Archiv für die Kategorie ‘Ist das ernst gemeint?’

Kuschelrock

Frank, 19. Januar 2009

Leise weht der Sommerwind um die Palmen Floridas und trägt uns eine Melodie ans Ohr, die von Herzeleid und Hoffnung, von Sehnsucht und Vergessenwollen, von Qual und Erlösung kündet. Vergesst Rick Astley, dieser Song ist noch intensiver: Mark Gormley mit seinem Hit “Without You”.


YouTube direkt: Normal | HiQ | Download

Die 8 Songs umfassende CD kann im UZ General Store gekauft werden. [via]

Weltweite Krise: Maria Esmeralda hat beschlossen zu reagieren

Frank, 19. Januar 2009

Weltweite Krise: Maria Esmeralda hat beschlossen zu reagieren
(Klick = groß)

Diese Werbung aus der diversen Tageszeitungen beiligenden Fernsehzeitschrift “rtv”, Ausgabe 52/2008, liegt schon seit Weihnachten auf meinem Schreibtisch. Ich bin nur noch nicht dazu gekommen, ihn eingescant in die Welt zu ballern, weil der Dranner (Drucker und Scanner in einem) dem Baum zum Feste weichen musste. Jetzt steht er aber wieder da, wo er hingehört, der Dranner.

Worum geht’s? Um DIE KRISE!!!

Krise, in meiner Region

Ich finde das ganz schön heftig von Ihnen, liebe Maria Esmeralda. Die Welt versinkt in Krise, Krieg und Chaos und Sie verreisen. In “meine Region” nämlich, was in etwa das Maria-Esmeralda-Äquivalent darstellt zu den, im Vergleich zum Rest des Texts, in ganz anderer Schrift aufgedruckten “Lieber Herr $NACHNAME”-Schriftzügen in den zahlreichen ganz persönlich an mich adressierten Gewinnmeldungen.

Ach so, es gibt was kostenlos?

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Imagepolitur

.markus, 1. Oktober 2008

Es ist angerichtet. Die Hauptmahlzeit besteht heute aus unfreiwilliger Komik mit einem Schuss Idiotie (aus großen Flaschen). Man unkt ja gerne, dass die Regierung einen ins Grab bringen will – nein, sie wollen uns an der Urne haben. Möglichst frisch und unverbraucht. Die Bundeszentrale für politische Bildung verdross also die Politikverdrossenheit der Jugend und schickte Reiter in alle Himmelsrichtungen aus, die Rettung bringen sollten. Man trommelte einen “Gesprächskreis aus Fernsehsachverständigen” zusammen, dessen Ergebnis ich mir selbst mit abgründiger Boshaftigkeit nicht dämlicher hätte ausdenken können. Man kam auf “die Idee eines niedrigschwelligen, comedy-orientierten Politiknachrichten-Formates (…) als verfolgenswerten Ansatz zur Erreichung der genannten Zielgruppe“.
LOL, sagt der Jugendliche in mir. ROFL! Aber das ist alles wohl durchdacht, denn der ausgeklügelte Plan liest sich so:

“Es liegt eine Grobkonzeption des Sendungsformats vor (…). Als Format wurde die Erzählform der Sketch Comedy gewählt, die es zum einen erlaubt, mehrere Themen zu platzieren und zum anderen im Vergleich mit anderen Comedy-Formaten (Sit-Com u. a.) unter Jugendlichen auch die größte Akzeptanz hat. Als verbindendes Element der einzelnen Sketche soll eine ‘Presenterin’ fungieren, die in ihrem (fiktiven) Video-Blog, die Sketche anmoderiert und mit ihrer eigenen Meinung kommentiert. Diese Form der Kommunikation ist Jugendlichen vertraut und bei ihnen beliebt (myspace.com, schülerVZ.net, studiVZ.net). Die Sketche sollen die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen mit politischen Themen verbinden, ohne dabei belehrend zu wirken.”

Jo. Äh. Genau. Und wer im Glaushaus sitzt, sollte die Fenster putzen, damit’s von außen schön glänzt. Ich bin ja auch politikverdrossen. Vielleicht wird die Kampagne der Hit und zwischen hysterischen Lachanfällen über gelungene Pointen, nickt der junge Infotainmentierte zustimmend und verbreitet “boah, schau dir mal unsre coole regierung an. voll lol der clip, aber auch informativ” die heiteren Botschaften. Wer’s glaubt.

(Quelle und weiterführende Informationen: la deutsche vita)

ching ching

cipha, 24. September 2008

bushido hat ja jetzt eine biografie draussen. mit 30. ich frage mich: wer kauft sowas? alles, was der ersgutejunge zu sagen hatte, hat er auf platte gebracht. in der zwischenzeit kommt er auf sieben langspieler und man merkt, dass sich alles sowieso wiederholt. irgendwann bei album drei oder vier bin ich ausgestiegen, weil man alles schon bis zum exitus gehört hat. im prinzip lässt sich bushidos welt und seelenleben auf drei wörter begrenzen: ghetto. koks. nutten. aber nein: er ist ja auch seit neuestem immobilienmakler. und seine mama, die jedesmal seine dreckige wäsche wäscht, macht bestimmt den job als sekretärin. wurde er eigentlich in interviews mal gefragt, was bushido eigentlich bedeutet? oder hat er sich den namen nur gegeben, weil es irgendwie “ghetto-mässig cool” klingt? ich frage deshalb, weil sein eigentliches pseudonym, als er ausflüge in graffiti gemacht hat, “fuchs” war. das ist ja eine eher unverständliche entwicklung: von “fuchs” zu “bushido”!? von “meister reineke” zum “weg des kriegers”!? muss wohl an den illegalen substanzen liegen. da hat er ja bewiesenermassen erfahrung, denn seine ausbildung zum maler und lackierer musste er machen, sonst wäre er deswegen in den knast gewandert. und schultechnisch sah es lange nicht so schlimm aus: man sollte annehmen, dass jemand, der sich nicht richtig artikulieren kann und seinen wortschatz zu einem überwiegenden teil aus fäkalsprache bezieht, höchstens hauptschulabschluss hat. oder auf gar keiner schule war. bushido aber ging auf zwei gymnasien und er verliess die aus freien stücken, nicht, weil er irgendwie zu dumm war oder krasse aktionen gebracht hat. das verträgt sich nicht wirklich mit seinem ich-komm-von-der-strasse-und-hatte-nie-was-image. wer fragt bei einem “realen gangsta-rapper” auch gross, auf welche schule er ging. das kümmert ihn wohl heute einen dreck, nach drei echos, einmal platin und einem comet. kassen auf! und, als würde das noch nicht reichen, seine biografie ging von null auf platz eins der spiegel-bestseller-liste. wie kann das sein? wissen wir so wenig über den herrn anis mohamed youssef ferchichi? was will er denn nach sieben alben noch erzählen? und überhaupt: wer, zum henker, kauft sich diesen mist?

Die Windmühlen des Marco K

Frank, 22. August 2008

Marco K ist ein junger Schreiberling, der für die Freiheit einsteht. Und er nimmt sich Freiheiten, konsequent. Etwa jene, bei “eigentümlich frei” ganz im Gegensatz zu den verhassten Latte Macchiato süffelnden “Luxussozialisten” Kinderarbeit zu verteidigen und in der rechtskonservativen “Blauen Narzisse” die Brothers Keepers als “schwarze Hassprediger” zu bezeichnen. Auch in seinen sonstigen Absonderungen verdeutlicht der junge Mann, dass dort wo sich unbeschwerter Nationalismus und ökonomistischer Marktfetisch in zärtlicher Umarmung vereinen, der gemeine Kotzbrocken seine Heimstatt hat, einem Ort, wo auch linkspolitische, Staats- und Überfremdungsparanoia an den Wänden wuchern wie prächtig gepflegte Schimmelpilzkulturen.

Sein eigenes Blog nennt K programmatisch opponent.de. K opponiert zum Beispiel gegen den fiesen Mindestlohn. Denn der ist interventionistisch, genau wie grundsätzlich alle fixierten Standards der Menschenwürde. Weil man den Lesern seines Blogs ja mal etwas zum Lachen, was Witziges, Bissiges an die Hand geben will, verzog er sich jüngst in den Keller und kam kurz darauf mit folgender Collage wieder heraus:

Humor wie '33: Hitler und der Mindestlohn

Ich schlapp mich lach. Hitler! Förrr den Mindestlohn! Auf einer Seite des Deutschen Gewerkschaftsbunds! Prust. Na klar, denn im Nationalsozialismus steckt ja auch der Sozialismus drin, gell? Zum Niederknien (und Fußbodenpizza backen).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bekam das spitz und fand’s nicht komisch. So erhielt K gestern einen Brief mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrter Herr K,

hiermit fordern wir Sie auf, den auf Ihrer Internetseite www.opponent.de eingestellten, der im Wesentlichen Inhalte unserer Internetseite www.mindestlohn.de sowie das DGB-Logo zeigt, umgehend von ihrer Internetseite zu nehmen. Sollte dies nicht bis

Freitag, den 22. August 2008, 10.00 Uhr vormittags

geschehen, behalten wir uns ausdrücklich alle in Betracht kommenden strafrechtlichen wie zivilrechtlichen Schritte gegen Sie vor. Wir weisen Sie insbesondere darauf hin, dass Sie keine Erlaubnis haben, das DGB-Logo zu verwenden.

Mit freundlichem Gruß

Reinhard D

Klar ist es etwas harsch, auf einen popeligen Blogger und seine solcherlei geradezu Mitleid erregende Versuche, lustig zu sein, zu reagieren. Aber es ist ihr gutes Recht. Zumal der DGB rechtsmittelmäßig sicher adäquat ausstaffiert ist und auch gleich eine Abmahnung hätte verschicken können. Und dass das kostet, weiß man ja seit den diversen “Brötchengates”, die die deutsche Bloglandschaft erschütterten.

Oh tempora, oh mores! Der stalinofaschistische DGB droht uns Monokulti-Heten mit Staatsgewalt plärrt es da aus dem Opponentenblog. Um Solidarität heischend erklärt K:

Ich akzeptiere die Drohung mit Initiierung staatlicher Gewalt gegen mich durch den DGB-Bundesvorstand nicht und werde der Aufforderung aus ethischen Gründen nicht nachkommen. (…bla…)

Darüber hinaus empfinde ich die Drohung durch den DGB nicht nur als Beweis für die Humorlosigkeit der Gewerkschaftsbürokraten, was schließlich noch zu verschmerzen wäre, sondern als offenen Angriff auf die unantastbaren Freiheiten des Individuums, welche die Grundlage für eine friedliche und freie Gesellschaft bilden, im Unterschied zu einem menschenverachtenden, freiheitsfeindlichen Regime wie etwa der DDR, das durch die deutsche Gewerkschaftsbewegung maßgeblich gestützt wurde. (…bla…)

Gewerkschaftsvertreter haben heute einmal mehr ihre Maske fallen gelassen, hinter der sich die hässliche Fratze der Menschen- und Freiheitsfeindlichkeit verbirgt. Die Drohung gegen mich wird nicht dazu führen, dass ich mich dem Willen des DGB beuge. Vielmehr sehe ich es ab sofort als primär an, Widerstand gegen (staatlich protegierte) Gewerkschaften auf allen Ebenen zu leisten und zu unterstützen.

Ich möchte alle Menschen, insbesondere alle Blogger, dazu aufrufen, dem Abmahnwahn hierzulande, dem Drohen mit staatlicher Gewalt, den Einschüchterungsversuchen staatlicher, halbstaatlicher und privater Akteure nicht schweigend zu begegnen, sondern aktiv Widerstand zu leisten. Freiheit ist ein zerbrechliches Gut, das jeden Tag wieder erkämpft und bewahrt werden muss. Einmal verloren, ist die Freiheit nur unter größten Opfern zurückzuerlangen. Gehen wir den Weg in die Tyrannei, den dieses Land schon all zu lange beschritten hat, nicht weiter!

K spielt sich also auf als Vertreter von Meinungsfreiheit, Kämpfer gegen Zensur und Staat, hier verkörpert in Gewerkschaft und Justiz. Nun ja, jedem seinen eigenen Größenwahn. Lieber Marco, darf ich fragen, ob du dich, wenn du bei der Steuererklärung schummelst, wie William Wallace fühlst, beim Schwarzfahren wie Che Guevara, beim besoffenen Autofahren wie Mahatma Gandhi?

Von mir, lieber Marco, gibt’s keine Solidarität, allerhöchstens etwas Mitleid. Denn es hat schon etwas Don Quixote-artiges, sich selbst und das eigene verkackte Weltbild so aufzublähen, dass man meint aus einer nicht lustigen, nein – wirklich einfach nicht lustigen, grafischen Nazi-Gleichsetzung eine Verteidigung angeblich liberaler Werte zu konstruieren. Vorzugeben, dass eine solch erbärmliche Albernheit Satire sei, anderen vorzuwerfen, sie seien humorlos, wenn sie den Humor darin nicht entdecken.

Anderswo kommt man in der Besprechung des Falles gleich mit Arbeiterdichtern:

Kurt Tucholsky (1890-1935) war ein linker Intelletikueller, trat für die Arbeiterbewegung ein und seine Werke wurden wie viele andere auch im Mai 1933 von wildgewordenen Nationalsozialistischen Studenten verbrannt.

Der Schriftsteller, Journalist und Gesellschaftskritiker ist bis heute eine viel- und gernzitierte Persönlichkeit. Eines seiner bekanntesten Zitate lautet

“Was darf Satire? Alles.”

Kurt Tucholsky hatte durchaus recht. Aber wenn so etwas wie obiges Werk schon die Schöpfungshöhe von Satire erreicht, dann bin ich dafür den Begriff gleich ganz zu entgrenzen. Dann wäre ich dafür — und das meine ich hier nur metaphorisch — auch einen Tritt in die Fresse als Satire zu liberalisieren. Lustig wär’s zumindest.

[via gulli]

Studie entfacht Streit um Witzpopulismus

Sebastian, 30. Juni 2008

Berlin / Köln. Die Reaktion der Netzgemeinde auf die aktuelle Urlaubsvertretung des führenden Internet-Tagebuchschreibers Stefan Niggemeier ist weiterhin gespalten. “Das sind einfach Witze, die man immer wieder gerne hört!”, jubelt ein Fan. “Niggemeier ist immer so ernst”, stimmt seine Freundin zu, “und diese Hyperlinks konnte ich noch nie leiden. Jetzt gibt’s endlich mal den puren Spaß aus groben Kellen. Toll!”

scary clowns
Bild: trishylicious (cc)

Doch das Lob ist nicht einhellig – Niggemeier-Vertreter Markus Barth ruft auch Kritiker auf den Plan. “Der reinste Witzpopulismus!”, wettert ein “Blogger”, wie die Internet-Tagebuchschreiber sich selbst nennen, aus dem Umfeld des umstrittenen “Craplog”. Er hält die jüngsten Äußerungen des Gastbloggers für “unverantwortlich”; dieser spiele “mit dem Feuer” und habe es sich letztlich selbst zuzuschreiben, wenn immer mehr junge Menschen ihren Glauben an die subversive Kraft des Humors verlören und Rattenfängern wie Bernd Stelter in die Hände fielen.

Die Kritik war erneut aufgeflammt, nachdem vor wenigen Tagen eine Studie bekannt geworden war, in der schwere Vorwürfe gegen die Witze Barths erhoben werden. Dessen Themen Kurt Beck ist unbeliebt, das iPhone lebt vom Hype, Rosamunde Pilcher ist öde, Politiker sind bekloppt, Spam nervt, Männer: Fußball, Frauen: Sex and the City, Fußballerslang, Benzinpreise: Jammern auf hohem Niveau, Microsoft ist scheiße, Apple aber auch sowie Al Gores Klimafilm ist reißerisch seien “so ausgelutscht, wie ein Thema nur ausgelutscht sein” könne, verrieten eine “Witzphilosophie der erstbesten Idee”, bedienten “den kleinsten gemeinsamen Nenner der humoristisch zu kurz Gekommenen” und zeigten die Notwendigkeit, “erneut die Möglichkeit zu prüfen, bestimmte Witze in Sonderfällen vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen”, heißt es darin.

Fans finden diese Kritik naturgemäß überzogen, die Forderung nach einer geheimdienstlichen Überwachung absurd. Einer gewissen Wehmut allerdings können auch sie sich nicht erwehren, vor allem im Hinblick auf die frühen Welterfolge des Komiker-Urgesteins Barth, darunter die Klassiker “Der Zeugendienst der Gemeinde in der Welt”, “Aus den Psalmen leben – Das gemeinsame Gebet von Kirche und Synagoge neu erschlossen” und “Solidarität mit den Sündern – Wesen und Auftrag der Gemeinde nach dem Epheserbrief”. So gibt mancher treuer “Newsblog”-Leser auf Nachfrage unter vorgehaltener Hand zu: “Klar, die alten Nummern waren spritziger”. Aber das sei ja oft so.

neu: bald in ihrem kino! “verantwortungsvoller umgang mit daten” mit w. schäuble! ab donnerstag!

cipha, 30. Mai 2008

wirklich, ich hatte ja keine ahnung. in meinen kühnsten träumen konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich mich einmal in meinem leben derart wegschmeissen würde. und dabei ist das thema ernst: es geht um die spitzelaffäre der telekom. ich verfolge dann und wann diese geschichte und heute morgen ist es dann passiert:

“Trotzdem muss er [Obermann] nun in der kommenden Woche zum Rapport nach Berlin: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) will mit ihm über einen “verantwortungsvollen Umgang mit Daten” sprechen, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.”

ich lag auf dem boden, ehrlich, ich konnte mich nicht mehr bewegen. ich hatte bauchkrämpfe, vor lauter lachen, dass meine kollegen schon darüber nachdachten mich einzuweisen. und wem das immer noch nicht reicht, komm her bub, bekommst einen nachschlag:

“Uns geht es darum, die Bedeutung des Datenschutzes in Unternehmen zu stärken”, hieß es in Schäubles Umfeld.”

yeah, so muss ein tag beginnen, dann kann alles andere nur noch geil werden.

inzwischen geht es übrigens bei der “stasi-affäre” nicht nur um verbindungsdaten, sondern auch um bankdaten, die unerlaubt abgefragt wurden. der artikel von heute, aus dem auch die zitierten passagen stammen, sah ich bei “spon”.

eine gewisse schadenfreude meinerseits kann ich nicht unterdrücken: ich liebe es, wenn es monopolisten an den kragen geht. überhaupt ist dieses thema meiner meinung nach vollkommen wert, sich damit auseinanderzusetzen. es liest sich wie ein krimi und jeden tag gibt es neue erkenntnisse. ich bin mal gespannt, wann der nächstes schenkelklopfer kommt…

Manchmal müsste man Mobbing möglich machen

Frank, 16. Mai 2008

Coneheads

Ich bin ja wirklich der Meinung, dass Deutschland ein tendentiell intellektuellenfeindliches Land ist und finde das doppelplusungut. Auch ich stecke mitunter Kritik für meine allzu verschachtelten Satzmonstren ein (freilich oft mit Recht). Aber es gibt dennoch Momente, in denen selbst der Verfasser dieser Zeilen fassungslos vor dem Flimmerschirm sitzt und denkt: Herrschaftszeiten, komm mal runter von deinem Ross. Wenn du mir etwas sagen willst, dann tu’s, aber nicht auf so eine verschwurbelte und unerträglich affektierte Art.

Auf einen veritablen Schwafelhengst, der in einem nicht uneklatanten Ausmaß Bullshit verschleudert, stieß ich während der Webrecherche zu einem eher unwichtigen Problem in einem Computerspiel. Pass auf: worldofplayers.de-Forum, “Politik und Gesellschaft”-Ecke. Ausgangsfragestellung: Findet ihr es sinnvoll, wenn im Saturn die Spielekonsolen erst um 14 Uhr eingeschaltet werden, um Schuleschwänzern keinen Anreiz für ihr schändliches Tun zu bieten? Zuerst: Vorhersagbares Geplänkel. Doch nun betritt der Champion aller Gewichtsklassen den Ring.

ewek emelot

Auf das Zitat

Wir ham auch immer geschwänzt obwohl niemand von uns zum Saturn gegangen is was spielen…

Halte die Aktion letztendlich für sinnlos, wenn man keinen bock auf Schule hat findet man immer ne bessere Beschäftigung.

antwortet er:

Ob man zur Schule geht ist letztlich auch eine Frage der Disziplin (in einem positiven Sinne, also nicht blinden [sic][1] Gehorsams [sic], sondern der Fähigkeit, bloßen Neigungen zu widerstehen und in Hinblick auf langfristige Ziele verantwortlich zu handeln). Diese Disziplin widerum will anerzogen werden. Wenn aber Teile der Gesellschaft der Disziplin zuwiderlaufende Anreize bieten, also das Projekt der Erziehung untergraben, so wird eine Sozialisation in Hinblick auf eine verantwortungsbewusste Teilhabe an der Gesellschaft erschwert.
Es ist für Lehrer und Eltern sehr schwer, Schülern zu erklären, dass diese zur Schule zu gehen haben, wenn andere “Autoritäten” bzw. Einflussinstanzen den Schülern gegenteilige Normen suggerieren.
Vielleicht trägt die Praxis, die im Eröffnungsbeitrag angesprochen wurde, einfach mal wieder der Tatsache Rechnung, dass Erziehung nicht nur Sache von Eltern ist, sondern durch die gesammte [sic] Gesellschaft vollzogen wird. Das ist nämlich bei uns ziemlich unüblich (man muss sich nur mal anschauen, wie empört manche Eltern reagieren, wenn mal ein anderer Erwachsener ihr Kind wegen irgendeines Fehlverhaltens ermahnt: “Lassen Sie mein Kind in Ruhe! Wie ich es erziehe, ist allein meine Sache.”).
Insofern schließe ich mich MichaDD und Planoraka in deren positiver Bewertung an.

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  1. Weil ich den Kerl nicht leiden kann, markiere ich — ganz klugscheißerisch — jeden Fehler in seinen Zitaten [zurück]