Archiv für die Kategorie ‘Netzwerk’

ip-adressen des bnd

ciphaDOTnet, 14. November 2008

der bundesnachrichtendienst ist wahrscheinlich der mächtigste geheimdienst deutschlands. im internet sind nun einige ip-adress-bereiche aufgetaucht, die von diesem geheimdienst genutzt werden (via wikileaks). interessant, zum ersten: diese adressen werden zum grossteil von der deutschen telekom gehostet. nur ein kleiner teil sind direkte bnd-eigene adressen. interessant, zum zweiten: man kam diesen adressen auf die schliche, als man durch zurückverfolgung der ips (traceroute-befehl) diese mit den ips von editierten artikeln bei der wikipedia verglich. eine grossartige leistung von open-source. interessant, zum dritten, ein auszug aus dem kommentar zum wikileak-artikel:

“In der Datenbank des RIPE finden sich zu diesen Netzen sehr wenige Informationen, oft taucht aber das Kuerzel “LVP” auf – eine in der Vergangenheit durch den Bundesnachrichtendienst genutzte Legendierung: “Liegenschaftserwaltung Pullach”. Eine Analyse durch einen mit der Namensgebung und Infrastruktur von T-Systems vertrauten Spezialisten zeigte das ein Grossteil der Netze im Raum Muenchen “endet”. Ein weiterer Teil der Netze laesst sich auf Aufklaerungsstellen des BND in Deuschland zuordnen, so z.B. nach Flensburg (Peilanlage), Freiburg (Satellitenaufklaerung in Rheinhausen) oder Braunschweig (Satellitenaufklaerung in Helmstedt). In den vorhandenen Daten zu diesen Netzen wird oft der Name “BVOENET” benutzt, Informationen was dies zu bedeuten hat sind aber nicht zu finden. Allerdings existiert eine Domain bvoe.de, registriert auf eine Organisation mit dem vielsagenden Namen “Informationsboerse” mit einem Postfach in Muenchen. Weitere Untersuchungen der Domain zeigten das 4 DNS-Eintraege mit den Namen www1/2-1/2.bvoe.de existieren. Hierbei handelt es sich offenbar um die Internet-Zugaenge in Berlin und Muenchen. Der DNS-Eintrag www1-1.bvoe.de zeigt so z.B. auf eine IP-Adresse aus der T-Systems-Liste die in Muenchen endet, bei www2-1.bvoe.de handelt es sich um den Internet-Zugang in Berlin, ebenfalls mit einer IP-Adresse aus der Liste. Mit Hife von Suchmaschinen und Statistiken von Webseiten kann so nachvollzogen werden welche Seiten durch die BND-Mitarbeiter angesurft werden.”

[via]

haha, pwned.

es hat sich sogar jemand die mühe gemacht, die vermeintlich bnd-editierten beiträge der wikipedia aufzulisten: http://bastards22.vs8807.vserver4free.de/?p=170. yeah, gefällt mir. ein bisschen denen auf die finger schauen, die verdeckt uns auf die finger schauen, schadet nicht. eine wundervolle erfindung, dieses internet ist.

drogen sind verboten

ciphaDOTnet, 10. November 2008

try drugs!

[via]

magic: the election 2008

ciphaDOTnet, 16. September 2008

magic: the election 2008

die themen geeks und politik müssen sich nicht gegenseitig ausschliessen, wie diese besondere “magic: the gathering”-sammlung zeigt: via mightygodking.

neben den beiden spitzen-kandidaten sind folgende karten verfügbar: william ayers, elizabeth edwards, p.o.w., david brooks, bill clinton, der slogan “yes, we can”, freepers, rudy guiliani, obama fans, p.u.m.a.s, hillary clinton, sarah palin, kossacks, youtube, jeremiah wright, joe biden, fox news, celebrity candidate, the dlc, clintonites, renewable energy, ron paul, secret muslim, obama nation, the daily show, dennis kucinich, drill for oil, al gore, keith olbermann, rachel maddow, arugula, mitt romney, the colbert report, superior speechcraft, undecided voters, john mccains house, mike huckabee, joe lieberman, internet fundraising, john hagee, michelle obama, kerning, lou dobbs, cnn, the blogosphere, duncan hunter, george w. bush, ralph nader, “si se puede!”, bill o’reilly, ron paul supporters, bitter.

um auch wirklich alles verstehen und darüber schmunzeln zu können ist eine gewisse kenntniss der amerikanischen politik- und medien-landschaft unerlässlich. wer diesen hintergrund mitbringt und das ursprüngliche sammelkartenspiel kennt, der wird seine wahre freude daran haben und die liebe zum detail zu schätzen wissen, besonders in den dazugehörigen eigenschaften der kreatur/des zauberspruchs/artefakts.

es gibt auch noch einen zweiten teil, logisch: hier klicken.

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mögen die us-wahl-spiele beginnen!

Schießbefehl, anyone?

Sebastian, 7. December 2007

“So’n Quatsch. Wird eh nix bei rumkommen.” Das war in etwa meine Reaktion, als ich von der inzwischen zurückgezogenen Strafanzeige der stellvertretenden Vorsitzenden der leider so textflussfeindlich benannten Partei Die Linke gegen Wikipedia las. Unter dem Motto “Nazis raus aus Wikipedia”, hieß es in der entsprechenden Presseerklärung:

Seine erfreulich offene Struktur macht “Wiki” leider auch zu einem wenig kontrollierbaren Einfallstor für rechte und rechtsextreme Ideologien.

Es kann und darf nicht sein, dass Einträge aus NS-Quellen zitieren und weit über das, rechtlich geschützte, Maß an Aufklärung hinaus Materialien und Kennzeichen verfassungsfeindlicher und verbotener Organisationen Verwendung finden.

Neben meinem Grusel über das Politikersprech “es kann und darf nicht sein” habe ich mich erstmal gefragt, ob das denn der Fall ist, dass Materialien und Kennzeichen verfassungsfeindlicher und verbotener Organisationen weit übers rechtlich geschützte Maß an Aufklärung hinaus Verwendung finden – dass politische Eiferer aller Couleur versuchen, Wikipedia-Artikel in ihrem Sinne zurechtzuschminken, wäre ja nichts Neues. Und in der Tat berichtet Springers Welt, die interessanterweise mehr Wohlwollen für antifaschistische Bemühungen aufzubringen scheint als so manch schönwetterprogressives Webmagazin und Blog:

Das Forum bei Wikipedia gibt Hinweise auf mehrere Attacken von Rechts in den vergangenen Wochen. Eine kritische Autorin hat beispielsweise “eingeschlichenen Nazi-POV” in einem Artikel über HJ-Fahrtenmesser bemerkt und gelöscht. Mit Nazi-POV ist der rechtsextreme Standpunkt des vorigen Verfassers (engl. point of view, abgekürzt POV) gemeint. Früher im November hatte dieselbe Autorin auf die von einem Wikipedia-Benutzer namens OldJo hochgeladenen Hakenkreuze auf Bildern verwiesen. (…) Diese dienten “keinen enzyklopädischen, historisch-kritischen Zwecken”, bemängelte die Beobachterin. Eine andere Nutzerin berichtete über weitere Beiträge, die als “reine Naziemblem-Container” dienten.

Die bloße Möglichkeit ignorierend, dass so etwas ein Problem sein könnte (noch einmal die Welt: “‘Wir sagen nicht, dass es solche Probleme nicht gibt’, sagt Wikipedia-Sprecher Klempert”), und obwohl schnell bekannt wurde, dass auch Schuberts Genossen die Anzeige nicht unbedingt toll finden, erklärten viele die Partei als solche zur Urheberin der Anzeige: “Linkspartei verklagt Wikipedia” (Netzpolitik), “Die Linke zeigt wikipedia an” (Heise); nur wenig richtiger Golem.de: “‘Die Linke’-Führung zeigt Wikipedia an”; und mit bedenklich erhöhtem Blutdruck Probloggerworld: “Wikipedia und die Zensur durch Linksfaschisten”.


“Dienstgrade und Kragenspiegel der Politischen Organisation (PO) der NSDAP” (Quelle: Wikipedia)

Immerhin zeigt dieser Titel schon mal, woher der Wind eigentlich weht, und liefert so zumindest eine Teilerklärung dafür, dass man sich vierlerorts mit dem “so’n Quatsch, wird eh nix bei rumkommen”, das ich weiterhin für angemessen halte, begnügen konnte. Ähnlich z.B. heißt es im Pottblog:

… durch ihre jüngste Aktion dürfte die stellvertretende Vorsitzende der SED/PDS/Linkspartei/wie_die_Mauerpartei_auch_ gerade_immer_heißen_mag schlagartig bekannter werden …

Mauerpartei ist gut – weil die Mauer nichts mit einer weltpolitischen Lage zu tun hatte und nur gebaut wurde, weil eine Sekte von geistig verwirrten Mauerfetischisten an die Macht kam, die Spaß daran hatten, Leute einzusperren, und die außer Mauern zu bauen auch den lieben langen Tag nix gemacht haben, während zu der Zeit, als SED-Leute die Mauer bauten, es in der dann wohl als Nazipartei zu bezeichnenden CDU von Nazis nur so wimmelte.

Ähnlich beispielhaft für den Aufstand der Zwonuller ist der Beitrag im Spreeblick:

Um als Politikerin für Netzschlagzeilen zu sorgen hilft es enorm, wenn man nicht weiß, was ein Browser ist. Noch wirkungsvoller ist es aber, wenn man keinen Schimmer hat, wie die Wikipedia funktioniert.

In der Pressemitteilung ist doch aber von “erfreulich offener Struktur” die Rede, und es heißt, die Wikipedia lebe davon, dass “jede und jeder seinen Beitrag (…) leisten kann”. (Dass jede seinen Beitrag leisten kann? Als Gott den Mann schuf, übte sie nur? Doch ich schweife ab.) Die offene Struktur ist Schubert also bekannt, und wenn sie schreibt, diese mache Wikipedia zu einem “wenig kontrollierbaren Einfallstor…”, dann anscheinend auch, dass es durchaus eine Selbstkontrolle gibt, die sie allerdings für nicht ausreichend befindet. Heißt “Keinen Schimmer” also soviel wie “du bist doof, nimm mir mein Spielzeug nicht weg” – ein Affekt, der möglicherweise die zweite Teilerklärung für die Aufregung darstellt? Und spielt es überhaupt eine Rolle, wenn ich meine, eine Webseite mache braune Propaganda, ob ich weiß, wie das intern und technisch funktioniert?

“Nazis raus!” fordert Schubert nicht nur für die Wikipedia, sondern für das gesamte Internet und lässt die Antwort auf die Frage “Und wohin?” dabei offen.


“Parteisymbol: Adler mit Hakenkreuz im Lorbeerkranz in den Fängen. Nicht zu verwechseln mit dem Reichsadler, da (aus Perspektive des Adlers) der ‘Parteiadler’ nach links, der Reichsadler hingegen nach rechts schaut.” (Quelle: ebenda)

Über diese Bemerkung kann man lange rätseln. Ich persönlich hätte auch kein Problem damit, wenn sich einer meiner Gäste als Nazi outete, ihn hinauszuwerfen und die Frage, wohin er gehen solle, dabei offenzulassen. Worum geht es denn hier, ein Heim für Nazis? Ist der Gedanke so abwegig, dass es einen stärkenden Effekt für Nazis haben könnte, wenn Nazi-Bild- und Textmaterial frei zugänglich ist? Wenn auf einer Webseite gegen Juden gehetzt wird (sorry, aber das tun Nazis manchmal), ist es sinnlos, die Seite zu verbieten/zu schließen, weil man ja nicht weiß, wo die Antisemiten dann hingehen (sollen), die sich zuvor auf dieser Seite wohlgefühlt hatten? Oder geht es gar nicht um Nazis, sondern nur um die Witzischkeit des Wortspiels? Oder liegt der Schluss nahe, den Wolf Schneider einst für den Umgang mit kryptischen Formulierungen empfahl: “Wahrscheinlich ist gar nichts gemeint”?

Gerüchte, dass Frau Schubert im nächsten Schritt Arcor zur Sperrung der Wikipedia zwingen will, sind ebensolche.

Ja, Arcor soll derzeit allen Ernstes den Zugang zu Google sperren, weil über Google Pornos auffindbar sind; damit hat aber Schubert oder sonstwer aus ihrer Partei nichts zu tun – vielmehr geht es dabei um das Wegklagen von Inhalten, die möglicherweise dem guten Geschäft von Geschäftemachern im Weg stehen könnten, ebenso wie derzeit bei Stefan Niggemeier, wobei im ungünstigsten Fall die Folge sein könnte, dass Foren und Blogkommentare künftig grundsätzlich moderiert werden müssen, was den Tod für den lebendigen Austausch im Netz bedeuten könnte – aber nein, die wahre Gefahr, wie auch Arnulf Baring immer wieder betont, kommt von links, in diesem Fall in Gestalt der Liebe zu staatlicher Zensur, die die Linken ja mit der Muttermilch aufgesogen haben; es ist wohl so: Wenn irgendwer eine alberne Strafanzeige in den Wind furzt, sieht man in Deutschland gleich den Ivan ums Haus schleichen.

Disclaimer: Spreeblick arbeitet gerade selbst an diversen Kampagnen, darunter “Arbeitslosigkeit raus!”, “Gewalt niederschlagen!” und “Der Schnupfen soll für immer weggehen!”.

Ach so! Nazis sind so ‘ne Art Schnupfen, quasi! Ha-tschi, kann halt passieren, dass ‘ne 20-jährige Schwangere im Bus herumgeschubst und geschlagen wird, weil Konsens ist, dass man “für Ausländer keinen Platz” habe, oder dass einer 17-jährigen ein Hakenkreuz in die Haut geritzt wird, dass bereits die statistische Kategorie “Nicht-rechte Jugendliche” eingeführt werden musste, weil diese ein gefährdeter Personenkreis sind, dass Schauspieler und Tänzer nach der Premierenfeier krankenhausreif geprügelt werden und die Täter keine ernstzunehmenden Konsequenzen fürchten müssen etc. pp. Ein Schnupfen!

Selbst wenn man die Anzeige als blinden Aktionismus bezeichnen kann – ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich mit zermatschter Fresse im Krankenhaus läge, während die Täter feixend über den Marktplatz spazieren, wäre mir ein blinder Aktionismus lieber als gar keiner, weil ich daran sähe, dass man das Problem wahrnimmt und möglicherweise sogar gewillt ist, dagegen vorzugehen. Wenn man mal mit einem Opfer rechter Gewalt gesprochen hat, das mit Tränen in den Augen beinahe gefleht hat, die Betroffenheits- und Solidaritätsadressen seien ja nett und schön, aber man solle doch auch und vor allem etwas tun, dann hat man begriffen, dass die Apathie der Öffentlichkeit mit ihrer Standby-Betroffenheit auf Dauer brutaler ist als ein Schlag ins Gesicht – denn das blaue Auge heilt, das Unrecht und die Bedrohung bleiben.


“Die Partei. Allegorische Skulptur von Arno Breker.” (Quelle: ebenda. Lizenz: GNU)

Aber klar, man kann das alles auch als Schnupfen betrachten und das wahre Böse eher in einem juristischen Rohrkrepierer von links am Nikolaustag vermuten. So wie der Spreeblick und seine Leser. “Das ist doch bloß ineffiziente Symptombekämpfung. Ich fordere ein Geburtsverbot für Neonazis!” Jahaha, Nazis sind nun mal da, kann man nix machen. “Die PDS aehh SED … quatsch … Die Linke!!! scheinen noch nicht so ganz in der Demokratie angekommen?” Die Demokratie, deren Behaglichkeit, in der wir digitale Boheme uns gerade so schön eingerichtet haben, nun mal einen Preis hat, zum Beispiel ein paar marodierende Nazis und ein paar Polizisten und Richter, die jene protegieren? “… macht ‘Wiki’ leider auch zu einem wenig kontrollierbaren Einfallstor für rechte und rechtsextreme Ideologien… Leider aber auch für linke und linksextreme Ideologien.” Ja, ob nun Autonome gegen schwerbewaffnete Polizisten antreten oder eine Mehrheit von besoffenen Faschos gegen Behinderte, Obdachlose, Schwule und kleine Mädchen: dieselbe Soße, genau wie NS-Deutschland und DDR – als ob Kinkerlitzchen wie Weltkrieg und Genozid einen Unterschied ausmachten, alles dieselbe Soße! “jeez, inzwischen wird mir von den betonköppen von der sed fast genau so schlecht wie von der braunen pest…”, “Waren ja schon immer ein wenig realitätsfern. Die Mauer ham se der Welt ja auch als antifaschistischen Schutzwall verkauft…”, “Warum die Aufregung? In der DDR hat das doch auch funktioniert. Arbeitslose, Obdachlose, Nazis – gab’s doch alles nicht, und das allein durch totschweigen. War eben doch nicht alles schlecht damals … Man denke nur an Autobahnen (ach ne, war was anderes)”. Ach Quatsch, was anderes, wieso denn.

Aber dann gibt es natürlich auch Kommentare wie diesen:

Was ich wirklich schlimm finde am Internet: Man erfährt immer sofort, wenn sich irgendein Idiot mal wieder völlig zum Horst gemacht hat. (…)

Man erfährt es allerdings nur deshalb immer sofort, weil kaum ein Blogger es sich verkneifen kann, noch mal anders aufzuschreiben, was er gerade in seinem Nachbarblog gelesen hat. Leute, genau – da hat nicht jemand einen Vorstoß zur Abschaffung der Demokratie oder zum Wiederaufbau der Mauer oder zur Übertragung des Internets in staatliche Verwaltung gemacht, sondern sich zum Horst, ganz einfach. Können wir es dabei bitte belassen? Und wenn wir schon meinen, Nazis gehörten zur Demokratie dazu, hiervon abweichende Auffassungen wenigstens tolerieren? Das wäre herzallerliebst, danke sehr.

Das neue Wir-Gefühl

ovit, 13. February 2007

Endlich ist es da! Die einen Theoretiker würden behaupten, dass das Internet den Menschen noch mehr aus seinen alltäglichen Strukturen herausreißt, dass das Internet die Kommunikation zwischen Menschen noch mehr anonymisiert und er damit nur noch egozentrischer wird.
Doch neuerdings gibt es wohl eine neue Form der Solidarität. Die Spreeblicker behaupten, dass Sascha Lobo “als Vertreter von uns in einer Talkshow aufgetreten ist, oder in diesem Blog hier wird behauptet, dass wir “gerade eh einen kollektiven Gedankenstau” haben.
Und ich denke mir ganz in einem weiteren Spreeblicksinne: Ihr, nicht ich!
Habe ich Sascha Lobo zu meinem Vertreter ernannt oder jemals von einem Gedankenstau gesprochen? Bevor man mich irgendwo mit einbezieht und dieses neue “Wir” strapaziert, möge man mich bitte vorher fragen, oder dieses “Wir” einschränken, oder doch ganz einfach lieber immer erstmal schön von sich selbst ausgehen. Dann haben solche Aussagen auch einen entsprechenden Wahrheitsgehalt.

Wirf mal das Stöckchen rüber!

ovit, 31. January 2007

Die Beantwortung von Fragebögen scheint dem Menschen von Natur aus im Blut zu liegen. Nachdem eine kurze Hemmschwelle überwunden und mit dem Ausfüllen eines Fragebogen begonnen wurde, wird alles was möglich ist, angekreuzt und ausgefüllt und mit bestem Gewissen beantwortet. Als Ausnahme muss das Befüllen von Amtsformularen gelten. Die sehen zwar manchmal aus wie Fragebögen und werden mit ähnlichem Unwissen ausgefüllt, haben einen unterirdischen Spaßfaktor und sind eher ein Horrortrip.

Um die eigenen Antworten aber auch richtig einzuschätzen, bringt ein Fragebogen auch nur dann etwas, wenn möglichst viele ihn ausfüllen. Das ist wie in der Marktforschung. Da befragt man zur Sonntagsfrage nicht nur eine Person, sondern eher mal lieber ein paar Hundert. Das nennt man dann repräsentative Umfrage. Darum enden diese neuen, digitalen Fragebögen üblicherweise mit der Frage, wer denn noch bitte die eben gerade beantworteten Fragen beantworten soll. Bis hierhin kann man über die Blödheit der Fragen, die Unlust in den Antworten und die Unsinnigkeit des Weiterreichens schimpfen, doch dann landen alle Menschen üblicherweise in der Tierwelt. Da wird der Fragebogen nicht von dem Herrn XY übernommen oder man hat ihn nicht bei Frau YX gefunden sondern man bekommt STÖCKCHEN zugeworfen. Und die hebt man dann auf, abgerichtet wie man ist, aber bringt dieses eben nicht zurück (Hunde können sowas!) sondern kaut lieber selbst etwas auf diesem STÖCKCHEN herum, um es am Ende wieder weg zu schmeißen, also zu den nächsten Menschen, die auf Hund machen.

Das ist mittlerweile so ein geflügeltes Wort und so von der breiten Masse akzeptiert, dass das Schneeballsystem in der Fachsprache schon in Stöckchensystem umbenannt wurde. Denn darauf fällt der abgerichtete Hund Mensch wieder herein. Bei dem Wort Schneeballsystem läuten direkt die Alarmglocken, liegt irgendwo aber so ein STÖCKCHEN herum, hebt er es schnell auf und wirft es an mindestens fünf Leute weiter. Denn wenn man das nicht macht, dann passiert in den nächsten 48 Stunden ein Unglück, das Konto wird zum Beispiel ausgeraubt, oder ein Kind stirbt in Afrika, oder die Hunde übernehmen die Kontrolle über die Menschheit. Verübeln würde ich es ihnen nicht.