Archiv für die Kategorie ‘Hochkultur “Trash”’
Faster, Harder, Philosophischer?

Foto: Dave Bullock, eecue.com (cc)
Scooter über ihr neues Album “The Ultimate Aural Orgasm”:
Beim schnellen Durchzappen des neuen Albums bleibt besonders ein Track hängen: “Lass uns tanzen”. Und H.P. verkündet froh: “Das wird sehr wahrscheinlich die nächste Single werden”. Doch der besagte Song könnte zum Radio-Boykott vieler Stationen führen. Denn hinter dem harmlosen Titel verbergen sich prägnante Textzeilen à la “Lass uns tanzen und ficken, denn morgen sind wir tot“. Wer glaubt, hiermit sei die unterste Geschmacksgrenze erreicht, wird von Baxxter eines Besseren belehrt: “Im Grunde ist das ein Text, der fast schon zu philosophisch ist für uns. Die Botschaft ist doch, dass du Spaß haben sollst im Leben.”
(Hervorhebungen von mir)
“How much is the fish?” hielt ich schon für die oberste Grenze aller metaphysischen Lebensessenz. Aber ich lasse mich immer wieder eines Besseren belehren. Hyper Hyper!
20,07 Euro

Der alchemistische Wunschtraum Blei in Gold zu verwandeln, war jahrhundertelang die Triebkraft eines Prinzips, das wir nun in der Postmoderne schlussendlich doch noch erreicht haben: Wir können aus Scheiße Geld machen.
Während die Alchemisten versuchten Elemente zu extrahieren und zu kombinieren, braucht es heutzutage nur Dummheit in Schwarmgröße und etwa das Appellieren an eine verkrüppelte Empfindung von Heimatstolz.
Original Final-Boden des Endspiels der Handball-WM in der Kölnarena
(via)
Die supersten animierten GIFs der Welt
Was sind die Cousins von animierten Bilddateien? Richtig! Frames, mehrere Scrollbalken, 404-Links, .de.vu-Adressen.
Ein Paradebeispiel aus dem Lehrbuch „How to build a crappy website within 10 seconds“ ist die Website von Martina aus Keine-Ahnung-wo-die-wohnt:

Eine wahre Fundgrube, der Abstellraum des Internet 0.5.
Sich in diesen Webkreisen zu bewegen bedeutet: man muss viel ertragen können. Selbstverfasste Tiergedichte (Comic Sans MS, weil es so schön ist) und bei Beepworld gehostete Gästebücher (mittlerweile durch Spam zweckentfremdet) gehören zum Standard, ebenso zweifelhafte „Awards“, die keinen anderen Schluss zulassen als: Es gibt immer eine noch schlechtere Website.

Und ganze GIF-Archive!
Und was soll das hier bitte?
No matter what I do, I do it just for you

Castingshows sind nicht deswegen blöd, weil sie Müll sind. Der Großteil aktueller Fernsehunterhaltung ist das.
Castingshows sind blöd, weil man sich immer mal wieder dann doch verschämt dabei erwischt, sabbertriefend und vakuösen Hirnes “mitzufiebern”, wenn sich ein paar arme Tropfe von minderbemittelten Nord- oder Ostdeutschen dauer-ankacken lassen, weil sie sich zu wenig aufopfern für den Fast-Food-Popkultur-Endsieg, der bloß aus weiterer Selbstaufopferung, Prostitution und andauerndem Kampf gegen die Selbsterkenntnis der eigenen Bedeutungslosigkeit besteht. Mir ging’s zuletzt in der Pizzeria so, dass ich den Blick nicht abwenden konnte. Drei runde Fladen zu belegen, zu backen und einzupacken dauert schon so seine Zeit. Im TV lief RTL, eine Tanzshow. Ein schwuler Schwarzer wird in einem Intro als “Alessandro – Der Schweigsame” o.Ä. charakterisiert. Anschließend hüpft dieser mit überzeichnenden Gesten (die dort wohl verlangt werden) zu irgendwelchen beliebigen Tönen auf einer Turnmatte herum. Nach einer Minute fragt die Moderatorin, blond, Perlweißgrinsen, den Atomlesen Atemlosen, wie’s denn so war. Nichsozufrieden, Publikum spitze, danke an meinen Freund… Der nächste bitte! Pizza fertig.
Weißt Du was? Manchmal schau ich sowas gerne.
Warum sollte man leugnen, dass man das tut, “wenn’s halt grad kommt”? Ein kleiner sensationsgeiler Voyeur steckt doch in uns allen. Man muss die Schwachmaten da ja nicht mögen. Popstars, DSDS und alle Klonformate taugen 2007 genauso wenig, den Niedergang von Kultur und Jugend zu konstatieren wie z.B. Klingeltöne. Es gibt das einfach, ein Unterschichtsphänomen, das Alltagskultur geworden ist, so what? Wesentlich anstrengender als blechernes Rapgedudel oder bleiernes Popgefistel sind die, die sich als Gralshüter des guten Geschmacks aufspielen (während sie in anderen Kontexten Ironie und die topmoderne Koketterie mit Trashkultur zum Stil erheben). Wer sich dessen schämt, Bohlen zu gucken, dem D! beim Quengeln zuzuhören, Leuten beim Rumhampeln und Schlittschuhlaufen zuzusehen – sollte besser schweigen, anstatt in despektierlicher Ironie über andere zu urteilen, die dazu stehen. Was nicht heißen soll, dass dort nicht ausnahmslos Dreck produziert würde. Nur ist es eben unterhaltsamer Dreck, wenn man gerade für Dreck empfänglich ist.
Nebenbei: Das Erzeugnis von Castingshows sind Perversionen der Popmusik. Wenn das dort vermittelte Stilbild aber noch weiter verzerrt wird – so etwa wie wenn man Brei immer und immer wieder püriert – dann kommt so etwas heraus wie das, was Mr. Batz da fand: Ein Kobold mit “Superstar”-Frisurpracht namens Declan Galbraith trällert das Nationalheiligtum “An Angel” von der Kelly Family (Remember Angelo?), stilistisch ein brünftiger Lemming, der zuviel gekokst hat (Man beachte den Gesichtsausdruck!), in Flori Silbereisens neuer Stadlstation “Am laufenden Band”. Sieh selbst, geht das noch schlimmer? Ich habe es mir bis zum Schluß angesehen.
(Bild und Titel dieses Beitrags entstammen dem furchtbaren “Behind the Sun” von Alexander Klaws)
