Chefredakteure, miese Wortspiele, Blogs, SEO-Spammer: Alles Arschlöcher

Frank, 6. Februar 2008

Vögel
Danke, Gott. Für’s Spatzenpfifferl!

Eigentlich sollte ich mir abgewöhnen, Blogs zu lesen. Warum? Weil’s mir Spaß macht. Ja, das ist paradox, aber auch ein Beispiel, wie man einen Blogartikel halbwegs elegant einleiten könnte.

Bei neun von zehn mir unbekannten Blogs finden sich aber statt solch netter Hooks am Anfang von Artikeln zu Themen die mich interessieren könnten, die ich vielleicht sogar wahnsinnig gerne lesen würde, lediglich Massengräber von YouTube-Videos, Plugin-Spielwiesen, unreflektiertes Werbegeseiher der Apple-Templer, öde Ereignisse aus dem öden Leben öder Menschen, A-Blogger-Speichelgelecke, Spam jeder Art, SEO-Dreck und vor allem – die Beulenpest unter den Blogkrankheiten – Spatzenpfifferl

Diesen hübschen Begriff habe ich soeben höchstselbst erfunden. Er beschreibt jene Blogartikel, die keinen Arsch interessieren, weil das Thema durch ist, überall behandelt wird, jeder eine Meinung dazu hat, kurz: die Spatzen den Artikelinhalt bereits von den Dächern pfeifen. Nehmen wir zum Beispiel Stefan Aust. Der wurde ja vor ein paar Monaten von der Spiegel-Belegschaft durch Vertrags-Nichtverlängerung abgestraft, mutmaßlich dafür, ein tyrannischer Volldepp zu sein. Okay, das war die Nachricht, mehr muss man darüber nicht verlieren. Was aber macht die Blogosphäre? Ergeht sich dutzendweise in Wortspielorgien (“Aus! für Aust”, “Aust die Maus”, “Aust-ritt”, “Aust, das Spiel ist Aus!”, “Austgespielt”, “Stefan Aus”, “Austisten unter sich” und viele mehr) und mutmaßt langweiligerweise, wer denn der Nachfolger des enthusiastischen Windradhassers und Pornoblättchenkolumnisten mit Pferdefaible wird – als ob nicht völlig klar wäre, dass der nächste “auf dem Thron” als Grundvoraussetzung nur ein ebensolcher Dödel werden kann. Ist ja dann auch so gekommen, zu 50 Prozent mindestens.

Jetzt schlägt’s jedoch 13: Stefan Aust ist nicht nur ein Penner, sondern auch noch ein geldgeiler Idiot, versucht sich knapp 5 Millionen vor Gericht zu ergaunern, wird deswegen verfrüht geschasst — und wo muss ich das erfahren? In meinem Feedreader, einem Medienblog, unter der grenzdebil wortverspielten Überschrift: “Aust und vorbei”.

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Lieber Unterstützer-Mob von “Politically Incorrect” und angeschlossenen Anstalten,

Gastautor, 9. Januar 2008

euer Sendungsbewusstsein in allen Ehren, aber …

Politisch abgeknibbelt
  1. bringt es einfach nichts, mit euren dämlichen Aufklebern die Laternenpfähle am Berliner Alexanderplatz zu tapezieren. Denn — ich sage das nicht ohne Heimatstolz — Agitprop von rechtsradikalen Spinnern hat hierzustadte, trotz einer lebhaften Kultur solcher kleinen Botschaften im öffentlichen Raum, in der Regel keine lange Lebensdauer. Nachdem ich gestern persönlich zwei Sticker unkenntlich machte (mit einem 5 Cent-Stück ist das ganz einfach) entdeckte ich mit Freude, dass sich auch andere — wie nennt ihr uns unhysterische Normaldenker doch gleich? — linksfaschistische Multikulti-Gutmenschen bereits an mehreren eurer armseligen Stickerlies zu schaffen gemacht haben. Tja…
  2. ist es uns Craploggern zwar eine große Ehre auf eurer tollen neuen Linkliste in der Rubrik “Feindesland – Die Antipoden: Linke, Grüne, ANTIFA-Batzen” zu stehen, nur scheint ihr nicht zu verstanden haben, dass sich unser Blog bei weitem nicht nur mit euch, sondern mit diversen Ausprägungen und Facetten von Idiotie befassen, also auch mit unpolitischem Kram wie: Post und Telekom, Sarah Connor, Eso-Quacksalberei, Bananen, dem öffentlichen Nahverkehr, Animated GIFs, Literaturkritikern ohne Ahnung und überhaupt allerlei. Wir wollen uns auch gar nicht nur mit euch beschäftigen, denn das macht einen ja kirre auf die Dauer und so wichtig seid ihr auch nicht. So ist eure Linkliste eben nur eine weitere Seite, bei der, sollte ein entsprechender HTTP-Referrer aufschlagen, direkt an Helge weitergereicht wird. Danke, WP-Ban. Und wenn doch mal einer durchkommt? Nun, es hat noch immer Spaß gemacht, einen jener pamphletischen und von Xenophobie getränkten Kommentare von euch düsteren Gestalten, das Gesicht zur Faust geballt, zu konkretisieren oder nötigenfalls (bei schlechter Laune des Admins) ins Datennirvana zu befördern.

*peng*

peng
Foto: JoshMock (cc)

Liebes "pro-westliche" Weblog politicallyincorrect,

Frank, 27. Mai 2007

nicht ungehässig, euer Artikel über Volker Becks Verhaftung bei einer Homosexuellen-Parade in Moskau. Aber mal ehrlich – glaubt ihr wirklich, ein Grünen-Politiker fährt nach Russland, um “wie erwünscht” von Neonazis angegriffen oder von der Staatsmacht in Gewahrsam genommen zu werden, um “sich als herausragender Gutmensch in den Medien zu positionieren”? Nachher hat er die homophoben Schlägertrupps und die Polente gar selbst organisiert, um den Märtyrer zu geben?

Falsch. Vielmehr war seine Intention natürlich primär, euch Stoff für die wöchentlich obligatorische Meldung zu liefern, wonach die grünen Gutmensch-Dhimmis Wurzel allen Übels sind. Wäre ja schlimm, wenn ein solcher mal was richtig machte, gell? Zum Beispiel die Verteidigung von Grundrechten, die ihr euch ja auch so prall auf die Flagge schreibt. Am Scheitern von Multikulti”, also der fehlenden Bereitschaft zur Akzeptanz von Andersartigkeit, zum Beispiel in – wie ihr ja immer findet: Kreuzberg – sind selbstverständlich genau jene Grünen schuld und nicht etwa verbohrte Spießbürger mit Tendenz zu Fremdenangst und Homophobie wie ihr.

Ach was reg ich mich überhaupt noch auf…

Bild: taminsea (cc)

[Update:] Man kann der PI-Anhängerschaft einiges vorwerfen, aber sicher nicht, dass sie schlecht organisiert ist. Nachdem Stefan Niggemeyer obiges Thema ebenfalls aufgriff, kamen sie wieder wie die Lemminge aus ihren Löchern und hinterließen führertreu ihre Duftmarken in den Kommentaren. Hngg… Dieses deindividualisierte Kroppzeuch, das. Gut, dass die Kommentare zu sind. Indes kann man bei PI direkt lesen, wie freiheitlich und demokratisch sich der Mob fühlt. Eine richtige Auseinandersetzung mit den bei Niggemeyer vorgebrachten Argumenten findet trotz vieler Kommentare nicht statt. Mehr so eine Art sich-gegenseitig-Bestätigen in der Ansicht, man habe es hier mit einer Verschwörung der wie immer nix verstehenden linken Gutmenschen zu tun. Ich bin ja auch so einer. Und eigentlich kann ich die typischen Argumentationslinien von PI gut nachvollziehen. Dazu muss ich nur meinen gesunden Menschenverstand, meine historische Abstraktionsfähigkeit und mein humanistisches Weltbild ausschalten.

Bitte auch lesen: Ein Artikel über die kleinsten Hunde, die stets am lautesten bellen.

Ein Artikel über die kleinsten Hunde, die stets am lautesten bellen

Gastautor, 15. März 2007

Der Verfasser dieses Artikels ist dem Craplog.de-Team bekannt. Aus naheliegenden Gründen zieht er es vor, anonym zu bleiben. Die Links im Artikel sind aus denselben Gründen anonymisiert.

Das Weblog Politically Incorrect kennen diejenigen unter euch sicher, die mit Neugier gerne mal auch an entlegenen Ecken im weiten Raum der deutschen Blogvernetzungen schnüffeln – und zwar den Ecken, die schon so riechen als ob dort überregelmäßig oft das Bein gehoben wird. Ziemlich großspurig, vielverlinkt und mit einer durchaus bewundernswerten Standhaftigkeit ausgestattet, versucht der Bergisch-Gladbacher Turnpauker Stefan H. den deutschen Volksgenossen die Gefahr von der islamischen Infiltration Deutschlands näherzubringen. Wer könnt’s ihm verdenken? Schließlich waren die Türken schonmal drauf und dran, hätte Eugen von Savoyen sie nicht 1719 bis hinter Belgrad zurückgeschlagen. Deswegen warnt und warnt es, tagtäglich, ohne Unterlass aus PI heraus. Helfen tut H. dabei ein Stab von “Spürnasen”, die kontinuierlich die Zeitungsarchive westlicher Wurstblätter und -Blogs nach Nachrichten durchwühlen, die die eigene Existenzlegitimität mit Biegen und Brechen irgendwie sedimentieren können. Um der Brühe einen moderaten Anstrich zu verpassen, klebt man sich die Aufkleber “Pro-Israel” und “Pro-Amerikanisch” ins Logo, fertig ist die Meinungsfreiheitstapete für die Ressentiment-Bude. Weiterlesen »