Jungle World, ach, Jungle World!

Frank, 17. December 2009

Jungle World

Ich mag die Jungle World nicht, weil ich die Jungle World für ein verquastes Blatt halte, mit deren politischer Linie ich meist nicht übereinstimme. Was ich an der Jungle World am liebsten mit Schimpf belege, kann man wohl am besten mit „ideologisch gefärbtes Halbwissen, vorgetragen mit großer Klappe“ umschreiben. Wobei ich mit Freude eingestehe, dass die Jungle World mich hin und wieder auch positiv überrascht. Auch wenn ich mich da jetzt an keine konkreten Fall erinnere.

Warum die Jungle World spinnt

Heute steht jedenfalls mal wieder Mist in der Jungle World. Eine der altgedientesten Jungle World-Flachpfeifen, nämlich Ivo Bozic, schreibt in der Jungle World über SEO, also Suchmaschinenoptimierung. Bizarr genug!

Folgendem Ausriss aus der Jungle World-Website ging ein etwas zäher Rant gegen die IVW -Klickzahlen-Zählweise und -Vergütungen voran:

Jungle World IVW

Nein, ist es nicht. Eine IVW-Zählung auf Visit-Basis ist gerecht und könnte – Genügend Intelligenz in den Onlineredaktionen vorausgesetzt – das Ende der Klickstrecken darstellen. Aber egal, denn Klickstreckenkritik hat auch schon ‘nen Bart. Wirklich bizarr ist in dem Jungle World-Artikel der SEO-Part:

jungle world

Diese Betrachtung ist durch und durch belustigend, liebe Jungle World. Selbst ein Laie in SEO-Dingen weiß, dass es überhaupt nichts bringt, möglichst viele verschiedene Begriffe aus dem Themenfeld „Mainstreamschmuddel“ unterzubringen. Und warum, das will ich dir erklären, liebe Jungle World. Google findet derzeit 33 Millionen Treffer zum Begriff „Hitler“. Warum solltest ausgerechnet Du, die Du den definitiv doofen deutschen Diktator (er war Österreicher, ich weiß) lediglich einmal im Text erwähntest, ausgerechnet auf der beinahe ausschließlich relevanten Google-Seite 1 erscheinen? Eben, liebe Jungle World. Echte SEO-Mieslinge suchen sich einen Begriff oder eine Begriffskombination, die sie recht oft in einem Text erwähnen, so wie ich hier z.B. „Jungle World“.

Eine Randnotiz in diesem Jungle-World Artikel ist der geradezu niedliche Halbsatz mit den Google- und Yahoo!-Treffern. JA, WER VERWENDET DENN BITTE NOCH YAHOO! ZUM SUCHEN? Nun ja, vielleicht die Redakteure der Jungle World. Und dann das hier: Der offensichtlich nur Jungle World-Lesern zugängliche Geheimtrick, „Seiten doppelt im Netz abzulegen“. Ja richtig, allerwertester Jungle World-Ivo, Google liebt Duplicate Content! Beinahe genauso viel wie Cloaking und Paid Links.

Heißer Tipp an die Jungle World-Redaktion: SEO hat nicht unbedingt was mit schmutzigen Tricks zu tun und SEO bringt keinen um, auch den Printjournalismus nicht. Heißer Tipp an den Jungle World-Webmaster: Überschriften nicht als Grafik einbinden, wenn ihr Leser über Google zu euch holen wollt (nur elitäre bürgerliche Arschlöcher mit ihren Spießerwebsites wollen das nicht). Auch eine URL-Struktur, in der sich mehr als Zahlen befinden ist von Vorteil. Aber wem erzähl ich das – schließlich hat man in der Jungle World-Redaktion bereits begriffen, dass die Verquickung von Anzeigen und redaktionellen Inhalten eine immer wachsender wachsendere Gefahr darstellt!!1 Insbesondere in Zeiten von Google AdSense sollte uns das zu denken geben.

(Wer jetzt „Häh?“ fragt, hat recht.)

Nebenbei. Musikgenres, die ich hasse: Kelly Familie, Schlager, Techno, Jungle, World Music.

Artikel via wirres
Bild: johnpiercy (cc)

8 Kommentare

  1. uli sagte am 18. December 2009 um 09:52 Uhr:

    Dieser Craplog-Beitrag hingegen ist schon auf Platz neun, gugelt man nach “Jungle World”. Hihi.

  2. Marc sagte am 18. December 2009 um 11:08 Uhr:

    Also ich mache ja für meine Blogs auch ein wenig SEO, habe mich aber nicht wirklich großartig damit beschäftigt, aber selbst mir war klar, dass die JW mal wieder Blödsinn schreibt. 🙂

    Was ich immer ein wenig doof finde bei diesem SEO Hype: Es geht doch nicht immer darum mehr Einnahmen durch Werbung zu haben. SEO hat auch was mit Barrierefreiheit zu tun. Eine sauber geordnete HTML-Struktur, klingende URLs, alt und title Attribute bei Grafiken und Link, etc pp. Das sind eigentlich Elemente der Richtlinien für barrierefreie Webseiten (zum Teil).

    Wollte ich einfach mal gesagt haben… 😉

  3. Frank sagte am 18. December 2009 um 11:10 Uhr:

    @Uli

    Nicht schlecht, gell? Das muss uns die Jungle World erstmal nachmachen. Wer beim Jungle World-Googlebombing mithelfen will, sollte übrigens diesen Artikel mit den Worten „Jungle World“ verlinken. Vielleicht kaufe ich uns auch noch ein paar Backlinks von ominösen Servern in Russland.

  4. Frank sagte am 18. December 2009 um 11:17 Uhr:

    @Marc

    Richtig. Es ist ein wenig traurig für die Jungle World, dass sich ein Sehbehinderter wohl kaum intensiv mit der Jungle World-Website befassen wird – schlicht, weil ein Screenreader nix mit den per CSS eingebundenen Überschriften-Grafiken anfangen kann.

  5. 0815 sagte am 18. December 2009 um 12:45 Uhr:

    Ja, diese Überschriften als Grafik sind sicherlich nichts für Puristen. Andererseits werden die Bilder mit der Jungle-World-Schrift erst per JavaScript nachgeladen und ersetzen dann ganz normale HTML-Überschriften. Suchmaschinenbots oder Browser wie Lynx sollten damit keine Probleme haben. Dass es noch barrierefreier geht, bleibt unbenommen.

  6. mike sagte am 18. December 2009 um 14:02 Uhr:

    Oh, mal wieder teilweise am Ziel vorbeigedisst:

    Überschriften nicht als Grafik einbinden, wenn ihr Leser über Google zu euch holen wollt

    Unfug, die Grafiken haben korrekte Alternativ-attribute, und sind somit selbstverständlich maschinenlesbar.
    und:

    schlicht, weil ein Screenreader nix mit den per CSS eingebundenen Überschriften-Grafiken anfangen kann.

    Wir reden nicht zufällig von unterschiedlichen Seiten?

  7. Cuba Libre Jr. sagte am 18. December 2009 um 14:20 Uhr:

    Dass sich das Craplog nochmal vor SEO stellt – langsam komme ich nicht mehr klar in dieser Welt.

  8. Frank sagte am 19. December 2009 um 03:25 Uhr:

    Scheiße, Mike und 0815 haben Recht! Ich werde diesen Artikel auf der Stelle löschen!

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