Die Verlosung der Gesellschaft
Schenkt man Menschen Glauben, die sich in den letzten Tagen von ihrem Fernseher losreissen konnten “um noch einige Besorgungen zu machen”, stapelte sich die deutsche Verfügungsmasse (mal wieder) in deutschen Trinkhallen und sonstigen Lottoannahmestellen, um ein paar Kreuze zu machen, nicht, um sich Volksvertreter zu wählen, hier immerhin scheint das Volk verstanden zu haben, dass es nichts bringt, sondern um die “Steuer für Menschen, die kein Mathe können” (Quelle: irgendwo aufgeschnappt) abzuführen.

(Spreeblick-Kommentatoren, Symbolbild)
Das ist noch halbwegs harmlos, da man diesen Unfug anonym durchziehen kann, wobei dieses Recht mit einer nicht unerheblichen Menge Geld abgegolten wird. Schlimm wird es, wenn Verlosungen an Bedingungen geknüpft werden, was vorhersehbar immer damit endet, dass sich eine nicht zu unterschätzende Masse nicht entblödet, einen peinlich-peinlichen (was soll man dazu sonst sagen?) Kommentar abzugeben, um einen begehrten Preis abzugreifen, der bis zur Sekunde vor dem Gewinnspiel noch überhaupt nicht begehrt, ja wahrscheinlich nicht einmal bekannt war. Denn sagt der Preisverleiher “Spring!”, folgt der Untertan und macht dazu noch wuff, und das meine ich nicht einmal im übertragenem Sinne, denn:
Kaum, dass Spreeblick per Twitter verlautbaren lässt, ein Handy unter die Leute zu bringen, wird der Kommentarbereich in nicht weniger als 2 Stunden mit weit über 100 Kommentaren geflutet von Leuten, die sich hin- und hergerissen sehen zwischen dem Drang, möglichst schnell einen Kommentar abzugeben, um bemerkt zu werden (endlich einmal!) und der Vorgabe, kreativ seine Geekness zu illustrieren. Durch diesen Zwiespalt völlig überfordert, versucht sich der Großteil am Humor und scheitert kläglich, wenn er Dinge schreibt wie
oder mehreren Dutzend Derivaten von
Das ist ja mal eine 1337e Verlosung. \/\/4|\|7 G1 plz. k thx?! cu. xD
was in diesem Fall immerhin insofern an Komik gewinnt, als dass dieser Kommentar um 13:37 Uhr abgegeben wurde.
Eine andere Qualität gewinnt dieser Gewinnspielirrsinn jedoch, wenn der Leser nicht mehr Teilnehmer, sondern Teil des Gewinnspiels wird, ja zum Gewinn selber. In einer unsäglichen Aktion rief Sascha Lobo zur allgemeinen Followerverlosung auf, in der die gegenseitige Vernetzung von Menschen degradiert wurde zu einem Witz zur Ankurbelung der Bekanntheit des neues Must-read und um noch einmal klarzustellen, wer hier der kreative ist. Auch die Teilnehmer waren sich des Blödsinns wohlbewusst und packten ihre Teilnahmetweets in selbstironische Watte á la “Diese #Followerverlosung ist ja total albern *grins*” o.ä., so genau kann ich das nicht zitieren, da mich bei diesen Tweets derart heftiger Juckreiz packte, dass ich spontan alle Teilnehmer aus meiner Liste warf. Es fehlte sowieso ein Kalibrierungsrichtwert zur Entschlackung, dieser erschien mir durchaus angemessen. Der Gewinner darf sich nun über ein paar Follower mehr freuen, denen er völlig egal ist, was ihn aber nicht weiter stören dürfte, ging es ihm doch wie allen anderen lediglich um die selbsttragende Aufmerksamkeit, die sich so auch ohne Inhalte schnell generieren lässt. Herzlichen Glückwunsch!
[...] Ich habe gerade auf dem Crapblog eine nette Deutung zur aktuellen Kommentar-Lage auf Spreeblick gefunden. Dort geht es darum, was [...]
Ich finde die Kommentare nur bedingt peinlich. Sie machen Spaß oder sollen diesen vermeintlich vermitteln. Es geht meiner Meinung nach nicht darum, seine eigene Geekheit zur Schau zu stellen, sondern Geekheit als Klischee zu überzeichnen. Dass es für diese Kreativität einen Preis gibt, ist meiner Meinung nach ein schöner Ansporn.
Was mir bei deinem Beitrag fehlt, ist das wirkliche Urteil der Spreeblick-Aktion. Findest du sie noch akzeptabel, weil du ja doch einige Sachen witzig findest oder ist sie für dich einfach nur die Ausgeburt der Hölle, da jeder Depp versucht einen Gegenstand abzugreifen, der nicht einmal wirklich wertvoll ist?
Selbstverständlich ist diese Aktion die Ausgeburt der Hölle, sonst wäre ich ja hier off-topic.
Ich war mir ein wenig unsicher, weil du gegen Ende hin den Twitter-Unsinn in den Vordergrund gerückt hast.
Hm, stimmt… das ist eigentlich noch schlimmer. Dann Vorhölle – Hölle
Ich fand sie auch voll lollig, das ist es ja.
@Justin: Hoffentlich gibt dir dein Papa bald wieder Interweb-Verbot. Das wäre roflig.
Peace. Out.
oh mann. nachdem ich gesehen habe, dass lobo jetzt “ein persönliches blog” hat und dieser justin… ich glaube ich lasse das online-schreiben lieber. mein gott.
[...] dieser Stelle gibt es wie gewohnt die besseren Beiträge (wobei mein neuester Craplog-Beitrag auch nicht schlecht ist) und natürlich lustige Videos. Dieses ist zum Beispiel grandios, ein [...]
ich hoffe, dass dich dein fakeblog bald reich und erfolgreich macht! gute idee, sowas gibt es bisher ja noch nicht wirklich.
“Ich fand sie auch voll lollig, das ist es ja.”
Oh Mann, wenn ich heute nicht sowieso gut drauf wäre, dann wäre ich es spätestens nach dem lesen dieses Einzeilers gewesen!
ich verlose jetzt bald übrigens meine “real life freunde”. sie wissen zwar noch nichts davon, aber ich denke, dass der gewinner schon besser mit ihnen umgehen wird als ich es tue. mehr erfahrt ihr in kürze!