Der Mann, der Der Mann, der Gott verklagte, verklagte

Sebastian, 1. August 2009

Müller, diese Drogerie-Medienmarkt-Chimäre, in der das einzige akzeptierte Zahlungsmittel “Gutscheine” zu sein scheint, lockte uns mit dem Versprechen, 5 Filme für 20 Euro abgreifen zu können. Zum Glück lag hier seit etlichen Monaten noch ein Gutschein mit eben diesem Gegenwert bei uns herum, mit dem wir nichts anzufangen wussten, so wie überhaupt Gutscheine bei uns eine sehr lange Verweildauer pflegen. Wer den Rabattbon nicht ehrt, ist den Gutschein nicht wert. Es war bereits kurz vor Ladenschluss, als wir uns durch die Reihe “guter und bewährter” Titel, sprich unverkäuflichem Mist, wühlten, als das Personal wie von Sinnen anfing zu tanzen. Das wiederum lag an der grässlichen Musik, die da auf einmal tönte: “Wir sagen dankeschön, 20 Jahre Die Flippers”, ein an sich unhaltbarer Zustand: 20 Jahre Die Flippers. (Erschrocken stelle ich während des Schreibens fest, dass just dieses Jahr eine Neuauflage des Lieds erschien: 40 Jahre Die Flippers.)

Das Lied, so verstanden wir, spielte das Personal nicht zum Spaß, so wie Personal ja grundsätzlich und per definitionem niemals etwas zum Spaß tut, sondern um die Jüngerschaft schnell und effektiv aus ihrem Tempel zu vertreiben: Feierabend. Nun waren wir durch ein paar Filme schon angefixt und wollten die fünfe voll machen, weswegen wir recht wahllos noch zulangten und die durch den Schlagerbeat schon völlig losgelösten Kassierer (hätte es nicht eine Durchsage, die den Ladenschluss ankündigt, auch getan? Wir bekamen dieses Ansinnen erst mit, also wir schon die letzten auf der ganzen Etage waren) noch einmal aus der Vorfreude auf ihr Feierabendbier und dem Fun Freitag mit einer neuen Sendung namens “Schmitz in the City” rissen.

So verließen wir den Laden mit den Filmen Wenn der Wind weht, dem meist nachgefragten Film überhaupt, da ihn jeder als Kind gesehen hat, von seiner Wirkung komplett verstört wurde und jetzt eben überall nach diesem Zeichentrick mit dem alten Ehepaar, das einen Atomschlag überlebt, sucht, Running Scared, der Odyssee mehrerer Protagonisten und einer Kanone durch die Nacht (sehr empfehlenswert), She’s having a baby *sigh*, Zug des Lebens, von dem ich noch nie gehört habe, an den ich aber mal vorsichtig optimistisch rangehe und dem Grund, warum ich mich bei diesem Dreckswetter (Sonne!) überhaupt an die Tastatur bemühe, die Heilige Pflicht des notorischen Meckerers verlangt jedoch danach: Der Mann der (sic!) Gott verklagte.

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Das Leitmotiv des Films ist ein Hund, der auf dem Bug diverser Boote steht. Er symbolisiert einerseits den Dualismus aus Vorwärtsdrang des Individuums und den beschränkten Möglichkeiten, die ihm gegeben sind, andererseits die Einfallslosigkeit australischer Kameraleute.

Ein übler, langweilger, zäher Mist ist dieser Film. Gepriesen wird er als Komödie, und die Formulierung “Eine teuflisch lustige, himmlische Komödie” hätte der Warnung genug sein müssen, fiel dem DVD-Hüllenspruchbeauftragten doch nicht einmal ein Adjektiv nach himmlisch ein, so dass der Claim ja nicht einmal Sinn ergibt.
Hauptdarsteller ist der schottische Komödiant Billy Connolly, der sich laut Wikipedia schon jahrzehntelang durch zweitklassigen Mist á la Beverly Hills Ninja kämpft, was er wohl vor allem seinem Erscheinungsbild, einer Mischung aus John Cleese und Kris Kristofferson, verdankt. Einer dieser Personen, die man als Charakterdarsteller bezeichnet, allein, weil sie graue Haare haben.

Franzosen haben einen sehr eigenen Humor, dieser drückt sich dadurch aus, Verfolgungsjagden im Zeitraffer zu zeigen. Bei Australiern ist es grundsätzlich ähnlich, aber da sie am anderen Ende der Welt verweilen, ist bei ihnen alles andersherum. Hier versucht man also einem Film, insbesondere diesem, möglichst viel Dynamik zu nehmen, durch überlange Kameraeinstellungen, gelangweilte Schauspieler und Dialoge aus der ZDF-Vorabendhölle. Man hat sich einfach auf eine Grundidee verlassen und gehofft, dass diese so urkomisch ist, dass man damit schon durchkommen wird. Nein!
Die Idee ist folgende: Ein Fischer verliert durch einen Blitzschlag sein Boot und verklagt nun Gott, mit der garnicht doofen Argumentation, dass es entweder einen Gott gibt, und man nun die Kirchen belangen kann, oder eben keinen, und die Versicherungen ihre Idee der höheren Gewalt aufgeben müssen, da nicht mehr zeitgemäß (oder so, irgendwo wurde das alles zu schwurbelig und ich habe aufgehört, die Motivation der Protagonisten noch weiter zu hinterfragen, hinzu kommt natürlich dass die Übersetzung von “act of god” zu “höherer Gewalt” natürlich unumgänglich ist, dem Film aber sämtliche Legitimation und Logik raubt). Da klafft natürlich das Logikloch, dass Kirchen nicht direkt verantwortlich gemacht werden können für Gottes Taten, da die ja nun eher ein Fanclub sind als seine Stellvertreter (andererseits sehen sie sich natürlich als seine Stellvertreter, dann wiederum gibt es ja überhaupt keinen Gott, siehe oben (40 Jahre Flippers)) und mittendrin ist da noch ein Anwalt der aussieht wie Olaf Scholz, also auch ihm möchte man zurufen “Akzeptiere deine Glatze, es ist okay und auf jeden Fall besser als dieser Büschel da in der Mitte, Baldy Man!” und dieser arbeitet einerseits für die Kirchen, andererseits für die Versicherungen und spielt sie am Ende gegeneinander aus. Oder so. An dieser Stelle bin ich längst ausgestiegen.

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Das Leitmotiv des Films ist ein Hund, der… ach, lass mich doch in Ruh’!

Hassphrase in Filmkritiken Nr. 1: “Der Film funktioniert…”, aber gut: Der Film funktioniert evtl. als genreloses Dahinplätschern, so wie es Pro7 vor vielen Jahren in seinen Vormittagsfilmen zeigte, Filme, die einfach nur sind und nichts wollen, zum Beispiel unterhalten. Wenn sich ein Film jedoch anmaßt, lustig zu sein, sollte man wenigstens versuchen, dem Zuschauer etwas zu bieten. Aber: nichts. 80 % des Films bestehen aus Dialogen des Klägers und der Reporterin mit den furchtbaren, furchtbaren Haaren, die ihn begleitet, sie unterhalten sich im Gerichtsgang, auf einer Wiese, auf einem Balkon, auf einer anderen Wiese und noch einer und dem Bootssteg. Es sind reine Fülldialoge, die nur erklären, was bislang passiert ist und was demnächst passiert, und da der ganze Film so aufgebaut ist, befindet man sich irgendwann in einer Schleife der Unlogik, da man sich erzählt, dass man sich gerade erzählt hat, was man sich gleich erzählen wird. Argh. Und wer sich bei Herr der Ringe III und Wild Things gefragt hat, wann denn nun mal das richtige Ende kommt, wird sich hier nun komplett veralbert vorkommen, es gibt hier mehr Nachschlag als in der siebten Klasse, wenn man nach einem Rülpser vergessen hat, Schuuulz zu sagen.

Und das prangere ich an.

1 Kommentar

  1. Der Mann, der Der Mann, der Gott verklagte, verklagte « social issues and stuff sagte am 1. August 2009 um 18:08 Uhr:

    […] dem Craplog folgt der Rest dieser Filmrkritik und drei mal dürft ihr raten, wie ich ihn […]

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