Archiv für die Kategorie ‘Pathetic Life’

Manchmal müsste man Mobbing möglich machen

Frank, 16. Mai 2008

Coneheads

Ich bin ja wirklich der Meinung, dass Deutschland ein tendentiell intellektuellenfeindliches Land ist und finde das doppelplusungut. Auch ich stecke mitunter Kritik für meine allzu verschachtelten Satzmonstren ein (freilich oft mit Recht). Aber es gibt dennoch Momente, in denen selbst der Verfasser dieser Zeilen fassungslos vor dem Flimmerschirm sitzt und denkt: Herrschaftszeiten, komm mal runter von deinem Ross. Wenn du mir etwas sagen willst, dann tu’s, aber nicht auf so eine verschwurbelte und unerträglich affektierte Art.

Auf einen veritablen Schwafelhengst, der in einem nicht uneklatanten Ausmaß Bullshit verschleudert, stieß ich während der Webrecherche zu einem eher unwichtigen Problem in einem Computerspiel. Pass auf: worldofplayers.de-Forum, “Politik und Gesellschaft”-Ecke. Ausgangsfragestellung: Findet ihr es sinnvoll, wenn im Saturn die Spielekonsolen erst um 14 Uhr eingeschaltet werden, um Schuleschwänzern keinen Anreiz für ihr schändliches Tun zu bieten? Zuerst: Vorhersagbares Geplänkel. Doch nun betritt der Champion aller Gewichtsklassen den Ring.

ewek emelot

Auf das Zitat

Wir ham auch immer geschwänzt obwohl niemand von uns zum Saturn gegangen is was spielen…

Halte die Aktion letztendlich für sinnlos, wenn man keinen bock auf Schule hat findet man immer ne bessere Beschäftigung.

antwortet er:

Ob man zur Schule geht ist letztlich auch eine Frage der Disziplin (in einem positiven Sinne, also nicht blinden [sic][1] Gehorsams [sic], sondern der Fähigkeit, bloßen Neigungen zu widerstehen und in Hinblick auf langfristige Ziele verantwortlich zu handeln). Diese Disziplin widerum will anerzogen werden. Wenn aber Teile der Gesellschaft der Disziplin zuwiderlaufende Anreize bieten, also das Projekt der Erziehung untergraben, so wird eine Sozialisation in Hinblick auf eine verantwortungsbewusste Teilhabe an der Gesellschaft erschwert.
Es ist für Lehrer und Eltern sehr schwer, Schülern zu erklären, dass diese zur Schule zu gehen haben, wenn andere “Autoritäten” bzw. Einflussinstanzen den Schülern gegenteilige Normen suggerieren.
Vielleicht trägt die Praxis, die im Eröffnungsbeitrag angesprochen wurde, einfach mal wieder der Tatsache Rechnung, dass Erziehung nicht nur Sache von Eltern ist, sondern durch die gesammte [sic] Gesellschaft vollzogen wird. Das ist nämlich bei uns ziemlich unüblich (man muss sich nur mal anschauen, wie empört manche Eltern reagieren, wenn mal ein anderer Erwachsener ihr Kind wegen irgendeines Fehlverhaltens ermahnt: “Lassen Sie mein Kind in Ruhe! Wie ich es erziehe, ist allein meine Sache.”).
Insofern schließe ich mich MichaDD und Planoraka in deren positiver Bewertung an.

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  1. Weil ich den Kerl nicht leiden kann, markiere ich — ganz klugscheißerisch — jeden Fehler in seinen Zitaten [zurück]

Anarchy in the BRD

Frank, 5. März 2008

BVG-Streik
Bild: thosch66 (cc)

In Berlin wird der Nahverkehr bestreikt. Ab heute stehen die Busse, U-Bahnen, Straßenbahnen und Fahren still, ab Montag, falls die GDL Eier hat, auch die S- und Regionalbahnen. Dass dadurch umso mehr Autos auf den Straßen sein werden, ist abzusehen, genau wie die dadurch noch derberen Staus zu Berufsverkehrzeiten. Hallelujah, das war ja gestern schon ein Gewusel. Man ahnte, dass die vielen Leute in der U5 alle nochmal wichtige Besorgungen machen wollten, am Alex oder so, bevor’s für 10 Tage nicht mehr geht. Als ob uns jetzt irgendwas Atomares bevorstünde: Schnell noch mal ein Kaffeeservice im Kaufhof erstanden, ein Uhrenradio bei Saturn ergattert, Rinderhack in Weißmehltunke bei Burger King vertilgt. Das Ende ist nah, carpe fucking diem!

Mich fragt ja keiner, aber ich finde so lange wir Freunde haben, auf die wir uns verlassen können, ist noch nicht alles verloren. Drum müssen wir jetzt auch bei den Amis fragen, ob sie uns vielleicht mit einigen liebevoll “Rosinenbomber 2.0″ genannt werdenden Armeeflugzeugen aushelfen, welche die ganz besonders dringend Transportbedürftigen von einem Punkt zum anderen befördern. Die Achse Tegel – Schönefeld, mit Zwischenstopp in Tempelhof wäre doch ganz effizient, einmal quer über Berlin, und auch Fridolf, nein – Friehelm, nein – Friedbert Pflüger (Nichtberliner wissen aus gutem Grund nicht, wer das ist) hätte sein Steckenpferd befriedigt, innerstädtische Lärm- und Dreckherde in relevanter, geschichtsbewusster Nutzung zu erhalten. Was gewiss ein angenehmes Gefühl in ihm hervorruft.

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Chefredakteure, miese Wortspiele, Blogs, SEO-Spammer: Alles Arschlöcher

Frank, 6. Februar 2008

Vögel
Danke, Gott. Für’s Spatzenpfifferl!

Eigentlich sollte ich mir abgewöhnen, Blogs zu lesen. Warum? Weil’s mir Spaß macht. Ja, das ist paradox, aber auch ein Beispiel, wie man einen Blogartikel halbwegs elegant einleiten könnte.

Bei neun von zehn mir unbekannten Blogs finden sich aber statt solch netter Hooks am Anfang von Artikeln zu Themen die mich interessieren könnten, die ich vielleicht sogar wahnsinnig gerne lesen würde, lediglich Massengräber von YouTube-Videos, Plugin-Spielwiesen, unreflektiertes Werbegeseiher der Apple-Templer, öde Ereignisse aus dem öden Leben öder Menschen, A-Blogger-Speichelgelecke, Spam jeder Art, SEO-Dreck und vor allem – die Beulenpest unter den Blogkrankheiten – Spatzenpfifferl

Diesen hübschen Begriff habe ich soeben höchstselbst erfunden. Er beschreibt jene Blogartikel, die keinen Arsch interessieren, weil das Thema durch ist, überall behandelt wird, jeder eine Meinung dazu hat, kurz: die Spatzen den Artikelinhalt bereits von den Dächern pfeifen. Nehmen wir zum Beispiel Stefan Aust. Der wurde ja vor ein paar Monaten von der Spiegel-Belegschaft durch Vertrags-Nichtverlängerung abgestraft, mutmaßlich dafür, ein tyrannischer Volldepp zu sein. Okay, das war die Nachricht, mehr muss man darüber nicht verlieren. Was aber macht die Blogosphäre? Ergeht sich dutzendweise in Wortspielorgien (“Aus! für Aust”, “Aust die Maus”, “Aust-ritt”, “Aust, das Spiel ist Aus!”, “Austgespielt”, “Stefan Aus”, “Austisten unter sich” und viele mehr) und mutmaßt langweiligerweise, wer denn der Nachfolger des enthusiastischen Windradhassers und Pornoblättchenkolumnisten mit Pferdefaible wird – als ob nicht völlig klar wäre, dass der nächste “auf dem Thron” als Grundvoraussetzung nur ein ebensolcher Dödel werden kann. Ist ja dann auch so gekommen, zu 50 Prozent mindestens.

Jetzt schlägt’s jedoch 13: Stefan Aust ist nicht nur ein Penner, sondern auch noch ein geldgeiler Idiot, versucht sich knapp 5 Millionen vor Gericht zu ergaunern, wird deswegen verfrüht geschasst — und wo muss ich das erfahren? In meinem Feedreader, einem Medienblog, unter der grenzdebil wortverspielten Überschrift: “Aust und vorbei”.

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Wo muss ich unterschreiben?

Frank, 1. Februar 2008

sherman_tank
Foto: MarkKelley (cc)

Ich möchte bitte mitmachen, wenn’s jetzt in den Krieg geht. Ich will Verantwortung übernehmen für mein Vaterland. Ich hab damals zwar nur Zivi gemacht, aber im Krankenhaus, Unfallstation, das kann nützlich sein. Ich spiel auch am Computer viel sowas. Scharfschütze und Grenadier im zweiten Weltkrieg zum Beispiel. Das Feeling hab ich, ich trau mir das zu! Mir geht’s um die Nation. Meine Ehre, die Verteidigung meines Staates. Nicht so Nazi-mäßig, eher so freundlich wie bei der WM. Gegen wen kämpft man da eigentlich? Ich glaub ja nicht, dass das immer so schlimm ist wie alle sagen, im Film und so… Na, mit dem Abballern von Leuten. Ich meine, dafür macht man das doch. Ist eben dein Job. Die Entscheidung treffen andere — die über dir sind das Hirn, du bist die Hand und gut. Okay, bei Kindern isses natürlich schade drum, wenn da was passiert mit denen. Aber Terror ist schließlich eine ernstes Problem. Ist ja nicht irgendwer, der da um Unterstützung fragt, sondern die NATO. Unsere Freunde! Diese Tarnanzüge sind wirklich krass. Autos mit Vierradantrieb fahren und nicht an den Benzinpreis denken müssen. Kann man auch Panzer fahren mit normalem Führerschein (Probezeit habe ich grade überstanden)? Ich hab mal einen Film gesehen, da sind die Amis mit dem Tank durch die Wüste, Irak, und haben so richtig laut, mitten im Gefecht, Bloodhound Gang gehört. We don’t need no water, let the motherfucker burn. Burn, motherfucker, burn. War das geil! Überhaupt, ein geiler Job. Mein Kumpel ist auch beim Bund, der sagt, so eine Kameradschaft wie da, die findet man sonst nicht. Super Aufstiegsmöglichkeiten und studieren kann ich auch noch. Also: Wo muss ich unterschreiben?

Lieber Unterstützer-Mob von “Politically Incorrect” und angeschlossenen Anstalten,

Gastautor, 9. Januar 2008

euer Sendungsbewusstsein in allen Ehren, aber …

Politisch abgeknibbelt
  1. bringt es einfach nichts, mit euren dämlichen Aufklebern die Laternenpfähle am Berliner Alexanderplatz zu tapezieren. Denn — ich sage das nicht ohne Heimatstolz — Agitprop von rechtsradikalen Spinnern hat hierzustadte, trotz einer lebhaften Kultur solcher kleinen Botschaften im öffentlichen Raum, in der Regel keine lange Lebensdauer. Nachdem ich gestern persönlich zwei Sticker unkenntlich machte (mit einem 5 Cent-Stück ist das ganz einfach) entdeckte ich mit Freude, dass sich auch andere — wie nennt ihr uns unhysterische Normaldenker doch gleich? — linksfaschistische Multikulti-Gutmenschen bereits an mehreren eurer armseligen Stickerlies zu schaffen gemacht haben. Tja…
  2. ist es uns Craploggern zwar eine große Ehre auf eurer tollen neuen Linkliste in der Rubrik “Feindesland – Die Antipoden: Linke, Grüne, ANTIFA-Batzen” zu stehen, nur scheint ihr nicht zu verstanden haben, dass sich unser Blog bei weitem nicht nur mit euch, sondern mit diversen Ausprägungen und Facetten von Idiotie befassen, also auch mit unpolitischem Kram wie: Post und Telekom, Sarah Connor, Eso-Quacksalberei, Bananen, dem öffentlichen Nahverkehr, Animated GIFs, Literaturkritikern ohne Ahnung und überhaupt allerlei. Wir wollen uns auch gar nicht nur mit euch beschäftigen, denn das macht einen ja kirre auf die Dauer und so wichtig seid ihr auch nicht. So ist eure Linkliste eben nur eine weitere Seite, bei der, sollte ein entsprechender HTTP-Referrer aufschlagen, direkt an Helge weitergereicht wird. Danke, WP-Ban. Und wenn doch mal einer durchkommt? Nun, es hat noch immer Spaß gemacht, einen jener pamphletischen und von Xenophobie getränkten Kommentare von euch düsteren Gestalten, das Gesicht zur Faust geballt, zu konkretisieren oder nötigenfalls (bei schlechter Laune des Admins) ins Datennirvana zu befördern.

*peng*

peng
Foto: JoshMock (cc)

Sein muss Ordnung

Frank, 29. November 2007

ordnungsamt fulda
Foto: tragesessel4350 (cc)

An dieser Stelle muss ich auch mal meinen Dank an die Aushilfsbullen vom Ordnungsamt richten. Wenn ich nämlich nicht wiederholt gesehen hätte wie die Aushilfsbullen vom Ordnungsamt, ausstaffiert mit Aushilfsbullenuniformen und Aushilfsbullengehabe, irgendwelche Gemüse- oder Blumenhändler mit Maßband und lamoryanten Sprüchen wie “Ihr Stand reicht 14 Zentimeter zu weit auf den Gehsteig raus, beheben sie das auf der Stelle oder es gibt ein saftiges Bußgeld” schikanieren (obwohl’s keinen Menschen sonst stört) …

… dann würde ich mich gar nicht regelmäßig daran erinnert fühlen, dass ich die Aushilfsbullen vom Ordnungsamt doch für ganz schöne Arschlöcher halte. In dem Sinne: Danke, Aushilfsbullen vom Ordnungsamt.

Gründe, die Universität zu lieben

Frank, 17. Oktober 2007
  • Jeder einzelne dieser in deiner Studienzeit mindestens dreimal vorkommenden “Klick”-Momente, in denen Offenheit und Inspiration zu einem majestätischen Gefühl der Gedankenklarheit verschmelzen und dir eine neue Welt eröffnen.

 

Gründe, die Universität zu hassen

ebenfalls maloXP, ebenfalls 17.10.2007

Hörsaal

  • Täglich
  • anderthalb Stunden Fahrt in
  • völlig überfüllten
  • Regionalzügen, in denen Du dir,
  • im Sommer literweise Schweiß ausdünstend, wegen der
  • eiskalten Klimaanlage den Tod holst oder
  • winters der Schneematsch zentimeterhoch steht. Das nimmst Du nur auf dich, weil die Massen von
  • zugezogenen Studenten, angelockt von Studiengebührenfreiheit und Hip City Image, den
  • Numerus Clausus an den Berliner Unis so in die Höhe treiben, dass Dir mit deinem mediokren Abi-Durchschnitt bloß ein Studium von
  • Fächern, die du eigentlich gar nicht magst in
  • Potsdam übrigbleibt. Und so sitzt Du also
  • völlig übermüdet – vor dir ein
  • narzisstischer Dozent – im
  • überfüllten Hörsaal auf
  • zerfallen(d)em Mobiliar, zwischen
  • Eierköpfen,
  • hohlen Nüssen und
  • Psychopathen, hörst Dir
  • gähnend langweilige und
  • mies gehaltene Vorträge an, in weiser Voraussicht, dass dein
  • eigenes Referat nächste Woche auch nicht besser wird, was aber nichts macht, weil die abverlangte
  • Hausarbeit wegen deiner
  • Tendenz zur Prokrastination eh nie geschrieben werden wird und die
  • verdammten Belegpunkte für’n Arsch sind. Aber was soll’s… Ansatzweise Trost spendet immerhin ein per
  • RFID-Chip im Studentenausweis bezahlter
  • Kaffee aus der
  • mit Werbung und Sponsorships zugepflasterten und von per
  • iBook im
  • StudiVZ rumsurfenden
  • BWL-Studenten bevölkerten
  • Mensa.

Foto: DASKAjA (cc)