Archiv für die Kategorie ‘Warum?’

Strg + A -> Entf

Frank, 26. Januar 2008

The authors have deleted this blog.

Wenn man ein Blogprojekt mitadministriert, trotz schwankender Motivation im Saldo enorm viel hineininvestiert, hier macht, da hilft, dort für Fragen zur Verfügung steht, Domains registriert, Datenbanken anlegt, layoutet und ganz nebenbei auch noch manchen Artikel schreibt, weil man an die Sache glaubt und mit manchen Marotten der Mitstreiter eingedenk des Bewusstseins, dass man solche auch selber hat, zu tolerieren bereit ist — dann ist es schon ein dicker Hund, aus dem Sommerurlaub zurückzukehren und festzustellen, dass der Blogzugang gesperrt wurde, das interne Forum umgezogen ist auf eine Adresse, die einem nicht mitgeteilt wird und auf die verwirrte Frage, warum denn dies, nichts als Schweigen erntet; sich die restliche Kommunikation auf Umwege über Dritte beschränkt.

Regelrecht zum Kotzen ist es dann jedoch, wenn man auf die Information hin, dass das Projekt eingestellt wird, in einem Kommentar darum bittet, dass zumindest die vielerorts als Referenz verlinkten bisherigen Texte an alter Stelle beim kostenlosen Bloghoster verbleiben mögen — woraufhin am nächsten Tag, ohne auch nur den entferntesten Hinweis darauf dass man doch zumindest die eigenen alten Texte schnellstens sichern möge, das gesamte Blog gelöscht ist.

Medien, Mütter, Märtyrer

Frank, 9. November 2007

Fragt man nach Begriffen, deren Sinnentleerung auf der Agenda von deutschen Medienschaffenden ganz weit oben zu stehen scheinen, sollte “Martyrium” nicht fehlen. Das Martyrium, die Allzweckwaffe des emporstrebenden Schreiberlings. Allgemein meint das Wort ja die Selbstaufopferung einer Person, um andere zu retten, meist noch im Kontext einer übergeordneten, hehren Idee. Bloß weiß das anscheinend kein Arsch mehr. Ich kann mir durchaus lebhaft die verhältnismäßig komplexe Assoziationskette im Hirn eines – lass es RTL-Nachrichten-Texters sein – vorstellen.

“Oh. Agenturmeldung wo ‘Entführung’ drinne steht” -> “lesen” -> “Hä?” -> “Nochmal lesen” -> “Entführung schon zu Ende? Falls ja: Vornehmes Wort ‘Martyrium’ im Bericht benutzen” -> “vielleicht Gehaltserhöhung” -> “Neues Auto” -> “Leasing?” -> usw…

märtyrer mangels mehrtürer
Märtyrer mangels Mehrtürer? (Scan aus einer US-amerikanischen Kreationisten-Kinderbibel von 1953, in deren Besitz ich tollerweise bin)

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Zehn blattgoldverzierte Regeln zum Umgang mit Kameraleuten

Gastautor, 23. Oktober 2007

Schon im frühesten Kindesalter wollte Micha, webweit bekannt als OasisUK zu “1, 2 oder 3″ in die Sendung. Jedoch weder als dämlich vor irgendwelchen Toren herumhopsendes österreichisches, schweizer oder deutsches Teilnehmerbalg, noch als Biggi - sondern selbstverständlich in der höllencoolen Rolle des Kamerakinds. Es sollte jedoch nie dazu kommen, dass er sich die Bildrahmenfarbe aussuchen konnte um infiniten Ruhm zu ernten, wann immer ein von ihm aufgenommener Moment gesendet ward. Als kompensatorische Rache am Schicksal beschloss er später, Kameramensch beruflich zu “machen”. Hier und heute gibt er – exklusiv im Craplog – Tipps zum Verhalten gegenüber Menschen seiner Gattung.

OasisUK - the Cameraman
Illustration: OasisUK himself

Damit ein Kameramann so fröhlich bleibt wie auf diesem Bild gibt es ein paar einfache Verhaltensregeln für den Passanten, der einem Vertreter dieser doch recht selten gewordenen Gattung auf der Straße begegnet:

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bka-terror II

cipha, 18. Oktober 2007

man hört viel über das bka und lesen tut man noch viel mehr. inzwischen wissen wir: dort arbeiten nur die weltbesten überhacker, die mit ihren tools und programmen so dermassen viel zum fortschritt der technik beigetragen haben, dass ein leben ohne das bka für das internet wohl das aus bedeuten würde (einer landläufigen theorie zufolge hat das bka nicht nur das internet, sondern auch chuck norris erfunden und rfs war da nur die logische konsequenz).

aber spass beiseite.

vielleicht kennt jemand die geschichte des soziologen andrej h., der seit september 2006 vom bka observiert wird, weil man ihn für einen terrorverdächtigen und kopf der “militanten gruppe” hält. somit will man ihm auch die planung des anschlags auf die bundeswehrautos ende juli anhängen. nicht nur seine anwältin sagt, das ist alles quark, sondern es gibt auch eine petition, die wissenschaftler-kollegen ins leben gerufen haben:

http://www.freeandrej.net.ms/.

jetzt zum eigentlichen, wirklichen bka-terror:

was passieren kann, wenn das bka einen auf dem kieker hat, kann man quasi LIVE bei

http://annalist.noblogs.org/

nachlesen. besonders den text telefonterror II solltet ihr euch mal geben.

wer geglaubt hat, dass die ddr-stasi alles war, was dieses land an üblen geheimdiensten zu bieten hatte, der wird gründlich eines besseren belehrt. in der heutigen welt zu leben und zu existieren kann aufgrund solcher informationen wenig erfreuliche gefühle hervorrufen.

aber was tun?

wegrennen geht nicht, jedoch habe ich das gefühl, das system läuft amok, wie es ihm gefällt und alles, was uns bleibt, ist die rolle des zaungastes.

ich bin kein freund von waffen, aber es gibt momente, da könnte ich worte getrost beiseite legen und wieder in den primaten-zustand zurückfallen, indem ich mich einfach in einen panzer setze und drauflos fahre, um zu sehen, was passiert.

wer ein visum zu verkaufen oder zu verschenken hat, der möge sich bitte bei mir melden, ich bin dann mal weg. (egal wo, hauptsache weit weit weeeeiiiiitttt weg.)

übrigens: ab dem 1. november werden eure reisepässe das erste stadium des schily-wahns durchmachen müssen. wer noch einen alten reisepass hat, auch wenn er nicht kaputt ist oder noch läuft, könnt ihr den diesen(!) monat gegen einen neuen eintauschen, der keine schily-depperten ideen beinhaltet. mehr informationen dazu liefert der ccc. es bleiben noch 13 tage!!!

öffentlicher terror

cipha, 4. Oktober 2007

öffentliche verkehrsmittel sind folter. man erreicht die orte, die man gerne erreichen möchte, zu definitiven unzeiten. man sieht menschen, die man niemals sehen wollte und bekommt dinge mit, die man nicht im entferntesten hören wollte. man sitzt dicht gedrängt zusammen mit dem querschnitt der gesellschaft, auf den man gut und gerne auch verzichten könnte. es stinkt. am wochenende wird aus den fenstern gekotzt. kleine wichte hören auf ihren multimedia-handys unnütze musik in einer lautstärke, dass es der komplette zug hören kann, aber eigentlich gar nicht hören will. (wisst ihr noch, was ihr mit 10 oder so gehört habt!? there you go.) die anderen passagiere sind entweder zu dick, zu alt, zu jung oder zu hässlich. die romantische annahme, dass zumindest einmal pro tag eine natürliche schönheit vorbeikommt, die einem den tag dann rettet, ist nicht mehr als ein hirngespinst. ohne kopfhörer bist du verloren. am besten liest man mit gesenktem kopf irgendwas und wenn es nur die werbeseite vom saturn ist, nur damit man das elend nicht mitansehen muss. baby-gepläre, viel zu junge mütter. manager mit laptops und smartphone. handy-junkies. handy-junkies. handy-junkies. alle zwei minuten ein zwischenstopp. versiffte sitzplätze, mcdonalds-reste, ausgelaufene müllermilch-packungen, klebrige cola auf dem boden, fettige flecken von an die fenster gelehnten köpfen unbekannter herkunft, man kann die bakterien förmlich auf den stangen, haltegurten und stopptasten tanzen sehen. jemand niest, shit, dann nochmal, fuck, ich stehe auf, verzichte auf meinen sitzplatz und stehe lieber.

multipliziert man diese szenerie mit 18 monaten und addiert noch sämtliche attribute eines “ganz normalen tages mit öffentlichen verkehrsmitteln” dazu, die ich vergessen habe, kommt man auf nur ein ergebnis: terror. die tägliche dröhnung von durchschnittlich 30-45 minuten kann ich jedem empfehlen, der im grosstadtdschungel nach neuen extremsituationen sucht.

seit montag habe ich meine fahrlizenz wieder. die öffentlichen nehme ich nur noch, wenn ich wirklich stern-hagel-voll bin. und wenn der scheiss sprit 3€ pro liter kostet: lieber fahre ich fahrrad, als dass ich mir diesen film nochmal gebe. from my cold dead hands. tschüss, ich fahr jetzt.

Unverdient untot

Sebastian, 2. Oktober 2007

“Denken Sie links?”, fragt der Kabarettist Rudolf Rolfs in einem seiner Aphorismen, und antwortet sich selbst mit der Gegenfrage: “Kann man rechts denken?”

Zugegeben, das ist etwas hart, aber wohl auch eine Frage der Definition dessen, was man unter “rechts” versteht. Dass es konservative Denker (und natürlich auch linke Dumpfbacken) gibt, sei unbestritten. Doch treibt man das Spiel weiter und fragt, ob man reaktionär denken könne, müsste schon eher ein entschiedenes Nein die Antwort sein, denn das Reaktionäre ist ja gerade dadurch charakterisiert, dass es Denken durch Reflexe ersetzt. Vollends absurd wird es schließlich, wenn man fragt, ob man reaktionär Satire machen könne.

Einer, der das trotz allem versucht und dabei einigen der größten Kulturschaffenden der bundesrepublikanischen Geschichte aufs Grab gepinkelt hat, ist Anfang September vorerst gescheitert – ironischerweise und ausgerechnet am Markt. Die Rede ist von Bernd Zeller, der von 2004 bis 2007 die verblichene Grand Dame der hiesigen Satire, die Zeitschrift “Pardon”, zu reanimieren versucht hat. Wie es Reanimationen längst Verstorbener so an sich haben, war dabei bestenfalls ein Zombie herausgekommen – ein Wesen mit eingeschränkter Vitalität und dramatisch gewandelter Persönlichkeit, dessen Internet-Arm immer noch zuckt.

Zombie

Die “Pardon” war erstmals 1962 erschienen und hatte hervorragende Zeichner und Autoren wie Loriot, F.K. Waechter, Robert Gernhardt, F.W. Bernstein, Hans Traxler, Günther Wallraff, Chlodwig Poth und einige mehr zu einer außergewöhnlichen publizistischen Stimme vereint. Auch betätigte sie sich als Satireguerilla, fungierte so unter anderem als Zünder der Anti-Atomkraft-Bewegung und nahm früh den publizistischen Kampf gegen Springers “Bild” auf, der dank Nörgel-Nigge nun seit ein paar Jahren wieder fortgesetzt wird. Nach zunehmendem Zwist unter den Herausgebern in den 70er Jahren boten Robert Gernhardt, F.K. Waechter, Peter Knorr, Hans Traxler und Chlodwig Poth ihrer sogenannten “Neuen Frankfurter Schule” ab 1979 in der Titanic ein neues Zuhause. Pardon wurde 1982 eingestellt.

Angesichts der eindrucksvollen Geschichte des Blattes ist es kein Wunder, dass die angekündigte Wiederbelebung vor dreieinhalb Jahren Aufsehen erregte – umso mehr, da Leute wie Harald Schmidt, für den Zeller zuvor als Gagschreiber tätig gewesen war, Götz Alsmann, Roger Willemsen, Doris Dörrie und Wiglaf Droste ihre Mitarbeit zugesagt hatten. Doch das grandiose Comeback, das sich abzuzeichnen schien, fiel aus:

Ein halbes Jahr nach dem Neustart bangt “Pardon” schon um die Existenz. (…) Mit 11 000 verkauften Novemberheften ist die Leserzahl unter die von Chefredakteur und Verleger Zeller genannte Untergrenze von 15 000 Lesern gefallen. (…) Die prominenten Köpfe waren Zeller schon nach der ersten Ausgabe weggebrochen.

Dieses plötzliche Wegbrechen ist ähnlich bemerkenswert wie Zellers Weggang aus der Titanic-Redaktion nach nur einem Monat als Redakteur. Zeichnete sich vielleicht doch damals schon die bevorstehende Mutation des einstigen Zentralorgans kritischer Intelligenz zu etwas ab, das ungefähr so progressiv war wie die “Junge Freiheit” und sich auch humoristisch bald auf deren Niveau einpendeln sollte? Hier eine Kostprobe dessen, was zuletzt in Form des Webtickers von dem Projekt übrig blieb:

Abschuss bei Entführung [19.9.2007]

Verteidigungsminister Jung will entführte und als Waffe eingesetzte Flugzeuge vor Erreichen des Anschlagziels abschießen lassen. Die Terroristen brauchen dann gar keine Pilotenausbildung mehr zu machen, weil schon bei der Kaperung der Abschuss erfolgt.

Das ist der vollständige Beitrag, sic. Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts mehr zu sehen. Und wenn folgende Miniatur auch einen gewissen Anfangsreiz aus ihrer dadaistisch Franz Josef Wagnerschen Tatterigkeit gewinnt, verfehlt sie dessen poetische Leichtfüßigkeit und vor allem die relative Modernität seines Konservatismus dennoch um Längen:

Kein Terror [9.9.2007]

In Deutschland wurden Terrorverdächtige festgenommen. Sie planten Anschläge als Reaktion auf die terrorfeindliche Hetze.
Sie gehören einer befreundeten Religion an, deshalb ist der offizielle Sprachgebrauch Terror des Friedens.
Von den Milliarden Gläubigen waren es nur drei, das ist statistisch gesehen überhaupt niemand.

Doch Anfang September 2007 stand ja das Aus für “Pardon” schon fest; begreiflich also, wenn Zeller nicht in Bestform und -laune war. Spulen wir also ein Jahr zurück und steigen am 21.9.2006 ein. Hier ging es zur Abwechslung mal um den

Islam. Unsere muslimischen Freunde reagierten beleidigt auf Papst Benedikt, der in einer Vorlesung eine kritische Dialogzeile aus dem 14. Jahrhundert zitierte. (…) Um die Moslems wieder zu beschwichtigen, verweisen wir auf die Papst-Fotostory in der nächsten Titanic.

Das Islam-Muffeln (“Muffeln” scheint wegen des müden Stils passender als “Bashing”), das im Schnitt die Kernsubstanz von etwa zwei Dritteln der Tickerbeiträge und Cartoons ausmacht, paart sich hier mit einem Feindbegünstigungsvorwurf an die Adresse der Ex-Kollegen von der Titanic. Mit ihnen hat Zeller auch ein knappes Jahr später noch keinen Frieden gemacht. So schreibt er am 10. August:

Ein guter Satiriker ist [Titanic-Chefredakteur a.D. Martin] Sonneborn zweifellos, denn immerhin war der bei Titanic, und die Jungs bei Titanic sind bekanntlich die neue Neue Frankfurter Schule. Ihm gelang ein toller Streich: er bezeichnete sich in einem Handbuch der Medienschaffenden als Linker Moralist. Das war eine großartige Persiflage auf den dumpflinken Moralanspruch.

Was damit gemeint ist, wird nicht erläutert, also offensichtlich vorausgesetzt. In dumpflinker Spitzfindigkeit könnte man einwenden, dass es “…als linken Moralisten” heißen müsste; es sei aber nur noch schnell ein dritter Kollegendiss erwähnt, als nämlich Zeller im April von einem Blog der Grumpy Man TVAxel-Springer-Akademie gelobt wurde und die Gelegenheit nutzte, im Kommentarbereich zu betonen, dass er nichts von Martin Sonneborn und sehr viel mehr von sich selbst hält. Hiermit im Einklang behauptet die Unterzeile des Pardon-Titels weiter unbeirrt: “Deutschlands führendes Satiremagazin”, ergänzt durch die Mutter aller Werbeslogans, die daneben steht: “Besser als die Konkurrenz”.

Zwischenzeitlich verteilte die Online-”Pardon” auch gerne mal Unterschichtwatschen. Über eine Studie, der zufolge sozial benachteiligte Kinder schlechter schlafen, hieß es, diese gingen wohl “noch was trinken, weil sie unter Schlaflosigkeit leiden”. Mit mehr Sympathie wurde im Rahmen eines Wettbewerbs die deutsche Opferbürgerseele bedacht, als “Pardon” dazu aufrief, “ein politischkorrektes Wort für Migrant / Migrationshintergrund” einzureichen, denn “in fünf Jahren wird auch dieser Ausdruck wieder negativ besetzt sein und man darf ihn nicht mehr sagen, weil das diskriminierend und rassistisch ist”. Auf gelegentliche Leserbriefschreiber, die sich über dieses Vordringen des einstigen Satiremagazins in Dimensionen des Braunbräsigen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat, beschwerten, reagierte Zeller mit Publikumsbeschimpfung. In den Briefen dieser “Blogwarte” komme nur ein “Schrei nach Liebe” zum Ausdruck, spottete er, und legte ihnen nahe, sich doch zu taz.de – sinngemäß – zu verpissen. Angesichts der real existierenden “Pardon” zu diesem Zeitpunkt ein gar nicht mal so schlechter Rat.

Während die Medienwelt weitgehend ratlos schwieg, erschrak im Juni immerhin unser Co-Craplogger Pantoffelpunk über die dominanten Werbebanner auf der “Pardon”-Webseite: Achse des Guten, Lizas Welt, Politically Incorrect. Ja. Und wenn Zeller nun ankündigt, der “Geist von ‘Pardon’” werde “im Internet weiterleben”, und zwar in einer “Art von satirischem Blog” namens “Darvins Illustrierte”, steht zu befürchten, dass irgendwo im intellektuellen Bermudadreieck zwischen Neocons, Antideutschen und Brachialrassisten tatsächlich noch eine Nische frei ist.

“Das sind unsere Leser? Da kann man nur aufhören”, schrieb Zeller, als sich jemand über die “Pardon”-Kooperation mit “Politically Incorrect” beschwert hatte. Auf den ersten Blick eine beglückwünschenswerte Idee, auf den zweiten noch ein Beschwerdegrund: Von Wiederanfangen war nie die Rede.

Bilder: “Zombie” von Scurzuzu (cc), “Grumpy Man TV Flyer” von edmittance (cc)

Verdammte Axt

Sebastian, 16. September 2007

paranoya

Gerade wieder im überfüllten Supermarkt voller Schweinebacken ein unverschämt überteuertes Stück Butter gekauft und mich noch mit der Zicke von Kassiererin gezofft, und erst dannach viel mir ein, dass ich mit den Antibiotika gar keine Milchp rodukte kombinieren darf, Mist – hab nen scheiß Hunger und weiß jetzt nicht was ich essen soll … lauter Werberamschim Briefkasten, weg mit dem Zeug, weg, verklagen sollte man euch, aberma richtig.,. Erstmal diese dumme Packungsbeilage weiterlesen die ungfähr so lang ist wie ne rolle kLopapier weiter ach nee ich hatte ja noch die Brötchen im Ofen, wann war das Mistding noch? Zumutung!, diese Penner – bestimmt stehen irgendwo ganz billige Kräuter am wegesrand die gegen entzündung ganz einfach helfen, aber die Dreckpharmainsdustrie würden nix dran verdienen und die Ärzte lernens nicht im Studiumj also zack, Antibiotika hau wech die Scheiße Welche Nebenwirkungen sind möglich? »Häufig: Müdigkeit, Agitiertheit, Verwirrung« – ich geb euch gleich müdigkeit, Agitiertheit Verwirrung und überteuerte butter ihr Gesindel, auch gerde erst ewider gleesen … wiodln ldskll ah! chatte s hier irgendwo moment …so vielzutun …. boah nee … dss krnf… zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz…

Disclaimer: Als ich diesen Text im Alarmschrei las, fand ich ihn sofort toll und zu 100% Craplog-kompatibel. Auf die freundliche Bitte hin, ihn hier parallel veröffentlichen zu dürfen, die ich an Sebastian mit allen mir bekannten Varianten von Nötigung und Erpressung herantrug, stimmte der Guteste schließlich zu. Das bringt mich dazu, noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir immer auf der Suche nach schlechtgelaunten Gastbeiträgen sind sowie nach häufiger schlecht gelaunten Autoren sind. Bewerbungsmodalitäten hier. -maloXP

Bild: “Paranoya” von yell saccani (cc)

…denn das Rudel tollt, wenn der Rubel rollt!

.markus, 4. Juli 2007

Da man bei diesem Thema, die einzelnen Bäume – gegen die man pinkeln könnte – vor lauter Wald nicht mehr sehen kann, kommt hier nun die ungeschminkte Abrechnung mit der ganzen Sparte von Schmalspurtagebuchschreibern, den SEO-Jüngern, den Backlink-Checkern, Blogcharts-Geilen und den Google-Fischern, ja ja ganz genau, endlich!
Jedes Blog ist ein Unikat, weil jeder Blogger ein Individuum ist, sage ich gerne mal (jedenfalls im übertragenen Sinn) und will damit meinen, wie schwachsinnig eine Kategorisierung ist, mit der man sich als Gemeinschaft, als Blogosphäre ansieht.

Ich lag ja sowas von falsch.

Diese Blogosphäre gibt es und sie bezeichnet sich selbst auch völlig ironiefrei so. Hier werden die Mücken von A-Bloggern zu Elefanten aufgeblasen, hier wird Keyword-optimiert geschrieben und hier findet man die Gründe, warum sich Blogs nie als wirklich bedeutsames Medium etablieren konnten. Es sind die seichten Gewässer, in denen die Wellen Schaum schlagen und die gähnenden Abgründe der Langweile.
Es sind die Blogs, die für Traffic geschrieben und die auf Traffic optimiert werden. Die Blogger die sich fragen “Wie mache ich mein Blog bekannt”, bevor sie sich der weitaus wichtigeren Frage gestellt haben: “Warum sollte ich denn mein Blog überhaupt bekannt machen?”
Jeder kleine Furz, der ein paar Klickzahlen verspricht, wird getrackbackt und kommentiert. Jede Diskussion, von der man sich ein paar Besucher erhofft, wird durch sie verwässert. Man macht “Link-Love”-Spielchen und regt sich dann erbärmlicherweise darüber auf, wenn der Betreiber von deutscheblogcharts.de sie nicht in die Statistik einfließen lässt. Man geilt sich an dem Traffic auf, den man durch die Google-Zensur eines bekannten Pornovideoportals bekommt, man freut sich über jeden Suchmaschinen-Versager, der sich auf die Seite verirrt und dann auf eines der zahllosen Werbebanner klickt.
Derbes Unwohlsein entwickelt sich bei mir in der Magengrube, wenn ich wieder einmal über diese Ansammlung von Schwachsinn, tausend Mal nachgeplapperten Standardmeinungen und über diese trafficgeile Keywordschreibe stolpere.

“Yigg mich” schreit es einem aus zwischen der Werbung platzierten Beiträgen. “Klick mich”, blinkt es überall. “Linkst du mich, linke ich dich”, hört man überall. “Links sind die Währung der Blogosphäre “, sagen die gerne und schielen auf Technorati.

Es bereitete mir ehrlich gesagt Mühe diesen Artikel in der CrapLogschen Form zu schreiben, denn eigentlich ist das alles nur eins – traurig und überflüssig.