herr, lass brennende kippenstummel regnen – oder hirn

ovit, 10. October 2007

Da steht er nun, Ernst Erwin Huber[1] auf dem neuen Balkon seiner neuen 3-Zimmer Wohnung. Seit er endlich diesen neuen Job in der Medienbranche gefunden hat und die SEO-optimierte Affliate-AdLink-AdSense-Werbung auf seinem drittklassigen Weblog läuft, geht es mit ihm wirklich bergauf. Erst fand er eine Freundin, die er endlich auch mal gar nicht so hässlich findet und dann geht es auch so schnell, dass beide zusammenziehen. Ernst Erwin kann sein Glück kaum fassen. Jetzt steht er in einem Yuppie-Bezirk, in dem die Gentrifizierung schon im vollsten Gange ist, auf seinem neuen Balkon und steckt sich erstmal eine Zigarette an.
Früher lebte Ernst Erwin in einem Großstadtbezirk, der für den Prozess der Verdrängung nie interessant sein wird, und rauchte auf dem Balkon eines Plattenbaus und jeder Rülpser hallte durch den verlassenen Hinterhof wider. Diese Ruhe kotzte Ernst Erwin an. Doch jetzt ist alles anders, dachte Ernst Erwin, und freute sich diebisch wie toll belebt das alles am Tag und in der Nacht ist. Und mit ganz viel Glück lässt ihn die Freundin heute Abend noch ein bisschen fummeln, dachte Ernst Erwin und schnippte seine aufgerauchte Zigarette genüsslich vom Balkon, um es sich vor seinem neuen Flat-Screen-Fernseher gemütlich zu machen, den er bei der Media-Markt-Eröffnung unter Einsatz seiner beiden Ellenbogen ergattern konnte.
So kommt es, dass ich den Kiez von Ernst Erwin durchqueren muss, um die Ecke der Gegend zu gelangen, in der die Geschäfte alle 3 Monate mit einem neuen Inhaber und im besten Falle mit einer neuen Idee auftauchen und natürlich auch immer verschwinden. Die Musik hat sich langsam und allmählich beruhigt und ich fühle, wie ein paar Sinne und Kräfte den Weg in meinen Körper zurückfinden. Vor mir zwei Frauen, eine davon mit einem Kinderwagen und plötzlich ein roter Strich, der vom Himmel Richtung Erde saust und sich genau in den Kinderwagen reinbewegt. Da stehen also nun diese beiden Frauen, schlagen auf den Schlafsack des kleinen im Kinderwagen verweilenden Babys sein, um die brennende Asche schnellstmöglich zu entfernen, das Kind mit einem Riesenschrecken in den Augen und ein Assi, der die Mutter noch ankeift, das sie bloß nicht das Baby aus dem Kinderwagen heben soll, wenn sie diesen schon mit ihrer Zigarette anzünden muss. Die Information, dass diese Zigarette “von oben” kam, quittierte er mit einem mehrfachen Fauchen und Zischen.
Da erfüllte sich das erste mal eine Grundpanik in dieser Stadt, die ich nicht nur zu Sylvester empfinde. Bisher sah ich brennende Zigarettenstummel in meiner Kapuze oder in den Nacken fallen, jedoch noch nie sah ich es in einem Kinderwagen und erst recht nicht so dicht an junger und unversehrter Haut.
Der Blick in den Nachthimmel war sinnlos, denn einer dieser verfickten Ernst Erwins saß schon lange wieder vor dem Fernseher und spielte an seiner Nudel herum, rücksichtslos, wie seine Erziehung es ihm beigebracht hat, aber solange er sich eine überteuerte Wohnung in einem “trendigen” Bezirk leisten kann, hat er allen Grund ausschließlich an sich selbst zu denken und nicht an die Menschen, die den ganzen Tag auf dem Weg vor seiner Wohnung von links nach rechts gehen. Verklagen auf Verhaften muss man solche Vollpfosten, alles nach $129a, mir egal, aber irgendwie muss man die Idiotie bekämpfen. Und freier Wohnraum entsteht dann auch.

Foto: Sindre-Wimberger (cc)

  1. Name von der Redaktion geändert [zur√ľck]

12 Kommentare

  1. maloXP sagte am 10. October 2007 um 13:53 Uhr:
    • Das Bild ist großartig.
    • Ist das wirklich passiert?
    • Zur Alexa hier ein lustiger Artikel aus der stalinistischen jungen Welt.
    • Wolltest Du nicht streiken?
  2. ovit sagte am 10. October 2007 um 15:17 Uhr:

    – ist leider nicht meins
    – na sonst hätte ich mich doch nicht drüber aufgeregt!
    – den lese ich später
    – mehr zum streik später (donnerstag, freitag, montag und dienstag soll der ja stattfinden)

  3. Harry Kuntz sagte am 10. October 2007 um 17:19 Uhr:

    Die da oben wieder, typisch.

  4. maloXP sagte am 10. October 2007 um 21:04 Uhr:

    Immer auf den kleinen Mann von der Straße.

  5. Harry Kuntz sagte am 10. October 2007 um 22:38 Uhr:

    Der deutsche Michel ist wieder der Gelackmeierte!!

  6. maloXP sagte am 10. October 2007 um 23:33 Uhr:

    Armes Deutschland!!!1

  7. .markus sagte am 11. October 2007 um 10:43 Uhr:

    Und wer denkt eigentlich an die Kinder?

  8. Harry Kuntz sagte am 11. October 2007 um 11:01 Uhr:

    Okay, wer schreibt was zu Eva? Ich halt meinen da raus ūüôā

  9. ovit sagte am 11. October 2007 um 11:06 Uhr:

    ich könnt mich über eva-schreiber aufregen, doh!
    aber an das arme kleine kind denkt hier wirklich niemand. sollen kippen auf euch niederregnen, ihr evas!

  10. Harry Kuntz sagte am 11. October 2007 um 11:36 Uhr:

    Kinder wurden längst abgeschafft, mein voriger Kommentar ist hinfällig, danke maloXP.

  11. .markus sagte am 11. October 2007 um 14:32 Uhr:

    Man sollte die Hermans, Kerners, Bergers und Schreinermakers in einen Sack stecken und draufhauen, den Barth sowieso. Die Vertreter sämtlicher Medienanstalten dazu und weiter kräftig draufschlagen. Das Hitlergespenst ebenfalls mit in den Sack und einfach feste druff!

    Und am Fernsehen Ton & Bild ausstellen.

  12. pantoffelpunk sagte am 15. October 2007 um 13:53 Uhr:

    Man kann den Fernseher ja auch einfach auslassen und so ein wenig an der Nudel spielen. Geht auch (hab ich mir sagen lassen).

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