Archiv für die Kategorie ‘Wer bitte konsumiert sowas?’

Wenn man nur ganz fest dran glaubt…

Cuba Libre Jr., 1. Dezember 2007

Die Wahrscheinlichkeit, eine 6 zu würfeln ist 1/6.
Bei 6 Versuchen macht das 6×1/6 = 6/6 = 1
Mit 1 bezeichnet man die Wahrscheinlichkeit für ein sicheres Ereignis. Das musst du aber nicht verstehen, Bub

Dieser Beweis mangelnden logischen Verständnisses ist ein Zitat von Otto. Nein, nicht DER Otto, sondern ein anderer. Nämlich der Otto, der mir seit geraumer Zeit Lachtränen in die Augen treibt, abgelöst von Tränen, die mir vor Schmerzen in die Augen schießen, wenn ich mit dem Kopf mal wieder gegen meinen Schreibtisch hämmere. Anzutreffen ist dieser lustige Geselle, der die Behauptung da oben im Übrigen komplett ernst meint, in der Usenet-Gruppe de.alt.naturheilkunde, die, der Gruppenname lässt es erahnen, ein Habitat der wirklich ALLERirrsten Gestalten ist. Da ich Google-Groups wegen erwiesener Beschissenheit meide wie die Pest, muss das hier jetzt mal größtenteils ohne Links stattfinden, da die Verlinkbarkeit von Newsgroups halt so eine Sache ist. The key is Vetrauen.

Jetzt kommen natürlich irgendwelche Ethnoschmuck-Trullas angerannt und rufen “Hör mal, die Naturheilkunde ist eine sehr seriöse Branche [...] ganzheitlich und strahlenfühlend [...] schon die alten Chinesen wussten um die Kräfte der [...]” yada-yada, und während ich garnicht erst versuche, mich in die Sphären der Fimoplastbroschenträgerinnen zu begeben, befasse ich mich lieber mit den Gestalten oben besagter Gruppe, die laut Selbstauskunft noch auf dem Boden der Tatsachen geblieben sind. Oder etwa doch nicht?

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Auf Schalke, wenn ich das schon höre

Cuba Libre Jr., 2. Oktober 2007

Disclaimer: Dieser Text erschien schonmal woanders.

Disclaimer II: Trigami geht mir dermaßen am Arsch vorbei.

Ich habe vorhin das erste mal einen Blogeintrag eines Pur-Fans gelesen. Noch so eine Verschwörungstheorie, die sich in Luft auflöst.

Bislang dachte ich nämlich immer, dass das alles nur ein großes, abgekartertes Spiel irgendwelcher grauen Funktionäre ist, die… ja was eigentlich? Keine Ahnung, mir fällt kein Grund ein, sich etwas wie Pur auszudenken. Aber das erschien mir irgendwie realistischer als die tatsächliche Existenz von Pur. Es scheint diese Band aber zu geben. Damit sind wohl auch all die Fans echt, die ganze Stadien (STADIEN) füllen, um “dem Hartmut” dabei zuzusehen, wie er sich glückselig auf die Knie fallen und sich von den Massen bejubeln lässt.

Zwischenruf: “Ja, aber Sebastian, der widerlichste Live-Augenblick ist ja wohl der, in dem sich MMW in seinem Stück Freiheit am Ende ans Publikum wendet und sagt “Bitte nehmt das, was hier heute abend passiert ist, mit nach Hause”, oder?”

Das ist schon richtig, aber im Grunde ist es die gleiche Kategorie. Stadionrock! Nein, schlimmer, Deutscher Stadion”rock”! Wenn es Mama und Papa mal so richtig krachen lassen! Dann groovt “der Hartmut” Richtung Regenschirme und Sitzkissen, dass die Luft brennt. Da wackelt der Bankkaufmann auch schon mal mit dem Fuß, während der Kohlekumpel sein mit einer Deutschlandflagge geschminktes Töchterschen (mit sch) auf den Schultern trägt. Mutti macht was? Klar, Wunderkerzen in die Luft halten, denn PUR singen noch Lieder, aus dem Leben gegriffen. Die lassen sich nicht verbiegen, die sind einfach “echt”. Jupp aus Köln findet sie “authentisch”, “ne, Nico?”

Das Wort Pathos wurde vor ungefähr 5000 Jahren von einem Griechen erfunden, und zwar, während er in einem Colosseum stand, in dem grade die Spielgruppe Pyros mit dem Sänger Hartulous Engeleropos auftrat. Gnagnagna (< << ich schreibe mich in Rage, ich muss runterkommen).

Ich merke grade, dass Band und Publikum eine viel zu große Angriffsfläche bieten und ich garnicht weiss, worüber ich als nächstes schreiben soll. Über die überprofessionalisierte, aalglatte Performance, bei der es schon längst nicht mehr um irgendeine Message geht, die Leute, die das alles schlucken (ich meine, PUR!), meine Intoleranz, die ja von irgendwo kommen muss (haha), … and so on.

PUR!!!

Blutiger Boden

Frank, 22. August 2007

300

Ich konnte es mir nicht verkneifen. Ich habe mir 300 angesehen. Und: Es passt einfach alles in diesem Film. Die völlige Kritiklosigkeit, gar Glorifizierung frühkindlicher Abhärtung gegen das eigene Empfinden, der Mutterschaft primär als Lieferantin neuen Soldatenmaterials, der Gnadenlosigkeit gegenüber dem Gegner, der Euthanasie, der Dämonisierung des Fremden, des ehrenvollen Todes, der Selbstaufopferung für Ehre und Ruhm, der Unaussprechlichkeit von Trauer, die Überhöhung der Schlachtfeld-Kameradschaft statt echter zwischenmenschlicher Bindungen, Überhöhung der eigenen (vereinigten) Nation, die Riefenstahlsche Körperästhetik, die Ablehnung von allem, das weiblich oder homosexuell konnotiert ist, die Darstellung von Politik und Diplomatie als “schmutziges Geschäft” im Kontrast zum ehrlichen, “aufrechten” Kampf, die hohlen Phrasen von Freiheit, die im Grunde nur Selbstbehauptung des eigenen Systems der Inhumanitas meint, die Ablehnung von Kapitulation, selbt angesichts der sicheren Niederlage.

Kurzum: Dieser Film vertritt eine vollkommen abartige, erstklassig faschistische Pseudoromantik.

301Ein kompletter Scheißfilm! Die Ideale, die darin transportiert werden sind zudem nicht ungefährlich. Könnte mir gut vorstellen, dass “300″, wenn es ihn damals schon gegeben hätte, nochmal etwas Restmotivation beim Volkssturm rausgekitzelt hätte. Entsprechend ist der Film seit Tagen übrigens der absolute Bestseller bei uns in der Videothek. Davon abgesehen, dass es natürlich Unfug ist, aus dem Plot des Films eine ideologische Mobilmachung für einen bevorstehenden Iranfeldzug zu sehen ist[1], lässt sich ein solcher Mist doch weder durch visuelle Opulenz noch durch das beliebte “Ist halt Popcornkino”-Argument entschuldigen. Was ist das überhaupt für ein Trend, dass für eine bestimmte Klientel Filme nur noch gut sind, wenn sie aufwändig in Szene gesetzte Körperteilamputationen enthalten? Vielleicht sollte sich dieses Segment der Videothekenkunden-Sozialstruktur mal Gedanken über den eigenen Gefühlshaushalt machen.

Übrigens: Wer hat’s schon im Vorfeld gewusst, dass der Film so mies ist? Mein mich weise bereits gewarnt habendes Weib. Typisch.

  1. Ins Blaue schätze ich mal, dass drei Viertel der Filmzuschauer nicht wissen, dass Persien heute der Iran ist [zurück]

La Dumm

ovit, 21. August 2007

und 1 und 2 und 3 und 4 und fünfzich

nach dem megahit ‘54, ‘74, ‘90, 2006, dem bald-megaknaller ‘72, ‘80, ‘96, 2008 und dem zukunfts-megaseller ‘54, ‘74, ‘90, 2010 (mit diesen zahlen kann man auch beim lotto 9 aus 2010 gewinnen) sind sie jetzt also wieder da: die sportfreunde stiller und ihre neu verdummungsplatte “La Dumm”.

endlich kommt zusammen was zusammengehört, der fußball-fan (kurz: prolet) und der moderne indie-möchtegern-musikliebhaber (kurz: idiot) haben eine platte, auf die sie sich alle einigen können. nach dem megahype aus dem jahre 2006, die sportfreunde schulter an schulter mit den stars der fußball-wm, haben sie wieder eine neue “reguläre” platte draußen, die sich wieder am alltagseinerlei und der gefühlsduselei der sportfreunde bedient. da werden die gedanken und gefühle des kleinen mannes (prolet und idiot) besungen und bejubelt, die platte kommt unverkrampft und unverkopft daher, damit auch der prolet versteht, was da besungen wird, mit dem charme des indie, damit auch der idiot bei der stange bleibt und alles ist so herrlich direkt, dass einem noch vor dem hören des ersten liedes die immanente dummheit der lieder frontal in die fresse springt.

das ist wirklich eine tolle karriere dieser sportfreunde, die mal 1995 mit ihrem ersten lied “wellenreiten”, dass viele jahre später erst veröffentlicht wurde und die als die inoffiziellen nachfolger von tocotronic gehandelt wurden, da hingelegt haben. stadionrock für groß und klein. musik, auf die sich das einfache volk einigen kann: lieber bisschen mehr mitschunkeln als mitdenken, die plattenverkäufe werden die masse der zielgruppe verdeutlichen: La Dumm.

bis dahin singe ich hier fleißig weiter (diese zeilen kann ich mir schon sehr gut merken)
und 1
und 1 und 2
und 1 und 2 und 3
und 1 und 2 und 3 und 4 und 5

Gift und Galileo

.markus, 19. Juli 2007

GalileoTote Menschen haben es bekanntlich nicht leicht, was ihnen selber aber nichts mehr ausmachen dürfte – weil sie ja tot sind.

Karl Marx müsste beim Wissen um den real existierenden Sozialismus wahrscheinlich derart im Grabe rotieren, dass man damit Strom für den ganzen ehemaligen Ostblock erzeugen könnte. Galileo Galilei würde vermutlich vom schiefen Turm von Pisa springen, wenn er erfahren müsste, welch ein pseudowissenschaftlicher Müll seinen Namen trägt, der kaum das Wort Info in Infotainment verdient und der 2-3 Fakten mit viel Rauch auf 70 Minuten aufbläst.

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Die Degeneriertheit deutschsprachigen Raps (mit Orgi69!)

Frank, 1. Juni 2007

Beiträge über populäre Musik bringen besonders viele lustige Kommentatoren ins CrapLog, das heben wir mittlerweile festgestellt. Wie praktisch, dass dieses Feld ewiglich beackert werden kann. So wie dieser komische Vogel dem ollen Prometheus jeden Abend neu die Leber aus dem Leib fraß (Iiih, Leber!), so findet sich auch stets aufs neue ein Popstar Popsternchen Pop-Lamettapartikel, der sich mit dem CrapLog’schen Hammer of Bogardan, also der zutiefst gerechten Kritik an Menschen, die Musik machen, messen lassen muss – die wenig überraschend regelmäßig die Erkenntnis reifen lässt, dass es sich eigentlich bloß um menschenähnliche Wesen, Wabbelmasse im Plastikkörper, von Photoshop in die Kenntlichkeit entstellt, handelt, die glauben Musik zu machen – indem merkwürdig atonale Geräusche abgesondert werden, die der Zeitgeist als R’n'B-Gesinge zu definieren glaubt.

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Merkwürdige Werbekampagnen

Frank, 15. Februar 2007

Zuckerbröckchen
Foto: markbarkaway (cc)

Für die seltsamsten Dinge wird ja geworben. Eine der abstrusesten Kampagnen ever dürfte irgendwann Mitte der 90er jene für Zucker gewesen sein. Es ging dabei nicht um eine spezifische Marke, Form, Herkunft oder ähnliches. Nein – mit dem draufgängerischen Slogan “Mit Zucker lacht das Leben” wurde das süße Pulver ganz allgemein angepriesen. Anders als bei Milch (Mottos: “denn nur die Milch machts”, “Milch ist meine Stärke”), die ja immerhin auf Schulhöfen gegen Limo, Saft, Kola, Sprudel und Schorle antritt gibt es nämlich keine wirkliche Alternative zu Zucker. Weiterlesen »

Die kommerzielle Okkupation des öffentlichen Raumes ist auch nicht mehr das, was sie mal war (Teil 3)

Frank, 4. Februar 2007

sms

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