Archiv für die Kategorie ‘Warum?’

Wie ich aufhörte, mich über Jimi Blue zu ärgen und lernte, Wilson Gonzales zu hassen

Frank, 23. April 2008

Die Geschichte der sich plötzlich zu höherem berufen fühlenden C-Prominenz ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und auch heute gibt es noch viele Halbstarke, die glauben, weil sie hin und wieder auf der Straße erkannt werden und einen Fanclub besitzen (jeder hat einen Fanclub — selbst Mark Oh, Ralf Moeller und Kader Loth), müssten sie ihr innerstes nach außen kehren und endlich ihrer wahren Bestimmung folgen. Sie starten eine Gesangskarriere.

jimiblueDas frischeste Beispiel aus dieser nie enden wollenden Kette aus Dilletanz ist: Jimi Blue Ochsenknecht. Ja, ein so abgefahrener Aufdruck im gerade erst erhaltenen Perso — der Junge ist 16 — lässt natürlich die Option “Künstlername” wegfallen. Ladies and Gentlemen, wir reden ergo über: Jimi Blue. Was sollte der Sohn eines Ochsenknechts anderes werden als ein Kuhhirte, mag sich der unbeschlagene Leser fragen. Nun, leider spie der Himmel den Fank (nicht zu verwechseln mit dem Pank) auf das wurstlippige Opfer der eigenen Adoleszenz. Man mag sich ungern vorstellen, welcher zwielichtige Berater dem Ex-Kinderstar empfahl, es doch zur Abwechslung mal mit akustischer Soße zu probieren, aber Fakt ist, dass das Potential zum Größenwahn in ihm somit endgültig geweckt ward. Und so inszeniert sich im Lied “Hey Jimi” ungelenk und pseudolässig eine grotesk entstellte teutonische Kopie von Justin Timberlake in einer Staffage von Cheerleaderinnen, die debil grinsend mit ihren Arbeitsmarktqualifikationen wackeln, umrahmt von dreidimensionalen Buchstabenskulpturen und skurril-bunten Farben, die aber nun die Biederkeit in der das Gesamtwerk resultiert nicht im Geringsten zu übertünchen wissen.

Über die gleichsam schon abartig unterirdisch miese Ballade “All alone”, in der der junge Mann eine Rap-Performance noch (weit!) unter dem Niveau von Oli P. in seinen durchsten Zeiten abliefert, kann ich hier wegen akuter Gesichtspalme nur kurz eine exemplarische Stelle zitieren.

So here I am – starring at the wall
I can’t believe – that you’re really gone
My girlfriend, my only, my homie
Since you left I’m feeling cold and lonely

Zu recht!

Wenn das junge Ding im Fanfragen-Videozusammenschnitt, welches gerade die Startseite seiner Internetpräsenz ziert, auf die Frage, ob er sich denn sein Leben ohne die “Musik” und “Schauspiel”-”Karriere” vorstellen könne, antwortet

Nee, auf gar keinen Fall, weil… Sonst würd ich das nicht machen und (Es folgt ein kurzes Innehalten, mit gespreizten Fingern zeigt er seinen Handrücken, welcher sich schräg abwärts bewegt — Rappergestus!) … Yo!

dann ahnt man, welchen Einfluss amerikanischer Ghettokitsch auf den bürgerlichen Nachwuchs hierzulande hatte und hat: keinen Guten.

BildDoch ist das genug der Fremdscham für heute? Weit gefehlt. Denn Jimi Blue Ochsenknecht hat noch einen Bruder: Wilson Gonzales Ochsenknecht! Der ist 18 und macht ebenfalls Musik, laut Wikipedia “ganz im Gegenteil zur Rap-bezogenen Musik des Bruders” unter Einfluss von “Bands wie Queens of the Stone Age, Arctic Monkeys und Led Zeppelin”. Und das bringt selbst mich dazu, die ironische Distanz fallenzulassen. Ich bin fassungslos. Das ist nicht nur vermessen, das ist nicht nur peinlich — das ist Schrott! Da scheppert ein Schlagzeug arythmisch vor sich hin, da wird kaum ein Ton im Gesang getroffen, da werden im Video die ohnehin schon albernen Motive “Luftschlangen”, “Heimtrainergeradel” und “Wasserschwälle in Zeitlupe” endlos repetiert. Und vorgetragen von jemandem, der sich jung und hip fühlt, weil er vielleicht mal in einem RTL-Extra-Bericht von 2003 über (mittlerweile ja nun auch nicht mehr so) hippe Bands wie den Arctic Monkeys gehört hat und sich entsprechend kleidet, während das Liedthema “New York” nicht im mindestens berührt wird. Nein, nichtmal eine halbwegs ordentliche Produktion schafft es, das völlige Fehlen an musikalischer Begabung bei Wilson Ochsenknecht zu verstecken. Aber wenn es doch nur das wäre, fehlendes Talent kann man immer noch mit Attitüde oder Charme ausgleichen. Nein — dieses akustische Machwerk ist so komplett seelenlos, Daniel Küblböck in eskaliert, schlicht: Musik gewordener Brechreiz. Weswegen ich ausdrücklich davor warne, im folgenden Video auf den Abspielknopf zu drücken.

Schwanger mit 50

ovit, 1. März 2008

Sarah Connors Mutter erwartet Zwillinge
- ohne Kommentar -

Penetranz vs. Filmvergnügen

Frank, 14. Februar 2008

Videothek

Lieber Kunde,

es ist doch gar nicht so schwer zu verstehen. Schau mal: Ich kann dir keine Mitgliedskarte ausstellen, wenn kein Vertrag von dir da ist. Und ich kann mit dir keinen Vertrag machen, wenn Du dich nicht ausweisen kannst. Da ist mir egal, was mein Kollege gestern gesagt haben mag und da kannst Du mich belatschen so lange Du willst — es geht einfach nicht.

Wenn deine sinnlosen Überredungsversuche dann aber noch minutenlang mit mantraartiger Wiederholung des Null-Arguments “Ich wohn gleich um die Ecke” in den nach einem eh schon beschissenen Arbeitstag wohlverdienten Feierabend hinein angereichert werden — dann, mein Lieber, ist es bei aller Liebe zum Kunden absolut kein Wunder, wenn ich irgendwann gepflegt in die Luft gehe.

Herzlichst,

deine Ausleihschlampe freundliche Servicekraft aus der Videothek

[Dieser Beitrag hängt irgendwie zusammen mit Wenn Kunden zu sehr nerven und Prosa wie sie sein soll: Auf der Arbeit]

Chefredakteure, miese Wortspiele, Blogs, SEO-Spammer: Alles Arschlöcher

Frank, 6. Februar 2008

Vögel
Danke, Gott. Für’s Spatzenpfifferl!

Eigentlich sollte ich mir abgewöhnen, Blogs zu lesen. Warum? Weil’s mir Spaß macht. Ja, das ist paradox, aber auch ein Beispiel, wie man einen Blogartikel halbwegs elegant einleiten könnte.

Bei neun von zehn mir unbekannten Blogs finden sich aber statt solch netter Hooks am Anfang von Artikeln zu Themen die mich interessieren könnten, die ich vielleicht sogar wahnsinnig gerne lesen würde, lediglich Massengräber von YouTube-Videos, Plugin-Spielwiesen, unreflektiertes Werbegeseiher der Apple-Templer, öde Ereignisse aus dem öden Leben öder Menschen, A-Blogger-Speichelgelecke, Spam jeder Art, SEO-Dreck und vor allem – die Beulenpest unter den Blogkrankheiten – Spatzenpfifferl

Diesen hübschen Begriff habe ich soeben höchstselbst erfunden. Er beschreibt jene Blogartikel, die keinen Arsch interessieren, weil das Thema durch ist, überall behandelt wird, jeder eine Meinung dazu hat, kurz: die Spatzen den Artikelinhalt bereits von den Dächern pfeifen. Nehmen wir zum Beispiel Stefan Aust. Der wurde ja vor ein paar Monaten von der Spiegel-Belegschaft durch Vertrags-Nichtverlängerung abgestraft, mutmaßlich dafür, ein tyrannischer Volldepp zu sein. Okay, das war die Nachricht, mehr muss man darüber nicht verlieren. Was aber macht die Blogosphäre? Ergeht sich dutzendweise in Wortspielorgien (“Aus! für Aust”, “Aust die Maus”, “Aust-ritt”, “Aust, das Spiel ist Aus!”, “Austgespielt”, “Stefan Aus”, “Austisten unter sich” und viele mehr) und mutmaßt langweiligerweise, wer denn der Nachfolger des enthusiastischen Windradhassers und Pornoblättchenkolumnisten mit Pferdefaible wird – als ob nicht völlig klar wäre, dass der nächste “auf dem Thron” als Grundvoraussetzung nur ein ebensolcher Dödel werden kann. Ist ja dann auch so gekommen, zu 50 Prozent mindestens.

Jetzt schlägt’s jedoch 13: Stefan Aust ist nicht nur ein Penner, sondern auch noch ein geldgeiler Idiot, versucht sich knapp 5 Millionen vor Gericht zu ergaunern, wird deswegen verfrüht geschasst — und wo muss ich das erfahren? In meinem Feedreader, einem Medienblog, unter der grenzdebil wortverspielten Überschrift: “Aust und vorbei”.

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Beschriftet eure CDs ordnungsgemäß!

Simon, 30. Januar 2008

Symbolbild halt

Macht es den Sondereinsatzkommandos doch nicht so schwer. Versetzt euch mal in ihre Lage! Die stürmen mit Maschinenpistole, Taser-Gun und Tränengas die Kinderzimmer dieser Erde, finden SONY-Rohlinge, die mit einem SONY-Brenner gebrannt wurden, und wissen nicht was drauf ist! (Etwa SONY-Playstation-Spiele? Man weiß es nicht.)

Viel einfacher und zeitsparender wäre es doch, wenn wir direkt alle nötigen Informationen mit auf die CDs schreiben:

  • Inhalt der CD: Anzahl der Urheberrechtsverletzungen
  • Datum: Wann aus dem Internet geklaut?
  • Ort : Wo aus dem Internet geklaut? Genaue URL bitte!
  • Raubkopierer: Vor- und Nachname + IP-Adresse während des Downloads
  • Super-Mega-Raubkopierer a.k.a Der Teufel a.k.a Hitler: Name und Anschrift des Uploaders

Die Content-Sheriffs haben nun mal nicht ewig Zeit und sind auch körperlich nach so einem Anti-Terror-Einsatz ganz schön fertig; es reicht ja schließlich nicht einfach die CDs und die Festplatte(n) mitzunehmen, nein, Tower und Monitor müssen auch in den LKW und auf’s Revier, da kann man ihnen doch guten Gewissens die Arbeit etwas erleichtern, oder?

Und noch ein Tipp am Rande: Wenn ihr nicht sicher seid, ob sich der Kauf eines 100er CD-Spindels (hoffentlich Marke SONY, die müssen auch von was leben) überhaupt lohnt, weil ihr eigentlich gar nicht so oft Sachen brennt, dann macht es wie der Autor dieses Artikels und ladet für jeden “Raubkopierer sind Verbrecher”-TV/Kino-Spot, den ihr ertragen müsst, zwei Filme aus dem Netz.

Aus Trotz.

Strg + A -> Entf

Frank, 26. Januar 2008

The authors have deleted this blog.

Wenn man ein Blogprojekt mitadministriert, trotz schwankender Motivation im Saldo enorm viel hineininvestiert, hier macht, da hilft, dort für Fragen zur Verfügung steht, Domains registriert, Datenbanken anlegt, layoutet und ganz nebenbei auch noch manchen Artikel schreibt, weil man an die Sache glaubt und mit manchen Marotten der Mitstreiter eingedenk des Bewusstseins, dass man solche auch selber hat, zu tolerieren bereit ist — dann ist es schon ein dicker Hund, aus dem Sommerurlaub zurückzukehren und festzustellen, dass der Blogzugang gesperrt wurde, das interne Forum umgezogen ist auf eine Adresse, die einem nicht mitgeteilt wird und auf die verwirrte Frage, warum denn dies, nichts als Schweigen erntet; sich die restliche Kommunikation auf Umwege über Dritte beschränkt.

Regelrecht zum Kotzen ist es dann jedoch, wenn man auf die Information hin, dass das Projekt eingestellt wird, in einem Kommentar darum bittet, dass zumindest die vielerorts als Referenz verlinkten bisherigen Texte an alter Stelle beim kostenlosen Bloghoster verbleiben mögen — woraufhin am nächsten Tag, ohne auch nur den entferntesten Hinweis darauf dass man doch zumindest die eigenen alten Texte schnellstens sichern möge, das gesamte Blog gelöscht ist.

Medien, Mütter, Märtyrer

Frank, 9. November 2007

Fragt man nach Begriffen, deren Sinnentleerung auf der Agenda von deutschen Medienschaffenden ganz weit oben zu stehen scheinen, sollte “Martyrium” nicht fehlen. Das Martyrium, die Allzweckwaffe des emporstrebenden Schreiberlings. Allgemein meint das Wort ja die Selbstaufopferung einer Person, um andere zu retten, meist noch im Kontext einer übergeordneten, hehren Idee. Bloß weiß das anscheinend kein Arsch mehr. Ich kann mir durchaus lebhaft die verhältnismäßig komplexe Assoziationskette im Hirn eines – lass es RTL-Nachrichten-Texters sein – vorstellen.

“Oh. Agenturmeldung wo ‘Entführung’ drinne steht” -> “lesen” -> “Hä?” -> “Nochmal lesen” -> “Entführung schon zu Ende? Falls ja: Vornehmes Wort ‘Martyrium’ im Bericht benutzen” -> “vielleicht Gehaltserhöhung” -> “Neues Auto” -> “Leasing?” -> usw…

märtyrer mangels mehrtürer
Märtyrer mangels Mehrtürer? (Scan aus einer US-amerikanischen Kreationisten-Kinderbibel von 1953, in deren Besitz ich tollerweise bin)

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Zehn blattgoldverzierte Regeln zum Umgang mit Kameraleuten

Gastautor, 23. Oktober 2007

Schon im frühesten Kindesalter wollte Micha, webweit bekannt als OasisUK zu “1, 2 oder 3″ in die Sendung. Jedoch weder als dämlich vor irgendwelchen Toren herumhopsendes österreichisches, schweizer oder deutsches Teilnehmerbalg, noch als Biggi - sondern selbstverständlich in der höllencoolen Rolle des Kamerakinds. Es sollte jedoch nie dazu kommen, dass er sich die Bildrahmenfarbe aussuchen konnte um infiniten Ruhm zu ernten, wann immer ein von ihm aufgenommener Moment gesendet ward. Als kompensatorische Rache am Schicksal beschloss er später, Kameramensch beruflich zu “machen”. Hier und heute gibt er – exklusiv im Craplog – Tipps zum Verhalten gegenüber Menschen seiner Gattung.

OasisUK - the Cameraman
Illustration: OasisUK himself

Damit ein Kameramann so fröhlich bleibt wie auf diesem Bild gibt es ein paar einfache Verhaltensregeln für den Passanten, der einem Vertreter dieser doch recht selten gewordenen Gattung auf der Straße begegnet:

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