbar Spaß, sich aufzuregen. Was ihr als Craplogger ganz gewiß nachvollziehen könnt.
    @ Pantoffelpunk:
    Geringere Reichweite rechtfertigt nicht unbedingt die von dir mokierte geringe Sorgfaltspflicht. Und dass alle in einen Sack gesteckt werden und dann mit dem Knüppel draufgehauen wird, ist nicht unbedingt ein Argument, das mich von deiner wohlüberdachten Meinung überzeugen könnte.

  23. .markus sagte am 26. October 2007 um 15:24 Uhr:

    @lia: Oh ja!

  24. pantoffelpunk sagte am 26. October 2007 um 16:08 Uhr:

    Sorgfaltspflicht? Nun, im Zusammenspiel mit den anderen Punkten Anspruch und Zielgruppe, ergibt sich für mich aus der Reichweite doch auch so etwas wie eine soziale Verantwortung, nest-ce pas?

    Ganz abgesehen von dem nicht ganz geringen Unterschied der finanziellen Einnahmen für das jeweilige “Publishing”.

    Und jetzt kommst Du mir damit, dass ich in einem Kommentar (nicht mal der Beitrag selbst) auf einem kleinen Blog mit vielleicht 2000 hits am Tag (oder so, k. A.) die selbe Sorgfaltspflicht habe, wie ein millionenschwerer Fernsehsender mit Einschaltquoten bei – auch keine Ahnung – 5 Millionen? Mach Disch doch nicht lächerlich, ma chre!

  25. lia sagte am 26. October 2007 um 17:00 Uhr:

    Pantoffelpunk, mon chouchou,
    schade eigentlich, daß du deinen eigenen Anspruch so geringschätzt.
    Egal ob Blogger, Kameraleute oder Redakteure, es gibt eine große Schublade für alle, und auf der steht in Schnörkelschrift “Medienschaffende”. Mit Medien kann man verschiedenes anstellen. Man kann Satire betreiben, wie der Craplog und – wenn auch anders – die ProSieben-Nachrichten. Man kann Menschen an den medialen Pranger stellen, seien es pädophile Priester oder zündelnde Nazis. Es gibt Leute, die das tun, weil sie Geld dafür bekommen, und es gibt Leute, die das aus Langeweile/Leidenschaft/Geltungsbedürfnis tun. Und jeder, der etwas veröffentlicht, egal in welchem Medium, zu dem mehr Leute Zugang haben als die Omi und die Mami, muß sich seiner sozialen Verantwortung bewußt sein. Meiner Meinung nach – du kannst mich gerne korrigieren – ist die Reichweite dabei völlig irrelevant. Man kann auch mit kleinem Forum eine fatale Revolution starten. Es gibt im Netz unendlich viele Blogger, die das mit sozialer Verantwortung, Medienrecht und Medienethik nicht so wirklich begriffen haben, und es gibt Leute vom Fernsehen, bei denen es genauso ist. Aber es gibt auch die Guten.
    So.

  26. maloXP sagte am 26. October 2007 um 17:00 Uhr:

    Ich habe auch eher den Eindruck, dass mit der Berufsgattung Kameramann hier eine bestimmte Spezies Leute aus dem Sack herausgegriffen und auf sie eingeprügelt wird, an der sich die (ja durchaus verständlichen) Emotionen stauen. In der Betrachtung und Verantwortungszuweisung fällt aber der “Long Tail” weg, also die nicht sichtbaren Leute: unaufmerksame Schnittechniker, Praktikantenschinder, die sich einen Dreck um eine Einführung des Kameramännernachwuchses in Medienrecht scheren, Programmchefs, die Leute, die solche Programme konzipieren, die Feindbildpflege mit echten Gesichtern und O-Ton-Hurerei unterlegt wissen wollen und dabei gewisse sensible Grenzen übertreten. Schlussendlich eine Gesellschaft (bzw. Teile davon), die die TV-typischen Verkürzungen der Realität nicht durch Konsumentzug bestrafen. Ich sag nur Big Brother. Die hier geäußerte Kritik macht sich eben bloß an den sichtbaren Verantwortlichen fest, das aber pauschal. Ich finde das falsch.

    Okay, ich bin befangen. Ich kenne OasisUK jetzt ungefähr acht Jahre und finde ihn definitiv kein Medienarschloch, sondern einen der nettesten Leute die ich kenne. Trotzdem halte ich es für viel zu vereinfacht, die Kameraleute für die geschilderten Vorfälle allein verantwortlich zu machen. Beschwert ihr euch beim Lehrer eurer Kinder über die miserablen PISA-Ergebnisse? Beim Busfahrer über die hohen Ticketpreise? However, bleibt geschmeidig.

  27. ovit sagte am 26. October 2007 um 17:08 Uhr:

    ja, selbstverständlich beschwere ich mich im craplog über die lehrer und den busfahrer, denn erst durch die personifizierung des ungemachs kommt das blut so richtig in wallung, kocht der crap so richtig auf. wenn du differenzieren willst und einen longtail brauchst, lieber maloXP, dann du weißt schon.

    das ich von einem nicht auf alle schließen kann, dessen bin ich mir bewusst. dass ich den kameramann, der da vor der zugtür steht aber hassen darf, ist doch klar. und wieso sollte ich etwas gegen oasisUK haben? sein artikel bot sich gerade herrlich an. bleib du also mal geschmeidig und nicht so reflektiert.

  28. ovit sagte am 26. October 2007 um 17:17 Uhr:

    und an dem tag, an dem blogs ein teil der “medien” sind, werde ich mal laut auflachen. blogs sind und bleiben irrelevant – gottseidank. und die verantwortung, die man für ca. 100 leser trägt, ist durchaus überschaubar.

  29. Heiko sagte am 26. October 2007 um 17:33 Uhr:

    “Und wenn die Kameraleute den Redakteuren dann nicht erklären können, was sie da gefilmt haben, dann machen sie halt einen schlechten Job”

    Man hat keine Chance, dem Redakteur etwas zu erklären, wenn man den Redakteur gar nicht trifft, sondern irgendwo hingeschickt wird mit der Info “dreh halt ein bisschen die Leute da, weißt ja schon” und dann muss das Material möglichst schon vorgestern nach XY verschickt werden, wo es in möglichst unter 10 Minuten vom Praktikanten im Schnitt zerhackt wird, und der Redakteur schreibt schnell mal was dazu (möglichst in unter 10 Minuten).
    Das Motto für Boulevard und “News” ist schnell und billig – und da kann leider kein Kameramann was dran ändern (und es sicher gibt wenige, denen das so gefällt)

  30. .markus sagte am 26. October 2007 um 17:56 Uhr:

    Aber alle hackt ihr auf den Praktikanten rum!

  31. maloXP sagte am 26. October 2007 um 18:44 Uhr:

    @ ovit: Ohne dem Craplog die Genialität des Konzepts und dem Artikel die Existenzberechtigung abzusprechen – der Punkt an dem ich beginne, differenzierte Urteile zu fällen ist der, an dem es Freunde von mir betrifft. Deswegen meine Gegenrede.

  32. ovit sagte am 26. October 2007 um 19:34 Uhr:

    aber hier wird niemand persönlich beleidigt, sondern eine ganze berufsgruppe. man darf ja genauso über die studenten schimpfen, ohne das ich persönlich auf die barrikaden gehe. und auch die deiner meinung nach persönlich angegriffenen fühlen sich gar nicht so. eher verteidigen sie ihre berufsgruppe, sich selbst allerdings und gottseidank ja nicht,

  33. Julez sagte am 26. October 2007 um 20:12 Uhr:

    Oh, geil.
    Danke, Leute, ich hab so gelacht, und das nach ‘nem derartigen Scheiß-Tag! Auf euch ist halt Verlass! Es ist so schön hier!!

    (Mal OT statt Öl ins Feuer. Seht’s mir nach.)

  34. oasisUK sagte am 26. October 2007 um 20:56 Uhr:

    @ heiko: Lass uns nächste Woche mal ein Bier trinken gehen, man sollte sich mal wieder öfter sehen! Die Bahn fährt auch wieder, also ist unser Lieblingsschaffner sicher auch mal einen Abend in der Stadt… 😉

    Für alle anderen: Musik!

    🙂

  35. oasisUK sagte am 26. October 2007 um 20:59 Uhr:

    Oh, man kann keine Videos “kommentieren”… Hehe… Also bitte hier:

    youtube.com/watch?v=2bkkKnitbSs

    … klicken. Gute N8!

  36. pantoffelpunk sagte am 26. October 2007 um 22:58 Uhr:

    an dem es Freunde von mir betrifft

    Ich finde, beim Kameramannsein hört die Freundschaft auf. Alles hat seine Grenzen.

  37. pantoffelpunk sagte am 26. October 2007 um 23:02 Uhr:

    lia, Du bist je eine richtige Sozialromantikerin, das gefällt mir.

  38. .markus sagte am 27. October 2007 um 02:25 Uhr:

    @oasisUK: Ich kanns mir nicht verkneifen, eine Frage zu stellen, die mir schon lange brennend auf der Zunge liegt: Hast du eigentlich lange Haare?

  39. oasisUK sagte am 27. October 2007 um 10:13 Uhr:

    Wieso, benehme ich mich so? 😉

  40. .markus sagte am 27. October 2007 um 11:26 Uhr:

    Um Himmels Willen nein, ich dachte da bloß an ein Klischee/Vorurteil über Kameramänner, das ich mir mal zugelegt habe, dass diese alle lange Haare haben 😉

  41. oasisUK sagte am 27. October 2007 um 14:45 Uhr:

    Ach so! *lach* Das sind nur die Kollegen vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die sind meistens auch noch etwas wohlgenährter als ich…

Und was meinst Du?

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