Archiv für die Kategorie ‘Warum?’

samstag

cipha, 20. Juni 2009

es ist wie jeden verdammten samstag, wenn das wetter einigermassen danach ist: die leute bohren, die leute hacken holz, sie presslufthammern, sie sägen, sie fegen, sie fällen bäume. anstatt einen der wenigen freien tage der woche einfach zu geniessen, nichts zu tun, die seele baumeln zu lassen, versuchen sie krampfhaft sich in irgendeiner weise zu betätigen, die zeit totzuschlagen, wie wenn sie eine lästige mücke wäre, bloss nicht faulenzen, was sollen denn die nachbarn denken.

ich bin einer dieser nachbarn und denke dann: ihr lemminge. ihr seid so eingenommen von dieser ausbeuterischen arbeitswelt, dass ihr verlernt habt die wenige freie zeit zu schätzen, die euch noch bleibt. das leben dauert nicht ewig, aber ihr würdet am liebsten sieben tage die woche arbeiten, weil ihr nicht wisst, was ein leben ohne arbeit überhaupt bedeutet. freizeit ist ein femdwort, das in eurem wortschatz seit jahren nicht mehr vorkommt. ihr habt vergessen, wie es sich anfühlt auf strassen zu fahren, die nicht permanent chronisch überlastet sind. durch die arbeit im büro bekommt ihr selbst vom wetter nichts mehr mit. wenn ihr morgens aus dem haus geht ist es dunkel und wenn ihr abends nach hause kommt auch. für bücher fehlt dann die konzentration, dann lieber ein oder zwei stunden vor die glotze, das strengt nicht an, da schläft man ein und morgen geht das ganze wieder von vorne los.

jeden verdammten samstag läuft es weiter, das roboter-programm: ausschlafen ist nicht möglich, was war das nochmal? eigentlich wolltest du nicht vor 12 uhr aufstehen, doch irgendwie funktioniert das nicht mehr. nach ein bis zwei stunden sinnlosem hin-und-her-wälzen im bett sitzt du um zehn uhr im wohnzimmer, trinkst die erste tasse kaffee, rauchst die erste zigarette des tages. eigentlich stört dich der rasenmäher in der ferne, so früh am morgen, doch das programm lässt dich das nur am rande mitkriegen. was sich wirklich abspielt, ist: verdammt, ich muss irgendetwas machen. unruhe, unzufriedenheit, die glieder können nicht mehr stillstehen, bloss kein leerlauf. wo soll ich nur anfangen? vorbereitung der präsentation? brainstorm für das meeting? verdammt, denkst du, wäre doch bloss schon montag. mein gott und morgen kommt auch noch der sonntag, was für ein elendes leben. du steigst unter die dusche, du ziehst dich an, das programm läuft weiter. du gehst in die garage, da steht dein auto. du steigst ein, steckst den schlüssel ins zündschloss. irgendwie hast du vergessen den richtigen gang einzulegen. du steigst aufs gas, du musst hier raus, ganz schnell. du hast kein ziel. du hast keinen airbag. du bist nicht angeschnalt. du fährst gegen die wand. die wirbelsäule hat sich unglücklich direkt durch das gehirn und die schädeldecke gebohrt, als du mit dem kopf erst gegen das lenkrad und dann durch die windschutzscheibe auf beton geknallt bist. dieser verdammte samstag.

red bull coka

cipha, 27. Mai 2009

ich weiss auch nicht, aber alles, was red bull an getränken auf den markt bringt, landet irgendwann auf dem index (gibt es sowas für getränke überhaupt?) oder führt jedesmal zu krankhaften kontroversen. über was sich die leute alles den kopf zerbrechen…

als der typische energy-drink in den 90ern in deutschen regalen erschien, hiess es, der inhaltsstoff taurin würde aus stierhoden(!) gewonnen. so gab es damals schon mordsmässig theater und man wollte das alles nicht im sauberen deutschland. ich glaube mich auch zu erinnern, dass das “original” zeitweise nur in österreich, dem heimatland, frei zu erwerben war. die aufregung legte sich erst nach und nach, aber es zeigt schon die paranoia, die nicht nur bei red bull cola jüngst anwendung fand.

denn auch das trinken von red bull mit alkohol ist übelst schädlich (jaja…). das ist mit alkohol aber immer so, egal was man da reinmischt.

womit wir wohl beim aktuellen thema wären: in red bull cola wurde kokain gefunden! das stimmt selbstredend so überhaupt nicht. darin finden sich dekokainierte(!) kokablattextrakte, die als aroma genutzt werden und nicht gesundheitsschädlich sind (wie das deutsche institut für risikobewertung auch richtig bemerkt hat). offiziell verzichtet man bei dieser cola sogar auf künstliche inhaltsstoffe (sagt man). trotzdem darf das getränk in nordrhein-westfalen, thüringen, rheinland-pfalz, niedersachsen und bayern nicht mehr verkauft werden. ja, deutschland ist eben sein sehr sauberes land. sehr sehr sauber. in diesen bundesländern sollte man allerdings dann auch den zahlungsverkehr mit euroscheinen verbieten, denn auf diesem papier befindet sich wohl weitaus mehr (echtes!) kokain. oder man sollte nie wieder in seinem leben im rhein baden, denn auch der rhein ist “kokainverseucht”. oder man sollte auch nie wieder nach madrid oder barcelona gehen, denn da atmet man das kokain sogar durch luft ein.

schön, dass man red bull so ungeahnte publicity beschert hat, das können die dann wieder in unglaubliche stunt-shows investieren. manche von denen sind richtig gut, wie z.b. die skateboard-session auf einer öl-plattform oder das verrückte air-racing. was die energy-drink-sparte anbelangt ist red bull weiterhin marktführer mit 70%; fairerweise, denn die zuckersüsse gummibären-brause war schliesslich zuerst da.

nun, wer den selbstversuch machen möchte, der kann das gerne tun: bevor man auf das high einer typischen koka-line kommt, muss man wohl dermassen viel cola trinken, dass man vorher kotzt, an einem zuckerschock stirbt oder der magen ausgepumpt werden muss. es ist also faktisch unmöglich.

amüsant und irgendwie lächerlich erscheint mir jedoch das gebaren in der bundesrepublik in bezug auf nahrungs-/genussmittel: würden sie dermassen strenge standards auf alle lebensmittel setzen, wie die spinner es jetzt mit red bull cola gemacht haben, würden wohl lockere 10% komplett aus allen bereichen aus den regalen verschwinden. das schätze ich jetzt mal sehr vorsichtig. prinzipiell findet man doch immer etwas, wenn man nur gründlich danach sucht. ach so, und genmodifizierte lebensmittel habe ich noch gar nicht erwähnt, der gipfel der perversion.

wenn ihr mich jetzt entschuldigen würdet, ich muss meine coka-pflanzen auf dem balkon giessen…

utf-8 vs. cp 1252

cipha, 3. April 2009

es ist mal wieder freitag und das heisst, bei “schlag das craplog” ist es mal wieder zeit für einen richtigen flamewar.

seit vier jahren bin ich nun ein linux-benutzer. ein superuser. einer, der die schnauze von window$ einfach voll hatte und sich mit viel mut und ehrgeiz auf die suche nach einem zukünftigen ersatz für windows hasta la vista machte, das ja irgendwann mal kommen soll.

heute, im jahr 2009, muss ich leider ein negatives fazit dieser bemühungen ziehen. ich achte die foss-bewegung, ohne frage und benutze auch linux immer noch. für banking, chatting, schattenboxing ist es einfach erste wahl. aber es gibt verdammt viel, das mich aufregt. VERDAMMT VIEL. und über eines nur möchte ich heute berichten.

ich weiss nicht, welcher zeichensatz-standard bei windows herrscht (haha. guter witz). ich weiss nur, dass linux, ohne meine zustimmung oder von mir bemerkt, mit utf-8 verheiratet zu sein scheint.

versteht mich nicht falsch: jeder soll doch bitte den oder die heiraten, die er/sie will. aber es reicht endgültig, wenn folgende dinge passieren:

1) ich bin westdeutscher und westeuropäer. es gibt schlimmeres. auf der aussenfassade der neuen bibliothek von alexandria ist unser “scharf-s” oder “dreierles-s” verewigt (ß). unsere sprache zeichnet sich allerdings auch durch umlaute aus. ä, ö, ü. dafür können wir nichts und ehrlich gesagt sind das doch, zumindest in hiesigen gefilden, sinnvolle zeichen. ja, aber dann kommt utf-8 und zerschiesst alles. alles! egal, ob in wordpress, linux, einem simplen usbstick oder sonstwo. was soll ich bitte mit ├ñg, ├â┬ oder ├ñn anfangen???

2) das ist diskriminierung. nur, weil die vielen englischsprachigen länder mit umlauten probleme haben heisst das nicht, dass man sie aus seinem zeichensatz, der ja für computer und netzwerke möglichst international gelten soll, einfach streichen kann. jemanden dazu zu nötigen, dass er ae anstatt ä nutzen soll ist pervers. da würde ein kleiner blick über den eigenen tellerrand wunder wirken.

3) niemand, wirklich niemand kann von einem linux-neuling verlangen, er soll seine ganzen beigebrachten kenntnisse der eigenen(!) sprache über den haufen werfen, wenn er mit diesem betriebssystem arbeitet. das wird einem nirgendwo erzählt. zudem werden manche dateien komplett unbrauchbar, wenn sowas passiert und das ist nicht lustig. chattet ruhig mal über icq (oder sonstwas) und empfangt daten eines windows-icq-nutzers. wer dort nicht selber umstellt (bei sim kann man das), kann nichts lesen. toller technischer fortschritt!

4) ja, klar, jetzt kommt mir der schlaumeier in der ersten reihe natürlich mit “plattformunabhängigkeit”. nach dem, was ich bisher gesehen habe, ist es damit leider nicht weit her. verschiedene kulturen haben verschiedene zeichensätze und die sprache ist so oder so am aussterben, das muss der pc nicht auch noch unterstützen. aber mir scheint, genau darauf läuft es hinaus. “friss oder stirb!” schöne neue welt.

5) es wird doch wohl möglich sein, dateien, die auf unterschiedlichen systemen erstellt wurden, nicht ohne mein einverständnis(!) umzubennen. das würde vieles einfacher machen, wenn er mich, bevor er die dateinamen ändert, darauf hinweisen würde, dass er etwas nicht blickt. aber da hakt es beim rechner. dieses gerät ist einfach nicht intelligent und wird es sehr wahrscheinlich niemals sein. doch, ich frage mich, was hat eine änderung eines dateinamens eigentlich mit intelligenz zu tun? das ist schon wieder so grundstupide logik, dass ich kotzen könnte.

6) cp 1252 ist der code für den westeuropäischen zeichensatz. ihr könnt gerne mal den test machen und schauen, wo euch das begegnet, ohne das ihr mit einem linux-rechner probleme bekommt. es gibt noch cp 1256 für arabisch, cp 1257 für baltisch, shift-jis für japanisch, cp 1254 für türkisch usw. etc. ihr versteht wahrscheinlich, worauf ich hinaus will: einfacher geht es wohl nicht…

7) ein ähnliches problem hatten wir schonmal mit ascII. und hex. und binär, wenn man ganz tief gehen will. dns wurde dafür geschaffen, menschen zu ersparen sich ip-adressen zu merken. und genau das war mal eine richtige richtung! gibt es zeichensätze für dns!? nope. (fairerweise muss man sagen, es gibt auch keine umlaute…, wer hätte es gedacht. aber das w3c arbeitet daran. immerhin.)

8. überhaupt, “zeichensätze”. utf-8 alleine ist eine wissenschaft für sich und seit 1993 hat sich einiges geändert, freunde der sonne. wer wirklich im sinn hat, linux so einfach wie möglich für den benutzer zu machen, sollte allererstens ihm nichts vorschreiben. das ist der sinn von “freiheit”, aber der begriff ist mittlerweile so oder so sehr relativ.

9) nach den neuzeitlichen rangeleien zwischen m$ und tomtom und dem nutzen von fat als dateisystem sollte man vielleicht sogar tiefer anfangen. aber andauernd ein neues dateisystem zu pushen; steckt es euch sonstwo hin.

10) das ist die ultimative regel des ganzen: scheiss auf utf-8. ihr schreibt mir vor, welcher zeichensatz standard sein soll, fickt euch. warum ist cp 1252 kein standard??? hier kennt man wenigstens umlaute! ihr beschränkten lemminge. usa! usa! usa! windows! windows! windows! scheiss-welt.

wer mir jetzt vorhalten möchte, ich verstehe nichts von technik und überhaupt ist dieser beitrag nicht fundiert genug; fragt mal die franzosen. die rebellieren schon seit jahren gegen die ganze englische scheisse und niemand kümmert sich einen dreck. gut, man muss mir vorhalten, dass ich aus einem sprach-bereich komme: bis 2000 war englisch und deutsch mein fachgebiet. dann kam der pc und das internet. ich schätze diese räume auch und arbeite manchmal richtig gerne mit ihnen. aber sie sind und bleiben beschränkt, wenn man sich nur auf englisch verlässt. es ist die einfachste sprache des planeten und damit hat es sich. die hürden, um es zu lernen, sind sehr gering und überhaupt hat vor allem grossbritannien durch grössenwahnsinnige expansionen in der vergangenheit dazu beigetragen, dass die ganze welt es spricht. manchmal wünsche ich mir, die geschichte wäre anders verlaufen. zum glück bin ich ein mensch und kompliziert und habe macken und fehler, echt. fick die maschine.

die zeichen der zeit

cipha, 12. März 2009

ich habe gestern erst relativ spät erfahren, was für eine tragödie eigentlich in meiner nachbarschaft passiert ist. ich war in der pause von irgendner sendung zappen und bemerkte plötzlich eine ungewöhnliche laufschrift bei viva und mtv: dass sie das programm geändert hätten, wegen winnenden und so. jetzt kann man natürlich darüber streiten, was viacom da eigentlich gemacht hat, aber das ist ein anderes thema.

jedenfalls war für mich die sachlage klar, dass da schon auffälligkeiten gewesen sein müssen bei dem täter tim k., denn so eine aktion kommt nicht aus dem nichts. aber gestern noch war der innenminister von baden-württemberg richtig felsenfest davon überzeugt, dass “nichts auffällig oder ungewöhnlich” an der person gewesen sei. so ein quatsch. wenn man es nicht weiss, sollte man besser schweigen.

inzwischen ist klar, dass der täter 2008 in einer psychiatrie wegen depressionen war. und die medikation bei solchen geschichten blockiert die eigene empathie-fähigkeit und macht “die seele grau”, also man ist wie in einem schützenden kokon, die äusseren einflüsse werden gefiltert, oft zuviel. man sollte genau hinschauen, was er da in dieser zeit einnehmen musste und sollte nicht schon wieder “ballerspiele” ins gerede bringen, das ist nämlich geschwätz von der cdu/csu, wie immer bei solchen aktionen und bringt die debatte nicht in die richtige richtung. auch das argument von der polizeigewerkschaft ist quark, von wegen das waffengesetz sei hart genug. für was braucht ein normaler mensch waffen, bitte!? die sollten verboten werden und nur in ausnahmefällen menschen zur verfügung stehen, maximal jägern und der polizei.

in meinen augen sind nicht die gefundenen pornos und “counterstrike”, sondern der unglaublich leichte zugang zu den waffen und etwaige risiken durch die medikation für diese wahnsinns-tat verantwortlich. wie sonst sollte man 15 menschen töten, viele davon weiblichen geschlechts, ohne mit der wimper zu zucken?

mein beileid und meine anteilnahme den familien und freunden der opfer.

traurigerweise scheinen amokläufe von jugendlichen im 21. jahrhundert zum standard zu gehören. kein gutes zeichen für unsere zeit…

[update I, 13.03.09]

der absolute hammer, die sind selbst unfähig richtig zu ermitteln und zu recherchieren: winnenden – internas zum bernd-fake. aber der innenminister ist selbstverständlich nicht daran schuld, immer dieses dumme internet. am besten, wir schalten das endlich ab!

[update II, 17.03.09]

nochmal ein ausführlicherer bericht zu meiner psychopharmaka-theorie: via schallundrauch.blogspot.com.

“Diese Stoffe zur Beinflussung des Gehirns sind dafür bekannt, dass sie gewaltätige Gedanken und Handlungen auslösen. Die Gesundheitsbehörden wissen das und es steht auch als Warnung auf den Beipackzetteln. Tatsächlich verursachen die psychiatrischen Drogen eine Entfremdung von der Realität. Die Schützen wissen gar nicht mehr wo sie sind. Sie sehen ihre Klassenkameraden nicht mehr als Menschen, sondern als leblose Objekte und als Ziele. Sie sind so realitätsfremd, dass sie am Schluss die Waffe auf sich selber richten.”

sehr schön auch die kurze liste zum schluss, wo auf konkrete fälle eingegangen wird.

Kuschelrock

Frank, 19. Januar 2009

Leise weht der Sommerwind um die Palmen Floridas und trägt uns eine Melodie ans Ohr, die von Herzeleid und Hoffnung, von Sehnsucht und Vergessenwollen, von Qual und Erlösung kündet. Vergesst Rick Astley, dieser Song ist noch intensiver: Mark Gormley mit seinem Hit “Without You”.


YouTube direkt: Normal | HiQ | Download

Die 8 Songs umfassende CD kann im UZ General Store gekauft werden. [via]

Sei artig und bedank dich bei dem netten Onkel

.markus, 3. Dezember 2008

wer bild texte liest ist doof

Ja ist denn heute schon Bundestagswahl? Erst kämpft die CDU gegen die Windmühlen der deutschen Sprachveruntreuung, dann besinnt sich die SPD urplötzlich auf ihre sozialen Wurzeln und schlägt “Shopping-Gutscheine” vor. Ich habe gerade mal meine durchschnittliche Kauflaune mittels irgendeinem Geschäftsklimaindex (oder einem Thermometer) gemessen und erstaunt festgestellt, dass wenn sich denn so ein Shopping-Gutschein zu mir verirren würde, ich die komplette Konjunktur derart anheizen könnte, dass die Sonne als Hitzequelle konkurrenzunfähig werden würde und Konkurs anmelden müsste.
Ich würde das Geld ja nehmen. Mal ehrlich ein paar hundert Tacken für lau, da geh ich nicht auf die Straße dagegen. Und wenn gerade eine marode Bank nach der anderen sich ihre Vorweihnachtsgeschenke beim Staat abholt, könnte man ja denken, dass auch der kleine, gemeine, durchschnittliche Bürger eine Konjunktur-Direktinjektion verdient hätte. Könnte man denken. Nun sieht das leider so aus, dass unser lieber Staat die Kohle auch nicht ganz so flüssig hat, sondern sie nur kurzfristig hergibt, dass sie mittelfristig wieder zurückkommt, um langfristig wieder in kurzfristige Konjunktupakte investiert werden zu können.

Kurze Werbepause: Betrachten Sie die schön Welt da draußen oder drinnen, drücken sie Ihre oder Ihren Liebste/n ganz kräftig und genießen Sie einfach mal den Moment. Sie dürfen jetzt auch lachen, das soll schließlich gesund sein (Diese Werbepause wurde Ihnen präsentiert von keiner Kaffeemarke, keinem Waschmittel und keiner Automarke. Sie brauchen nichts zu kaufen. Wir wünschen Ihnen einfach nur ein wunderbares Leben)

Ich komme mir manchmal blöd vor. Etwa wenn mich eine Verkäuferin nach meiner Payback, Getback oder Deutschland-sammelt-Punkte-sammeln-Sie-mit-Karte fragt oder ich mit heruntergelassenen Hosen auf einem Marktplatz stehe (was eher selten vorkommt). Ich komme mir auch blöd vor, wenn ich das Gefühl vermittelt bekomme, ein dummes Wirtschaf zu sein, das mit Kauflaunenstatistiken berechnet wird. Ach, was man mit dem gesamten Geld alles machen könnte: Bayern militärisch besetzen, die ABCD-Prominenz auf den Mond fliegen (was vielleicht für den Mann darin gemein wäre), ein kleines Geschäftsessen für die Manager der Deutschen Bank oder…

… oder einfach mal richtig investieren. In die Zukunft. Langfristig. In eine bessere Gesellschaft. In Bildung. In Forschung. In Kultur. Es ist doch verdammtnochmal nicht mehr zeitgemäß, so eine Arschlochgesellschaft zu sein, deren Grundlagen Konsument und Konjunktur sind. Oder?

bild-auf, bild-ab, bild-in-dein-gesicht

cipha, 3. September 2008

micro$oft ist momentan auf einem konsequenten weg, so schnell wie möglich die 10.000-patente-marke zu knacken. bei diesem projekt wird jeglicher rotz zum patent angemeldet, aber was sie sich aktuell geleistet haben sprengt nicht nur die vorstellungskraft einer jamaika-bob-mannschaft: wenn ihr ein wenig mit der handelsüblichen computer-tastatur vertraut seid, werden euch zwei tasten mal zwischendurch aufgefallen sein, die schlicht das wörtchen “bild” und zwei pfeile nach oben und nach unten tragen. dies dient nicht nur der verzierung, sondern erlaubt euch vielmehr, bei einer computer-seite, z.b. in textverarbeitungsprogrammen, vertikal vor- und zurückzuscrollen. die gehören nun nicht mehr eurer tastatur, euch selbst schon gar nicht, sondern neuerdings unserem lieblings-monopolisten aus redmond, washington, usa. das beste kommt aber jetzt: der ultimative beweis, dass diese tasten auch wirklich micro$hit gehören, wird mit einer 0815-ibm-tastatur aus dem jahr 1981 erbracht, bei der die tasten schon dabei sind.

w00t!? also erstmal: wenn es sich bei den ibm-tastaturen tatsächlich um die ersten mit dieser funktion handelt, wieso bekommt dann m$ das patent und nicht ibm? wie kann überhaupt ein software-hersteller(!) ein patent auf ein hardware-feature bekommen? und schliesslich: gibt es eine möglichkeit, dass der konzern künftig gebühren für das verbauen dieser beiden tasten erheben darf oder was? muss ich meine tasten jetzt ausbauen und zurückgeben? amerika, du bist sehr witzig. und irgendwie auch behämmert. microsoft hats erfunden, schon klar.

wirklich lächerlich wird das alles, wenn man sich mal etwas genauer mit der herkunft der computer-tastatur beschäftigt. deren grossvater war nämlich kein geringerer als die schreibmaschine, die 1821 das erste mal erschien. wieso meldet m$ nicht einfach ein patent darauf an? dann hätten sie eine ganze armada weiterer tasten in ihrem patent-ghetto. zumal ca. 1870 dank remington und sholes die ersten geräte mit qwerty-layout auftauchten, das heute grossflächig verwendung findet (oder bei uns eben qwertz).

die tastatur war nie eine erfindung von m$, auch nicht von ibm und ich bin sogar der meinung, dass es reiner zufall ist mit diesen bildauf- und bildab-tasten. die sollen mich nicht vollabern, das erste micro$oft word erschien erst ende oktober 1983. würde sich der echte kopf jetzt bitte melden, so kann das nämlich nicht weitergehen. was für ein krampf…

[quelle: /. - microsoft patents "Pg Up" and "Pg Dn"]

Die Windmühlen des Marco K

Frank, 22. August 2008

Marco K ist ein junger Schreiberling, der für die Freiheit einsteht. Und er nimmt sich Freiheiten, konsequent. Etwa jene, bei “eigentümlich frei” ganz im Gegensatz zu den verhassten Latte Macchiato süffelnden “Luxussozialisten” Kinderarbeit zu verteidigen und in der rechtskonservativen “Blauen Narzisse” die Brothers Keepers als “schwarze Hassprediger” zu bezeichnen. Auch in seinen sonstigen Absonderungen verdeutlicht der junge Mann, dass dort wo sich unbeschwerter Nationalismus und ökonomistischer Marktfetisch in zärtlicher Umarmung vereinen, der gemeine Kotzbrocken seine Heimstatt hat, einem Ort, wo auch linkspolitische, Staats- und Überfremdungsparanoia an den Wänden wuchern wie prächtig gepflegte Schimmelpilzkulturen.

Sein eigenes Blog nennt K programmatisch opponent.de. K opponiert zum Beispiel gegen den fiesen Mindestlohn. Denn der ist interventionistisch, genau wie grundsätzlich alle fixierten Standards der Menschenwürde. Weil man den Lesern seines Blogs ja mal etwas zum Lachen, was Witziges, Bissiges an die Hand geben will, verzog er sich jüngst in den Keller und kam kurz darauf mit folgender Collage wieder heraus:

Humor wie '33: Hitler und der Mindestlohn

Ich schlapp mich lach. Hitler! Förrr den Mindestlohn! Auf einer Seite des Deutschen Gewerkschaftsbunds! Prust. Na klar, denn im Nationalsozialismus steckt ja auch der Sozialismus drin, gell? Zum Niederknien (und Fußbodenpizza backen).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bekam das spitz und fand’s nicht komisch. So erhielt K gestern einen Brief mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrter Herr K,

hiermit fordern wir Sie auf, den auf Ihrer Internetseite www.opponent.de eingestellten, der im Wesentlichen Inhalte unserer Internetseite www.mindestlohn.de sowie das DGB-Logo zeigt, umgehend von ihrer Internetseite zu nehmen. Sollte dies nicht bis

Freitag, den 22. August 2008, 10.00 Uhr vormittags

geschehen, behalten wir uns ausdrücklich alle in Betracht kommenden strafrechtlichen wie zivilrechtlichen Schritte gegen Sie vor. Wir weisen Sie insbesondere darauf hin, dass Sie keine Erlaubnis haben, das DGB-Logo zu verwenden.

Mit freundlichem Gruß

Reinhard D

Klar ist es etwas harsch, auf einen popeligen Blogger und seine solcherlei geradezu Mitleid erregende Versuche, lustig zu sein, zu reagieren. Aber es ist ihr gutes Recht. Zumal der DGB rechtsmittelmäßig sicher adäquat ausstaffiert ist und auch gleich eine Abmahnung hätte verschicken können. Und dass das kostet, weiß man ja seit den diversen “Brötchengates”, die die deutsche Bloglandschaft erschütterten.

Oh tempora, oh mores! Der stalinofaschistische DGB droht uns Monokulti-Heten mit Staatsgewalt plärrt es da aus dem Opponentenblog. Um Solidarität heischend erklärt K:

Ich akzeptiere die Drohung mit Initiierung staatlicher Gewalt gegen mich durch den DGB-Bundesvorstand nicht und werde der Aufforderung aus ethischen Gründen nicht nachkommen. (…bla…)

Darüber hinaus empfinde ich die Drohung durch den DGB nicht nur als Beweis für die Humorlosigkeit der Gewerkschaftsbürokraten, was schließlich noch zu verschmerzen wäre, sondern als offenen Angriff auf die unantastbaren Freiheiten des Individuums, welche die Grundlage für eine friedliche und freie Gesellschaft bilden, im Unterschied zu einem menschenverachtenden, freiheitsfeindlichen Regime wie etwa der DDR, das durch die deutsche Gewerkschaftsbewegung maßgeblich gestützt wurde. (…bla…)

Gewerkschaftsvertreter haben heute einmal mehr ihre Maske fallen gelassen, hinter der sich die hässliche Fratze der Menschen- und Freiheitsfeindlichkeit verbirgt. Die Drohung gegen mich wird nicht dazu führen, dass ich mich dem Willen des DGB beuge. Vielmehr sehe ich es ab sofort als primär an, Widerstand gegen (staatlich protegierte) Gewerkschaften auf allen Ebenen zu leisten und zu unterstützen.

Ich möchte alle Menschen, insbesondere alle Blogger, dazu aufrufen, dem Abmahnwahn hierzulande, dem Drohen mit staatlicher Gewalt, den Einschüchterungsversuchen staatlicher, halbstaatlicher und privater Akteure nicht schweigend zu begegnen, sondern aktiv Widerstand zu leisten. Freiheit ist ein zerbrechliches Gut, das jeden Tag wieder erkämpft und bewahrt werden muss. Einmal verloren, ist die Freiheit nur unter größten Opfern zurückzuerlangen. Gehen wir den Weg in die Tyrannei, den dieses Land schon all zu lange beschritten hat, nicht weiter!

K spielt sich also auf als Vertreter von Meinungsfreiheit, Kämpfer gegen Zensur und Staat, hier verkörpert in Gewerkschaft und Justiz. Nun ja, jedem seinen eigenen Größenwahn. Lieber Marco, darf ich fragen, ob du dich, wenn du bei der Steuererklärung schummelst, wie William Wallace fühlst, beim Schwarzfahren wie Che Guevara, beim besoffenen Autofahren wie Mahatma Gandhi?

Von mir, lieber Marco, gibt’s keine Solidarität, allerhöchstens etwas Mitleid. Denn es hat schon etwas Don Quixote-artiges, sich selbst und das eigene verkackte Weltbild so aufzublähen, dass man meint aus einer nicht lustigen, nein – wirklich einfach nicht lustigen, grafischen Nazi-Gleichsetzung eine Verteidigung angeblich liberaler Werte zu konstruieren. Vorzugeben, dass eine solch erbärmliche Albernheit Satire sei, anderen vorzuwerfen, sie seien humorlos, wenn sie den Humor darin nicht entdecken.

Anderswo kommt man in der Besprechung des Falles gleich mit Arbeiterdichtern:

Kurt Tucholsky (1890-1935) war ein linker Intelletikueller, trat für die Arbeiterbewegung ein und seine Werke wurden wie viele andere auch im Mai 1933 von wildgewordenen Nationalsozialistischen Studenten verbrannt.

Der Schriftsteller, Journalist und Gesellschaftskritiker ist bis heute eine viel- und gernzitierte Persönlichkeit. Eines seiner bekanntesten Zitate lautet

“Was darf Satire? Alles.”

Kurt Tucholsky hatte durchaus recht. Aber wenn so etwas wie obiges Werk schon die Schöpfungshöhe von Satire erreicht, dann bin ich dafür den Begriff gleich ganz zu entgrenzen. Dann wäre ich dafür — und das meine ich hier nur metaphorisch — auch einen Tritt in die Fresse als Satire zu liberalisieren. Lustig wär’s zumindest.

[via gulli]