Archiv für die Kategorie ‘Menschenskinder’

“Deutsche Bahn mahnt Netzpolitik ab”, Variationen

Frank, 3. February 2009

Wrapped Reichstag
Symbolbild zu “Hauptstaedtchen in Zeltbahnkombi” by GertrudK (cc)

 

Wortumstellungen

  • Deutsche Mahn bahnt Netzpolitik ab
  • Deutsche Politik mahnt Bahnnetz ab
  • Deutsches Netz mahnt Bahnpolitik ab
  • Bahndeutsch mahnt Politiknetz ab
  • Politiknetz mahnt Bahndeutsch ab
  • Mahnbahn netzt Deutschpolitik ab
  • Deutsche Abnetz mahnt Bahnpolitik

 

Annagramme

  • Antipathetische Bautzen, blond, km/h
  • Kapitelabschnitt hoehnt zum Abend
  • Hoeh petzt Nachtmusikantenabbild
  • Analphabetentum hektisch Binz Tod
  • Pistolenkabinett zaehmt Handbuch
  • Hauptstaedtchen in Zeltbahnkombi
  • Abendplaetzchen – Thomkins Tubahit
  • Nichtbesitzendenpakt: Holm haut ab
  • Knabenphantasie mutzt Bohle dicht
  • Kindbett-Opa: “Habt Heimatschnulzen!”
  • Bibliothekenschatz hupte man Tand

 

Sinngemäße Wiedergabe

  • Solidaritätsechauffage bringt Trackbacktraffic

 

(Anlass, Reaktionen)

Die Verlosung der Gesellschaft

Sebastian, 2. February 2009

Schenkt man Menschen Glauben, die sich in den letzten Tagen von ihrem Fernseher losreissen konnten “um noch einige Besorgungen zu machen”, stapelte sich die deutsche Verfügungsmasse (mal wieder) in deutschen Trinkhallen und sonstigen Lottoannahmestellen, um ein paar Kreuze zu machen, nicht, um sich Volksvertreter zu wählen, hier immerhin scheint das Volk verstanden zu haben, dass es nichts bringt, sondern um die “Steuer für Menschen, die kein Mathe können” (Quelle: irgendwo aufgeschnappt) abzuführen.

macs

(Spreeblick-Kommentatoren, Symbolbild)

Das ist noch halbwegs harmlos, da man diesen Unfug anonym durchziehen kann, wobei dieses Recht mit einer nicht unerheblichen Menge Geld abgegolten wird. Schlimm wird es, wenn Verlosungen an Bedingungen geknüpft werden, was vorhersehbar immer damit endet, dass sich eine nicht zu unterschätzende Masse nicht entblödet, einen peinlich-peinlichen (was soll man dazu sonst sagen?) Kommentar abzugeben, um einen begehrten Preis abzugreifen, der bis zur Sekunde vor dem Gewinnspiel noch überhaupt nicht begehrt, ja wahrscheinlich nicht einmal bekannt war. Denn sagt der Preisverleiher “Spring!”, folgt der Untertan und macht dazu noch wuff, und das meine ich nicht einmal im übertragenem Sinne, denn:

Kaum, dass Spreeblick per Twitter verlautbaren lässt, ein Handy unter die Leute zu bringen, wird der Kommentarbereich in nicht weniger als 2 Stunden mit weit über 100 Kommentaren geflutet von Leuten, die sich hin- und hergerissen sehen zwischen dem Drang, möglichst schnell einen Kommentar abzugeben, um bemerkt zu werden (endlich einmal!) und der Vorgabe, kreativ seine Geekness zu illustrieren. Durch diesen Zwiespalt völlig überfordert, versucht sich der Großteil am Humor und scheitert kläglich, wenn er Dinge schreibt wie


Meine Hündin heißt Beta und bellt «wtf» statt «wau». Wenn sie mal muss, dann kommt nur Code. Also bitte.

oder mehreren Dutzend Derivaten von


Das ist ja mal eine 1337e Verlosung. \/\/4|\|7 G1 plz. k thx?! cu. xD

was in diesem Fall immerhin insofern an Komik gewinnt, als dass dieser Kommentar um 13:37 Uhr abgegeben wurde.

Eine andere Qualität gewinnt dieser Gewinnspielirrsinn jedoch, wenn der Leser nicht mehr Teilnehmer, sondern Teil des Gewinnspiels wird, ja zum Gewinn selber. In einer unsäglichen Aktion rief Sascha Lobo zur allgemeinen Followerverlosung auf, in der die gegenseitige Vernetzung von Menschen degradiert wurde zu einem Witz zur Ankurbelung der Bekanntheit des neues Must-read und um noch einmal klarzustellen, wer hier der kreative ist. Auch die Teilnehmer waren sich des Blödsinns wohlbewusst und packten ihre Teilnahmetweets in selbstironische Watte á la “Diese #Followerverlosung ist ja total albern *grins*” o.ä., so genau kann ich das nicht zitieren, da mich bei diesen Tweets derart heftiger Juckreiz packte, dass ich spontan alle Teilnehmer aus meiner Liste warf. Es fehlte sowieso ein Kalibrierungsrichtwert zur Entschlackung, dieser erschien mir durchaus angemessen. Der Gewinner darf sich nun über ein paar Follower mehr freuen, denen er völlig egal ist, was ihn aber nicht weiter stören dürfte, ging es ihm doch wie allen anderen lediglich um die selbsttragende Aufmerksamkeit, die sich so auch ohne Inhalte schnell generieren lässt. Herzlichen Glückwunsch!

Kastration ohne Betäubung

pantoffelpunk, 20. January 2009

Könnt Ihr Euch vorstellen, ohne Betäubung kastriert zu werden? Nein, natürlich nicht, solche Qualen kann und will man sich nicht vostellen. Es gibt jedoch Ferkel, die erleben das tatsächlich an eigenem Leib. Das nachfolgende Video ist nicht für sensible Menschen und ausdrücklich nicht für Kinder geeignet:

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Leute, die sich für so einen Job prostituieren, für einen ‘angemessenen’ Betrag auch Menschen töten würden. Nicht, weil ich Schweinchen und Menschen auf eine Stufe stellen will, sondern weil bei diesem Abschaum elementarste Mechanismen versagen. Wer so frei von Empathie ist, dem ist alles zuzutrauen.

Protestieren könnt Ihr hier.

With a little help from my french

Sebastian, 2. December 2008

Angesichts der Debatte um die Einführung der deutschen Sprache ins Grundgesetz, zu der Lukas im Prinzip alles gesagt hat, was es halt zu sagen gibt, rege ich mich über folgende Nation auf:

Franzosen

Frankreich und unsere vierteljährlichen Debatten über deutschen Nationalstolz bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Keine Forderung “unsererseits” (da geht’s schon los) kommt ohne unsere lieben Nachbarn aus. Ob Flagge zeigen während der WM, einer Sprachenquote im Radio, das Singen der Nationalhymne – es wird auf Frankreich verwiesen, wo das alles “total unverkrampft” funktioniert. Man stelle sich vor, es gäbe überhaupt kein Frankreich. Eine Menge CDU-Politiker kämen in arge Erklärungsnöte, ginge ihnen doch ihre Argumentationsgrundlage völlig flöten. Es wäre vielleicht angebracht, sie darauf hinzuweisen, dass eine Forderung, die ohne selbstragenden Inhalt, sondern allein durch “die anderen dürfen aber auch” vorgetragen wird, vielleicht nicht so dringend behandelt gehört wie… keine Ahnung, afrikanische Kinder mit Fliegen im Gesicht oder so. Leider lässt sich mit wichtigen Themen kein Fußvolk einfangen, das BKA-Gesetz ist nunmal ein wenig zu kompliziert, um es zwischen Sport- und Wochenschau (hoho) zu beschimpfen.

Da hilft alles reden nichts, Frankreich muss weg! Das sage ich ohne jeglichen Nationalismus, sondern ganz im Gegenteil: Gibt es kein Frankreich mehr, gibt es hier keine Nationalismusdebatten mehr. It’s so easy. Daher fordere ich alle Franzosen ultimativ auf, ihr Land zu verlassen und sich eine neue Bleibe zu suchen. Alizée kann zum Beispiel erst einmal bei mir unterkommen. Der Rest findet sicher auch irgendwo was. Die Landfläche könnte man zu einer riesen Naturschutzzone umfunktionieren. Grade um die Atommeiler herum wird’s wahrscheinlich grüner als grün. Und Autos abbrennen, liebe Franzosen, das könnt ihr ja schon ganz gut.

Deutsch-Amerikanische Freundschaft — dem Kind zuliebe

Frank, 4. November 2008

Sarah and Marc in irgendwas

Es gibt wohl nix langweiligeres und trotzdem nix vom Boulevard dankenswerter aufgenommenes als die Beziehungskisten der C-Prominenz. Zum Beispiel haben sich jetzt Sarah Connor (Ihre Hunde töten Kaninchen) und Marc Terenzi getrennt, zwei uninteressante, untalentierte, unwichtige Menschen. Eigentlich wollen wir unsere treuen Leser damit gar nicht belasten, diese Trennung ist selbst uns komplett wurscht (man merkt es vielleicht an obiger in 30-Sekunden lieblos zusammengematschter Fotocollage). Dennoch ist es im Craplog Brauch, über die Delmenhorsterin zu berichten, das provoziert immer so schön Reaktionen und Gegenreaktionen. Deswegen zitieren wir mal die Presseerklärung. Ja natürlich, so ist das nun mal, wenn zwei Winzsternchen dieses Kalibers sich auseinandergelebt haben, dann muss das der Presse erklärt werden.

Unsere Familie ist für uns beide das Allerwichtigste und wird immer an erster Stelle stehen. Wir wollen den Spekulationen jedoch ein Ende setzen und das Ende unserer Ehe, nicht aber unserer tiefen Liebe und Freundschaft zueinander, bekanntgeben. Es ist eine schmerzhafte Zeit und wir sind unendlich traurig, über die Erkenntnis, dass wir mit der Zeit bessere Freunde, als Ehepartner geworden sind. Es tut uns leid. Für uns, unsere Kinder und Familien. Die Wurzeln dieser Entwicklung haben ihren Ursprung weit zurück und was immer jetzt in den Medien zu lesen ist, hat nichts mit den wahren Gründen unserer Trennung zu tun. Wir werden uns immer lieben und respektieren, auch wenn wir es nicht als Ehepartner geschafft haben. Wir sind Seelenverwandte und werden auch diesen Sturm als Familie überstehen.

Irgendwie hat man das doch schonmal gehört, oder? Als sich Yvonne Catterdale und Wayne Carpenfeld trennten, klang das nämlich genauso:

Im Laufe einer Beziehung wird den Partnern manchmal klar, dass man sich zwar ergänzt und eigentlich alles stimmt, sich aber die Liebe zueinander verändert hat – aus Liebe ist Freundschaft geworden. So war es auch bei uns. Deshalb haben wir uns entschlossen, uns zu trennen.

Was für Gesülze, aber sowas von! Heilige Scheiße, was mag da wohl kommen, wenn Heidi Klum und Seal sich mal trennen? “Wir fühlen uns weiterhin innig vertraut, befreundet und seelenverwandt und gehen unseren Blagen und Fans zuliebe auch noch weiter zusammen zum Kölner Karneval, aber in die Kiste hüpfen werden wir nicht mehr, zumindest nicht gemeinsam, dafür stimmt das Karma einfach nicht mehr”. Spei! Liebe Stars und Medienhuren, tut uns Fans bzw. gehässigen Voyeuren doch wenigstens einmal den Gefallen, mit diesem Freundschaftsquatsch aufzuhören und benennt konkrete Gründe, woran’s gelegen hat. Zum Beispiel: Der Marc singt immer so schaurig unter der Dusche, wenn irgendwo was kleckert, dann macht der das nie weg und die Sarah vergisst immer, die Klospülung zu betätigen und sie respektiert es einfach nicht, wenn Marc Terenzi mal mit seinen Jungs einen draufmachen will, oder irgendwie sowas. Das hätte Eier, da hätten wir Ottonormalos Aspekte, in denen wir uns wiederfinden können, man sähe, das sind da ja auch nur Menschen, das steigert auch die Identifikation mit dem “Promi”. Es würde dazu beitragen, dass man nicht immer denkt, mein Gott, was sind denn das schon wieder für Arschkrampen da im TV?

Die ganze Abscheu hier nützt den Sarah-Fans natürlich nix, die müssen zukünftig halt (Achtung, es folgt ein Witz) Abstriche machen. Als Trost gibts hier mal Musik über Sarah Connors Heimatstadt: Element of Crime mit “Delmenhorst”.


YouTube direkt: LoQ | MedQ | HiQ

bild-auf, bild-ab, bild-in-dein-gesicht

-, 3. September 2008

micro$oft ist momentan auf einem konsequenten weg, so schnell wie möglich die 10.000-patente-marke zu knacken. bei diesem projekt wird jeglicher rotz zum patent angemeldet, aber was sie sich aktuell geleistet haben sprengt nicht nur die vorstellungskraft einer jamaika-bob-mannschaft: wenn ihr ein wenig mit der handelsüblichen computer-tastatur vertraut seid, werden euch zwei tasten mal zwischendurch aufgefallen sein, die schlicht das wörtchen “bild” und zwei pfeile nach oben und nach unten tragen. dies dient nicht nur der verzierung, sondern erlaubt euch vielmehr, bei einer computer-seite, z.b. in textverarbeitungsprogrammen, vertikal vor- und zurückzuscrollen. die gehören nun nicht mehr eurer tastatur, euch selbst schon gar nicht, sondern neuerdings unserem lieblings-monopolisten aus redmond, washington, usa. das beste kommt aber jetzt: der ultimative beweis, dass diese tasten auch wirklich micro$hit gehören, wird mit einer 0815-ibm-tastatur aus dem jahr 1981 erbracht, bei der die tasten schon dabei sind.

w00t!? also erstmal: wenn es sich bei den ibm-tastaturen tatsächlich um die ersten mit dieser funktion handelt, wieso bekommt dann m$ das patent und nicht ibm? wie kann überhaupt ein software-hersteller(!) ein patent auf ein hardware-feature bekommen? und schliesslich: gibt es eine möglichkeit, dass der konzern künftig gebühren für das verbauen dieser beiden tasten erheben darf oder was? muss ich meine tasten jetzt ausbauen und zurückgeben? amerika, du bist sehr witzig. und irgendwie auch behämmert. microsoft hats erfunden, schon klar.

wirklich lächerlich wird das alles, wenn man sich mal etwas genauer mit der herkunft der computer-tastatur beschäftigt. deren grossvater war nämlich kein geringerer als die schreibmaschine, die 1821 das erste mal erschien. wieso meldet m$ nicht einfach ein patent darauf an? dann hätten sie eine ganze armada weiterer tasten in ihrem patent-ghetto. zumal ca. 1870 dank remington und sholes die ersten geräte mit qwerty-layout auftauchten, das heute grossflächig verwendung findet (oder bei uns eben qwertz).

die tastatur war nie eine erfindung von m$, auch nicht von ibm und ich bin sogar der meinung, dass es reiner zufall ist mit diesen bildauf- und bildab-tasten. die sollen mich nicht vollabern, das erste micro$oft word erschien erst ende oktober 1983. würde sich der echte kopf jetzt bitte melden, so kann das nämlich nicht weitergehen. was für ein krampf…

[quelle: /. – microsoft patents “Pg Up” and “Pg Dn”]

Die Windmühlen des Marco K

Frank, 22. August 2008

Marco K ist ein junger Schreiberling, der für die Freiheit einsteht. Und er nimmt sich Freiheiten, konsequent. Etwa jene, bei “eigentümlich frei” ganz im Gegensatz zu den verhassten Latte Macchiato süffelnden “Luxussozialisten” Kinderarbeit zu verteidigen und in der rechtskonservativen “Blauen Narzisse” die Brothers Keepers als “schwarze Hassprediger” zu bezeichnen. Auch in seinen sonstigen Absonderungen verdeutlicht der junge Mann, dass dort wo sich unbeschwerter Nationalismus und ökonomistischer Marktfetisch in zärtlicher Umarmung vereinen, der gemeine Kotzbrocken seine Heimstatt hat, einem Ort, wo auch linkspolitische, Staats- und Überfremdungsparanoia an den Wänden wuchern wie prächtig gepflegte Schimmelpilzkulturen.

Sein eigenes Blog nennt K programmatisch opponent.de. K opponiert zum Beispiel gegen den fiesen Mindestlohn. Denn der ist interventionistisch, genau wie grundsätzlich alle fixierten Standards der Menschenwürde. Weil man den Lesern seines Blogs ja mal etwas zum Lachen, was Witziges, Bissiges an die Hand geben will, verzog er sich jüngst in den Keller und kam kurz darauf mit folgender Collage wieder heraus:

Humor wie '33: Hitler und der Mindestlohn

Ich schlapp mich lach. Hitler! Förrr den Mindestlohn! Auf einer Seite des Deutschen Gewerkschaftsbunds! Prust. Na klar, denn im Nationalsozialismus steckt ja auch der Sozialismus drin, gell? Zum Niederknien (und Fußbodenpizza backen).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bekam das spitz und fand’s nicht komisch. So erhielt K gestern einen Brief mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrter Herr K,

hiermit fordern wir Sie auf, den auf Ihrer Internetseite www.opponent.de eingestellten, der im Wesentlichen Inhalte unserer Internetseite www.mindestlohn.de sowie das DGB-Logo zeigt, umgehend von ihrer Internetseite zu nehmen. Sollte dies nicht bis

Freitag, den 22. August 2008, 10.00 Uhr vormittags

geschehen, behalten wir uns ausdrücklich alle in Betracht kommenden strafrechtlichen wie zivilrechtlichen Schritte gegen Sie vor. Wir weisen Sie insbesondere darauf hin, dass Sie keine Erlaubnis haben, das DGB-Logo zu verwenden.

Mit freundlichem Gruß

Reinhard D

Klar ist es etwas harsch, auf einen popeligen Blogger und seine solcherlei geradezu Mitleid erregende Versuche, lustig zu sein, zu reagieren. Aber es ist ihr gutes Recht. Zumal der DGB rechtsmittelmäßig sicher adäquat ausstaffiert ist und auch gleich eine Abmahnung hätte verschicken können. Und dass das kostet, weiß man ja seit den diversen “Brötchengates”, die die deutsche Bloglandschaft erschütterten.

Oh tempora, oh mores! Der stalinofaschistische DGB droht uns Monokulti-Heten mit Staatsgewalt plärrt es da aus dem Opponentenblog. Um Solidarität heischend erklärt K:

Ich akzeptiere die Drohung mit Initiierung staatlicher Gewalt gegen mich durch den DGB-Bundesvorstand nicht und werde der Aufforderung aus ethischen Gründen nicht nachkommen. (…bla…)

Darüber hinaus empfinde ich die Drohung durch den DGB nicht nur als Beweis für die Humorlosigkeit der Gewerkschaftsbürokraten, was schließlich noch zu verschmerzen wäre, sondern als offenen Angriff auf die unantastbaren Freiheiten des Individuums, welche die Grundlage für eine friedliche und freie Gesellschaft bilden, im Unterschied zu einem menschenverachtenden, freiheitsfeindlichen Regime wie etwa der DDR, das durch die deutsche Gewerkschaftsbewegung maßgeblich gestützt wurde. (…bla…)

Gewerkschaftsvertreter haben heute einmal mehr ihre Maske fallen gelassen, hinter der sich die hässliche Fratze der Menschen- und Freiheitsfeindlichkeit verbirgt. Die Drohung gegen mich wird nicht dazu führen, dass ich mich dem Willen des DGB beuge. Vielmehr sehe ich es ab sofort als primär an, Widerstand gegen (staatlich protegierte) Gewerkschaften auf allen Ebenen zu leisten und zu unterstützen.

Ich möchte alle Menschen, insbesondere alle Blogger, dazu aufrufen, dem Abmahnwahn hierzulande, dem Drohen mit staatlicher Gewalt, den Einschüchterungsversuchen staatlicher, halbstaatlicher und privater Akteure nicht schweigend zu begegnen, sondern aktiv Widerstand zu leisten. Freiheit ist ein zerbrechliches Gut, das jeden Tag wieder erkämpft und bewahrt werden muss. Einmal verloren, ist die Freiheit nur unter größten Opfern zurückzuerlangen. Gehen wir den Weg in die Tyrannei, den dieses Land schon all zu lange beschritten hat, nicht weiter!

K spielt sich also auf als Vertreter von Meinungsfreiheit, Kämpfer gegen Zensur und Staat, hier verkörpert in Gewerkschaft und Justiz. Nun ja, jedem seinen eigenen Größenwahn. Lieber Marco, darf ich fragen, ob du dich, wenn du bei der Steuererklärung schummelst, wie William Wallace fühlst, beim Schwarzfahren wie Che Guevara, beim besoffenen Autofahren wie Mahatma Gandhi?

Von mir, lieber Marco, gibt’s keine Solidarität, allerhöchstens etwas Mitleid. Denn es hat schon etwas Don Quixote-artiges, sich selbst und das eigene verkackte Weltbild so aufzublähen, dass man meint aus einer nicht lustigen, nein – wirklich einfach nicht lustigen, grafischen Nazi-Gleichsetzung eine Verteidigung angeblich liberaler Werte zu konstruieren. Vorzugeben, dass eine solch erbärmliche Albernheit Satire sei, anderen vorzuwerfen, sie seien humorlos, wenn sie den Humor darin nicht entdecken.

Anderswo kommt man in der Besprechung des Falles gleich mit Arbeiterdichtern:

Kurt Tucholsky (1890-1935) war ein linker Intelletikueller, trat für die Arbeiterbewegung ein und seine Werke wurden wie viele andere auch im Mai 1933 von wildgewordenen Nationalsozialistischen Studenten verbrannt.

Der Schriftsteller, Journalist und Gesellschaftskritiker ist bis heute eine viel- und gernzitierte Persönlichkeit. Eines seiner bekanntesten Zitate lautet

“Was darf Satire? Alles.”

Kurt Tucholsky hatte durchaus recht. Aber wenn so etwas wie obiges Werk schon die Schöpfungshöhe von Satire erreicht, dann bin ich dafür den Begriff gleich ganz zu entgrenzen. Dann wäre ich dafür — und das meine ich hier nur metaphorisch — auch einen Tritt in die Fresse als Satire zu liberalisieren. Lustig wär’s zumindest.

[via gulli]

all ur linkz are belong to uz

-, 30. July 2008

was haltet ihr davon, wenn ich euch sagen würde: ab morgen gibt es im web keine links mehr! würdet ihr weinen, weil eines der wichtigsten features des web plötzlich fehlte oder würdet ihr es sehen wie dieser kompetente spanien-liebhaber, der behauptet, dank google braucht man ja keine verknüpfungen mehr?

ich sehe mich als einen experten des web, der wirklich viel darüber gelesen hat und eigentlich verstanden hat, was es so besonders macht. dabei hilft einem die sicht der dinge aus der feder einer der hauptentwickler des www, robert cailliau: “die wiege des web”.

ich meine zu wissen, aber da kann ich mich auch täuschen, dass ein besonderer aspekt am hypertext wirklich diese referenzialität ist. tim berners-lee hat das mal schön mit der metapher der assoziationsfähigkeit des gehirns beschrieben, wie das web funktioniert. das leuchtet ein: ich kann ja “springen”, von link zu text zu video zu bild zu text usw. usf; wie mein gehirn. dieses prinzip ist doch einer der grundpfeiler des web oder habe ich das nicht verstanden!? das ist doch auch einer der gründe, wieso die bibliothek von alexandria gegen wikipedia nur eine dorfbibliothek ist. wissen (und nicht nur das) ist doch so viel schneller lernbar, von zusätzlichen features wie hintergründiges zum thema oder quellenangaben mal komplett abgesehen.

fazit: links sind nicht nur nützlich, sie sind eine der quintessenzen dieses mediums. sie sind die tore, durch die man sich in diesem schier unendlichen kaninchenbau von ort zu ort “warpen” kann; von gedanke zu gedanke springen kann; von einem problem zu einer lösung des problems kommen kann. fielen sie plötzlich weg, was bliebe uns dann noch vom web? wir hätten nur ein genauso langweiliges, genauso hölzernes und kaum interaktives medium, wie die auf papier. so, schluss jetzt, und wenn alle stricke reissen:

all ur linkz are belong to uz!

wir kümmern uns um die. kommt zu papa, ihr armen hyperlink-seelchen! bei mir seid ihr sicher.