Archiv für die Kategorie ‘Wer hat DICH denn freigelassen?’

vicky cristina bullshit

cipha, 26. August 2009

rebecca hall als vicky und penélope cruz als die durchgeknallte und geniale künstlerin maría elena; das sind die einzig positiven und komplett überzeugenden aspekte des 2008er-woody-allen-films vicky cristina barcelona. von mir aus noch die stadt barcelona selbst, wo der film spielt, aber die rückt aufgrund der bescheuerten geschichte zu sehr in den hintergrund. schade war’s. scarlett johansson ist ansonsten eigentlich in jedem ihrer leinwand-auftritte ein juwel und garant, da sie aber das billige und sexgeil-dumme blondinen-klischee bedienen muss, geht sie gnadenlos unter.

die story ist schnell erzählt: zwei bildhübsche amerikanische studentinnen machen sommerurlaub in barcelona, spanien. vicky ist die intellektuelle, verlobt und kopfgesteuert. cristina ist; ach, drauf geschissen, das steht schon weiter oben. irgendwann lernen sie einen spanischen “künstler” kennen (in “”, weil die kunst zum kotzen aussieht), namens juan antonio (man beachte die anspielung auf den berühmt-berüchtigten don juan). ab da gibts freie liebe, sex, den man nie(!) sieht, jede menge schmalz und, wie im titel bereits angekündigt, bullshit. der film bedient dermassen viele klischees, dass einem schlecht wird. hier mal kurz die definition des begriffs:

„(Klischees sind) vorgeprägte Wendungen, abgegriffene und durch allzu häufigen Gebrauch verschlissene Bilder, Ausdrucksweisen, Rede- und Denkschemata, die ohne individuelle Überzeugung einfach unbedacht übernommen werden.“ – Sachwörterbuch der Literatur, Wilpert, Gero von; Stuttgart 1970

konkrete beispiele: die blonde sexbombe ohne gehirn; die brünette intellektuelle; der heissblütige spanier, der sie alle nimmt und alle kriegt, obwohl er wie dahingerotzt aussieht; die romantik der spanischen stadt barcelona; alle maler haben auch eigene privatflugzeuge, um amerikanische touristinnen auf spanische inseln einzuladen und sie dort zu vögeln; der altersweise, dichtende grossvater; der new yorker broker; die echte, richtige und überzeugende künstlerin, die sich umbringen will und geistesgestört auftritt (maria elena); usw, usf.

warum???

darüberhinaus muss ich nicht von einem an monotonie und langeweile nicht mehr zu übertreffenden sprecher über jede kleinigkeit, die passiert, auf dem laufenden gehalten werden. hallo!? ich bin der zuschauer, manchmal kann ich mir die dinge einfach denken. oder geht woody allen davon aus, dass nur grundschüler den film anschauen werden!? dann würde die massnahme tatsächlich sinn ergeben.

in vicky cristina barcelona passiert im prinzip 96 minuten lang gar nix. jetzt ohne spass, ich habe den abspann gesehen und mich gefragt: ja, und was will mir der film jetzt mitteilen!? alle amerikanischen schnecken sollten sommerurlaub in spanien machen, damit sie sich flotte dreier mit neurotischen künstlern geben können und völlig konfus wieder zurück in die heimat fliegen? wtf. die gezeigte dreiecksbeziehung ist dermassen unwahrscheinlich, da hätte ich vorher den jackpot in italien gewonnen. und die us-prüderie wird bei den nicht-gezeigten sexszenen erneut auf die spitze getrieben. ich habe noch nie einen film von woody allen gesehen und ich werde mir ganz bestimmt keinen mehr ansehen.

(hintergrund: in meinen augen ist penélope cruz die beste schauspielerin des sonnensystems. nur wegen ihr habe ich mir deshalb den film komplett gegeben. wer die frauen studieren will, der kann das viel besser und tiefgründiger in den filmen von pedro almodóvar machen. woody allen ist gänzlich überflüssig. almodóvar ist schon spanier, von geburt an, und der erzählt euch auch viel mehr von den träumen, leiden und den vielen facetten spaniens und der menschen. absolute meilensteine: alles über meine mutter und v.a. volver – zurückkehren.)

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Fanpost von Irren

Frank, 6. August 2009

Martin hat nichts gegen Ausländer, aber… etwas gegen Faschismus. Löblich! Martin erklärt uns daher in einer E-Mail die Steigerungsformen von faschistisch: faschistisch, faschistischer, sehr faschistisch, in hohem Maße faschistisch, in höchstem Maße faschistisch.

Martin fühlt sich schleichend islamisiert

Gut, dass es jemanden gibt, der uns per E-Mail vor der schleichenden Islamisierung warnt. Ich hätt’s sonst nicht mitbekommen. Erkenntnis: Man muss sich den ganzen Tag auf Anti-Islamisierungs-Foren und -Blogs herumtreiben, um vor der faschistischen Gefahr des Islamfaschismus gewarnt zu sein, der von den Linksfaschisten ignoriert und gefördert wird. Im Alltag bekommt man ja sonst nix davon mit. Nichts ist unrealistischer als die Realität.

Leider nicht ganz so konkret ist Lenzing. Mit einem Hitlerzitat, welches an mich “gillt” und “alle die diese antifa gesprache hir durchführen”, sollen wir wohl von unserem Gutmenschen-Trip abgebracht werden.

E-Post von einem erigierten Deutschen

Armer Lenzing, biste alleine, haste keine Freunde? Mein Rat an dich: Tu dich doch mit dem Martin zusammen. Ob’s nun die rechtsgrünen Muselfaschos oder die Bolschewistenjudenschweine sind, die Deutschland zugrunde richten, lässt sich sicher bei einer Flasche Oettinger Edelplörre bekakeln. Und dann wird die Schlagballkeule geschultert und ein Abendspaziergang unternommen. Ist es nicht herrlich, wie das Internet Weltnetz die Leute verbindet?

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Was er dort als unschön empfindet

Cuba Libre Jr., 30. April 2009

Killerspieldebatten öden mich seit jeher an. Eine nie älter als 19 werden wollende Leserschaft diverser Gamemagazine, die ihre Leserbriefe vorwiegend mit lateinischen Zitaten einleitet, um seriös zu klingen befindet sich im ewigen Kampf gegen die offensichtlich nie abtreten wollenden Opportunisten, denen die Materie egal ist und eben jenen anderern Politikern, denen Computer fremd sind und die deshalb Angst vor dieser Welt haben. Ich ging also nicht davon aus, emotional besonders gefordert zu werden, als ich an diesem morgen eine Diskussion zum Thema zu lesen gedachtetetete. Erare humanum est! (oder so, ICH kann ja kein Latein!), denn schon bald begann ich zur Melodei eines bekannten Hits vor mich hin zu summen: Can’t stop raging.

creye

Was sind eigentlich „Killerspiele”? Bei Supermario werden Frösche getötet, also ist es ein „Killerspiel”?
Wer entscheidet, was ein Killerspiel ist und was nicht?

Lieber Jakob, dieser gut abgehangene Witz geht anders, es handelt sich nämlich nicht um Frösche, die bei Super Mario getötet werden, sondern um Schildkröten, Pilze, Fische und ähnliches Geschmeiss. Lediglich in Super Mario 3 könnte man ein Auge zudrücken, springt Mario hier doch höchstselbst in einen Froschanzug, um besser schwimmen zu können. Wird er hier getötet, geschieht dieses entweder durch Suizid oder eben durch Gegner, die im Spiel eindeutig als negativ dargestellt werden, Gewalt hierdurch also als falsch gewertet wird, um im BpjM-Sprech zu, ja, sprechen. Bleibt festzuhalten. Die Entscheidung, was ein Killerspiel ist und was nicht, bleibt jedenfalls nicht Dir überlassen.

Meiner Meinung nach führen Computerspiele zur desozialisation, der Konsum von jeglichen Spielen und online Medien im Übermaß.
Die Online-”Freunde” trifft man nur zum virtuellen Spaziergang!
Abends wird gezockt satt Party zu machen. Führt das nicht auf langzeit zu psychischen Störungen?

Da ist viel Wahres dran, bzw. nur ein bisschen bzw. naja. Das Zauberwort in deinem ersten Satz heisst Übermaß. Warum gilt dieses aber ausgerechnet für Computerspiele und online Medien (sick!!!)? Führt nicht der übermäßige Gebrauch von zum Beispiel Drogen viel mehr zur Desozialisation, ein Wort, das mir übrigens beim Ausschreiben immer wieder Kummer macht (kleiner Zwischenrant)? Ist es nicht sowieso immer die Dosis, die das Gift macht? Wo genau ist denn jetzt die Argumentation?
Und was, lieber Jakob, ist nun eigentlich dagegen einzuwenden, sich mit “Online”-Freunden, pardon, Online-”Freunden” zu einem virtuellen Spaziergang zu treffen um über Themen zu reden, die man relevant findet, oder eben auch irrelevant (ein wichtiger Aspekt bei Freundschaften ist ja die gemeinsam zelebrierte Redundanz), meinetwegen auch, um gemeinsam Orks abzuschlachten, ja, abzuschlachten? Ist es nicht gehaltvoller, als sich total real (englischer Ausdruck, slang) auf einer Parkbank dumm zu saufen? Welcher Irrglaube verleitet Dich eigentlich dazu, qualitative Maßstäbe an die freundschaftlichen Beziehungen fremder Menschen anlegen zu können?

Man muss berücksichtigen, dass nur ein minimaler Teil der Gamer und Web-Junkies Amokläuft.
Es handelt sich also um Ausnahmefälle, wenn auch schreckliche, allerdings sollte man das Computerspielen nicht generell verbieten.

Man sollte überdies auch beachten, dass generell nur ein minimaler Teil aller Menschen überhaupt Amok läuft. Es handelt sich also nur um Ausnahmefälle, wenn auch schreckliche, allerdings sollte man das Dasein nicht generell verbieten.

Bis hierhin, und das ist ja das Irrwitzige, war das alles ja weder neu noch originell, und ganz sicher nichts, weswegen ich hier ein großes Fass aufmachen würde. Derlei Dumpfsinn wie dort oben liest man ja allenthalben und würde man dafür jedesmal die Tastatur zwecks Reaktion bemühen, man käme ja garnicht mehr zum Spazierang, online oder offline, mit Freunden oder halt doch nur “Freunden”. Nein, es ist folgender hinterhergeworfener Kommentar Deinerseits, der meine Augen zusammenkneifen ließ:

Noch ein Kommentar!
Was ich hier als unschön empfinde, dass du allen Link in den Kommentaren ein nofollow verpasst.
Dadurch bringt der Kommentar Suchmaschinentechnisch gar nichts. Eigentlich ist es doch unter Bloggern so üblich, dass (vernünftige) Kommentare durch den Backlink quasi belohnt werden!

Ja Herrschaftszeiten, heulheuldoch. Diesen ganzen obigen Erguss unter der Fahne des “erstbesten Gedankens, der einem so kommt” also nur, um ein paar zusätzliche Klicks abzugreifen, um deiner traurigen Existenz also SEO-Nachwuchs ein wenig Berechtigung zu geben, um, quasi, belohnt zu werden? Nun weiss man ja, auf welchen sektenähnlichen Blogs und Foren euresgleichen euch vorwiegend aufhaltet, auf denen ihr euch dann einen runterholt auf Linklisten, den neuesten Suchbegriffen und sonstigem irrelevanten Schmonz und ihr euch austauscht über dien pixelgenau besten Platz, an dem man seine Blogroll setzen muss und wie genau man eigentlich eine Überschrift schreiben muss, um wahrgenommen zu werden, wenn man inhaltlich schon nichts zu sagen hat. Aber muss man sich von so einem sagen lassen, was Leben heisst? Nein? Siehste!

Auf Stefans richtige Erwiderung, dass eine Diskussion, die sich aus einem Kommentar ergibt, doch eigentlich der Belohnung genug sein müsse, konterst Du mit unsympathischer Lernresistenz folgendes:

Und was bringt es wenn auf einer Seite alle externen Links ein nofollow erhalten? Denkst du, dass bringt SEO-Technisch was?
Die Linkpower für interne Links wird meines wissens nach nicht von den externen Links auf ner Seite beeiträchtigt.

Du verkennst, dass dieses SEO-Gehabe ein leeres ist. Dass sich eben außer ein paar versprengten Taugenichtsen so rein niemand dafür interessiert und dass sich eben niemand, der ein Anliegen hat, Gedanken macht, ob “dass SEO-Technisch etwas bringt”, was er schreibt oder wie er sein Blog administriert. Du verschwendest zu viel Zeit ein eine Thematik, die weniger Fans und Relevanz hat als Magic: The Gathering, so wie ich hier unnötig viel Adrenalin auf Dich verschwende, und es sei angemerkt, dass Magic: The Gathering-Fans sehr wohl um ihren Status in der Gesellschaft wissen und sich deswegen nicht als Bestimmer aufführen, die anderen Leuten erzählen, wie sie ihr Blog zu führen haben. Ey. Es ist schon ein Witz, aber kein guter, mit welchen Worten Du schließt:

Aber klar, es geht ja auch noch um was anderes als SEO im Internet, nämlich um sinnvolle Kommunikation. Viele Blogger kommentieren auch lediglich zum Zweck des kommentierens, was unschön ist!

Lg, Jakob

Nicht reden, machen!

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Ich sehe bunte Mäuse

Frank, 28. März 2009

Mithin noch seltsamer als die seltsamsten Auswucherungen der Blogosphäre ist ja wohl mal das, was in den Foren abgeht. Neulich stieß ich aus Zufall (frag nicht) auf einen Thread im Forum “Das Haustierforum”. Thema: Mäuse, die sich gegenseitig fressen und deshalb kastriert werden sollten. Da mir dieser Thread so ungemein bizarr vorkam, beschloss ich ihn kurzerhand mit verteilten Rollen und dem entsprechend schlecht verstellten Stimmen zu vertonen. Es folgt nun also eine Viertelstunde destillierter Langeweile, vulgo: der allererste Craplog-Podcast. Habt Spaß. Oder… was auch immer.

Ein weiterer Sendehinweis: Falls Ihnen der aufwändige Vertonungen von unnötigen Texten gefallen, versäumen Sie nicht, unsere Remixe von verbitterten Leserkommentaren, Sarah Connor betreffend zu prüfen. Klassiker auf Mozartniveau!

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Weltweite Krise: Maria Esmeralda hat beschlossen zu reagieren

Frank, 19. Januar 2009

Weltweite Krise: Maria Esmeralda hat beschlossen zu reagieren
(Klick = groß)

Diese Werbung aus der diversen Tageszeitungen beiligenden Fernsehzeitschrift “rtv”, Ausgabe 52/2008, liegt schon seit Weihnachten auf meinem Schreibtisch. Ich bin nur noch nicht dazu gekommen, ihn eingescant in die Welt zu ballern, weil der Dranner (Drucker und Scanner in einem) dem Baum zum Feste weichen musste. Jetzt steht er aber wieder da, wo er hingehört, der Dranner.

Worum geht’s? Um DIE KRISE!!!

Krise, in meiner Region

Ich finde das ganz schön heftig von Ihnen, liebe Maria Esmeralda. Die Welt versinkt in Krise, Krieg und Chaos und Sie verreisen. In “meine Region” nämlich, was in etwa das Maria-Esmeralda-Äquivalent darstellt zu den, im Vergleich zum Rest des Texts, in ganz anderer Schrift aufgedruckten “Lieber Herr $NACHNAME”-Schriftzügen in den zahlreichen ganz persönlich an mich adressierten Gewinnmeldungen.

Ach so, es gibt was kostenlos?

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präsident palin

cipha, 15. Oktober 2008

maverick, maverick, maverick!

palin_president

flash als technik ist crap und man hört die schlampe auch reden, aber die interaktion ist zum totlachen:

http://palinaspresident.com/. [via]

erschiesst bambi nicht!

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Welche Worte mit Haus… suchen wir?

ovit, 28. August 2008

Dieser Artikel hat, bevor er auch nur ansatzweise verfasst wurde, die irrsinnigste Wandlung durchgemacht, die sich ein nicht selbstdenkender Artikel nur denken kann. Ursprünglich war es natürlich ein craplogscher Hassartikel. Im Mittelpunkt hätte nicht mal das Format Call-in-TV gestanden, denn da bin ich großer Fan von – ich erinner mich an Abende, an denen ich durch den Konsum alkoholischer Genussmittel nur schwerlich geradeaus schauen konnte, aber zu fein war, um mich zu betten, und so mich also von einem mir willkürlich durch den Dienstplan vorgesetzten Moderator von der Möglichkeit des geruhsamen Schlafes abhielt.
Es gibt aber diese eine Sendung mit dieser einen Moderatorin, die da in ihrem Studio sitzt, um sich von einem Ventilator ins Gesicht blasen zu lassen, um den “Sexfaktor” ins Unermessliche zu treiben um dann bei Schnellraterunden ohne Telefonklingeln ohne Schlagfertigkeit und langweiliger als eine Schlaftablette auf Opium sich selbst im Studiomonitor anzugucken oder wahlweise in die Kamera zu lächeln, dass man mehr kotzen möchte, als man Galle in sich hat.
Bei der Suche auf Youtube fand ich dann ein Video dieser Moderatorin, dass dann eine dieser Wenden darstellt. Da ist es gar nicht mehr der Hass auf diese Frau, sondern die Absurdität der Rätsellösung, denn welche Wörter mit Haus… wurden in den vergangenen drei bis vier Stunden wohl gesucht?


Ohne vorher das Video gesehen zu haben, lohnt es sich nicht weiterzulesen! Und das Video lohnt sich wirklich, der Rest des Geschriebenen eher nicht!
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Die Windmühlen des Marco K

Frank, 22. August 2008

Marco K ist ein junger Schreiberling, der für die Freiheit einsteht. Und er nimmt sich Freiheiten, konsequent. Etwa jene, bei “eigentümlich frei” ganz im Gegensatz zu den verhassten Latte Macchiato süffelnden “Luxussozialisten” Kinderarbeit zu verteidigen und in der rechtskonservativen “Blauen Narzisse” die Brothers Keepers als “schwarze Hassprediger” zu bezeichnen. Auch in seinen sonstigen Absonderungen verdeutlicht der junge Mann, dass dort wo sich unbeschwerter Nationalismus und ökonomistischer Marktfetisch in zärtlicher Umarmung vereinen, der gemeine Kotzbrocken seine Heimstatt hat, einem Ort, wo auch linkspolitische, Staats- und Überfremdungsparanoia an den Wänden wuchern wie prächtig gepflegte Schimmelpilzkulturen.

Sein eigenes Blog nennt K programmatisch opponent.de. K opponiert zum Beispiel gegen den fiesen Mindestlohn. Denn der ist interventionistisch, genau wie grundsätzlich alle fixierten Standards der Menschenwürde. Weil man den Lesern seines Blogs ja mal etwas zum Lachen, was Witziges, Bissiges an die Hand geben will, verzog er sich jüngst in den Keller und kam kurz darauf mit folgender Collage wieder heraus:

Humor wie '33: Hitler und der Mindestlohn

Ich schlapp mich lach. Hitler! Förrr den Mindestlohn! Auf einer Seite des Deutschen Gewerkschaftsbunds! Prust. Na klar, denn im Nationalsozialismus steckt ja auch der Sozialismus drin, gell? Zum Niederknien (und Fußbodenpizza backen).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bekam das spitz und fand’s nicht komisch. So erhielt K gestern einen Brief mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrter Herr K,

hiermit fordern wir Sie auf, den auf Ihrer Internetseite www.opponent.de eingestellten, der im Wesentlichen Inhalte unserer Internetseite www.mindestlohn.de sowie das DGB-Logo zeigt, umgehend von ihrer Internetseite zu nehmen. Sollte dies nicht bis

Freitag, den 22. August 2008, 10.00 Uhr vormittags

geschehen, behalten wir uns ausdrücklich alle in Betracht kommenden strafrechtlichen wie zivilrechtlichen Schritte gegen Sie vor. Wir weisen Sie insbesondere darauf hin, dass Sie keine Erlaubnis haben, das DGB-Logo zu verwenden.

Mit freundlichem Gruß

Reinhard D

Klar ist es etwas harsch, auf einen popeligen Blogger und seine solcherlei geradezu Mitleid erregende Versuche, lustig zu sein, zu reagieren. Aber es ist ihr gutes Recht. Zumal der DGB rechtsmittelmäßig sicher adäquat ausstaffiert ist und auch gleich eine Abmahnung hätte verschicken können. Und dass das kostet, weiß man ja seit den diversen “Brötchengates”, die die deutsche Bloglandschaft erschütterten.

Oh tempora, oh mores! Der stalinofaschistische DGB droht uns Monokulti-Heten mit Staatsgewalt plärrt es da aus dem Opponentenblog. Um Solidarität heischend erklärt K:

Ich akzeptiere die Drohung mit Initiierung staatlicher Gewalt gegen mich durch den DGB-Bundesvorstand nicht und werde der Aufforderung aus ethischen Gründen nicht nachkommen. (…bla…)

Darüber hinaus empfinde ich die Drohung durch den DGB nicht nur als Beweis für die Humorlosigkeit der Gewerkschaftsbürokraten, was schließlich noch zu verschmerzen wäre, sondern als offenen Angriff auf die unantastbaren Freiheiten des Individuums, welche die Grundlage für eine friedliche und freie Gesellschaft bilden, im Unterschied zu einem menschenverachtenden, freiheitsfeindlichen Regime wie etwa der DDR, das durch die deutsche Gewerkschaftsbewegung maßgeblich gestützt wurde. (…bla…)

Gewerkschaftsvertreter haben heute einmal mehr ihre Maske fallen gelassen, hinter der sich die hässliche Fratze der Menschen- und Freiheitsfeindlichkeit verbirgt. Die Drohung gegen mich wird nicht dazu führen, dass ich mich dem Willen des DGB beuge. Vielmehr sehe ich es ab sofort als primär an, Widerstand gegen (staatlich protegierte) Gewerkschaften auf allen Ebenen zu leisten und zu unterstützen.

Ich möchte alle Menschen, insbesondere alle Blogger, dazu aufrufen, dem Abmahnwahn hierzulande, dem Drohen mit staatlicher Gewalt, den Einschüchterungsversuchen staatlicher, halbstaatlicher und privater Akteure nicht schweigend zu begegnen, sondern aktiv Widerstand zu leisten. Freiheit ist ein zerbrechliches Gut, das jeden Tag wieder erkämpft und bewahrt werden muss. Einmal verloren, ist die Freiheit nur unter größten Opfern zurückzuerlangen. Gehen wir den Weg in die Tyrannei, den dieses Land schon all zu lange beschritten hat, nicht weiter!

K spielt sich also auf als Vertreter von Meinungsfreiheit, Kämpfer gegen Zensur und Staat, hier verkörpert in Gewerkschaft und Justiz. Nun ja, jedem seinen eigenen Größenwahn. Lieber Marco, darf ich fragen, ob du dich, wenn du bei der Steuererklärung schummelst, wie William Wallace fühlst, beim Schwarzfahren wie Che Guevara, beim besoffenen Autofahren wie Mahatma Gandhi?

Von mir, lieber Marco, gibt’s keine Solidarität, allerhöchstens etwas Mitleid. Denn es hat schon etwas Don Quixote-artiges, sich selbst und das eigene verkackte Weltbild so aufzublähen, dass man meint aus einer nicht lustigen, nein – wirklich einfach nicht lustigen, grafischen Nazi-Gleichsetzung eine Verteidigung angeblich liberaler Werte zu konstruieren. Vorzugeben, dass eine solch erbärmliche Albernheit Satire sei, anderen vorzuwerfen, sie seien humorlos, wenn sie den Humor darin nicht entdecken.

Anderswo kommt man in der Besprechung des Falles gleich mit Arbeiterdichtern:

Kurt Tucholsky (1890-1935) war ein linker Intelletikueller, trat für die Arbeiterbewegung ein und seine Werke wurden wie viele andere auch im Mai 1933 von wildgewordenen Nationalsozialistischen Studenten verbrannt.

Der Schriftsteller, Journalist und Gesellschaftskritiker ist bis heute eine viel- und gernzitierte Persönlichkeit. Eines seiner bekanntesten Zitate lautet

“Was darf Satire? Alles.”

Kurt Tucholsky hatte durchaus recht. Aber wenn so etwas wie obiges Werk schon die Schöpfungshöhe von Satire erreicht, dann bin ich dafür den Begriff gleich ganz zu entgrenzen. Dann wäre ich dafür — und das meine ich hier nur metaphorisch — auch einen Tritt in die Fresse als Satire zu liberalisieren. Lustig wär’s zumindest.

[via gulli]

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