Archiv für die Kategorie ‘Wer bitte konsumiert sowas?’
Die kommerzielle Okkupation des öffentlichen Raumes ist auch nicht mehr das, was sie mal war (Teil 1)

Hallo Hersteller des “wohl berühmtesten Schokoladenriegels der Welt”. Ein paar Euro mehr an die Werbeabteilung, für einen geringfügig pfiffigeren Claim, waren nicht drin?
Es ist wie eine Sucht
Der folgende Text stammt von der jungen Dame “S.”, die ich persönlich kenne. Ich bat sie um Kontribution fürs Craplog und sie erfüllte mir diesen Wunsch. – maloXP
Max Goldt war es, der Inforadio und mich zusammen brachte. In einer Geschichte beschreibt er, dass er bei Haushaltstätigkeiten gerne diesen Berliner Sender höre. Da ich seinerzeit die unlustigen Scherze der sich selbst belachenden „RadioEins“-Moderatoren („Nur für Erwachsene”) satt hatte, dachte ich gespannt: Das will ich wohl mal ausprobieren.
Doch trotz Empfangsbalkenwurfnähe zum Fernsehturm wollte das Küchenradio kein Inforadio ausstrahlen; stattdessen spie es auf der kolportierten Frequenz eine absonderliche Mischung aus Kuschelrock-Hitsender und dem immergutdraufen Gekeife einer Mittdreißigjährigen, die vermutlich zu grell geschminkt in ihrem miefigen Studiokabuff hockte, auf die Küchenfensterbank. So sieht sie aus – zu 90%, die Radiolandschaft in der Hauptstadt.
Standesdünkelzentralpostillenbashing
Ein Grund dafür, warum ich die FAZ – trotz einiger guter Artikel – verachte, ist der intellektuell-abgehobene Nimbus, der das Blatt umgibt und auch umgeben soll. Den finde ich kaum erträglich.
Ein paar Zielgruppen-Klischees? Gerne. Es fängt beim Format an: 371 × 528 Millimeter darf man schon fast als separatistische Tendenz bezeichnen. Ein mit Rührei gefüllter Mund wird beim Frühstück niemals “Schatz, reichst Du mir mal bitte den FAZ-Sportteil?” hauchen, sie ist einfach zu großformatig um bei Tisch gelesen zu werden (wobei, die “Bild” ist noch größer – aber die hat auch eine höhere Schriftgröße und weniger Schachtelsätze). Im öffentlichen Raum sieht man das Blatt deswegen meist zusammengefaltet anzugstoffgefilterten Achselhöhlenmief atmen. Nein, die Frankfurter Allgemeine wird entweder vorgezeigt oder in schweren Ledermöbeln “genossen”, am besten mit Pfeife im Mundwinkel. FAZ-Leser sind über fünfzig, männlich, beruflich erfolgreich und fahren BMW oder Mercedes. Sie glauben an die Gesetze der Ökonomie und die Faulheit der anderen. Sie sind stets hart gegen sich selbst, allein schon indem sie das vollkommen unbunte und gediegen-steife Layout ertragen. Die dezente, aber prägnante Werbung spricht sie deswegen an, weil sie genau auf das Selbstbild der intellektuellen Elite abzielt: “Gehen Sie in Meinungsführung”, “Kopfstütze”. Alles klar, ihr mich auch.
Über Frank Schirrmacher reden wir gar nicht erst. Das kann die taz besser.
Dass das Feuilleton als links und/oder progressiv gilt – meinetwegen, mir egal. Solange, die Nase hart am Wind, für Bücher mit vollkommen abgehobenen FAZ-Zitaten wie diesem geworben wird, die keinen Zweifel zulassen, wer die Mehrzahl sein soll und wer die Minderheit:

Spiegel-Leser wissen mehr, FAZ-Leser wissen alles. Und zwar besser. Eklig.
No matter what I do, I do it just for you
Castingshows sind nicht deswegen blöd, weil sie Müll sind. Der Großteil aktueller Fernsehunterhaltung ist das.
Castingshows sind blöd, weil man sich immer mal wieder dann doch verschämt dabei erwischt, sabbertriefend und vakuösen Hirnes “mitzufiebern”, wenn sich ein paar arme Tropfe von minderbemittelten Nord- oder Ostdeutschen dauer-ankacken lassen, weil sie sich zu wenig aufopfern für den Fast-Food-Popkultur-Endsieg, der bloß aus weiterer Selbstaufopferung, Prostitution und andauerndem Kampf gegen die Selbsterkenntnis der eigenen Bedeutungslosigkeit besteht. Mir ging’s zuletzt in der Pizzeria so, dass ich den Blick nicht abwenden konnte. Drei runde Fladen zu belegen, zu backen und einzupacken dauert schon so seine Zeit. Im TV lief RTL, eine Tanzshow. Ein schwuler Schwarzer wird in einem Intro als “Alessandro – Der Schweigsame” o.Ä. charakterisiert. Anschließend hüpft dieser mit überzeichnenden Gesten (die dort wohl verlangt werden) zu irgendwelchen beliebigen Tönen auf einer Turnmatte herum. Nach einer Minute fragt die Moderatorin, blond, Perlweißgrinsen, den Atomlesen Atemlosen, wie’s denn so war. Nichsozufrieden, Publikum spitze, danke an meinen Freund… Der nächste bitte! Pizza fertig.
Weißt Du was? Manchmal schau ich sowas gerne.
Warum sollte man leugnen, dass man das tut, “wenn’s halt grad kommt”? Ein kleiner sensationsgeiler Voyeur steckt doch in uns allen. Man muss die Schwachmaten da ja nicht mögen. Popstars, DSDS und alle Klonformate taugen 2007 genauso wenig, den Niedergang von Kultur und Jugend zu konstatieren wie z.B. Klingeltöne. Es gibt das einfach, ein Unterschichtsphänomen, das Alltagskultur geworden ist, so what? Wesentlich anstrengender als blechernes Rapgedudel oder bleiernes Popgefistel sind die, die sich als Gralshüter des guten Geschmacks aufspielen (während sie in anderen Kontexten Ironie und die topmoderne Koketterie mit Trashkultur zum Stil erheben). Wer sich dessen schämt, Bohlen zu gucken, dem D! beim Quengeln zuzuhören, Leuten beim Rumhampeln und Schlittschuhlaufen zuzusehen – sollte besser schweigen, anstatt in despektierlicher Ironie über andere zu urteilen, die dazu stehen. Was nicht heißen soll, dass dort nicht ausnahmslos Dreck produziert würde. Nur ist es eben unterhaltsamer Dreck, wenn man gerade für Dreck empfänglich ist.
Nebenbei: Das Erzeugnis von Castingshows sind Perversionen der Popmusik. Wenn das dort vermittelte Stilbild aber noch weiter verzerrt wird – so etwa wie wenn man Brei immer und immer wieder püriert – dann kommt so etwas heraus wie das, was Mr. Batz da fand: Ein Kobold mit “Superstar”-Frisurpracht namens Declan Galbraith trällert das Nationalheiligtum “An Angel” von der Kelly Family (Remember Angelo?), stilistisch ein brünftiger Lemming, der zuviel gekokst hat (Man beachte den Gesichtsausdruck!), in Flori Silbereisens neuer Stadlstation “Am laufenden Band”. Sieh selbst, geht das noch schlimmer? Ich habe es mir bis zum Schluß angesehen.
(Bild und Titel dieses Beitrags entstammen dem furchtbaren “Behind the Sun” von Alexander Klaws)
Betrifft: Tokio Hotel

Quelle: http://www.zeit.de/online/2006/45/bildergalerie-tokiohotel?9
Wen die Dame in der Mitte wohl anbetet? Ganz klar: den Toooooooom!
Mein letztes Nokia Handy – 6230i-gitt
So. Das war es. Es ist mein zweites und auch letztes Handy dieser Firma. Das erste lag irgendwann auf einer Party mitten im Schmand, der sich bei solchen Gegebenheiten ansammelt, auf dem Boden. Also in einem Gemisch aus Bier, Schweiß, Schuhdreck und Urin. Mit viel Knirschen in den Tasten konnte man aber damit noch wunderbar viel zu kurze Kurznachrichten schreiben, seinen PIN eingeben und nach Namen im Telefonbuch suchen. Nach zwei Jahren war ich froh, dass ich es in den Schrank legen konnte, um mich nie wieder über diese knirschende Tastatur zu ärgern. Wenigstens hat das Handy über einen mir unbekannten Zeitraum im Schmand einer Party eben jene gerockt. Das ist auch eine nicht zu verachtende Leistung.
Doch nun eben jenes Nokia-Handy. Freundlich lasse ich es in meiner Hosentasche unbenutzte Spermien abtöten, beanspruche es nicht allzu oft und auch äußerlich hat es bisher nicht viel Schaden genommen. Und auch auf den Parties lasse ich es mittlerweile ruhiger angehen. Jedoch ist das zu viel Anspruch an ein Nokia-Handy. Nach nur über einem Jahr haben sich die Tasten 3, 6 und 9 überlegt, hin und wieder nicht zu funktionieren. Klappe auf, rum- und reinpusten, schütteln, wackeln, drücken, bis sich die Tasten 3, 6 und 9 überreden lassen, doch wieder die Arbeit aufzunehmen. Mittlerweile lasse ich die Klappe zu und drücke nervös so lange auf den Tasten herum, bis sie anspringen, tue dann mit meinem Handy schnell das, was alle damit tun, überlege mir ganz genau, ob ich noch irgendwen kontaktieren muss und stecke es dann wieder in die Hosentasche. Vielleicht braucht es ein goldenes Kissen, auf das man es betten muss?
Oder vielleicht ist dieses Handy schlichtweg Vollschrott?
Wenigstens funktioniert die 110 immer. Und die PIN habe auch geändert. Da kam nämlich die 6 und die 9 drin vor. Und das ist dann schon aufregend, wenn man sein Handy nicht mehr anbekommt. Andere lustige Fehlermeldungen findet man dann in einem Nokia-Forum.
De Bananis

Ach, Du. Banane. Reichhaltiger Energielieferant für alle Tennisspielerinnen außer Anke Huber (die mag ja nur Milchschnitten), Warholsche Popikone und Symbol westdeutscher Vergangenheitsverklärung. So viele Geschichten, ja Mythen, ranken sich um Dich in deiner krummen Gelbheit. Doch die größte dieser ungeklärten Fragen bleibt für mich diese:
Wie, bitte WIE kann man dieses ekelerregende Gemüse bloß essen?
Wi-der-lich, diese schleimige Konsistenz von zerkauter Bananenmasse, die im hinteren Rachenraum in pappiger Süße für Minuten verharrt. Abstoßend, die dünnen Fäden, die man nie ganz abgelöst bekommt und deren angebliche psychotrope Wirkung in getrocknetem Zustand ein sich hartnäckig haltender Unfug ist. Wie kann jemand allen Ernstes an so etwas glauben? Ebenso absurd wie zu denken, dieses pechschwarze Etwas mit gelben Einsprengseln, welches nun schon tagelang im Kühlschrank vor sich hindarb, sei noch genießbar. Oh! – der Geschmack! Vorschlaghammersüße! Pfui deibel, da esse ich ja lieber direkt aus US-amerikanischen Chemiewerken exportierte Marshmallows. Über jene Früchte mit Druckstellen muss ich wohl nichts weiter verlieren. Wer so etwas genießen kann, gehört meiner Meinung nach in die forensische Psychiatrie!
Den einzigen sinnvollen Zweck, den Bananen haben, birgt das flotte PC-Freizeitvergnügen Worms: Als hochexplosive Massenvernichtungswaffe.


