Archiv für die Kategorie ‘Sie nennen es Musik’

Pink’s not dead (yet)

Cuba Libre Jr., 31. Oktober 2009

pink

Während es den Rest des Jahres eben ihre Aufgabe ist, auf die “freche Mädchen”-Attitüde Pubertierender abzuzielen und ihnen mit dem ewig gleichen, harmlosen Blödsinn einzureden, total anti und rebellisch zu sein. Popröhre! Wie mich das schon wieder aufregt, dass sie sich hier aufregt, SIE!

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maximales potenzial aus der küche

cipha, 21. Januar 2009

ich hasse fernseh-castings. ich habe nicht ohne grund einen text wie cyrielle geschrieben.

ich hasse auch dieter bohlen. gut, das fällt einem nicht wirklich schwer. viel schwieriger ist es zu verstehen, wieso es eigentlich im jahr 2009 noch eine sendung wie “dsds” gibt. und rtl überhaupt, aber das ist ein anderes thema (den passenden text zum dschungel-camp übernimmt dann in naher zukunft einer der craplog-eigenen c-prominenz-kenntnisreichen autoren).

jedenfalls, ich war ziemlich irritiert heute beim durchzappen in der aktuellen dsds-jury einen ehemaligen held meiner jugend wie max von thun zu sehen. das ist ernst gemeint: seine sendung “mtv kitchen” damals gehört mit zum besten, was ich bisher im verkrüppelten deutschen fernsehen gesehen habe. und das war 1999! da war die welt noch in ordnung.

jeder, der einen iq über 80 hat, wird mit dem proletenhaften dumpfbacken-geschwätz eines dieter bohlen nicht zurecht kommen. schon gar nicht, wenn es um die bewertung von (bestenfalls) amateuren geht, die gerne mal kleine pseudo-stars für maximal vier wochen werden wollen. ich weiss nicht genau, was max von thun sich dabei gedacht hat, sich diesen stunt zu leisten und da mitzumachen. es kann eigentlich nur um promotion für seine eigenen projekte gehen. er ist kreativ, eigentlich auch irgendwie independent und untergrund, sofern man das noch von einem schauspieler behaupten kann. ein cooler und gediegener typ, für mich in jedem fall, mit ecken und kanten, der sich von niemandem das maul verbieten lässt.

bohlen hat sein maul gestopft. als thun gesagt hat, ihm gehe “umbrella” von rihanna dermassen auf den sack, dass er sich wünsche, man möge ihr diesen schirm endlich in den arsch rammen (zitat!), fühlte sich dieter bohlen in seiner “ehre und langjährigen erfahrung im musikgeschäft” verletzt und verliess das pult. das war der moment, als es bei rtl und für max von thun plötzlich keinen platz mehr gab. er musste gehen. ein wirkliches statement von ihm war zu diesem vorfall nicht zu erfahren, aber ehrlich gesagt war das egal. die bilder und gesten sprachen eine eindeutigere sprache.

jetzt kam ein nachfolger, der endlich “langjährige erfahrung” im musikgeschäft mitbringt: der volker. volker ist der krasseste checker: er ist verantwortlich für melanie c, für yvonne caterfeld (mir egal, wie man das schreibt. jedenfalls die schnulzensängerin, bei der eine ganze faust zwischen die augen passt.) und promoter des besten rap-albums aller zeiten aus deutschen landen “dumm aber schlau” von das bo. um volker soll es jedoch hier auch nicht gehen, das ist eine randnotiz, ein kostenloser service von mir.

lieber herr max von thun! machen sie sich nichts daraus, dass sie rausgeflogen sind! erinnern sie sich zurück an die schule: nur die mit den heftigsten aktionen oder der schnellsten zunge wurden temporär auf den gang geschickt. auch wenn es mir zu hoch scheint, wieso sie sich bereit erklärt haben bei einer show mit dieter bohlen mitzumachen, werden sie sich schon ihre gedanken gemacht haben. und, sind wir doch mal ehrlich: besser, als beim ersten casting rausgeschmissen zu werden, geht es doch gar nicht! sie ersparen sich wertvolle zeit, schonen ihre nerven, müssen sich nicht den kopf zerbrechen, welcher von den gehirnamputierten weiterkommen soll und, das ist meines erachtens das wichtigste, sie behalten ihre authentizität. und wenn sie noch einmal bei einem ähnlichen rotz mitmachen, komme ich persönlich vorbei, scheisse vor ihre tür, sprenge ihr fahrzeug und sorge dafür, dass sämtliche internetauftritte mit ihrem namen mit nacktbildern von nadja abdel farag (ich weiss auch nicht, wie man das schreibt und ich fühle mich gut dabei) defacet werden. und das wird richtig übel.

peace, bro. weitermachen. alles richtig gemacht.

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Kuschelrock

Frank, 19. Januar 2009

Leise weht der Sommerwind um die Palmen Floridas und trägt uns eine Melodie ans Ohr, die von Herzeleid und Hoffnung, von Sehnsucht und Vergessenwollen, von Qual und Erlösung kündet. Vergesst Rick Astley, dieser Song ist noch intensiver: Mark Gormley mit seinem Hit “Without You”.


YouTube direkt: Normal | HiQ | Download

Die 8 Songs umfassende CD kann im UZ General Store gekauft werden. [via]

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Wie ich aufhörte, mich über Jimi Blue zu ärgen und lernte, Wilson Gonzales zu hassen

Frank, 23. April 2008

Die Geschichte der sich plötzlich zu höherem berufen fühlenden C-Prominenz ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und auch heute gibt es noch viele Halbstarke, die glauben, weil sie hin und wieder auf der Straße erkannt werden und einen Fanclub besitzen (jeder hat einen Fanclub — selbst Mark Oh, Ralf Moeller und Kader Loth), müssten sie ihr innerstes nach außen kehren und endlich ihrer wahren Bestimmung folgen. Sie starten eine Gesangskarriere.

jimiblueDas frischeste Beispiel aus dieser nie enden wollenden Kette aus Dilletanz ist: Jimi Blue Ochsenknecht. Ja, ein so abgefahrener Aufdruck im gerade erst erhaltenen Perso — der Junge ist 16 — lässt natürlich die Option “Künstlername” wegfallen. Ladies and Gentlemen, wir reden ergo über: Jimi Blue. Was sollte der Sohn eines Ochsenknechts anderes werden als ein Kuhhirte, mag sich der unbeschlagene Leser fragen. Nun, leider spie der Himmel den Fank (nicht zu verwechseln mit dem Pank) auf das wurstlippige Opfer der eigenen Adoleszenz. Man mag sich ungern vorstellen, welcher zwielichtige Berater dem Ex-Kinderstar empfahl, es doch zur Abwechslung mal mit akustischer Soße zu probieren, aber Fakt ist, dass das Potential zum Größenwahn in ihm somit endgültig geweckt ward. Und so inszeniert sich im Lied “Hey Jimi” ungelenk und pseudolässig eine grotesk entstellte teutonische Kopie von Justin Timberlake in einer Staffage von Cheerleaderinnen, die debil grinsend mit ihren Arbeitsmarktqualifikationen wackeln, umrahmt von dreidimensionalen Buchstabenskulpturen und skurril-bunten Farben, die aber nun die Biederkeit in der das Gesamtwerk resultiert nicht im Geringsten zu übertünchen wissen.

Über die gleichsam schon abartig unterirdisch miese Ballade “All alone”, in der der junge Mann eine Rap-Performance noch (weit!) unter dem Niveau von Oli P. in seinen durchsten Zeiten abliefert, kann ich hier wegen akuter Gesichtspalme nur kurz eine exemplarische Stelle zitieren.

So here I am – starring at the wall
I can’t believe – that you’re really gone
My girlfriend, my only, my homie
Since you left I’m feeling cold and lonely

Zu recht!

Wenn das junge Ding im Fanfragen-Videozusammenschnitt, welches gerade die Startseite seiner Internetpräsenz ziert, auf die Frage, ob er sich denn sein Leben ohne die “Musik” und “Schauspiel”-”Karriere” vorstellen könne, antwortet

Nee, auf gar keinen Fall, weil… Sonst würd ich das nicht machen und (Es folgt ein kurzes Innehalten, mit gespreizten Fingern zeigt er seinen Handrücken, welcher sich schräg abwärts bewegt — Rappergestus!) … Yo!

dann ahnt man, welchen Einfluss amerikanischer Ghettokitsch auf den bürgerlichen Nachwuchs hierzulande hatte und hat: keinen Guten.

BildDoch ist das genug der Fremdscham für heute? Weit gefehlt. Denn Jimi Blue Ochsenknecht hat noch einen Bruder: Wilson Gonzales Ochsenknecht! Der ist 18 und macht ebenfalls Musik, laut Wikipedia “ganz im Gegenteil zur Rap-bezogenen Musik des Bruders” unter Einfluss von “Bands wie Queens of the Stone Age, Arctic Monkeys und Led Zeppelin”. Und das bringt selbst mich dazu, die ironische Distanz fallenzulassen. Ich bin fassungslos. Das ist nicht nur vermessen, das ist nicht nur peinlich — das ist Schrott! Da scheppert ein Schlagzeug arythmisch vor sich hin, da wird kaum ein Ton im Gesang getroffen, da werden im Video die ohnehin schon albernen Motive “Luftschlangen”, “Heimtrainergeradel” und “Wasserschwälle in Zeitlupe” endlos repetiert. Und vorgetragen von jemandem, der sich jung und hip fühlt, weil er vielleicht mal in einem RTL-Extra-Bericht von 2003 über (mittlerweile ja nun auch nicht mehr so) hippe Bands wie den Arctic Monkeys gehört hat und sich entsprechend kleidet, während das Liedthema “New York” nicht im mindestens berührt wird. Nein, nichtmal eine halbwegs ordentliche Produktion schafft es, das völlige Fehlen an musikalischer Begabung bei Wilson Ochsenknecht zu verstecken. Aber wenn es doch nur das wäre, fehlendes Talent kann man immer noch mit Attitüde oder Charme ausgleichen. Nein — dieses akustische Machwerk ist so komplett seelenlos, Daniel Küblböck in eskaliert, schlicht: Musik gewordener Brechreiz. Weswegen ich ausdrücklich davor warne, im folgenden Video auf den Abspielknopf zu drücken.

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Peer reviewed

Cuba Libre Jr., 20. März 2008

Du hast es geschafft, Peer, die Leute reden wieder von Dir, nachdem sie dachten Du wärst weg, auf und davon und krepiert. Shit, das ist zu emotional, ich bin ganz ruhig, rational, ich geh back zum Anfang und sag es Dir noch einmal.

Lieber Peer, Du bist jetzt also ein Gangsta-Rapper, nein, viel witziger, ein RaPeer, oh wow. Umgeben von tighten Bitches, die Dich würde-und hüllenlos umschmeicheln und hippen Slangausdrücken direkt aus dem PONS-Wörterbuch der Jugendsprache 2008 schickst Du Dich an, der Jungwählerschaft mit dem eher wenig subtilen Raptitel “I love Cash” den Segen des Geldes nahezubringen. Bzw, haha, ist ja alles nur ein kleiner Gag der PR-Agentur Deines Ministeriums, welche sich offensichtlich in tiefstem Zorn und voller Rachelust von Dir trennt. (Kleine Zwischenfrage, aber wtf? Wozu braucht ein Ministerium eigentlich eine PR-Agentur? Damit der Bürger sich nicht für ein anderes Finanzministerium entscheidet? Lass es, ich kenne die Antwort: Dem Bürger soll kommuniziert werdschnaaaarch. Andere hätten die Idee, die sich in etwa auf dem Niveau der Flashgams der späten 90er befindet, übrigens für einen Bruchteil des vermutlich unfassbar riesigen Budgets realisiert.)

johnnyCash

Don’t fuck with Cash.

Denn es sei Dir hiermit gesagt: Das ist ganz, ganz große Scheisse. Die Idee, Politiker auf Gedeih und Verderb auf jung zu trimmen, habe ich in dem Augenblick für verfehlt erklärt, als ich im Schleswig-Holsteinischen Wahlkampf 2000 mit ansehen musste, wie Volker Rühe (CDU) in einer Disco zu “fetziger” Technomusik “gegroovt” hat. Ich habe heute noch Phantomschmerzen an den Stellen, an denen sich früher die für’s Fremdschämen zuständigen Synapsen befanden. Und grade jetzt pocht es wieder ganz gewaltig.

Witzig ist aber die Idee, dass man Dir einen echten Afro aufsetzen kann, denn der Rap hat seine Roots ja bekanntermaßen in der schwarzen Kultur (schon die Sklaven auf den Baumwollfeldern haben Sprechgesang performt, da ihnen das Singen verboten war, Quelle: Eine Beepworld-Seite eines 16-jährigen Nachwuchsrappers). Gut, die Inhalte waren damals noch andere, ging es doch eher um die Anprangerung sozialer Missstände, was heute wohl nicht mehr “cool” ist, aber dem Geiste der Rebellion entsprechend als Mitglied der altehrwürdigen SPD das Kapital als solches zu feiern, hat natürlich auch was, insofern finde ich die Aktion schon “real” (sprich: riel). Tipp: Weiter Cash geil finden, aber als Beat die Internationale drunterlegen, das wäre fett.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich im Bundestag genug Mitarbeiter finden, die für euch das Internet bedienen, denn dank viralem Marketing, katalysiert durch den ein wenig aufdringlichen Button neben Deinem DJ-Pult, wird das “Ding” sicher bald seine Runde durch sämtliche Büros Deiner Homies machen. Peace, I’m outtahe.

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Dies ist nur ein Grotesksong

Cuba Libre Jr., 25. Januar 2008

Ach. Du. Scheisse. Ich musste jetzt erstmal ewig hin- und her überlegen, wo ich diesen Scheiss unterbringe: Ins msbwy, weil es ja irgendwie, also rein technisch, mit viel Liebe [...] (Stunden später) Musik ist, oder ins craplog, weil ich mir ob der hirnverbrannten Scheisse, die ich da eben gehört habe, die Ohren abschneiden wollte. Mit einem Löffel. Ich meine, ich habe jetzt grad 3x das Wort Scheisse benutzt, das kommt auch nicht von ungefähr. Aufgrund des grotesken Charakters des Einspielers, der gleich folgt, habe ich mich für den Abfallkalender entschieden. Und für’s craplog. Ach, und für’s msbwy. By your powers combined!

Also, eben, bei Schmidt und Pocher, wurde es schon gezeigt, ich war so perplex, dass ich den Rest der Sendug nicht mehr klar denken konnte. Ich halte ja Hirnfrost nach wie vor für eine von Roseanne lancierte Urban Legend, aber Synapsenbrand, das gibt es, das habe ich eben gehabt nachdem ich dieses Video von Bernd Stelter gesehen habe:

Lebt denn der deutsche Holzmichl noch? Ja, der deutsche Michl lebt offensichtlich, auch wenn ich nie an ihn geglaubt habe (stilistische Dopplung: eigentlich hat sich die Legende schon früher in Luft aufgelöst.)

Meine Fresse, hier kommt ja alles zusammen: Karneval, Blut-Schweiss-Sperma-Durchhalteparolen, Jürgen Rüttgers zeigt demonstrative “Mit uns nicht!!!111″-Volksnähe. Eingebunden in absolute Arhythmik und dem, was “Die Deutschen *schluchz*” (Copyright Matthias Matussek) am besten können: Klatschen.

Der Bandwurm aus tieftriefigem Patriotismus (ich erhebe an dieser Stelle schonmal sämtliche Ansprüche an das Wort Køltørbereicherer, hihi) setzt sich, selbstverständlich, in den Kommentaren fort. So sagt z. B. Tassimausi:

Super !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Danke Bernd

Oder auch sehr schön tomtotal:

Hier spricht das Volk – Danke Bernd !!!

Aber am schönsten sagt es wohl schoggotv:

Das Lied gegen Nokia könnte noch zum Klingelton im laufenden Fasching werden.
Bernd Stelter, Dein Anti-Nokia Lied ist super, Danke!

PS für Nokia: Seht Euch das Video mit dem Anti-Nokia Lied gut an, so klingt und klingelt’s, wenn ein Volk zusammensteht und ziemlich wütend, dabei nicht machtlos ist.

bzw. xania2008:

Den Klingelton nehm ich sofort

Klingeltöne! Klingeltöne! Das ist also der neue Protest. Klingeltöne, nein: Protestklingeltöne! Auch für Nokia. Da muss man auch erstmal drauf kommen. Erstmal high-five an Bernd Stelter, dass er aus der Misere der Bochumer Arbeiter, die mir im Übrigen wirklich leid tun, noch ein paar Kröten zu ziehen vermag und nochmal dafür, dass hier sicher die volle Distanz der Verwertungskette gegangen wird. Bis zum Klingelton, welcher sich in der Verwertungsnahrungskette (gleich nochmal Besitzansprüche anmeld) bekanntlich ganz weit unten befindet.

Disclaimer: Ich halte Nokia im Übrigen für eine sehr gute Marke. Mein erstes Handy, das 3210, hat mir lange gute Dienste geleistet. Überhaupt war es seinerzeit das meistverbreitete Handy, weil’s einfach geil war. Das 6610i war auch sehr gut. Idiotensicher. Jetzt habe ich ein Motorola und das ist nur okay. Nokia: Daumen hoch!

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Auf Schalke, wenn ich das schon höre

Cuba Libre Jr., 2. Oktober 2007

Disclaimer: Dieser Text erschien schonmal woanders.

Disclaimer II: Trigami geht mir dermaßen am Arsch vorbei.

Ich habe vorhin das erste mal einen Blogeintrag eines Pur-Fans gelesen. Noch so eine Verschwörungstheorie, die sich in Luft auflöst.

Bislang dachte ich nämlich immer, dass das alles nur ein großes, abgekartertes Spiel irgendwelcher grauen Funktionäre ist, die… ja was eigentlich? Keine Ahnung, mir fällt kein Grund ein, sich etwas wie Pur auszudenken. Aber das erschien mir irgendwie realistischer als die tatsächliche Existenz von Pur. Es scheint diese Band aber zu geben. Damit sind wohl auch all die Fans echt, die ganze Stadien (STADIEN) füllen, um “dem Hartmut” dabei zuzusehen, wie er sich glückselig auf die Knie fallen und sich von den Massen bejubeln lässt.

Zwischenruf: “Ja, aber Sebastian, der widerlichste Live-Augenblick ist ja wohl der, in dem sich MMW in seinem Stück Freiheit am Ende ans Publikum wendet und sagt “Bitte nehmt das, was hier heute abend passiert ist, mit nach Hause”, oder?”

Das ist schon richtig, aber im Grunde ist es die gleiche Kategorie. Stadionrock! Nein, schlimmer, Deutscher Stadion”rock”! Wenn es Mama und Papa mal so richtig krachen lassen! Dann groovt “der Hartmut” Richtung Regenschirme und Sitzkissen, dass die Luft brennt. Da wackelt der Bankkaufmann auch schon mal mit dem Fuß, während der Kohlekumpel sein mit einer Deutschlandflagge geschminktes Töchterschen (mit sch) auf den Schultern trägt. Mutti macht was? Klar, Wunderkerzen in die Luft halten, denn PUR singen noch Lieder, aus dem Leben gegriffen. Die lassen sich nicht verbiegen, die sind einfach “echt”. Jupp aus Köln findet sie “authentisch”, “ne, Nico?”

Das Wort Pathos wurde vor ungefähr 5000 Jahren von einem Griechen erfunden, und zwar, während er in einem Colosseum stand, in dem grade die Spielgruppe Pyros mit dem Sänger Hartulous Engeleropos auftrat. Gnagnagna (< << ich schreibe mich in Rage, ich muss runterkommen).

Ich merke grade, dass Band und Publikum eine viel zu große Angriffsfläche bieten und ich garnicht weiss, worüber ich als nächstes schreiben soll. Über die überprofessionalisierte, aalglatte Performance, bei der es schon längst nicht mehr um irgendeine Message geht, die Leute, die das alles schlucken (ich meine, PUR!), meine Intoleranz, die ja von irgendwo kommen muss (haha), … and so on.

PUR!!!

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La Dumm

ovit, 21. August 2007

und 1 und 2 und 3 und 4 und fünfzich

nach dem megahit ‘54, ‘74, ‘90, 2006, dem bald-megaknaller ‘72, ‘80, ‘96, 2008 und dem zukunfts-megaseller ‘54, ‘74, ‘90, 2010 (mit diesen zahlen kann man auch beim lotto 9 aus 2010 gewinnen) sind sie jetzt also wieder da: die sportfreunde stiller und ihre neu verdummungsplatte “La Dumm”.

endlich kommt zusammen was zusammengehört, der fußball-fan (kurz: prolet) und der moderne indie-möchtegern-musikliebhaber (kurz: idiot) haben eine platte, auf die sie sich alle einigen können. nach dem megahype aus dem jahre 2006, die sportfreunde schulter an schulter mit den stars der fußball-wm, haben sie wieder eine neue “reguläre” platte draußen, die sich wieder am alltagseinerlei und der gefühlsduselei der sportfreunde bedient. da werden die gedanken und gefühle des kleinen mannes (prolet und idiot) besungen und bejubelt, die platte kommt unverkrampft und unverkopft daher, damit auch der prolet versteht, was da besungen wird, mit dem charme des indie, damit auch der idiot bei der stange bleibt und alles ist so herrlich direkt, dass einem noch vor dem hören des ersten liedes die immanente dummheit der lieder frontal in die fresse springt.

das ist wirklich eine tolle karriere dieser sportfreunde, die mal 1995 mit ihrem ersten lied “wellenreiten”, dass viele jahre später erst veröffentlicht wurde und die als die inoffiziellen nachfolger von tocotronic gehandelt wurden, da hingelegt haben. stadionrock für groß und klein. musik, auf die sich das einfache volk einigen kann: lieber bisschen mehr mitschunkeln als mitdenken, die plattenverkäufe werden die masse der zielgruppe verdeutlichen: La Dumm.

bis dahin singe ich hier fleißig weiter (diese zeilen kann ich mir schon sehr gut merken)
und 1
und 1 und 2
und 1 und 2 und 3
und 1 und 2 und 3 und 4 und 5

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