Archiv für die Kategorie ‘Sie nennen es Musik’

Ersdummerjunge

Frank, 11. November 2011

egal

Das schlimme ist ja nicht, dass jemand mit Provokation Erfolg hat. Denn auch wenn ich noch nie in einem Grundkurs Aufmerksamkeitsökonomie gesessen habe, bin ich mir sicher, dass man das in einer der ersten Aufmerksamkeitsökonomievorlesungen vor den Latz geknallt bekommt: Provokation ist Aufmerksamkeit ist Erfolg. Im Grunde muss man ja bloß sagen: „Ich möchte deine nackte Oma schlagen, die eigentlich ein Mann ist, und ihm danach essen“ und der Charthit/SPIEGEL-Bestseller/Filmpreis ist garantiert. Haben die Stones so gemacht, Madonna und Rammstein sowieso. Das wissen sogar Dumpfbacken wie Bushido.

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Selbstmitleid zum Klopapierkauf

Frank, 27. April 2011

scheißsänger einer scheißband

Gestern stiefelte ich durch den Kaiser’s, mit Apostroph. Es wäre eine schöne Ironie gewesen, wobei, auch egal, wenn ich gerade am Spirituosenregal vorbeigekommen wäre, was ich nicht war, ich ging wahrscheinlich gerade an den Zerealien oder den Cellstoffprodukten vorbei, da erklangen die ersten naiven Klaviertakte eines Liedes über den Supermarktfunk, das ich seit Jahren nicht mehr gehört hatte und, ja, auch nicht gehört haben wollte.

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Es ist einfach Rockmusik

Frank, 28. May 2010

Rockmusik von Hurra-Patriotismus-Wiedergängern, die sich WM-mäßig dem Millionenmarkt hirnloser Wir-sind-wieder-wer-Schwachmaten mit Riff-starkem Patridiotenpathos anbiedern und dabei irgendwo zwischen Wolle Petry für Arme (optisch) und Scorpions für noch Ärmere (musikalisch) changieren, aber immer noch Rockmusik irgendwo, ja.

[via Peer per Mail]

Pink’s not dead (yet)

Sebastian, 31. October 2009

pink

Während es den Rest des Jahres eben ihre Aufgabe ist, auf die “freche Mädchen”-Attitüde Pubertierender abzuzielen und ihnen mit dem ewig gleichen, harmlosen Blödsinn einzureden, total anti und rebellisch zu sein. Popröhre! Wie mich das schon wieder aufregt, dass sie sich hier aufregt, SIE!

maximales potenzial aus der küche

ciphaDOTnet, 21. January 2009

ich hasse fernseh-castings. ich habe nicht ohne grund einen text wie cyrielle geschrieben.

ich hasse auch dieter bohlen. gut, das fällt einem nicht wirklich schwer. viel schwieriger ist es zu verstehen, wieso es eigentlich im jahr 2009 noch eine sendung wie “dsds” gibt. und rtl überhaupt, aber das ist ein anderes thema (den passenden text zum dschungel-camp übernimmt dann in naher zukunft einer der craplog-eigenen c-prominenz-kenntnisreichen autoren).

jedenfalls, ich war ziemlich irritiert heute beim durchzappen in der aktuellen dsds-jury einen ehemaligen held meiner jugend wie max von thun zu sehen. das ist ernst gemeint: seine sendung “mtv kitchen” damals gehört mit zum besten, was ich bisher im verkrüppelten deutschen fernsehen gesehen habe. und das war 1999! da war die welt noch in ordnung.

jeder, der einen iq über 80 hat, wird mit dem proletenhaften dumpfbacken-geschwätz eines dieter bohlen nicht zurecht kommen. schon gar nicht, wenn es um die bewertung von (bestenfalls) amateuren geht, die gerne mal kleine pseudo-stars für maximal vier wochen werden wollen. ich weiss nicht genau, was max von thun sich dabei gedacht hat, sich diesen stunt zu leisten und da mitzumachen. es kann eigentlich nur um promotion für seine eigenen projekte gehen. er ist kreativ, eigentlich auch irgendwie independent und untergrund, sofern man das noch von einem schauspieler behaupten kann. ein cooler und gediegener typ, für mich in jedem fall, mit ecken und kanten, der sich von niemandem das maul verbieten lässt.

bohlen hat sein maul gestopft. als thun gesagt hat, ihm gehe “umbrella” von rihanna dermassen auf den sack, dass er sich wünsche, man möge ihr diesen schirm endlich in den arsch rammen (zitat!), fühlte sich dieter bohlen in seiner “ehre und langjährigen erfahrung im musikgeschäft” verletzt und verliess das pult. das war der moment, als es bei rtl und für max von thun plötzlich keinen platz mehr gab. er musste gehen. ein wirkliches statement von ihm war zu diesem vorfall nicht zu erfahren, aber ehrlich gesagt war das egal. die bilder und gesten sprachen eine eindeutigere sprache.

jetzt kam ein nachfolger, der endlich “langjährige erfahrung” im musikgeschäft mitbringt: der volker. volker ist der krasseste checker: er ist verantwortlich für melanie c, für yvonne caterfeld (mir egal, wie man das schreibt. jedenfalls die schnulzensängerin, bei der eine ganze faust zwischen die augen passt.) und promoter des besten rap-albums aller zeiten aus deutschen landen “dumm aber schlau” von das bo. um volker soll es jedoch hier auch nicht gehen, das ist eine randnotiz, ein kostenloser service von mir.

lieber herr max von thun! machen sie sich nichts daraus, dass sie rausgeflogen sind! erinnern sie sich zurück an die schule: nur die mit den heftigsten aktionen oder der schnellsten zunge wurden temporär auf den gang geschickt. auch wenn es mir zu hoch scheint, wieso sie sich bereit erklärt haben bei einer show mit dieter bohlen mitzumachen, werden sie sich schon ihre gedanken gemacht haben. und, sind wir doch mal ehrlich: besser, als beim ersten casting rausgeschmissen zu werden, geht es doch gar nicht! sie ersparen sich wertvolle zeit, schonen ihre nerven, müssen sich nicht den kopf zerbrechen, welcher von den gehirnamputierten weiterkommen soll und, das ist meines erachtens das wichtigste, sie behalten ihre authentizität. und wenn sie noch einmal bei einem ähnlichen rotz mitmachen, komme ich persönlich vorbei, scheisse vor ihre tür, sprenge ihr fahrzeug und sorge dafür, dass sämtliche internetauftritte mit ihrem namen mit nacktbildern von nadja abdel farag (ich weiss auch nicht, wie man das schreibt und ich fühle mich gut dabei) defacet werden. und das wird richtig übel.

peace, bro. weitermachen. alles richtig gemacht.

Kuschelrock

Frank, 19. January 2009

Leise weht der Sommerwind um die Palmen Floridas und trägt uns eine Melodie ans Ohr, die von Herzeleid und Hoffnung, von Sehnsucht und Vergessenwollen, von Qual und Erlösung kündet. Vergesst Rick Astley, dieser Song ist noch intensiver: Mark Gormley mit seinem Hit “Without You”.


YouTube direkt: Normal | HiQ | Download

Die 8 Songs umfassende CD kann im UZ General Store gekauft werden. [via]

Wie ich aufhörte, mich über Jimi Blue zu ärgen und lernte, Wilson Gonzales zu hassen

Frank, 23. April 2008

Die Geschichte der sich plötzlich zu höherem berufen fühlenden C-Prominenz ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und auch heute gibt es noch viele Halbstarke, die glauben, weil sie hin und wieder auf der Straße erkannt werden und einen Fanclub besitzen (jeder hat einen Fanclub — selbst Mark Oh, Ralf Moeller und Kader Loth), müssten sie ihr innerstes nach außen kehren und endlich ihrer wahren Bestimmung folgen. Sie starten eine Gesangskarriere.

jimiblueDas frischeste Beispiel aus dieser nie enden wollenden Kette aus Dilletanz ist: Jimi Blue Ochsenknecht. Ja, ein so abgefahrener Aufdruck im gerade erst erhaltenen Perso — der Junge ist 16 — lässt natürlich die Option “Künstlername” wegfallen. Ladies and Gentlemen, wir reden ergo über: Jimi Blue. Was sollte der Sohn eines Ochsenknechts anderes werden als ein Kuhhirte, mag sich der unbeschlagene Leser fragen. Nun, leider spie der Himmel den Fank (nicht zu verwechseln mit dem Pank) auf das wurstlippige Opfer der eigenen Adoleszenz. Man mag sich ungern vorstellen, welcher zwielichtige Berater dem Ex-Kinderstar empfahl, es doch zur Abwechslung mal mit akustischer Soße zu probieren, aber Fakt ist, dass das Potential zum Größenwahn in ihm somit endgültig geweckt ward. Und so inszeniert sich im Lied “Hey Jimi” ungelenk und pseudolässig eine grotesk entstellte teutonische Kopie von Justin Timberlake in einer Staffage von Cheerleaderinnen, die debil grinsend mit ihren Arbeitsmarktqualifikationen wackeln, umrahmt von dreidimensionalen Buchstabenskulpturen und skurril-bunten Farben, die aber nun die Biederkeit in der das Gesamtwerk resultiert nicht im Geringsten zu übertünchen wissen.

Über die gleichsam schon abartig unterirdisch miese Ballade “All alone”, in der der junge Mann eine Rap-Performance noch (weit!) unter dem Niveau von Oli P. in seinen durchsten Zeiten abliefert, kann ich hier wegen akuter Gesichtspalme nur kurz eine exemplarische Stelle zitieren.

So here I am – starring at the wall
I can’t believe – that you’re really gone
My girlfriend, my only, my homie
Since you left I’m feeling cold and lonely

Zu recht!

Wenn das junge Ding im Fanfragen-Videozusammenschnitt, welches gerade die Startseite seiner Internetpräsenz ziert, auf die Frage, ob er sich denn sein Leben ohne die “Musik” und “Schauspiel”-“Karriere” vorstellen könne, antwortet

Nee, auf gar keinen Fall, weil… Sonst würd ich das nicht machen und (Es folgt ein kurzes Innehalten, mit gespreizten Fingern zeigt er seinen Handrücken, welcher sich schräg abwärts bewegt — Rappergestus!) … Yo!

dann ahnt man, welchen Einfluss amerikanischer Ghettokitsch auf den bürgerlichen Nachwuchs hierzulande hatte und hat: keinen Guten.

BildDoch ist das genug der Fremdscham für heute? Weit gefehlt. Denn Jimi Blue Ochsenknecht hat noch einen Bruder: Wilson Gonzales Ochsenknecht! Der ist 18 und macht ebenfalls Musik, laut Wikipedia “ganz im Gegenteil zur Rap-bezogenen Musik des Bruders” unter Einfluss von “Bands wie Queens of the Stone Age, Arctic Monkeys und Led Zeppelin”. Und das bringt selbst mich dazu, die ironische Distanz fallenzulassen. Ich bin fassungslos. Das ist nicht nur vermessen, das ist nicht nur peinlich — das ist Schrott! Da scheppert ein Schlagzeug arythmisch vor sich hin, da wird kaum ein Ton im Gesang getroffen, da werden im Video die ohnehin schon albernen Motive “Luftschlangen”, “Heimtrainergeradel” und “Wasserschwälle in Zeitlupe” endlos repetiert. Und vorgetragen von jemandem, der sich jung und hip fühlt, weil er vielleicht mal in einem RTL-Extra-Bericht von 2003 über (mittlerweile ja nun auch nicht mehr so) hippe Bands wie den Arctic Monkeys gehört hat und sich entsprechend kleidet, während das Liedthema “New York” nicht im mindestens berührt wird. Nein, nichtmal eine halbwegs ordentliche Produktion schafft es, das völlige Fehlen an musikalischer Begabung bei Wilson Ochsenknecht zu verstecken. Aber wenn es doch nur das wäre, fehlendes Talent kann man immer noch mit Attitüde oder Charme ausgleichen. Nein — dieses akustische Machwerk ist so komplett seelenlos, Daniel Küblböck in eskaliert, schlicht: Musik gewordener Brechreiz. Weswegen ich ausdrücklich davor warne, im folgenden Video auf den Abspielknopf zu drücken.

Peer reviewed

Sebastian, 20. March 2008

Du hast es geschafft, Peer, die Leute reden wieder von Dir, nachdem sie dachten Du wärst weg, auf und davon und krepiert. Shit, das ist zu emotional, ich bin ganz ruhig, rational, ich geh back zum Anfang und sag es Dir noch einmal.

Lieber Peer, Du bist jetzt also ein Gangsta-Rapper, nein, viel witziger, ein RaPeer, oh wow. Umgeben von tighten Bitches, die Dich würde-und hüllenlos umschmeicheln und hippen Slangausdrücken direkt aus dem PONS-Wörterbuch der Jugendsprache 2008 schickst Du Dich an, der Jungwählerschaft mit dem eher wenig subtilen Raptitel “I love Cash” den Segen des Geldes nahezubringen. Bzw, haha, ist ja alles nur ein kleiner Gag der PR-Agentur Deines Ministeriums, welche sich offensichtlich in tiefstem Zorn und voller Rachelust von Dir trennt. (Kleine Zwischenfrage, aber wtf? Wozu braucht ein Ministerium eigentlich eine PR-Agentur? Damit der Bürger sich nicht für ein anderes Finanzministerium entscheidet? Lass es, ich kenne die Antwort: Dem Bürger soll kommuniziert werdschnaaaarch. Andere hätten die Idee, die sich in etwa auf dem Niveau der Flashgams der späten 90er befindet, übrigens für einen Bruchteil des vermutlich unfassbar riesigen Budgets realisiert.)

johnnyCash

Don’t fuck with Cash.

Denn es sei Dir hiermit gesagt: Das ist ganz, ganz große Scheisse. Die Idee, Politiker auf Gedeih und Verderb auf jung zu trimmen, habe ich in dem Augenblick für verfehlt erklärt, als ich im Schleswig-Holsteinischen Wahlkampf 2000 mit ansehen musste, wie Volker Rühe (CDU) in einer Disco zu “fetziger” Technomusik “gegroovt” hat. Ich habe heute noch Phantomschmerzen an den Stellen, an denen sich früher die für’s Fremdschämen zuständigen Synapsen befanden. Und grade jetzt pocht es wieder ganz gewaltig.

Witzig ist aber die Idee, dass man Dir einen echten Afro aufsetzen kann, denn der Rap hat seine Roots ja bekanntermaßen in der schwarzen Kultur (schon die Sklaven auf den Baumwollfeldern haben Sprechgesang performt, da ihnen das Singen verboten war, Quelle: Eine Beepworld-Seite eines 16-jährigen Nachwuchsrappers). Gut, die Inhalte waren damals noch andere, ging es doch eher um die Anprangerung sozialer Missstände, was heute wohl nicht mehr “cool” ist, aber dem Geiste der Rebellion entsprechend als Mitglied der altehrwürdigen SPD das Kapital als solches zu feiern, hat natürlich auch was, insofern finde ich die Aktion schon “real” (sprich: riel). Tipp: Weiter Cash geil finden, aber als Beat die Internationale drunterlegen, das wäre fett.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich im Bundestag genug Mitarbeiter finden, die für euch das Internet bedienen, denn dank viralem Marketing, katalysiert durch den ein wenig aufdringlichen Button neben Deinem DJ-Pult, wird das “Ding” sicher bald seine Runde durch sämtliche Büros Deiner Homies machen. Peace, I’m outtahe.