Gegen den Strom.

pantoffelpunk, 4. October 2007

Schönes Wetter heute.

35 Kommentare

  1. Harry Kuntz sagte am 4. October 2007 um 13:16 Uhr:

    Ich dachte schon, mein Free Willy wäre originell šŸ™

  2. pantoffelpunk sagte am 4. October 2007 um 13:23 Uhr:

    Ist es doch, tröst.

  3. maloXP sagte am 4. October 2007 um 15:29 Uhr:

    Das’ jetzt aber mal politisch inkorrekt, ey. Find ich gut. Nicht wegen Burma selbst, sondern weil’s ein Statement gegen Rudelsmug ist.

  4. vivec sagte am 4. October 2007 um 16:06 Uhr:

    Mich interessiert Burma genau so sehr wie Ruanda, Zimbabwe, Deutsch-Südwestafrika und wie sie alle heißen, die ganzen Länder, die gerade das Pech haben, nicht medial interessant zu sein…

  5. Harry Kuntz sagte am 4. October 2007 um 17:12 Uhr:

    Southpark bringt’s mal wieder voll auf den Punkt.

  6. Lotta sagte am 4. October 2007 um 17:37 Uhr:

    Neulich las ich irgendwo einen Kommentar in dem sinngemäß stand: “Hier, die ganzen Heinis mit ihrem ‘Stoppt den Überwachungswahn in Deutschland’-Blabla, die können jetzt mal sehen, wie die übertreiben. In Burma/Birma/Myanmar, da ist’s schlimm. Hier ist’s hingegen frei und wunderbar.”
    Überhaupt fand ich es reichlich krass, wie ausführlich über die burmesische Protestbewegung in den hiesigen Medien berichtet wurde, auch als es noch völlig unblutig zuging, wohingegen die FreiheitstattAngst-Demo kaum eine Zeile wert war.

    Und zu Southpark:
    Seit ich “Smug Alert” zum ersten Mal sah, bin ich den Southpark-Jungs dankbar für das feinsinnige Wort Smug. Es hat schon oft Verwendung in meinem Alltag gefunden. Denn die Welt, sie trieft ja nur so vor lauter Smugern.

  7. Harry Kuntz sagte am 4. October 2007 um 17:46 Uhr:

    Manchmal frage ich mich, ob ich wirklich so schrecklich bin, weil mir das alles nicht sonderlich nah geht, so wie ich generell eher wenig Sachen schrecklich finde, die mich persönlich garnicht betreffen. Ob ich da irgendwie allen anderen Leuten, die bei solchen Aktionen mitmachen, irgendwie emotional unterlegen bin. Ich mein, das kann ja auch nicht sein, dass die ALLE, all die vielen Menschen, die bei sowas mitmachen, das nur aus Prestigegründen machen. Das ist mir alles irgendwie zu hoch.

  8. Sebastian sagte am 4. October 2007 um 18:30 Uhr:

    Ich bin ein Stück weit betroffen.

  9. Harry Kuntz sagte am 4. October 2007 um 20:13 Uhr:

    ja, wir sollten uns alle mehr einbringen.

  10. pantoffelpunk sagte am 4. October 2007 um 21:05 Uhr:

    Ja, denkt bitte unbedingt an den Aktionstag für unterdrückte und ausgebeutete Bieninnen… danke.

    Im Ernst finde ich es ganz gut, dass blogospheria es auf die Reihe bekommt, fast flächendeckend eine Aktion durchzuführen, genau so, wie ich es gut finde und fand, dass vorratsdatenspeicherung.de ihren weg durchs Netz durch blog- zu blogproaganda gefunden hat.
    Die Einheit kommt mit Sicherheit dadurch zu Stande, dass die Fakten so klar und in reinem schwarz-weiß malbar sind. Es gibt keine Argumente FÜR die Junta zu stehen, Tausende aber, GEGEN sie zu stehen.

    Schade finde ich nur, dass diese Einheit bei “uns ” betreffenden Themen nur selten da ist und so wenige es schaffen, in ihrem Individualitätszwang auch mal Fünfe gerade sein zu lassen, um eine Aktion zu supporten, die nicht zu 100% die eigene Meinung wiederspiegelt.

  11. ovit sagte am 5. October 2007 um 00:04 Uhr:

    vor allem das “is mir ladde”, das finde ich vor allem mal gut. ehrlich. was besseres hat das craplog vor allem in dieser form auch noch nicht erlebt. auch hier biete ich freiwillig meinen rücktritt an.

  12. ovit sagte am 5. October 2007 um 00:05 Uhr:

    wie geil ist das denn bidde?

  13. blog.argwohnheim » .motzartkugeln sagte am 5. October 2007 um 00:25 Uhr:

    […] Latte Corrotto, öffentlicher Terror, Auf Schalke, wenn ich das schon höre und Gegen den Strom. […]

  14. Harry Kuntz sagte am 5. October 2007 um 08:33 Uhr:

    Bei mir ist das weniger der Individualitätszwang, der mich von der Aktion abhielt. Im Gegenteil, ich betrachte mich nicht als sonderlich individuell und steche in Ansammlungen kaum hervor, und bei Interesse hätte ich vielleicht sogar mitgemacht.
    Nur aus irgendeinem unmenschlichem Grund habe ich mich kaum mit dem Thema befasst, irgendwie geht das so spurlos an mir vorbei.
    Ich mache mir auch nicht die Argumentation “woanders sterben noch viel mehr” zu eigen, das ist ja sowieso Blödsinn.
    Aber ich wollte irgendwie ein Statement setzen, dass ich damit nichts anfangen konnte. Ohne werten zu wollen, an wem oder was das lag.

  15. Sebastian sagte am 5. October 2007 um 12:42 Uhr:

    Ich hab übrigens gestern tatsächlich etwas gebloggt, das uns m.E. ziemlich direkt angeht, jedenfalls einige von uns, und bei der Sache könnten ein paar Leute Beistand gebrauchen, denen man auch helfen kann. Neinnein, nicht das mit dem Kaffee, sondern das hier.

    Aber zum Thema: Ich finde es ziemlich schräg, das Hochladen einer Grafik als “Aktion” zu bezeichnen. Erinnert mich an jene “Aktion”, in der die Leute immer so einen Schnippel oben links in ihre Webseite einbauen, auf dem steht, dass man für Grönemeyer und gegen Armut ist. Ganz groß. Als Name dieser Aktion hat sich bei mir fest “Keine Stimme gegen Armut” eingeprägt. Das kommt davon.

  16. Walter Thälert sagte am 8. October 2007 um 02:43 Uhr:

    da sieht man mal wieder wohin uns die aufklärung getrieben hat. alle argumentationen hier reflektieren lediglich individuelle zustände. schön und gut, ist ne durchaus berechtigte einstellung. auch ich war noch nie in myanmar, es zog mich auch noch nie dort hin, aber eine aktion (ja, das ist ne aktion, auch wenn sie sich dem einzelnen nicht sofort als solche erschließt) dieser art kann durchaus effektiv sein und hat ihre daseinsberechtigung. sie funktioniert nach demselben prinzip wie amnesty international und menschenrechtsbeobachtung allerorten: je mehr zivile aufmerksamkeit auf einem thema liegt, desto mehr müssen staatliche aktion im hinblick auf mögliche diplomatische konsequenzen seitens anderer regierungen (die ja wiedergewählt werden wollen) überdacht werden. beispiel: ich bin ein diktator in weißrussland und lasse meine leute verschwinden. interessiert niemanden und ich mache weiter. sobald aber NGOs und andere netzwerke einen solchen trend wie diesen ausrufen, müssen auch die regierungschefs aller anderen staaten, mit denen ich handel treibe, darauf reagieren, weil sie sich sonst zuhause unbeliebt machen. zack: neues handelsembargo und meiner urbanen elite, die mich stützt, geht’s schlechter. ist jetzt etwas idealtypisch, gebe ich zu, aber das heißt ja nicht, dass man’s nicht versuchen kann. die urgent actions von amnesty sind übrigens auch nichts anderes als ein maß von öffentlicher aufmerksamkeit, und sind in fast 50% der fälle erfolgreich. klar, es gibt noch mehr staaten, die unsere aufmerksamkeit verdient hätten, aber sich dann in anbetracht der fülle an konfliktstoff lieber wieder nur dem guten heimischen kulturkampf zuzuwenden kann’s auch nicht sein. also: auch wenn ich mit burma nichts anfangen kann, nutze ich doch trotzdem mein potential, wenn ich zumindest kognitiv nen sinn sehe. gerade die politische blogkultur, die immer gern geleugnet wird, ist da sehr nützlich; in der ukraine (ja, das ist eine diskussion für sich) waren gerade blogs ausschlaggebend. man muss da natürlich nicht mitmachen wenn man dazu keine meinung hat, aber es gibt doch sicher noch dringlichere anknüpfungspunkte für ironische kommentare, oder? sorry, aber leute, die so individualistisch denken (und damit meine ich nicht stylo-pseudoindividualismus, sondern den, den uns die aufklärung und der liberalismus lehrt)sind in meinen augen immer irgendwie… yuppies. gegen etwas zu sein, nur weil es ein trend ist, ist IMHO auch nicht besser als trends hinterherzulaufen. oder hab ich da mal wieder was komplett falsch verstanden?

  17. .markus sagte am 8. October 2007 um 10:43 Uhr:

    Nicht weil es Trend war, sondern WIE es Trend war.

  18. Walter Thälert sagte am 8. October 2007 um 16:23 Uhr:

    der bio-trend ist auch absurd und ekelerregend, trotzdem bringt er was (und seien es auch nur ein paar glückliche kühe/hühner/[beliebiges haustier] mehr). außerdem wird ‘trend’ langsam ein etwas unscharfer begriff. ich würde eher von starken und schwachen wertungen (isaiah berlin -> ‘wertungen’ wie ‘werte’) bei der auswahl persönlicher präferenzen sprechen. wenn ich meinen leseausdrück resümieren sollte, dann erscheint mir diese diskussion hier genauso von schwachen wertungen geprägt, wie es trendgetue ist. oder steht da ein komplexeres werturteil hinter diesem eintrag, das mir entgangen ist?

  19. Sebastian sagte am 8. October 2007 um 17:02 Uhr:

    Dass aus einem Handeln zufällig oder absichtlich vielleicht ein paar positive Wirkungen entstehen, kann doch nicht bedeuten, dass man dieses Handeln nicht kritisieren darf. Narzissmus ist Narzissmus, glückliche Eier hin oder her.

  20. maloXP sagte am 8. October 2007 um 17:40 Uhr:

    Hallo Walter,

    ich kann dir nur raten, einen Blick ins About diese Blogs zu werfen, aus dem man herauslesen kann, dass wir nirgendwo den Anspruch erheben, moralphilosophisch oder sonstwie begründete Werturteile zu fällen. Tatsächlich ist dieses Blog überwiegend eine Bauchraum-Geschichte.

    Wie du aus den Kommentaren herausliest, stehen wir auch unterschiedlich zu “Free Burma”. Meine Meinung ist, dass das so eine typische Blogosphären-Aktion ist: Hurra, wir tun etwas für unterdrückte Menschen, indem wir einen 0-Zeiler mit 0-Inhalt, aber roter Farbe, in unsere Blogs absondern und auf etwas hinweisen, das sowieso jeder schon gehört hat, der nicht im völligen medialen Vakuum lebt. Ich finde das irgendwie klebrig, vor allem im Angesicht der Tatsache, dass im Anschluss an die Aktion gewisse Schwachmaten, anstatt irgendetwas halbwegs Inhaltliches über Burma zu schreiben, erstmal mitsamt hübscher Präsentationsgrafiken den “Impact” und das “Mobilisierungspotential” analysierten (und wer die Heinis kennt, weiß dass es denen immer im Hinterkopf darum geht, wie man Blogs PR- und Werbungsmäßig ausreizen kann). Das ist so typisch deutsche Blogs: Politik? Schnell mal ein Button reingeklebt und dann wieder Business as usual. Muß ja danach noch das nächste coole YouTube-Video gepostet werden (“[via: Nerdcore]”).

    Viele Blogs, mein Eindruck, sind einfach bloß “da” damit man gegenüber den Arbeitskollegen was zum Angeben hat. Sie haben kaum ein Alleinstellungsmerkmal und rennen jeder noch so dämlichen (oder – wie hier – prinzipiell guten) Aktion hinterher, ob das nun Stöckchen sind, Linkketten oder Aktivität gegen unseren Herrn Innenminister. Function follows Form, wir machen alles mit, könnte einem ja einen A-Blogger-Trackback einbringen. Meines Erachtens wird dadurch die echte, substantielle Aktivität entwertet (die man in der Tat auch mit Blogs erreichen kann). Bezogen auf Burma haben vielleicht drei, vier Blogs wirklich etwas getan (wie etwa der Spiegelfechter), aber sind wir doch mal ehrlich: für die allermeisten war dieser “One Blogpost for Burma”-Button gleichzeitig Anfang und Ende der inneren Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex. Meine Kritik an dieser Aktion richtet sich also nicht gegen die Aktion als solcher, sondern gegen den Teil der Partizipanten, die sie zur Smugproduktion (siehe dritter Kommentar) missbrauchen.

  21. .markus sagte am 8. October 2007 um 18:10 Uhr:

    Walter, ich wollte mit meinem Einzeiler ungefähr das sagen, was maloXP so schön forumuliert hat.

  22. Walter Thälert sagte am 8. October 2007 um 21:30 Uhr:

    und das mag ich so an malo(xp), da kann man gar nix mehr in den falschen hals kriegen…
    ich gebe zu, ich habe die reaktion der internationalen blogosphere zu diesem thema nicht verfolgt, wohl aber die restliche mediale. was maloxp so schön ausgeführt hat ist durchaus berechtigte kritik, auch wenn ich der meinung bin, dass jegliche aufmerksamkeit besser ist als gar keine, selbst wenn sie nicht durchdacht und reflektiert ist. ich weiß auch, dass dieser blog nicht das forum für eine ernst gemeinte auseinandersetzung mit dem thema ist, es stieß mir nur etwas auf weil es sehr universell klingt. ich heiße oberflächlichkeit in politischen fragen bestimmt nicht gut, aber wenn ich solche aktionen sehe denke ich immer: besser so als wenn niemand drüber redet, wie bei den ca 100+ laufenden konflikten auf unserer schönen erde. ich entschuldige mich allerdings dafür, hier einen etwas zu väterlich mahnenden ton hereingebracht zu haben, man wird halt auch nicht jünger…
    @sebastian: narzissmus mit glückliche eiern ist besser als narzissmus ohne glückliche eier. auch wenn glückliche eier allein natürlich schöner wären, aber das ist doch nicht menschlich

  23. Walter Thälert sagte am 8. October 2007 um 21:35 Uhr:

    achso – @maloXP: ich glaube es gibt wenig sätze die man sagen kann, ohne irgendwie moralphilosophische oder sonstwie begründete Werturteile zu berühren oder zu entblößen

  24. maloXP sagte am 8. October 2007 um 21:40 Uhr:

    Doch. Zum Beispiel: “Hm, lecker Eierlikör. Besser wie die ganze Zeit nur Gebäck.”

    Da geht moralphilosophisch gar nix.

  25. .markus sagte am 8. October 2007 um 23:11 Uhr:

    Pah, als Mensch mit Schulaufsatzerfahrung, würde sich auch da ein Interpretationsansatz finden lassen!

  26. Walter Thälert sagte am 9. October 2007 um 00:02 Uhr:

    gerade eierlikör ist doch mit alkohol. und dann auch noch so old-fashioned… und gebäck ist doch schließlich der grundpfeiler unserer deutschen kultur. die ddr gab’s auch nur so lang, weil die so viele billige torten hatten.

  27. Sebastian sagte am 9. October 2007 um 00:34 Uhr:

    D’accord, ein gewisser Narzissmus ist menschlich, aber es gibt auch Formen davon, die zu sehr unglücklichen Eiern in hoher Anzahl führen können. Wenn es jemandem, der sich für eine “Sache” engagiert, in Wahrheit nur um ihn selbst geht, müsste es schon ein großer Zufall sein, wenn damit langfristig der Sache gedient wäre. Auch wird die Sache dann relativ beliebig, und der so genährte Narzissmus könnte sich später auch mit weniger begrüßenswerten Zielsetzungen verbinden.

    Und auch wenn er das nicht tut, stellt sich die moralische Frage, ob die da draußen frei geborenen Eier für unser psychisches Gleichgewicht zuständig sind und instrumentalisiert werden dürfen.

  28. Walter Thälert sagte am 9. October 2007 um 00:59 Uhr:

    so leicht ist das mit der instrumentalisierung meiner meinung nach nicht. wo willst du da die grenzen ziehen? wo fängt instrumentalisierung an bzw. kann das subjekt anders? da könnte man fast in eine fruchtlose “altruismus-egoismus”-diskussion abgleiten. du hast aber definitiv recht was das demagogische potenzial angeht. aber institutionalisierung von werten und normen hat schon immer so funktioniert (mist-phrase), selbst in den internationalen beziehungen. da sind so’n paar komische außenseiter, die komisches zeug reden, intellektuelle schließen sich an, es wird zum trend und 20 jahre später ist dieses gedankengut nicht mehr wegzudenken (wie z.B. das thema umweltschutz ganz allgemein, jetzt gibt sogar pro7 CO2ntra). die frage nach den begrüßenswerten zielsetzungen geht da noch etwas weiter und berührt den punkt, den ich in meinem ersten kommentar striff (streifte/struf/straf), die frage nach wertekonservatismus oder -freiheit, letztendlich die frage nach individualismus/liberalismus und kollektivismus oder auch nach aufklärung oder romantik. wenn du magst könne wir da auch gern weiter drüber diskutieren, hab aber angst, dass ich hier sonst wegen wildem kommentargespam(m?)e ausgeschimpft werde…

  29. maloXP sagte am 9. October 2007 um 01:27 Uhr:

    Walter, wenn hier einer kommentarspammen darf, dann Du… šŸ˜‰

  30. .markus sagte am 9. October 2007 um 10:37 Uhr:

    Hiergeblieben!

  31. pantoffelpunk sagte am 9. October 2007 um 10:58 Uhr:

    Gut, dass wir drüber geredet haben.

  32. Walter Thälert sagte am 9. October 2007 um 12:57 Uhr:

    ich muss mich, rücklesend, für meinen teilweise etwas harschen ton entschuldigen. ich bin was das thema angeht vielleicht doch etwas berührt: bevor die junta angefangen hatte, mönche zu erschießen, dachte ich mir “schön, eine friedliche revolution. und bei der allgemeinen aufmerksamkeit kann sich das regime nicht leisten, rohe gewalt anzuwenden”. nicht nur auf birma/burma/myanmar bezogen ist das eine frohe botschaft, so etwas macht leicht schule und könnte nachahmer finden. bin halt doch irgendwie revolutionsromantiker. dass es letztendlich anders gekommen ist, ist sehr schade und hat mich in meiner (zugegebenermaßen etwas kognitiven) freude gebremst. trotz allem dachte ich mir dann bezüglich “free-burma”: “wenn dr. luise müller schon politisch zu nichts anderem zu gebrauchen ist, dann ist das hier doch fast erfreulich”. bei einer pessimistischen anthropologischen konstante neigt man dazu, jedes zeichen von irgendwie gearteter anteilnahme als erfolg zu werten. ich gehe übrigens davon aus, dass der mensch all sein nach außen gerichtetes handeln für sein psychisches oder physisches gleichgewicht instrumentalisiert, mal mehr, mal weniger offensichtlich oder erfolgreich. ohne diese sektion jetzt weiter zu einer debattierstube über alles, was den walter so bewegt, umwandeln zu wollen, nehme ich hiermit höchst feierlich das “yuppies” zurück, zu dem ich mich in anspielung auf eine sehr weite moralphilosophische diskussion habe hinreißen lassen.

  33. Sebastian sagte am 9. October 2007 um 18:06 Uhr:

    Ich freue mich erst einmal, dass wir uns über die Fruchtlosigkeit von Egoismus-Altruismus-Diskussionen einig sind. Vielleicht sind wir es aber nicht aus denselben Gründen. Doch dazu gleich, erstmal der Reihe nach:

    “… institutionalisierung von werten und normen hat schon immer so funktioniert … da sind so’n paar komische außenseiter, die komisches zeug reden, intellektuelle schließen sich an, es wird zum trend und 20 jahre später ist dieses gedankengut nicht mehr wegzudenken …”

    Hm.. ist es nicht eher so, dass bei diesen komischen Außenseitern, sagen wir etwa bei der Arbeiterbewegung oder bei den Grünen, die Inhalte zunächst noch ganz und gar bedeutungsvoll sind und die Worte von Herzen kommen, aber dann umgekehrt die Bedeutung verlieren und zu bloßen Instrumenten des Fortkommens mutieren, je etablierter diese Gruppen werden? Das würde heißen, die Institutionalisierung der entsprechenden Werte und Normen in weiten Teilen der Bevölkerung geht mit einer relativen Verwässerung derselben Werte und Normen einher, die vorher eher exklusiv kleineren Gruppen zu eigen waren, aber dafür innerhalb dieser Gruppen unverfälschter, bedeutungsvoller. Dass die verwässerten Werte nicht das gelbe vom Ei (hehe) sind, sagt ja selbst unser des Kulturpessimismus unverdächtiges Spitzenpersonal, wenn es mal wieder nach einer “Wertediskussion” ruft und dabei übersieht, dass wir nicht eine Wertediskussion brauchen, sondern Werte.

    “ich gehe übrigens davon aus, dass der mensch all sein nach außen gerichtetes handeln für sein psychisches oder physisches gleichgewicht instrumentalisiert, mal mehr, mal weniger offensichtlich oder erfolgreich.”

    Ich nicht. Vielleicht liegt das aber auch an einer Unklarheit der Begriffe. Klar ist, dass es ohne nach außen gerichtetes Handeln gar keine psychische Struktur und somit kein menschliches Leben gibt. Wenn man das Instrumentalisierung nennen will, hast du Recht, aber das wäre so, als würde man sagen, sobald mein altruistisches Handeln mir irgendwelche Befriedigung verschafft oder nützt, wäre es in Wirklichkeit egoistisch. Deswegen finde ich diese Zweiteilung fruchtlos, so wie sie üblicherweise gebraucht wird, weil sie mit einem rhetorischen Taschenspielertrick sämtliche tatsächlichen Unterschiede in menschlichen Motivationen verleugnet – und übrigens den Begriff “Egoismus” damit überflüssig macht. Wenn er nur noch sagt, dass alles, was ein Wesen tut, den Motivationen dieses Wesens entspringt und nicht denen eines anderen, sagt er etwas sehr Triviales, das der Fragestellung überhaupt nicht voranhilft.

    Um mal wieder konkreter zu werden – wenn ich sage, ein Mensch, den ich liebe, sei nur Vehikel meiner Befriedigung, dann ist das doch eine Perversion der Begriffe, die den Sachverhalt nicht trifft. Es hat doch Gründe, dass man Sex im technischen Sinn kaufen kann, Liebe aber nicht. Wenn ich dir ein Geschenk mache, weil ich hoffe, dass dein Vater mir einen Job gibt, während du mir völlig wurscht bist, dann instrumentalisiere ich dich. Aber wenn ich dir ein Geschenk mache, weil du mein Freund bist, ist das doch nicht dasselbe, nur weil das Schenken auch mir selbst Spaß macht.

    Ich denke, mit dem alten Kant kommt man der Gretchenfrage näher: Ist der/das Andere Zweck oder zumindest auch Zweck oder nur Mittel? Das ist entscheidend.

  34. Walter Thälert sagte am 11. October 2007 um 23:49 Uhr:

    so, der besuch ist weg und ich kann mich wieder den wirklich wichtigen dingen zuwenden šŸ˜‰

    “Hm.. ist es nicht eher so, dass bei diesen komischen Außenseitern, sagen wir etwa bei der Arbeiterbewegung oder bei den Grünen, die Inhalte zunächst noch ganz und gar bedeutungsvoll sind und die Worte von Herzen kommen”
    also wann etwas von herzen kommt und von echter überzeugung spricht fällt mir (und wahrscheinlich auch den betroffenen) immer schwer zu sagen. jemand, der sich selbst als mitläufer sieht, ist selten. jedenfalls gibt es imitation und somit auch blinden anschluss auch auf der mikroebene, so dass ich mich über die genaue entstehung und verbreitung sozialrevolutionären gedankengutes im kleinen kreis nicht näher auslassen möchte.

    “die Institutionalisierung der entsprechenden Werte und Normen in weiten Teilen der Bevölkerung geht mit einer relativen Verwässerung derselben Werte und Normen einher”
    definitiv richtig, aber das problem bei (entschuldige den begriff) kollektivgutproblemen ist, dass sie nur gemeinschaftlich erwirtschaftet werden können. eine exklusive gruppe von grünen, die nicht auto fährt, nützt der umwelt nichts, solange es keine nachahmer gibt.

    “und dabei übersieht, dass wir nicht eine Wertediskussion brauchen, sondern Werte.”
    finde ich etwas plakativ. was wäre die konsequenz? unser problem ist meiner meinung nach, dass wir uns oft wertfreiheit vorgaukeln, wo werte im verborgenen liegen. sieh die diskussionen über politische freiheiten (die besonders von liberalistischen, also angeblich wertfreien kräften bekräftigt wird) und versuch dann mal, diese freiheit zu definieren. wir sind uns vieler unserer grundlegenden werte nicht bewusst, bzw. halten sie für philosophisch letztbegründbar. wir müssen uns unserer versteckten werte bewusst werden, sowie ihrer willkür, und sie bestenfalls mit anderen konfrontieren, um eine art hermeneutische horizonterweiterung zu erreichen.

    “Ich denke, mit dem alten Kant kommt man der Gretchenfrage näher: Ist der/das Andere Zweck oder zumindest auch Zweck oder nur Mittel?”
    ich gebe dir recht, dass die unterscheidung zwischen egoismus und altruismus so betrachtet fruchtlos ist. dein von kant entliehenes gegenargument ist analytisch schlüssig, nur hilft es in der praxis? gerade bei der einführung emotionaler bedürfnisstrukturen in das problem, wie in deinem beispiel, ergibt sich hier eine schwierige trennungsunschärfe. man kann einerseits über emotionale bedürfnisse alles erklären, hat sich dann allerdings mit dem vorwurf der tautologie herumzuschlagen. ich mag die begriffe deswegen nicht. auch dein einwand überzeugt mich nicht ganz. kants differenzierung taugt da in meinen augen nur in der theorie, denn die trennung zwischen zweck und mittel ist eigentlich keine trennung sondern ein kontinuum, denn wer ist sich seiner eigenen bedürfnisstrukturen und motive schon so bewusst wie der homo oeconomicus?

    so, hoffentlich liest das überhaupt noch jemand (außer maloXP, der muss ja). obwohl… ist eigentlich auch nicht so wichtig.

  35. .markus sagte am 12. October 2007 um 00:08 Uhr:

    (Ich lese das auch, mit Begeisterung! Gerade die Kommentarkultur in Blogs krankt an Oberflächlichkeit, Ignoranz und Dialogmangel und nachdem das Craplog einen gewissen Popularitätsschub erhalten hat, befindet man sich zu oft auf Spreeblickkommentationsniveau, leider. Es ist schön, eine “Debatte” zu lesen, in der nicht das Ziel ist, den Gegenüber am ausgefallensten zu beleidigen. Ich sag jetzt mal nichts Inhaltliches, weil ich auch gerne mal lese, ohne zu verwässern)

Und was meinst Du?

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