Archiv für die Kategorie ‘Geistreiches zur Nacht’

TKKG, die Nazis in spe

Sebastian, 9. October 2007

Das Thema Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie hatten wir ja erst vor Kurzem. Wenn man das Thema ein wenig verarbeitet hat, in sich gegangen ist und einige Tränen geflossen sind, weil die Welt so schlecht ist, stellt man sich die Fragen nach den Ursachen vor der Angst vor fremdem. Ich kenne den Grund. Ohne eine komplexe Thematik vereinfachen zu wollen, aber der Grund sind: KINDERHÖRSPIELE! And I can prove it.

hörspiele

Ich will ja nicht angeben, aber meine *hüstel* Sammlung an Kinderhörspielen ist doch recht groß. Die wichtigsten Reihen besitze ich natürlich vollständig, außer Bibi Blocksberg, das ist ja Mädchenkram. Auch von Hui Buh habe ich mich getrennt, zu Hans Clarin kann man einfach nicht einschlafen. Aber meine Reihe umfasst unter anderem das Gesamtwerk der Drei ???, einige der Nachfolgeserie Die Dr3i, Alf, Benjamin Blümchen, Knight Rider und noch so einiges andere. Um diese Serien soll es hier nicht gehen, die Qualität schwankt zwar hier enorm, aber ich klassifiziere sie als unbedenklich. Andererseits: ICH klassifiziere die Serien als unbedenklich, die Bundeszentrale für politische Bildung sieht das nochmal ganz anders.

Kurz: Die “richtigen” politischen Positionen bzw. Verhaltensweisen sind ökologisch, postmaterialistisch, basisdemokratisch, kritisch, zivilcouragiert, pazifistisch, sozial, antikapitalistisch, egalitär, tendenziell anarchisch bzw. antistaatlich, antihierarchisch, antiautoritär und antikonservativ; mit anderen Worten: “links” der politischen Mitte (linksliberal bis linksalternativ).

Abschließende Bewertung

Die Hörspiele von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg verdienen aus politikwissenschaftlicher Sicht keineswegs das Prädikat “wertvoll”

Aber darauf wollte ich garnicht hinaus, diese sinnlose Stillbeschäftigung für verhaltensunauffällige Mitarbeiter der BpB wäre eigentlich mal einen eigenen Artikel wert.
Nein, mir geht es um Verhaltensweisen in Hörspielen, die mir persönlich sauer aufstoßen. Manches befindet sich nämlich durchaus “rechts” der politischen Mitte und verdient das Prädikat Arschtritt.

Da wäre zum einen die Hörspielserie He-Man. Ich möchte voran stellen, dass diese Serie grundsätzlich meine Lieblingsserie ist, da die Geschichten an sich sehr fantasievoll sind, sich eine Linie durch die ganzen 37 Folgen zieht und eine einzelne Story auch mal über mehrere Folgen erzählt wird. he-manAußerdem sind die Sprecherleistungen enorm und es gibt viele fantasievolle Figuren.
Und das ist der Knackpunkt. Die Figur des Adam, also des Normal-Ichs von He-Man, ist sogar sehr fantasievoll. Er trägt eine rosa Hose mit Wollteilchen zu seiner purpurnen Weste, schneidet gerne Rosen im Garten und schreibt dazu Gedichte über Bienen. Mit einem Wort: gay. Was überhaupt kein Problem wäre, jedenfalls nicht für mich. Wohl aber für die anderen Bewohner Eternias, allen vor an Teila Herrmann, äh, Teila at-Arms, der Tochter von *lol* Man-at-Arms. Jede Folge muss sich Adam belehren lassen, warum er nicht auch ein “richtiger Mann” sein kann wie He-Man, der trainiert und Skeletor verkloppt, anstatt sich um den Garten und sein Outfit zu kümmern. Da frage ich mich, warum sich Teila nicht im Gegensatz mal wie eine richtige Frau verhalten kann und ihr Maul hält, wenn sie nicht gefragt wird. Naja, veraltetes Weltbild halt.

Aber so richtig auf den Sack geht mir Tim. Tim heisst eigentlich Peter und nannte sich früher Tarzan, was er aber nicht mehr darf, da irgendwelche Bonzen was dagegen hatten. Eigentlich bekloppt, sich Tim zu nennen, wenn man schon einen langweiligen Namen hat, aber PKKG klingt wohl irgendwie nach einer K-Gruppe. Postkapitalistisch-kommunistische Gruppierung oder so. Und TKKG sind alles, aber sicher nicht links.

Reden wir doch mal über die Bösewichte. Im Gegensatz zu den drei ??? gibt es hier keine Detektivgeschichten, bei denen mal als Hörer miträsteln darf. Nein, hier stehen die Bösewichte von vornherein fest: Es sind die Männer mit der Narbe im Gesicht, die mit der, hoho, großen Geiernase, es sind Zigeuner, es sind die Türken oder zumindest Südländer, es sind die Armen. Hier wird wirklich jedes Klischee erfüllt. Einfach zum Kotzen.

Warum finde ich dann Tim so schrecklich? Nun, Tim ist ein Arschloch, wie er im Buche steht. Er hält sich nicht mit rechtstaatlichen Prinzipien auf, die bösen werden gleich mal verkloppt, ohne Grund. Tim kann das, weil er mit seinen 14 Jahren der stärkste Mensch der Welt ist. Aber man muss nicht mal böses verbrochen haben, um die harte Knute des Chefdetektivs zu spüren. Es reicht schon, ein Landstreicher zu sein. Ich bin jetzt zu faul, die genaue Folge zu recherchieren (ich müsste mich da jetzt durch 140 Folgen quälen), aber in einer Episode war ein Landstreicher, der sich in einer Hütte im Wald niedergelassen hat, Zeuge eines Überfalls. Ohne auch nur abzuwarten gleich die Bedrohung “Rück raus, was hast Du gesehen, sonst gibt es Dresche!”
Oder mein Favourit die Folge, in der sich Klösschen, ein fetter Millionärssohn und Tim, als, haha, Obdachlose verkleiden, weil sie eine Wette abgschlossen haben, wie lange man das durchhält. Offensichtlich halten es die verweichlichten Internatsgören nicht allzu lange aus, denn bei Einbruch der Dunkelheit suchen sie sich eine kleine Laube. Die ist zwar schon von zwei anderen Obdachlosen besetzt, aber die werden dann kurzfristig aus ihrer Wohnung geprügelt.

Es gibt neben dem sehr einsilbigen (“Schokolade mampf mampf”) Klösschen und dem Polohemdkragen-hoch Tim noch den Computernerd Karl, der mal überhaupt nichts zu melden hat in der Serie und die hübsche Gabi, die mit ihrer nervenden Stimme nicht viel mehr zu sagen hat als “Frag mich nicht, ich bin nur ein Mädchen”.

Und dieses asoziale Verhalten zieht sich durch sämtliche Folgen. Und sowas hören unsere Kinder seit über 20 Jahren. Da wundert man sich noch über solche Gestalten wie die Grüne-Pest Spinner? Ich bin kein Kulturpessimist und fange hier auch nicht an, von Killer-Hörspielen zu reden, aber liebe Eltern, wenn ihr euch schon zu schade seid, euren Kindern abends was vorzulesen, achtet wenigstens ein wenig drauf, womit sie einschlafen!

Die braune Pest

Gastautor, 6. October 2007

Warnung: Dieser Text ist lang. Und er wird anonym veröffentlicht, was gute Gründe hat. Aber lies selbst.

[23.1.2008] Achtung: Die anonymisierten Links auf das Grüne Pest-Forum funktionieren nicht mehr, da deren Server umgezogen ist. Was hilft: einfach nach der anonym.to-Weiterleitung in der Adressleiste .de durch .com ersetzen.

Die Kommentare, die hier kürzlich zu einem alten Beitrag aufschlugen, welcher sich mit dem rassistischen Weblog “Politically Incorrect” befasst, waren eigentlich nichts ungewöhnliches.

Wir im Craplog sind es gewöhnt, Zustimmung zu erhalten, aber auch beschimpft zu werden – ob wir uns nun mit streitlustigen Fans von Poppuppen anlegen, die uns Neid auf die von ihnen verehrte göttliche Lebensform vorwerfen oder ob wir halbseidenen Bloggern die Leviten lesen, die sich mit ihrer Inkompetenz nicht abfinden können und daraufhin verbal durchdrehen. Ohne solche Kommentare macht es nicht soviel Spaß.

Und dennoch: Die latente Aggression, die zumindest aus einem davon sprach,

Kommentar im Craplog

ließ mich irritiert zurück. Taliban? “bei uns in der nähe”? Beifall? Hä? Überleg, überleg… Ach so: Der Typ meint, ein Moslem sei zusammengeschlagen worden, aber die Zeitungen berichteten nicht darüber, dass es ein rassistischer Übergriff gewesen sei. Weil: Es hätte sich ja gewissermaßen Pogrom-Atmo gegenüber dem muslimischen Klassenfeind einstellen können. Und “Beobachter” findet schade, dass das nicht geschehen ist. Gähn! Ich kenne das Pack von PI und Co, die kommen immer im Rudel. Ich entschied mich, die Kommentare erst einmal in der Warteschleife zu lassen.

Es sollte aber dicker kommen. Beim obligatorischen Checken der Referrer fiel mir auf, dass eine Adresse dominierte: Die “Grüne Pest” hatte uns verlinkt.

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Gegen den Strom.

pantoffelpunk, 4. October 2007

Schönes Wetter heute.

No matter what I do, I do it just for you

Frank, 22. January 2007

klaws

Castingshows sind nicht deswegen blöd, weil sie Müll sind. Der Großteil aktueller Fernsehunterhaltung ist das.

Castingshows sind blöd, weil man sich immer mal wieder dann doch verschämt dabei erwischt, sabbertriefend und vakuösen Hirnes “mitzufiebern”, wenn sich ein paar arme Tropfe von minderbemittelten Nord- oder Ostdeutschen dauer-ankacken lassen, weil sie sich zu wenig aufopfern für den Fast-Food-Popkultur-Endsieg, der bloß aus weiterer Selbstaufopferung, Prostitution und andauerndem Kampf gegen die Selbsterkenntnis der eigenen Bedeutungslosigkeit besteht. Mir ging’s zuletzt in der Pizzeria so, dass ich den Blick nicht abwenden konnte. Drei runde Fladen zu belegen, zu backen und einzupacken dauert schon so seine Zeit. Im TV lief RTL, eine Tanzshow. Ein schwuler Schwarzer wird in einem Intro als “Alessandro – Der Schweigsame” o.Ä. charakterisiert. Anschließend hüpft dieser mit überzeichnenden Gesten (die dort wohl verlangt werden) zu irgendwelchen beliebigen Tönen auf einer Turnmatte herum. Nach einer Minute fragt die Moderatorin, blond, Perlweißgrinsen, den Atomlesen Atemlosen, wie’s denn so war. Nichsozufrieden, Publikum spitze, danke an meinen Freund… Der nächste bitte! Pizza fertig.

Weißt Du was? Manchmal schau ich sowas gerne.

Warum sollte man leugnen, dass man das tut, “wenn’s halt grad kommt”? Ein kleiner sensationsgeiler Voyeur steckt doch in uns allen. Man muss die Schwachmaten da ja nicht mögen. Popstars, DSDS und alle Klonformate taugen 2007 genauso wenig, den Niedergang von Kultur und Jugend zu konstatieren wie z.B. Klingeltöne. Es gibt das einfach, ein Unterschichtsphänomen, das Alltagskultur geworden ist, so what? Wesentlich anstrengender als blechernes Rapgedudel oder bleiernes Popgefistel sind die, die sich als Gralshüter des guten Geschmacks aufspielen (während sie in anderen Kontexten Ironie und die topmoderne Koketterie mit Trashkultur zum Stil erheben). Wer sich dessen schämt, Bohlen zu gucken, dem D! beim Quengeln zuzuhören, Leuten beim Rumhampeln und Schlittschuhlaufen zuzusehen – sollte besser schweigen, anstatt in despektierlicher Ironie über andere zu urteilen, die dazu stehen. Was nicht heißen soll, dass dort nicht ausnahmslos Dreck produziert würde. Nur ist es eben unterhaltsamer Dreck, wenn man gerade für Dreck empfänglich ist.

Nebenbei: Das Erzeugnis von Castingshows sind Perversionen der Popmusik. Wenn das dort vermittelte Stilbild aber noch weiter verzerrt wird – so etwa wie wenn man Brei immer und immer wieder püriert – dann kommt so etwas heraus wie das, was Mr. Batz da fand: Ein Kobold mit “Superstar”-Frisurpracht namens Declan Galbraith trällert das Nationalheiligtum “An Angel” von der Kelly Family (Remember Angelo?), stilistisch ein brünftiger Lemming, der zuviel gekokst hat (Man beachte den Gesichtsausdruck!), in Flori Silbereisens neuer Stadlstation “Am laufenden Band”. Sieh selbst, geht das noch schlimmer? Ich habe es mir bis zum Schluß angesehen.

(Bild und Titel dieses Beitrags entstammen dem furchtbaren “Behind the Sun” von Alexander Klaws)

Betrifft: Tokio Hotel

Frank, 25. December 2006

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Quelle: http://www.zeit.de/online/2006/45/bildergalerie-tokiohotel?9

Wen die Dame in der Mitte wohl anbetet? Ganz klar: den Toooooooom!