Eine Welt aus Papier

Sebastian, 3. January 2008

In anderem Zusammenhang habe ich einmal Reinhard Mohr als den Franz-Josef Wagner von Spiegel Online bezeichnet. Dazu qualifiziert ihn die Tatsache, dass er wie dieser nichts mehr mitkriegt, nichts mehr mitkriegen will und zugleich als Folge und als Kompensation dieser Verfassung umso meinungsstärker auftreten zu müssen meint und auch zu dürfen glaubt. All dies wird derzeit trefflich illustriert durch den Artikel “Hartz Hunter Reloaded” vom Batz, den ich bei Gelegenheit durchzulesen bitte.

An dieser Stelle ein kurzes Apropos, quasi von “Netzaffe” zu Papieraffe an Herrn Bernd “Qualität” Graff sowie, quasi von “Pawlowschem Hund” zu Pawlowschem Pfau, an Herrn Johannes “lesenswerte Texte, die von Liebe handeln” Boie und all die anderen Verteidiger der Informationshochkultur gegen die Generation Klowand: Sie haben ja in Teilen Recht mit Ihrer Kritik an Bloggern und Blog-Kommentatoren. Aber sicherlich kennen Sie auch jene Redensart, in der Steine und ein Glashaus vorkommen. “Das wirkliche Schlachtfeld ist die Öffentlichkeit in unserem Land” sagte einmal Donald Rumsfeld, also einer, der in Machtfragen wohl als nicht ganz unbedarft angesehen werden kann, in bezug auf den Kampf um die öffentliche Meinung, den zu verlieren in der modernen Gesellschaft bedeutet, überhaupt zu verlieren. Und er sagte es im Kontext eines Gespräches über den Irakkrieg.


Bild: giginger (cc)

Bitte, Herr Graff, Herr Boie, Herr Schirrmacher etc., lesen Sie Batzens Beitrag, überwinden Sie Ihren Abscheu, der sicher toben wird, wenn Sie feststellen, dass darin Kraftausdrücke Verwendung finden und die Ortographie ihre Mängel hat, stoßen Sie bis zum Inhalt vor und – kehren Sie verdammt noch mal vor Ihrer eigenen Tür. Sie haben gesellschaftlichen Einfluss. Sie bereiten Kriege und Pogrome vor, Sie zetteln soziale Konflikte an, Sie impfen tagtäglich Millionen von Menschen die Überzeugung ein, Unrecht sei Recht, indem Sie es mit jener Teilnahmslosigkeit referieren, wiederkäuen und zur Gewohnheit machen, die Sie Professionalität nennen, und es auch gerne mal direkt herbeirufen. Sie schlagen Schlachten, ohne dafür rechenschaftspflichtig zu sein, und proklamieren jetzt, dass die Welt untergeht, wenn Sie dabei auch mal selbst eine kleine, symbolische Ohrfeige abbekommen.

Zählen Sie einfach mal die Leichen, über die die von Ihnen maßgeblich geschaffene öffentliche Meinung immerzu geht, bevor Sie schreibenden Privatleuten Vorhaltungen machen, weil diese den Journalistenknigge nicht gelesen haben, ihn vielleicht auch gar nicht lesen wollen und mit ihren ungehobelten Umgangsformen Ihr Feingefühl düpieren. Dann sähe man sich in diesen Kreisen vielleicht auch stärker veranlasst, Ihnen in dieser Sache überhaupt zuzuhören.

1 Kommentar

  1. blackmailed sagte am 16. May 2008 um 15:23 Uhr:

    word.

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