Gehirnwäsche

Sebastian, 24. April 2010

Lochfraß! Dieser längst vergessene, wohlgleich schöne Terminus des 90er-Jahre Werbesprechs (vgl. Gefrierbrand) beschreibt die Porösierung des Waschmaschineninneren (ein Knallerwort jagt das nächste) durch Verkalkung. Dieter Bürgy lässt grüßen:

Ob das denn nun auch die Ursache für das Ableben unseres Waschtrockners (für technikinteressierte: keine Ahnung, welches Modell, get a life!) war, wer weiss das schon? Ich nicht! Es ist aber auch egal, ein neues Gerät stand längst auf der Liste.

[…] < - Ausgelassen werden an dieser Stelle sämtliche handelsüblichen Rants über lange Lieferzeit, mangelnde Beratung oder überteuerte Preise, wer will denn sowas wissen? "Unterhaltsam" wird sowas ja erst bei Lieferung.

Vielmehr soll es an dieser Stelle um den Aufbau des Gerätes gehen. Es sei zunächst vermerkt, dass der Aufbau einer Waschmaschine eine einfache Sache ist. Man ist ja überrascht, was Menschenscheu für Energie und Lernwillen frei setzt. Fremde Menschen in der Wohnung, wo man dann nur blöd danebensteht und nicht weiss, ob es okay ist, nebenher Zeitung zu lesen, so zu tun, als ob man am Rechner arbeiten müsse oder ob es tatsächlich üblich ist, einfach dazustehen und kontrollierend über die Schulter zu sehen (die Alternative “Smalltalk” fällt übrigens mangels Softskills weg), dann doch lieber alles selber machen. Überhaupt soziophatisch bin ich in der Beziehung: die Ankündigung fremder Menschen, die eigene Wohnung zu betreten, löst Stunden vorher Schweissausbrüche aus nervöses Auf- und abgehen aus. Müsste man auch mal untersuchen lassen. Aber auch hier: es sind fremde Menschen! die so etwas machen.

Das Entpacken der Waschmaschine ist bis zu dem Punkt, an dem man die Maschine aus dem Bodenstyropor hinaushieven muss, eine spaßige Sache, die man voller Zuversicht angeht. Auch das Anbringen des Wasserzulaufschlauchs, bekanntlich der Knackpunkt jeder Waschmaschine (Stichwort “Aquastop”, nicht zu verwechseln mit dem legendären Travemünder Erlebnisschwimmbad AquaTop, welches ein unrühmliches Ende fand und bis dato also Ruine mitten… oh, ich schweife ab) verläuft reibungslos, aber dann, ABER DANN, entdeckt man, dass dieser eschol eschek von Ablaufschlauch zu kurz ist.

Also erst einmal in den Baumarkt!!!

Ach verdammt, jetzt verfalle ich tatsächlich in diesen ciao.de-Slang. Erst einmal: Präsens? Hallo? Dann noch chronologischer Ablauf, “Mein schönstes Ferienerlebnis” oder was? Fast forward bis zu der Stelle, an der wir merken, dass wir den Ablaufschlauch nicht hinter dem Küchenschrank zum Ablaufrohr kriegen, da er sich zusammenrollt. So ungefähr ging das dann:

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Auf dem Bild zu sehen ist die Distanz, die der (mittlerweile verlängerte) Ablaufschlauchablaufschlauchablaufschlauch zu überbrücken hatte, also von der Waschmaschine bis zu Spüle. Es stellte sich nun folgendes Problem.

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Zu erkennen ist die Öffnung, durch die der Schlauch hindurchzuführen war. Der Schlauch war nun aber dergestalt veranlagt, dass er sich zusammennrollte, sobald man ihn losließ. Man konnte also Meter um Meter hinten rein schieben, vorne kam einfach nichts. (Hey, bei Twitter gibt’s für so ‘nen Scheiss 20 Favs und eine Lesung, ungelogen!)

Es folgt ohne Worte die Lösung:

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Gut, was? Dass uns das nichts nützte, weil wir zu spät (namlich nach dem Baumarktbesuch) merkten, dass wir kein Gewinde hatten, um den Schlauch am Abfluss zu befestigen: egal! Kreativität will gefeiert sein (siehe sich selbst feierende Kreativbranche), also zog sich meine Freundin ihr schönstes Petticoat an, ich schmierte mir feine Pomade ins Haar und legte meine Lederjacke an, um dann in meinem 56er roten Cadillac ins Autokino zu fahren. Denn nach einem insgesamt gesehen miserablen Tag, dessen Gänze sich hier aus Gründen garnicht ausführen lässt, hatten wir es uns verdient. Verdient hatten wir es uns! Und dann ist das Auto zugeparkt! Die Vorfreude auf den Abend, die uns den Tag überhaupt hat überleben lassen, in die Nüsse getreten wurde ihr von einer verdammten Anhängerkupplung! Stundenlange Anspannung sollte sich lösen in irgendeinem Quatschfilm mit Popcorn und Cola und meinetwegen ein wenig Knutscherei, man wollte einfach nur noch dahin, und dann ist da dieser verdammte SUV, was machen die überhaupt hier, und versaut es uns und es ist auch noch ein Österreicher, und alles, was man hasst an Österreich und SUVs und Waschmaschinen und Sperrmüll und Krieg und Geld und Zeit und und und entlädt sich in diesem Augenblick, weil eine Anhängerkupplung! alles kaputtmacht, man will es nicht glauben, und das, GENAU DAS ist der Grund für diesen Eintrag, dass ein versöhnlicher Abschluss an 20 Zentimetern scheitert. Kann man keinem erzählen sowas. Außer euch.

19 Kommentare

  1. Simon sagte am 25. April 2010 um 13:56 Uhr:

    Handwerker! Der Mann, der uns den neuen Toilettenkasten einbaute, klärte mich über die Optionen auf: “Vorne ist für klein, hinten ist für groß”.
    Da kann man sich nur bedanken und noch einen schönen Tag wünschen, auf Wiedersehen.

    (+1 für eschol eschek, ich weiß auch nicht wie man das schreibt)

  2. Cuba Libre Jr. sagte am 25. April 2010 um 19:18 Uhr:

    Weiss keiner, Google sagt, das spricht man nur.

  3. Frank sagte am 25. April 2010 um 21:00 Uhr:

    Ach, das ist doch scheiße. Geht die Waschmaschine denn jetzt?
    Ich frag mich aber auch, wie das alte Gerät befestigt war. Eigentlich braucht’s da gar kein Gewinde für, den Ablaufschlauch stülpt man doch nur auf den, naja, Stumpen da am Siphon, und dann kommt da die Schlauchschelle drum. Oder meinst du mit dem Gewinde den Stumpen? SUVs, die bespucke ich gerne mal, wenn keiner hinguckt.

  4. Frank sagte am 26. April 2010 um 22:38 Uhr:

    Was ist das denn für ein Quatsch, warum muss ich meinen eigenen Kommentar genehmigen? Es hackt, da bin ich sicher!

  5. Cuba Libre Jr. sagte am 26. April 2010 um 23:02 Uhr:

    Wir haben da tatsächlich so ein Gewinde am Siphon (das Wort kannte ich bis vor ein paar Tagen nicht einmal), wo der Schlauch nicht rüberpasst, sondern da muss so ein Zwischenstück dran. Das gab’s nicht mal im Baumarkt, das habe ich jetzt bestellt. So ein Teil war an der alten “WaMa” dran, aber das haben wir erst gerallt, als die dann schon weg war.
    Das Restwochenende war noch viel beschissener, aber das lässt sich hier alles garnicht schreiben, aber vorgestellt habe ich mir die Tage anders.

  6. Cuba Libre Jr. sagte am 26. April 2010 um 23:03 Uhr:

    Ein sogenanntes Schnüffelstück.

  7. ovit sagte am 27. April 2010 um 17:33 Uhr:

    ich muss noch meinen lochfraß beim klempner anmelden. danke für den erinnerungseintrag via craplog. mir gefällt das, wenn man auf die richtige art und weise an sowas erinnert wird. DANN KOMMT NÄMLICH AUCH BALD ZU UNS SO EIN FREMDER MENSCH INS HAUS! DAS HEISST: PUTZEN!

  8. ovit sagte am 27. April 2010 um 17:35 Uhr:

    ach, alleine die suche nach so einem fritzen ist doch schon eine reine niederlage! mag nicht mehr. mag lieber schnüffelstückprobleme haben.

  9. Frank sagte am 27. April 2010 um 21:03 Uhr:

    ovit, wenn du möchtest kann ich dir die Nummer des liebsten Klempners der Welt geben. Ohne Flachs.

  10. ovit sagte am 28. April 2010 um 10:39 Uhr:

    hat der auch ne HP? ich bin bei Kurt gelandet, Kurt schien mir nett zu sein.

  11. nik sagte am 28. April 2010 um 16:46 Uhr:

    Mir ist nie aufgefallen, was für eine chaotische Werkstatt Dieter Bürgi hat. Das macht in ja fast sympathisch! Und im Vergleich zu denen, die nach ihm kamen (all die Melitta-Männer, Marcel Davices und Carglass-Opfer), ist der heute schon fast wieder zu ertragen.

  12. Cuba Libre Jr. sagte am 28. April 2010 um 16:53 Uhr:

    Ich war auch mal Carglass-Opfer. Da kriegt die Werbung wieder einen ganz eigenen Dreh.

  13. Simon sagte am 29. April 2010 um 13:56 Uhr:

    ♫ Carglass repariert, Carglass tauscht aus!

  14. Cuba Libre Jr. sagte am 29. April 2010 um 17:45 Uhr:

    Maschine angeblasen, Herr KaLeu. Zulauf klar, Druck im Kessel. Gehe auf 60°. Keine Schraubengeräusche. Abpumpen ungewiss, Schellen sehen dicht aus. Ruhig bleiben. Not yet, Kameraden, not yet.

  15. Cuba Libre Jr. sagte am 29. April 2010 um 20:49 Uhr:

    Zwischen 1″ und 1 1/4″ ist nicht viel Unterschied, bevor ich da etwas falsch mache, bestellte ich von jeder Verschraubung eines, das sind 2 Euro-Teile. Die 1″-Verschraubung hat einen 45°-Winkel mittdendrin, die 1 1/4″-Verschraubung einen 90°-Winkel. Hier kommt der Witz:

    Die 1″-Verschraubung passt perfekt an das Gewinde, aber wegen dem Knick mittendrin kann man den Schlauch nicht weit genug raufsetzen, auch mit einer Schelle hält das nicht dicht. Es läuft Wasser raus.

    Die 1 1/4″-Verschraubung ist für den Schlauch perfekt, der 90°-Winkel macht nichts, weil der ganz oben ist, soweit kommt der Schlauch nicht. Aber das Gewinde ist zu groß.

    Morgen klappere ich alle Baumärkte ab. Stay tuned.

  16. Cuba Libre Jr. sagte am 30. April 2010 um 09:40 Uhr:

    Der Schlauch hält. Das passende Teil gab es nur im Set mit einem neuen Siphon, was aber auch nur 4 Euro kostete.
    Als Trauma behalte ich zurück, alle 5 Minuten nachsehen zu müssen, ob Wasser ausläuft.

    Braucht jemand ein Siphon? Simon?

  17. nik sagte am 30. April 2010 um 15:31 Uhr:

    Au ja, nen gebrauchten Siphon. Da muss man schon sehr verzweifelt sein 😉

  18. Goldener Boden | social issues and stuff sagte am 3. May 2010 um 21:43 Uhr:

    […] verwiesen, die uns ein jüngst getätigter Waschtrocknerkauf zuteil werden ließ und die ich im Craplog zu verarbeiten versucht habe. Die Kommentare bilden eine […]

  19. Schleudertrauma ǀ Craplog.de sagte am 10. February 2013 um 08:20 Uhr:

    […] erinnert euch? Vor knapp drei Jahren brauchte ich einen ganzen Tag, um eine Waschmaschine anzuschließen und am Ende kamen wir nicht einmal ins Autokino, weil eben das Auto, das in seiner kurzen Zeit […]

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