Ungeziefervernichtung
Ich bin ein unverbesserlicher Pfennigfuchser, was PC-Software angeht. Wenn es von einem Programm keine adäquate Open Source-Lösung gibt, besorge ich “es” mir zum Sparpreis oder *räusper* irgendwie anders. Oder ich greife auf anderweitig verfügbare kostenlose Lösungen zurück. Nun soll aber nicht meine moralische Verfasstheit im Zentrum dieser kleinen Ansammlung von Gedanken stehen, sondern die übliche – und ich weiß genau, einige von euch werden jetzt den Monitor mit Speicheltröpfchen befeuchten, weil sie so laut “Typisch Deutsch!” brüllen – Gebissbeschau von ablösefrei erhaltenen Pferden.
Und zwar komme ich auf die Updateprozedur des Umme-Virenscanners AntiVir gar nicht klar. Diese öffnet nämlich ständig ein nerviges Browserfenster mit, häufig etwas absurder, Eigenwerbung für das Vollpreisprodukt, drängt sich rücksichtslos in den Vordergrund, lässt sich weder durch ein vorheriges manuelles Update “vertagen” noch durch irgendeine Einstellung von seiner Geltungssucht abbringen. Das Ding schaltet sich grundsätzlich in solchen Situationen ein, in denen ich es überhaupt nicht brauchen kann: Beim Spielen zum Beispiel.
Nun sind die meisten Spiele so programmiert, dass es nicht besonders fatal ist, wenn AntiVir sich updatet. Die einen ruckeln und flackern kurz, andere minimieren sich und die meisten laufen auch im Hintergrund nicht ohne meinen kontrollierenden Einfluss weiter. Aber trotzdem nervt das! Und wenn ich doch mal intensiv ein engine-seitig mies programmiertes, aber inhaltlich zeitweise durchaus suchtförderndes Zock wie Oblivion spiele, das nicht nur, aber auch dank AntiVir häufig komplett abstürzt, nervt das doppelt. Am schlimmsten aber ist diese Frechdachsigkeit während Onlinespielen. Ich ziehe hin und wieder mit Pläsier in den virtuellen zweiten Weltkrieg und kann mit zwei Händen längst nicht mehr abzählen, wie oft das eigentlich freundliche Verhüterli-Tool mir den Angriff auf die Nazistellungen in der Normandie vergälte.
Aber gut: Ich stehe mit diesem Leiden nicht alleine da. Heute lauschte ich an der Uni einem tollen Referat, welches geschickt eine an die Wand projezierte Bildschirmpräsentation zu nutzen wusste. Und, of course, während die Referentin weise über Zoologisches moralphilosophierte – PLOPP. Updatevorgang wird initialisiert.
Das schränkt mein Leben natürlich alles nicht substanziell ein, aber nun… auch über die kleinen Dinge muss man sich ja echauffieren dürfen, auch wenn die moralische Legitimität zusätzlich fehlt. Denn Selbstverleugnung macht nur Sodbrennen.

