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.markus, 1. October 2008

Es ist angerichtet. Die Hauptmahlzeit besteht heute aus unfreiwilliger Komik mit einem Schuss Idiotie (aus großen Flaschen). Man unkt ja gerne, dass die Regierung einen ins Grab bringen will – nein, sie wollen uns an der Urne haben. Möglichst frisch und unverbraucht. Die Bundeszentrale für politische Bildung verdross also die Politikverdrossenheit der Jugend und schickte Reiter in alle Himmelsrichtungen aus, die Rettung bringen sollten. Man trommelte einen “Gesprächskreis aus Fernsehsachverständigen” zusammen, dessen Ergebnis ich mir selbst mit abgründiger Boshaftigkeit nicht dämlicher hätte ausdenken können. Man kam auf “die Idee eines niedrigschwelligen, comedy-orientierten Politiknachrichten-Formates (…) als verfolgenswerten Ansatz zur Erreichung der genannten Zielgruppe“.
LOL, sagt der Jugendliche in mir. ROFL! Aber das ist alles wohl durchdacht, denn der ausgeklügelte Plan liest sich so:

“Es liegt eine Grobkonzeption des Sendungsformats vor (…). Als Format wurde die Erzählform der Sketch Comedy gewählt, die es zum einen erlaubt, mehrere Themen zu platzieren und zum anderen im Vergleich mit anderen Comedy-Formaten (Sit-Com u. a.) unter Jugendlichen auch die größte Akzeptanz hat. Als verbindendes Element der einzelnen Sketche soll eine ‘Presenterin’ fungieren, die in ihrem (fiktiven) Video-Blog, die Sketche anmoderiert und mit ihrer eigenen Meinung kommentiert. Diese Form der Kommunikation ist Jugendlichen vertraut und bei ihnen beliebt (myspace.com, schülerVZ.net, studiVZ.net). Die Sketche sollen die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen mit politischen Themen verbinden, ohne dabei belehrend zu wirken.”

Jo. Äh. Genau. Und wer im Glaushaus sitzt, sollte die Fenster putzen, damit’s von außen schön glänzt. Ich bin ja auch politikverdrossen. Vielleicht wird die Kampagne der Hit und zwischen hysterischen Lachanfällen über gelungene Pointen, nickt der junge Infotainmentierte zustimmend und verbreitet “boah, schau dir mal unsre coole regierung an. voll lol der clip, aber auch informativ” die heiteren Botschaften. Wer’s glaubt.

(Quelle und weiterführende Informationen: la deutsche vita)

9 Kommentare

  1. Harry Kuntz sagte am 1. October 2008 um 22:17 Uhr:

    Eine geförderte Comedy. Ich bin dafür. Endlich wieder Witzhupen und 5-Sekunden-in-die-Kamera-Blicke als Pointenindikator. Jugendliche zu knacken kann aber auch echt schwierig sein:

    socialissuesandstuff...chen-fur-die-jugend/

  2. .markus sagte am 1. October 2008 um 22:28 Uhr:

    Btw. Hab ich nicht irgendwo mal erzählt, dass ich mal als Jugendlicher auf einer Jugendmesse war?! Jedenfalls habe ich dort einige der erschreckendsten Erkentnisse über unsere Gesellschaft dort gesammelt.

  3. charaktersau sagte am 2. October 2008 um 07:14 Uhr:

    Haha. Diese “wir wollen ein Thema einer Zielgruppe näherbringen”-Gesprächskreise sind unglaublich produktiv.

    Niveaumäßig wird es wohl Was hat Europa je für uns getan? in den Schatten stellen.

  4. Simon sagte am 2. October 2008 um 14:26 Uhr:

    Ich schlage Ingolf Lück als niedrigschwelligen Jon Stewart vor.

    (.markus, meinst du vielleicht diese unsägliche YOU-Messe? Da kann ich ein Liedchen von trällern.)

  5. Harry Kuntz sagte am 2. October 2008 um 16:58 Uhr:

    Oh ja, bitte trällert alle beide. In Form von ausführlichen Artikeln, klingt interessant 🙂

  6. Frank sagte am 2. October 2008 um 19:14 Uhr:

    Ich erinnere mich noch mit leichtem Schaudern an die erste YOU, glaube ’96 war’s, als nach all dem Traritrara auf dem westfälischen Jugendradiosender L1VE (sprich: Leinsve. NOT) plötzlich durchgegeben wurde, dass auf dem Gelände ein Bundeswehrhubschrauber abgestürzt war und vier Jugendliche tötete. Welch Omen!

  7. .markus sagte am 3. October 2008 um 12:42 Uhr:

    Ja, die YOU im Jahre 2000 oder so. Ey, ey ey…

    @Harry: Mach ich, wenn ich das Trauma mit meinem Psychologen aufgearbeitet habe 😉

  8. Optimum sagte am 15. October 2008 um 08:16 Uhr:

    Manchmal fragt man sich wirklich “wer wen für was bezahlt”.

    Wie langweilig muss einem sein um auf solche Ideen zu kommen. Und vor allen Dingen wie lange muss man in seinem Büro sitzen und sich weigern die Welt draußen anzusehen ?

    Wenn man meint auf diesem Wege für politische Bildung sorgen zu können, dann lässt man sich die Brötchen auch per UPS liefern um ja nicht in die Nähe des gemeinen Volkes zu kommen.

    Und wenn Du meinst, auf diesem Weg den PageRank deiner Heimwerkerzubehörseite pimpen zu können, muss ich dir beim nächsten Mal wohl eine gepfefferte Rechnung, gerne auch per UPS, zukommen lassen — um es euch verkackten SEO-Horsten verdammt noch eins zum tausendsten Mal zu sagen: wir sehen Spam überhaupt nicht gern! Himmelarschundzwirn! -Frank

    Frank, den Artikel hab ich geschrieben, also ist das MEIN Spammer und ich will ihn beschimpfen:
    Du Stirnholz! Klar das Leben ist hart, wenn man sehnsüchtelnd nach PageRank durch die Kommentarfelder streifen muss, um dort halbgare Kommentare zu hinterlassen. Dumm nur Flachzange, dass wir nicht nur klickediklick deine doofe junge aufstrebende URL schwuppdiwupp löschen, sondern hier und mit diesem Kommentar auch noch deine bemitleidenswerte SEO-Existenz verspotten. Lern was Anständiges Spammer, oder wir schicken dir Ziegelsteine per Nachnahme mit UPS, du Dünnbrettbohrer!

  9. Emanuel sagte am 8. November 2008 um 00:38 Uhr:

    Man sollte Palin in den Favoritenkreis der Presenterinen rücken. Witzig ist sie und bekannt dürfte sie auch durch unzählige Youtube Videos bei den Politikverdrossenen sein.
    Nen Job hat sie übrigens auch nicht!

Und was meinst Du?

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