Manchmal müsste man Mobbing möglich machen

Ich bin ja wirklich der Meinung, dass Deutschland ein tendentiell intellektuellenfeindliches Land ist und finde das doppelplusungut. Auch ich stecke mitunter Kritik für meine allzu verschachtelten Satzmonstren ein (freilich oft mit Recht). Aber es gibt dennoch Momente, in denen selbst der Verfasser dieser Zeilen fassungslos vor dem Flimmerschirm sitzt und denkt: Herrschaftszeiten, komm mal runter von deinem Ross. Wenn du mir etwas sagen willst, dann tu’s, aber nicht auf so eine verschwurbelte und unerträglich affektierte Art.
Auf einen veritablen Schwafelhengst, der in einem nicht uneklatanten Ausmaß Bullshit verschleudert, stieß ich während der Webrecherche zu einem eher unwichtigen Problem in einem Computerspiel. Pass auf: worldofplayers.de-Forum, “Politik und Gesellschaft”-Ecke. Ausgangsfragestellung: Findet ihr es sinnvoll, wenn im Saturn die Spielekonsolen erst um 14 Uhr eingeschaltet werden, um Schuleschwänzern keinen Anreiz für ihr schändliches Tun zu bieten? Zuerst: Vorhersagbares Geplänkel. Doch nun betritt der Champion aller Gewichtsklassen den Ring.

Auf das Zitat
Wir ham auch immer geschwänzt obwohl niemand von uns zum Saturn gegangen is was spielen…
Halte die Aktion letztendlich für sinnlos, wenn man keinen bock auf Schule hat findet man immer ne bessere Beschäftigung.
Ob man zur Schule geht ist letztlich auch eine Frage der Disziplin (in einem positiven Sinne, also nicht blinden [sic][1] Gehorsams [sic], sondern der Fähigkeit, bloßen Neigungen zu widerstehen und in Hinblick auf langfristige Ziele verantwortlich zu handeln). Diese Disziplin widerum will anerzogen werden. Wenn aber Teile der Gesellschaft der Disziplin zuwiderlaufende Anreize bieten, also das Projekt der Erziehung untergraben, so wird eine Sozialisation in Hinblick auf eine verantwortungsbewusste Teilhabe an der Gesellschaft erschwert.
Es ist für Lehrer und Eltern sehr schwer, Schülern zu erklären, dass diese zur Schule zu gehen haben, wenn andere “Autoritäten” bzw. Einflussinstanzen den Schülern gegenteilige Normen suggerieren.
Vielleicht trägt die Praxis, die im Eröffnungsbeitrag angesprochen wurde, einfach mal wieder der Tatsache Rechnung, dass Erziehung nicht nur Sache von Eltern ist, sondern durch die gesammte [sic] Gesellschaft vollzogen wird. Das ist nämlich bei uns ziemlich unüblich (man muss sich nur mal anschauen, wie empört manche Eltern reagieren, wenn mal ein anderer Erwachsener ihr Kind wegen irgendeines Fehlverhaltens ermahnt: “Lassen Sie mein Kind in Ruhe! Wie ich es erziehe, ist allein meine Sache.”).
Insofern schließe ich mich MichaDD und Planoraka in deren positiver Bewertung an.
- Weil ich den Kerl nicht leiden kann, markiere ich — ganz klugscheißerisch — jeden Fehler in seinen Zitaten [zurück]







