Archiv für die Kategorie ‘Warum?’

Kuschelrock

Frank, 19. January 2009

Leise weht der Sommerwind um die Palmen Floridas und trägt uns eine Melodie ans Ohr, die von Herzeleid und Hoffnung, von Sehnsucht und Vergessenwollen, von Qual und Erlösung kündet. Vergesst Rick Astley, dieser Song ist noch intensiver: Mark Gormley mit seinem Hit “Without You”.


YouTube direkt: Normal | HiQ | Download

Die 8 Songs umfassende CD kann im UZ General Store gekauft werden. [via]

Sei artig und bedank dich bei dem netten Onkel

.markus, 3. December 2008

wer bild texte liest ist doof

Ja ist denn heute schon Bundestagswahl? Erst kämpft die CDU gegen die Windmühlen der deutschen Sprachveruntreuung, dann besinnt sich die SPD urplötzlich auf ihre sozialen Wurzeln und schlägt “Shopping-Gutscheine” vor. Ich habe gerade mal meine durchschnittliche Kauflaune mittels irgendeinem Geschäftsklimaindex (oder einem Thermometer) gemessen und erstaunt festgestellt, dass wenn sich denn so ein Shopping-Gutschein zu mir verirren würde, ich die komplette Konjunktur derart anheizen könnte, dass die Sonne als Hitzequelle konkurrenzunfähig werden würde und Konkurs anmelden müsste.
Ich würde das Geld ja nehmen. Mal ehrlich ein paar hundert Tacken für lau, da geh ich nicht auf die Straße dagegen. Und wenn gerade eine marode Bank nach der anderen sich ihre Vorweihnachtsgeschenke beim Staat abholt, könnte man ja denken, dass auch der kleine, gemeine, durchschnittliche Bürger eine Konjunktur-Direktinjektion verdient hätte. Könnte man denken. Nun sieht das leider so aus, dass unser lieber Staat die Kohle auch nicht ganz so flüssig hat, sondern sie nur kurzfristig hergibt, dass sie mittelfristig wieder zurückkommt, um langfristig wieder in kurzfristige Konjunktupakte investiert werden zu können.

Kurze Werbepause: Betrachten Sie die schön Welt da draußen oder drinnen, drücken sie Ihre oder Ihren Liebste/n ganz kräftig und genießen Sie einfach mal den Moment. Sie dürfen jetzt auch lachen, das soll schließlich gesund sein (Diese Werbepause wurde Ihnen präsentiert von keiner Kaffeemarke, keinem Waschmittel und keiner Automarke. Sie brauchen nichts zu kaufen. Wir wünschen Ihnen einfach nur ein wunderbares Leben)

Ich komme mir manchmal blöd vor. Etwa wenn mich eine Verkäuferin nach meiner Payback, Getback oder Deutschland-sammelt-Punkte-sammeln-Sie-mit-Karte fragt oder ich mit heruntergelassenen Hosen auf einem Marktplatz stehe (was eher selten vorkommt). Ich komme mir auch blöd vor, wenn ich das Gefühl vermittelt bekomme, ein dummes Wirtschaf zu sein, das mit Kauflaunenstatistiken berechnet wird. Ach, was man mit dem gesamten Geld alles machen könnte: Bayern militärisch besetzen, die ABCD-Prominenz auf den Mond fliegen (was vielleicht für den Mann darin gemein wäre), ein kleines Geschäftsessen für die Manager der Deutschen Bank oder…

… oder einfach mal richtig investieren. In die Zukunft. Langfristig. In eine bessere Gesellschaft. In Bildung. In Forschung. In Kultur. Es ist doch verdammtnochmal nicht mehr zeitgemäß, so eine Arschlochgesellschaft zu sein, deren Grundlagen Konsument und Konjunktur sind. Oder?

bild-auf, bild-ab, bild-in-dein-gesicht

ciphaDOTnet, 3. September 2008

micro$oft ist momentan auf einem konsequenten weg, so schnell wie möglich die 10.000-patente-marke zu knacken. bei diesem projekt wird jeglicher rotz zum patent angemeldet, aber was sie sich aktuell geleistet haben sprengt nicht nur die vorstellungskraft einer jamaika-bob-mannschaft: wenn ihr ein wenig mit der handelsüblichen computer-tastatur vertraut seid, werden euch zwei tasten mal zwischendurch aufgefallen sein, die schlicht das wörtchen “bild” und zwei pfeile nach oben und nach unten tragen. dies dient nicht nur der verzierung, sondern erlaubt euch vielmehr, bei einer computer-seite, z.b. in textverarbeitungsprogrammen, vertikal vor- und zurückzuscrollen. die gehören nun nicht mehr eurer tastatur, euch selbst schon gar nicht, sondern neuerdings unserem lieblings-monopolisten aus redmond, washington, usa. das beste kommt aber jetzt: der ultimative beweis, dass diese tasten auch wirklich micro$hit gehören, wird mit einer 0815-ibm-tastatur aus dem jahr 1981 erbracht, bei der die tasten schon dabei sind.

w00t!? also erstmal: wenn es sich bei den ibm-tastaturen tatsächlich um die ersten mit dieser funktion handelt, wieso bekommt dann m$ das patent und nicht ibm? wie kann überhaupt ein software-hersteller(!) ein patent auf ein hardware-feature bekommen? und schliesslich: gibt es eine möglichkeit, dass der konzern künftig gebühren für das verbauen dieser beiden tasten erheben darf oder was? muss ich meine tasten jetzt ausbauen und zurückgeben? amerika, du bist sehr witzig. und irgendwie auch behämmert. microsoft hats erfunden, schon klar.

wirklich lächerlich wird das alles, wenn man sich mal etwas genauer mit der herkunft der computer-tastatur beschäftigt. deren grossvater war nämlich kein geringerer als die schreibmaschine, die 1821 das erste mal erschien. wieso meldet m$ nicht einfach ein patent darauf an? dann hätten sie eine ganze armada weiterer tasten in ihrem patent-ghetto. zumal ca. 1870 dank remington und sholes die ersten geräte mit qwerty-layout auftauchten, das heute grossflächig verwendung findet (oder bei uns eben qwertz).

die tastatur war nie eine erfindung von m$, auch nicht von ibm und ich bin sogar der meinung, dass es reiner zufall ist mit diesen bildauf- und bildab-tasten. die sollen mich nicht vollabern, das erste micro$oft word erschien erst ende oktober 1983. würde sich der echte kopf jetzt bitte melden, so kann das nämlich nicht weitergehen. was für ein krampf…

[quelle: /. – microsoft patents “Pg Up” and “Pg Dn”]

Die Windmühlen des Marco K

Frank, 22. August 2008

Marco K ist ein junger Schreiberling, der für die Freiheit einsteht. Und er nimmt sich Freiheiten, konsequent. Etwa jene, bei “eigentümlich frei” ganz im Gegensatz zu den verhassten Latte Macchiato süffelnden “Luxussozialisten” Kinderarbeit zu verteidigen und in der rechtskonservativen “Blauen Narzisse” die Brothers Keepers als “schwarze Hassprediger” zu bezeichnen. Auch in seinen sonstigen Absonderungen verdeutlicht der junge Mann, dass dort wo sich unbeschwerter Nationalismus und ökonomistischer Marktfetisch in zärtlicher Umarmung vereinen, der gemeine Kotzbrocken seine Heimstatt hat, einem Ort, wo auch linkspolitische, Staats- und Überfremdungsparanoia an den Wänden wuchern wie prächtig gepflegte Schimmelpilzkulturen.

Sein eigenes Blog nennt K programmatisch opponent.de. K opponiert zum Beispiel gegen den fiesen Mindestlohn. Denn der ist interventionistisch, genau wie grundsätzlich alle fixierten Standards der Menschenwürde. Weil man den Lesern seines Blogs ja mal etwas zum Lachen, was Witziges, Bissiges an die Hand geben will, verzog er sich jüngst in den Keller und kam kurz darauf mit folgender Collage wieder heraus:

Humor wie '33: Hitler und der Mindestlohn

Ich schlapp mich lach. Hitler! Förrr den Mindestlohn! Auf einer Seite des Deutschen Gewerkschaftsbunds! Prust. Na klar, denn im Nationalsozialismus steckt ja auch der Sozialismus drin, gell? Zum Niederknien (und Fußbodenpizza backen).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bekam das spitz und fand’s nicht komisch. So erhielt K gestern einen Brief mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrter Herr K,

hiermit fordern wir Sie auf, den auf Ihrer Internetseite www.opponent.de eingestellten, der im Wesentlichen Inhalte unserer Internetseite www.mindestlohn.de sowie das DGB-Logo zeigt, umgehend von ihrer Internetseite zu nehmen. Sollte dies nicht bis

Freitag, den 22. August 2008, 10.00 Uhr vormittags

geschehen, behalten wir uns ausdrücklich alle in Betracht kommenden strafrechtlichen wie zivilrechtlichen Schritte gegen Sie vor. Wir weisen Sie insbesondere darauf hin, dass Sie keine Erlaubnis haben, das DGB-Logo zu verwenden.

Mit freundlichem Gruß

Reinhard D

Klar ist es etwas harsch, auf einen popeligen Blogger und seine solcherlei geradezu Mitleid erregende Versuche, lustig zu sein, zu reagieren. Aber es ist ihr gutes Recht. Zumal der DGB rechtsmittelmäßig sicher adäquat ausstaffiert ist und auch gleich eine Abmahnung hätte verschicken können. Und dass das kostet, weiß man ja seit den diversen “Brötchengates”, die die deutsche Bloglandschaft erschütterten.

Oh tempora, oh mores! Der stalinofaschistische DGB droht uns Monokulti-Heten mit Staatsgewalt plärrt es da aus dem Opponentenblog. Um Solidarität heischend erklärt K:

Ich akzeptiere die Drohung mit Initiierung staatlicher Gewalt gegen mich durch den DGB-Bundesvorstand nicht und werde der Aufforderung aus ethischen Gründen nicht nachkommen. (…bla…)

Darüber hinaus empfinde ich die Drohung durch den DGB nicht nur als Beweis für die Humorlosigkeit der Gewerkschaftsbürokraten, was schließlich noch zu verschmerzen wäre, sondern als offenen Angriff auf die unantastbaren Freiheiten des Individuums, welche die Grundlage für eine friedliche und freie Gesellschaft bilden, im Unterschied zu einem menschenverachtenden, freiheitsfeindlichen Regime wie etwa der DDR, das durch die deutsche Gewerkschaftsbewegung maßgeblich gestützt wurde. (…bla…)

Gewerkschaftsvertreter haben heute einmal mehr ihre Maske fallen gelassen, hinter der sich die hässliche Fratze der Menschen- und Freiheitsfeindlichkeit verbirgt. Die Drohung gegen mich wird nicht dazu führen, dass ich mich dem Willen des DGB beuge. Vielmehr sehe ich es ab sofort als primär an, Widerstand gegen (staatlich protegierte) Gewerkschaften auf allen Ebenen zu leisten und zu unterstützen.

Ich möchte alle Menschen, insbesondere alle Blogger, dazu aufrufen, dem Abmahnwahn hierzulande, dem Drohen mit staatlicher Gewalt, den Einschüchterungsversuchen staatlicher, halbstaatlicher und privater Akteure nicht schweigend zu begegnen, sondern aktiv Widerstand zu leisten. Freiheit ist ein zerbrechliches Gut, das jeden Tag wieder erkämpft und bewahrt werden muss. Einmal verloren, ist die Freiheit nur unter größten Opfern zurückzuerlangen. Gehen wir den Weg in die Tyrannei, den dieses Land schon all zu lange beschritten hat, nicht weiter!

K spielt sich also auf als Vertreter von Meinungsfreiheit, Kämpfer gegen Zensur und Staat, hier verkörpert in Gewerkschaft und Justiz. Nun ja, jedem seinen eigenen Größenwahn. Lieber Marco, darf ich fragen, ob du dich, wenn du bei der Steuererklärung schummelst, wie William Wallace fühlst, beim Schwarzfahren wie Che Guevara, beim besoffenen Autofahren wie Mahatma Gandhi?

Von mir, lieber Marco, gibt’s keine Solidarität, allerhöchstens etwas Mitleid. Denn es hat schon etwas Don Quixote-artiges, sich selbst und das eigene verkackte Weltbild so aufzublähen, dass man meint aus einer nicht lustigen, nein – wirklich einfach nicht lustigen, grafischen Nazi-Gleichsetzung eine Verteidigung angeblich liberaler Werte zu konstruieren. Vorzugeben, dass eine solch erbärmliche Albernheit Satire sei, anderen vorzuwerfen, sie seien humorlos, wenn sie den Humor darin nicht entdecken.

Anderswo kommt man in der Besprechung des Falles gleich mit Arbeiterdichtern:

Kurt Tucholsky (1890-1935) war ein linker Intelletikueller, trat für die Arbeiterbewegung ein und seine Werke wurden wie viele andere auch im Mai 1933 von wildgewordenen Nationalsozialistischen Studenten verbrannt.

Der Schriftsteller, Journalist und Gesellschaftskritiker ist bis heute eine viel- und gernzitierte Persönlichkeit. Eines seiner bekanntesten Zitate lautet

“Was darf Satire? Alles.”

Kurt Tucholsky hatte durchaus recht. Aber wenn so etwas wie obiges Werk schon die Schöpfungshöhe von Satire erreicht, dann bin ich dafür den Begriff gleich ganz zu entgrenzen. Dann wäre ich dafür — und das meine ich hier nur metaphorisch — auch einen Tritt in die Fresse als Satire zu liberalisieren. Lustig wär’s zumindest.

[via gulli]

adobe trash

ciphaDOTnet, 4. July 2008

adobe flash trash macht meinen rechner unbrauchbar.

wenn ich surfe, und das mache ich in 99,9% der fälle mit firefox, habe ich immer notorisch viele tabs offen. kann auch mal vorkommen, über wochen hinweg. jetzt gibt es dieses phänomen, dass immer webseiten, die adobe flash nutzen, eine ungeheure last an den prozessor abgeben. normalerweise, ich kann so viele tabs offen lassen, wie ich will, liegt meine cpu-temperatur zwischen 50° und 60°. damit lässt sich formidabel arbeiten. wird auf einer website jedoch flash genutzt, womöglich noch mehrmals gleichzeitig, über anzeigen, eingebundene videos oder wasweissich, ächzt meine maschine (amd turion64, 1,8ghz; vergleichbar mit 3ghz intel) wie unter hardcore-vollast mit 85°. das sind nur noch 10° unter der maximaltemperatur! 10°! dann tot!

es liegt niemals an den browser-entwicklern. dieses problem hatte ich in so ziemlich jeder version des firefox. ich hasse nackte browserfenster. ich liebe dieses “gedächtnis-feature”, das mir auch noch nach wochen zeigt, was wichtig ist/war. da jetzt den übeltäter herauszufiltern, der für den hitze-overkill verantwortlich ist, ist praktisch unmöglich.

verdammt. heute gibt es kaum noch seiten im www, wo kein flash eingesetzt wird. die idee an sich hat ja auch was verlockendes: die möglichkeit eines mashups mit tollen videos oder spielen oder eigenen radiosendern sucht seinesgleichen. dennoch bin ich der meinung, im jahr 2008, das web hat inzwischen den führerschein, könnte man da nicht verlangen, dass adobe mal seine vielen millionen in eine korrekte flash-version steckt? ist das zuviel verlangt!? müssen erst alle zu einer schwulen parallellösung aus redmond, brainwashington, wechseln? wäre eine computerwelt nicht viel sonniger, in der adobe flash trash auch auf pcs eingesetzt werden kann, die unter 2ghz rechenleistung liegen? bin ich eigentlich schuld an allem?

fakt ist: dieser quasi-standard, den adobe mit seiner flash-entwicklung bereits jetzt etabliert hat, ist praktisch unumkehrbar. auch das w3c weigert sich beharrlich, dieses omnipräsente embed-tag endlich zu adaptieren, kommt aber auch nicht mit einer eigenen passablen lösung aus seiner deckung heraus. was kann man tun? nix. proprietärer murks regiert. ich bin schuld, ich will es ja nutzen. bullshit. hoffentlich zerschiesst es mir mal den prozessor. ist ja nur meine maschine. war ja kostenlos und umsonst. danke adobe. für nichts!

Bad things not always have a cause. Sometimes they’re just… Happening

Frank, 18. June 2008

Bild

Gestern Abend haben wir acht Euro verbrannt. Das sind sechzehn Mark!!1! Was war geschehen? S. und ich haben es gewagt und sind in den neuen Film von M. Night Shyalaman (Shymalan? Shylanam? Who cares…) gegangen: The Happening. Im Prinzip war das 28 Days Later ohne alles, was den Film gut machte. Wir ahnten ja im Ansatz, was da auf uns zukommt, aber dass es so übel werden würde? Handlungsmäßig gibt es eigentlich nicht viel über den Film zu sagen, Kurzfassung: Marky Mark versucht sich und seine Patchwork-Kleinfamilie mit konsequent unlogischen Handlungsweisen vor dem Pollenflug des Todes — ja, hier killen Bäume Menschen, indem sie sie per Nervengift zum kreativen Selbstmord animieren — zu retten. Man rennt also einen Gutteil des Films vor, nun ja, Wind weg, der von wogenden Baumwipfeln illustriert wird. Zum Schluß sind viele tot und der Rest glücklich.

Exemplarische Szenen: Marky Mark ist ein reichlich scheeler und enerviert rumkumpelnder Biolehrer in New York. Lehrerversammlung in der Aula: Alarm! Man nimmt an, dass Terroristen im Central Park einen Nervengasangriff gestartet haben. Es gibt wohl auch sauviele Tote. Was tut man da? Alle Fenster schließen, Ruhe bewahren, große Versammlung in der Aula und abwarten, bis irgendjemand etwas Genaueres weiß? Nein, sebstverständlich nicht. Sämtliche Schüler und Lehrer werden, ab nach Hause mit euch, an die frische Luft geschickt! Marky Mark verabredet sich mit der Familie seines Kumpels, fährt nach Hause, trifft sich mit seiner Ische, findet Zeit noch Sachen zu packen, trifft sich an der Central Station mit der ganzen Baggage, erlebt eine angesichts der Terrorwarnung merkwürdig unpanische Bevölkerung am nicht sonderlich überfüllten Bahnhof und — oh Wunder — es fahren sogar noch Züge!

Der ganze Zug voll New Yorker kommt schließlich in einer gottverlassenen Kleinstadt zum Stehen, die Lokführer wollen nicht mehr weiterfahren. Warum? Nun, man hat den Kontakt nach überallhin verloren. Später hört man zwar, es sei nur die Ostküste betroffen, aber egal. Auch ob das Anhalten in der Pampa eine bessere Alternative ist, egal. In diesem Dörfchen gibt es jedenfalls eine Kneipe, die auf wundersame Weise genug Vorräte hat, um eine komplette Zugladung Leute zu sättigen. Im Etablissememt sieht man Fernsehen. Illustriert durch äußerst bedrohlich wirkende gelbe Punkte auf einer Karte (wirkt anscheinend anschaulicher als Livereportagen), wird gesagt dass die gesamte nördliche Ostküste gerade abnippelt. Alle geraten in Panik und fahren plötzlich mit Autos los, um über die Grenze des Gefahrengebiets zu flüchten. WTF: Woher kommen all diese Autos? Warum scheint es keine Probleme mit fehlenden Zündschüsseln zu geben? Egal. Marky Marks Kumpel gibt ihm seine achtjährige Tochter, weil er nach seiner Frau suchen will, die, nun ja, irgendwo ist. Hier geschieht meine Lieblingsszene des Films. Man sieht, wie ein Auto anhält. Marky Marks Frau: “Oh, da hält ein Auto hält an!”

The Happening
(“Fuck, da liegen tote Menschen. Wir können nicht weiterfahren” — Die hier gezeigten Gesichtsausdrücke variieren während des Films nur geringfügig)

Später flüchtet man, wie bereits erwähnt, vor dem Wind. Wir haben eine Großgruppe und eine Kleingruppe (zu der neben unseren drei Helden zwei nicht gerade traumatisiert wirkende Teenager gehören). Die Großgruppe befindet sich am Fuße des Hügels, die Kleingruppe obendrauf. Wer nippelt ab? Die Großgruppe natürlich! Denn der Wind weht selbstverständlich untenrum viel doller und macht dazu noch irgendwie gemeinsame Sache mit dem toxischen Nervengas, indem sie zusammen bevorzugt die größeren Menschenzusammenrottungen angreifen. Weil ist ja klar, mehr Menschen = größeres Gefahrenpotential für die Bäume, nicht wahr?

Muss ich mehr sagen? Nein, muss ich nicht. Dieser Film hat ein völlig missratenes Drehbruch und ausschließlich Hauptdarsteller, die agieren als hätten sie einen Baseballschläger im Arsch. Da herrscht kein bißchen Atmosphäre, stattdessen nur Logiklücken gewaltigen Ausmaßes, die durch ein paar Handlungsfragmente zusammengehalten werden. Sämtliche in “The Happening” vorhandenen Ansätze, die auch nur ein bisschen psychologisch interessant sein könnten (Warum mag Marky Marks Freund Marky Marks Ische nicht? Was passiert mit der Frau von Marky Marks Freund? Wie panikt die Bevölkerung? Warum will Marky Marks Ische Marky Mark nicht erzählen, dass sie mit Joey Tiramisu (!!!) essen war? Was haben die zwei für Eheprobleme? Warum ist die Eremiten-Omma so durch?) werden im Laufe des Films zugunsten schnarchiger Klischees fallengelassen. Schnitt und Kamera sind grottenschlecht, man erträgt die ständigen Gesichtstotalen irgendwann einfach nicht mehr und wenn man die Dialoge als hölzern bezeichnen will, muss man der Metapher eher Pressspan denn Kiefernholz zugrunde legen. Nicht mal einen Clou, eine geniale Wendung, wie man ihn eigentlich von diesem Scriptschreiber und Regisseur erwartet, bekommt man geliefert: Der Grund der Misere wird einem bereits nach einem Drittel des Films geliefert, wenn man ihn bis dahin auf Grund der zahlreich vorhanden Hinweise nicht längst selbst erraten hat, und bleibt auch die Erklärung wenn schon der Abspann läuft. Wie gesagt: Pollenflug. Weitere Lächerlichkeiten attestiert das Magazin “The New Republic” in einem sehr amüsanten Review [via Nerdcore auf Twitter].

Für mich ist “The Happening” klarer Anwärter auf die “Goldene Himbeere”. Unfassbar, dass M Night Sowieso dafür 10 Millionen Dollar erhalten haben soll. Gebt mir einen Park, drei Leute und eine Kamera, dann dreh ich euch bis Ende der Woche einen zweiten Teil.

tzwitter

ciphaDOTnet, 16. June 2008

es gibt kaum einen dienst, den ich mehr hasse, als sms. die beschränktheit von maximal 160 zeichen, um sich auszudrücken, ist einfach nicht geeignet für die minimalsten ansprüche an eine hochsprache, sondern verkrüppelt sie gnadenlos, so dass am ende niemand mehr etwas damit anfangen kann. erklär’ mal deiner oma, was es mit k thx bye oder hdgggdl bzw. rofl, lol, omfg und wtf auf sich hat. die text-verknappung in unserer fast-food-welt sollte niemand mit den geringsten sprachlichen ambitionen unterstützen. man braucht nur über den grossen teich schielen: da haben die kids eine durchschnittliche aufmerksamkeitsspanne von der zeit, die im fernsehen nicht mit werbung gefüllt ist. im moment also ca. 20 minuten. in zukunft wohl noch weniger. dazu kommen noch kosten von ca. 0,19€, was 0,0011875€ pro zeichen macht. völliger schwachsinn, völliger wahnsinn, denn auf diesen preis pro zeichen kommt man auch nur, wenn man alle pro sms ausgeschöpft hat.

für mich ist es ein rätsel, dass es diesen sms-dienst immer noch gibt und dass sich seit dessen einführung technisch rein gar nichts getan hat. mittlerweile dürfte es ja wohl kein problem mehr sein, einen email-dienst für handys anzubieten; aber dann schreiben die leute wahrscheinlich mehr als 160 zeichen und daran lässt sich auch nicht so gut verdienen, also scheiss auf den fortschritt.

ins selbe horn, mit dieser unnützen zeichen-beschränktheit, bläst nun ein völlig unnötiger neuzeit-trend namens twitter. der witz: twitter läuft über ein web-interface, also technisch keine beschränkungen für text-ergüsse und trotzdem bekommt man pro “tweet” nur 140 zeichen! das sind 20 WENIGER als bei herkömmlichen sms! fuckthewhat. für was soll so etwas nützlich sein? in einem fernsehbeitrag konnte ich sehen, wie einer über sein handy (! sprich: garantiert NICHT kostenlos) seinen twitter-account aktuell hält, indem er einfach “zwitschert”, wo er sich befindet und was er macht. ganz toll. auf was soll das bitte hinauslaufen!? jetzt erstellen die menschen schon bewegungsprofile von sich selber. sehr gut! dann brauchen das nicht mehr die geheimdienste machen. vom nutzwert einer twitter-meldung, wie “ich sitze gerade auf dem klo in dem und dem restaurant”, ganz zu schweigen.

nee, nee. sowas kann und will ich nicht fördern. wenn man wirklich ernsthaft in erwägung zieht, sich mit schreiben zu beschäftigen, dann sollte man üben möglichst viel information in möglichst wenig text zu packen und vor allem sich keine beschränkungen in bezug auf die zu verwendenden zeichen zu setzen. sowas, wie oben erwähnt, verkrüppelt die sprache nur und wir haben heute weissgott genug probleme mit fürchterlichen anglizismen, fehlgeleiteten dativen und halbtoten genitiven, um nur drei der aktuellsten störungen zu nennen. ich habe nichts gegen wettbewerbe, bei denen es als jux erachtet wird, möglichst kreatives in 140 oder 160 zeichen zu packen, das kann durchaus witzig sein. aber das permanent zu machen ist keiner sprache dienlich und zudem: verkrüppelt dein schreiben, verkrüppelt dein geist! deshalb halte deinen geist fit und schreibe bitte mehr als 140 zeichen! oder lass’ das schreiben lieber und arbeite bei mcdonalds oder burger king. danke.

Wie ich aufhörte, mich über Jimi Blue zu ärgen und lernte, Wilson Gonzales zu hassen

Frank, 23. April 2008

Die Geschichte der sich plötzlich zu höherem berufen fühlenden C-Prominenz ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und auch heute gibt es noch viele Halbstarke, die glauben, weil sie hin und wieder auf der Straße erkannt werden und einen Fanclub besitzen (jeder hat einen Fanclub — selbst Mark Oh, Ralf Moeller und Kader Loth), müssten sie ihr innerstes nach außen kehren und endlich ihrer wahren Bestimmung folgen. Sie starten eine Gesangskarriere.

jimiblueDas frischeste Beispiel aus dieser nie enden wollenden Kette aus Dilletanz ist: Jimi Blue Ochsenknecht. Ja, ein so abgefahrener Aufdruck im gerade erst erhaltenen Perso — der Junge ist 16 — lässt natürlich die Option “Künstlername” wegfallen. Ladies and Gentlemen, wir reden ergo über: Jimi Blue. Was sollte der Sohn eines Ochsenknechts anderes werden als ein Kuhhirte, mag sich der unbeschlagene Leser fragen. Nun, leider spie der Himmel den Fank (nicht zu verwechseln mit dem Pank) auf das wurstlippige Opfer der eigenen Adoleszenz. Man mag sich ungern vorstellen, welcher zwielichtige Berater dem Ex-Kinderstar empfahl, es doch zur Abwechslung mal mit akustischer Soße zu probieren, aber Fakt ist, dass das Potential zum Größenwahn in ihm somit endgültig geweckt ward. Und so inszeniert sich im Lied “Hey Jimi” ungelenk und pseudolässig eine grotesk entstellte teutonische Kopie von Justin Timberlake in einer Staffage von Cheerleaderinnen, die debil grinsend mit ihren Arbeitsmarktqualifikationen wackeln, umrahmt von dreidimensionalen Buchstabenskulpturen und skurril-bunten Farben, die aber nun die Biederkeit in der das Gesamtwerk resultiert nicht im Geringsten zu übertünchen wissen.

Über die gleichsam schon abartig unterirdisch miese Ballade “All alone”, in der der junge Mann eine Rap-Performance noch (weit!) unter dem Niveau von Oli P. in seinen durchsten Zeiten abliefert, kann ich hier wegen akuter Gesichtspalme nur kurz eine exemplarische Stelle zitieren.

So here I am – starring at the wall
I can’t believe – that you’re really gone
My girlfriend, my only, my homie
Since you left I’m feeling cold and lonely

Zu recht!

Wenn das junge Ding im Fanfragen-Videozusammenschnitt, welches gerade die Startseite seiner Internetpräsenz ziert, auf die Frage, ob er sich denn sein Leben ohne die “Musik” und “Schauspiel”-“Karriere” vorstellen könne, antwortet

Nee, auf gar keinen Fall, weil… Sonst würd ich das nicht machen und (Es folgt ein kurzes Innehalten, mit gespreizten Fingern zeigt er seinen Handrücken, welcher sich schräg abwärts bewegt — Rappergestus!) … Yo!

dann ahnt man, welchen Einfluss amerikanischer Ghettokitsch auf den bürgerlichen Nachwuchs hierzulande hatte und hat: keinen Guten.

BildDoch ist das genug der Fremdscham für heute? Weit gefehlt. Denn Jimi Blue Ochsenknecht hat noch einen Bruder: Wilson Gonzales Ochsenknecht! Der ist 18 und macht ebenfalls Musik, laut Wikipedia “ganz im Gegenteil zur Rap-bezogenen Musik des Bruders” unter Einfluss von “Bands wie Queens of the Stone Age, Arctic Monkeys und Led Zeppelin”. Und das bringt selbst mich dazu, die ironische Distanz fallenzulassen. Ich bin fassungslos. Das ist nicht nur vermessen, das ist nicht nur peinlich — das ist Schrott! Da scheppert ein Schlagzeug arythmisch vor sich hin, da wird kaum ein Ton im Gesang getroffen, da werden im Video die ohnehin schon albernen Motive “Luftschlangen”, “Heimtrainergeradel” und “Wasserschwälle in Zeitlupe” endlos repetiert. Und vorgetragen von jemandem, der sich jung und hip fühlt, weil er vielleicht mal in einem RTL-Extra-Bericht von 2003 über (mittlerweile ja nun auch nicht mehr so) hippe Bands wie den Arctic Monkeys gehört hat und sich entsprechend kleidet, während das Liedthema “New York” nicht im mindestens berührt wird. Nein, nichtmal eine halbwegs ordentliche Produktion schafft es, das völlige Fehlen an musikalischer Begabung bei Wilson Ochsenknecht zu verstecken. Aber wenn es doch nur das wäre, fehlendes Talent kann man immer noch mit Attitüde oder Charme ausgleichen. Nein — dieses akustische Machwerk ist so komplett seelenlos, Daniel Küblböck in eskaliert, schlicht: Musik gewordener Brechreiz. Weswegen ich ausdrücklich davor warne, im folgenden Video auf den Abspielknopf zu drücken.