Archiv für die Kategorie ‘Gääääähn!’

Maske 140

Frank, 13. February 2007

Schade dass man dieses Zitat aus dem Radio vorhin nirgendwo im Internet niedergeschrieben findet, aber dafür sind wir ja da. Der Trainer des demnächst back-come-nden Legendenboxers Henry Maske nämlich stellte anlässlich einer heute stattgefundenen Zustandsdemonstration fest, dass sein Schützling aktuell bereits ein Leistungsniveau von 110 Prozent aufweise. Dieses werde sich allerdings bis zum Kampftag noch durch intensives Sparring und allerlei Seilchenhüpfen (machen Boxer ja immer) auf 140 Prozent erhöhen!

Nun weiss man auch als jemand, der dem Bohei um diese unverständlicherweise als Sport anerkannte, institutionalisierte Prügelei nichts abgewinnen kann, dass das ganz schön viel ist. Einhundertvierzig, ach Du grüne Neune, das sind ja noch mehr als einhundertzehn Prozent und damit nicht nur mehr als alles, sondern mehr als mehr als alles. Oh Freude über die Allgemeinplätze aus Kehlen im Umfeld Sport! Es bleibt mir nur, wie stets, unaufrichtiges Staunen, ebenso wie Hoffen. Hoffen, dass Maskes Gegner Virgil Hill nicht imstand ist und 150 Prozent “aus sich herausholt”.

Rocken

Frank, 12. February 2007

buffywillow

Dieser bizarre Dialog unter einem Flickr-Foto erinnert mich an eine Szene bei Buffy.

Die Story: Irgendein böser Vampir hat Schokoriegel hergestellt. Verspeist ein “Erwachsener” einen solchen, verwandelt er sich geistig in einen pubertierenden Halbstarken. Eine Bande von denen hat nun die Sunnydale High School geentert und als anarchischen Akt riesengroß “KISS ROCKS!” an die Wand gepinselt. Willow so zu Buffy:

“Warum sollte irgendjemand Steine küssen wollen?”

Was ich damit sagen will: Die Bezeichnung etwas bzw. jemand “rocke” ist in meinen Augen und – viel mehr – Ohren nicht mehr zeitgemäß. Eher angestaubter Teil einer sich im Kollektiv als unangepasst und wortwörtlich unabhängig verstanden wissen wollenden Jugendkultur, die sich vor Jahren selbst ad absurdum geführt hat. Denn heutzutage “rockt” ja alles. Ich war noch nie auf einer Großraum-LAN-Party, kann mir aber vorstellen, dass man das da an jeder Ecke hört.

[Dieser Beitrag ist recyclet. Er passte gut und wir haben ich habe gerade eh einen kollektiven individuellen Gedankenstau.]

Die kommerzielle Okkupation des öffentlichen Raumes ist auch nicht mehr das, was sie mal war (Teil 3)

Frank, 4. February 2007

sms

Dieses Bild enthält zwei Fehler. Wer findet sie?

Rolltreppen

Frank, 20. December 2006

Meistens geht die unmotorisierte Treppe schneller. ‘S liegt in der Natur der Sache: In touristischen Einzugsgebieten offenbart sich häufig die Inkompatibilität des Touristen-an-sich mit dem urbanen Leben eindrucksvoll, indem auf einer Rolltreppe gestanden wird.


Argh: Menschen auf einer Rolltreppe
[Foto: herrtobe (cc)]

Im gleißenden Licht der Lebens-, aber auch der Rolltreppenmitte in das Obergeschoss S-Bahnsteig am Alexanderplatz fährt er oder sie aufwärts, bepackt mit La Fayette- und KaDeWe-Tüten und scheint es zu genießen, das die Sonne in prachtvoller Langsamkeit immer mehr Partien seines Oberkörpers erhellt und Fragen nach der Relativität von Bewegung ihren/seinen Geist stroboskopartig durchzucken, während ich innerlich, wenige Zentimeter hinter bewusster Person, Go fuck yourself fluche.

Artig darum bittend, vorbei gelassen zu werden, ist mir schon im Ansatz klar, dass es zwecklos ist. Dass die blockierende Person sich erst einmal umdrehen wird und mir mit latent dümmlichem, fragendem Blick etwas Irrelevantes mitteilen will, dass entweder Shoppingabsicht, Herkunft oder “Müsst ihr Städter immer so hektisch sein?” sein könnte, ehe sie mich vorbeilässt, ich aber sowieso keine Chance habe die Bahn zu erwischen, die mich als letzte hätte pünktlich zum Uniseminar befördern können, weil in dem Moment in dem ich den Bahnsteig erreiche – die Tür schließt.

Diese Situation ist weder Einzelfall, noch gibt es für sie keine Steigerungen: Schlimm wird’s bei Paaren, die halten Händchen. Oder Schulklassen, die blöken, blockieren und riechen schlecht.

Links gehen, rechts stehen ist eine alte Weisheit, die uns Marie von Ebner-Eschenbach oder irgendjemand anders hinterließ. Eine Regel, die zwar schlecht ist für die Rolltreppe wegen der ungleichmäßigen Gewichtsbelastung des Geräts, gut hingegen für das Nervenkostum der Mitmenschen, vor allem der “Ureinwohner”. Wegen der viel beschworenen Eigenverantwortung aber, wie gesagt, sollte man – wenn in Eile – am besten gleich die “normale” Treppe nehmen. Wenn es denn eine gibt! Die nagenden Fragen jedoch verbleiben unverzagt: Könnt ihr euch nicht vorstellen, dass es in Berlin Menschen gibt, die keinen Urlaub machen, die Ziele im wörtlichen Sinn haben? Ja, gibt’s denn nicht wenigstens ein paar Rolltreppen als Anschauungs- und Lernobjekt bei euch? Oder anders: Hat Baden-Würtemberg keine Einkaufszentren?

Krampflachen

.markus, 27. November 2006

Er ist der wohl begnadetste Komiker aller Zeiten. Die Pointen seiner Gags sind subtil und treffen voll ins Schwarze. Das Programm mit dem er quer durch Deutschland tourt, ist ein Feuerwerk an genialen Wortspielen, es sprüht nur so von Witz, es überschlagen sich die gelungenen Seitenhiebe auf bisher unbekannte Abgründe der Beziehung zwischen Mann und Frau.

Und wenn er erst mal auf der Bühne steht, merkt man, dass es außer ihm keinen zweiten geben kann. Er ist der geborene – was sag ich – der berufene Entertainer. Von seiner Gestik, seinem Sinn für Dramaturgie und seiner Bühnenpräsenz, könnte sich jeder Komödiant vom Schwäbischen Meer bis zur Nordsee eine gewaltige Scheibe abschneiden.

Es soll ja Komiker geben, die einen Holzhammer-Humor praktizieren, ich nenne dies das “Haha-Vorlachen”, eine Art von Humor, den man bei Gemeinderatsversammlungen und Firmenbesprechungen antrifft, damit die Untergebenen wissen, an welcher Stelle sie gefälligst laut prustend zu lachen haben. Dieser Humor wirkt vor allem in einer Atmosphäre, in der die Leute von 2-3 Bier schon ein bisschen betüdelt sind und die stickige Luft für Sauerstoffmangel auf der Großhirnrinde sorgt. Es ist die selbe Atmosphäre, die Leute kollektiv im Takt klatschen lässt, sobald eine Musik im Vierviertel-Takt einsetzt.

Nicht so dieser Komiker. Die Gags zünden auf großartige und hinterhältige Weise und eh sichs der Zuschauer versieht, rollt er kugelnd, kringelnd und lachend über den Boden. Eine Show dieses Entertainers ist für die Bauchmuskeln so gut, dass sie 150 Sit-Ups im Fitnesscenter ersetzt.

Komiker sind heute viele. Er hat aber auch noch ein Buch geschrieben, das man mit Fug und Recht als die Bibel der Komik bezeichnen kann, aber ich habe es nie geschafft es ganz durchgelesen, weil man mit Tränen in den Augen (vor Lachen natürlich!) schlecht lesen kann. Es ist wohl das beste humoristische Machwerk seit dem “Buch der Komödie” von Aristoteles, das aber leider verschollen ist.

Ach?

Von welchem Komiker ich spreche?

Ich spreche nicht von Mario Barth.

Bestimmt nicht. In keinster Weise. Im Gegenteil. Er ist für mich langweiliger, als es das ‘Warten auf Godot‘ der beiden Landstreicher Wladimir und Estragon sein muss, oder eine Echtzeitinszenierung des Archaikums.