ICH.

Kein anderes Wort der deutschen Sprache besitzt einen so herrlichen Klang. Ich will an dieser Stelle mal ein Gerücht weitergeben, das mir gestern einer der selbsternannten Katholisten aus dem Kreis von Social Media-PR-Bliblablub zutrug, den ich noch aus den Zeiten damals kenne, als die DotCom-Branche gerade platzte und die Kanaille um Spreeblick-Boss Johnny Haeussler gerade so richtig mit Second Life baden ging.

Second Life, was da damals an Zillionen und Fantastilliarden verpulvert wurde, alles für die Katz. Und ich (heute Blogger Feuilletonist bei der FAZ, vor 10 Jahren aber noch im dreckigen Geschäft Internet tätig) sag' noch zu denen: "Das wird nix mit Second Life. Kann man in jedem kambodschanischen Schelmenroman des 14. Jahrhunderts nachlesen, dass das mit Second Life nix werden kann, ihr Furzköppe! Das steht da drin, laut und deutlich! Müsst ihr halt Altkambodschanisch lernen, damit ihr das lesen könnt."

In der Folge wurde ich nur noch selten für voll genommen. Seitdem mahne ich in diesem Blog, dass das Internet nicht relevant wird. Jedes Jahr zerreibe ich mich in aufwändigen Artikelserien zur Unwichtigkeit der Bloggermesse Republica und dennoch gibt es sie noch. Warum? Weil ihr alles Pfeifen seid, darum.

Das hat jetzt nichts mit dem Thema zu tun, aber ich besitze eine authentische Gutenberg-Bibel, in der ich gerne schmökere, während ich Earl Grey aus einer antiken ostsyrischen Keramikteetasse süffele. Ohne dieses viktorianische Ritual hätte ich es seinerzeit nicht geschafft, StudiVZ zum Implodieren zu bringen.

Ich habe es damals bei Second Life jedenfalls echt im Guten versucht. Heute bin ich Feuilletonist bei der FAZ und warne die Spreeblick-Knallchargen vor Twitter. Das ist doch klar, dass da nix bei rumkommen kann. 140 Zeichen, pfff, da kann man - mit Leerzeichen - maximal fünfunddreißigmal "Ich" unterbringen. Was soll man denn da groß reinschreiben können? Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum sich Sascha Lobo, dieser Vollkoffer, so an den Zensurprovider Vodafone ranwanzt: Darum! Es ist immerhin mein Internet, und ich mag es nicht, ebendieses von solcherlei Gewürm repräsentiert zu sehen.

"Irgendwo blüht die Blume des Abschieds und streut immerfort Blütenstaub, den wir atmen, herüber; auch noch im kommendsten Wind atmen wir Abschied." --Wikiquote

Kürzlich, als ich in meinem 56er Porsche 911-Cabrio an der Costa Brava in den gleißenden Sonnenuntergang fuhr, kurz zuvor örtliche Spezialitäten genüsslich gespeist habend (ich gönne mir das manchmal, das ist meine Lebensart), da fiel mir auf: Diese PR-Hanseln, diese Werber, diese Blogger, die sich kaufen lassen, wie sie da bald auf der Repulica wieder rudelbumsen, das ist ganz schön eklig. Selbst wenn man mich eingeladen hätte, wäre ich nicht gekommen. Das sind mir nämlich alles zu eitle Fatzkes. Mit ihren tragbaren Computern und teuren Telefonen - wie albern, wie peinlich, wie geistlos, dieses Rumgewichse mit Statussymbolen! Ich beschleunigte den 300.000 €-Wagen, die Landstraße knirschte nur so unter mir und ein warmer, aber nicht drückender Wind umpuschelte mein Haupthaar. Nein, mit diesem Pack gebe ich mich nicht ab, obwohl ich schon ganz gerne eingeladen worden wäre. Ich werde mich Mitte April auf meinen byzantinischen Kaiserthron verziehen, griechische Philosophen lesen und drei Tage lang nur hämisch lachen. Das muss man sich mal vorstellen: Archimedes, Platon, Hepatitis - sie hatten schon vor Tausenden von Jahren mehr Durchblick in Sachen New Economy und Social Media als alle, außer mir, heute.

Habe ich schon erwähnt, dass ich für die FAZ schreibe? Um nochmal auf das Gerücht zurückzukommen, das mir kürzlich von einem anonymen Tippgeber aus der PR-Abteilung eines großen deutschen Telefonunternehmens zugetragen wurde: Andere Leute verwenden angeblich das Wort "ICH" und meinen damit gar nicht mich, Donald von Soundso, die kultivierteste Kunstfigur des Universums. Wie dämlich kann man eigentlich sein? Gestattet, dass ich lache, ihr Kackbratzen?

Ahahahaha!