Archiv für die Kategorie ‘Gääääähn!’

Wer zu brauchen Spott, kein Sorgeschäd hat

Frank, 2. März 2008

Geschäftige Betreiber der Website “germanypop”!

germanypop

Es gibt ein paar Fehler, die man nicht begehen sollte, wenn man, wie man so schön sagt, startupt. Zum Beispiel:

  • Versuchen, eine hinlänglich bekannte Geschäftsidee, hier: Social Bookmarking a la Digg, in der 728sten Version auf den Markt bringen. Ohne irgendeinein auch nur im Ansatz erkennbares Alleinstellungsmerkmal.
  • In Blogs Kommentare ohne Bezug zum eigentlichen Thema, aber mit der URL zu eurer tollen Seite posten, welche selbst ein Blinder am Krückstock als werblichen Kommentar / Maßnahme zum “Suchmaschinenmarketing”, oder schlicht Spam, identifiziert.
  • Einen solchen Müllkommentar gleich mehrmals in identischer Form einzureichen.
  • In dieser Pseudo-Pressemitteilung auch noch ein skurriles Verständnis der deutschen Sprache an den Tag legen.
    Jake
  • Anhand der Kommentar-IP-Adresse problemfrei als in Malaysia beheimatet zu erkennen sein. Was prinzipiell kein Problem wäre, wenn ihr da nicht ein deutschsprachiges Portal aufziehen wolltet.
  • Als Seitentitel ausgerechnet ein absolut ausgelutschtes Wort wie
    pop
    wählen und weiterhin behaupten, dass es sich dabei um eine eingetragene Marke handele.
  • Als Seiten-Untertitel orthographisch strange, jedoch größenwahnsinnig oszillierend
    popularitat
    zu wählen.
  • Trotz illustrer Themenkategorien wie “News”, “Wissenschaft & Tech” sowie “Gerüchte & Schwätzt” (!) erst für einen einzigen “Social Bookmark” gesorgt haben,
  • bei dem es sich zudem lediglich um ein überhaupt nicht lustiges YouTube-Video namens “Lustige Affen” handelt, eingereicht von einem User namens “langweilen”. Einem Ausschnitt aus einer amerikanischen Version dieser unsäglichen “Pleiten, Pech und Ausgerutscht”-Sendungen, welcher im ersten, übrigens auch überhaupt nicht lustigen, Audiokommentar ausgerechnet ein Sprüchlein über “failed dotcoms” absondert.

Nee, um ehrlich zu sein regt mich das nicht auf. Ich find’ das höchstens niedlich. Immerhin — und das zeichnet euch aus, ist ja keine Selbstverständlichkeit usw. usf. — seid ihr ein Web 2.0-Unternehmen, welches sich (in der Fußzeile) dazu bekennt, dass die ausgestellten Inhalte nutzergeneriert sind.

Dies ist Benutzer-generierte Inhalte, wie sie lizenziert unter der Quelle, oder kann Public Domain-Inhalten.

Die Mannschaft der Craplog Wünsche von germanypop alles zur Mannschaft erdenklich Eigenschaft und zu vielem Erfolg.

Linkliebe

.markus, 14. August 2007

Die Erbärmlichkeiten der Inhaltlosen, die verzweifelt Buchstaben zwischen Leerzeichen pressen, zogen kaum beachtet an mir vorbei, hier unkommentiert. Anderenorts widmete man ihnen ein paar noch viel zu nette Zeilen, aber da trete ich jetzt gerne nach.
Wie armselig sind die Spammer, die mit eingeklemmten Schwanz zwischen Google und Technorati hin und her winseln, die billigste Anbiederungsversuche freudig jaulend begrüßen und die sich im Schlamm der Schlacht um Klickzahlen suhlen.

Lust auf ein kleines Blog-Spielchen zur Sommerzeit? Bock auf mehr Backlinks und höhere Autorität bei Technorati?

So klingt es, wenn die Webpopkultur mit den Begrifflichkeiten des RTL-ruf-an-und-gewinne-Niveaus vögelt. Wenn es wenigstens um Spaß und Unterhaltung (wie bei “Stöckchen” (manchmal)) gehen würde, aber nein, hier entlarven sich die Protagonisten der Linkspiele selbst. Es geht um die Anerkennung der Anerkennung willen, um eine Profilierungssucht, die nur den Wunsch des Erfolges kennt, ohne jegliche Hintergrundlage. Der Künstler, der Klinken putzt, darf nicht verdammt werden – der Schreier, der Inhaltslosigkeit mit dem Gerede über Inhalt verbirgt, muss.

Während sie mit vollautomatischen Feuerwaffen Jagd auf Schwärme machen, schießt “SEO & SEM & skuub” den allergrößten Vogel ab. Linkliebe nennt sich das. Und wieder kommt dieses Gefühl hoch, das sich nicht entscheiden kann ob es Lachen oder Weinen soll, beim Anblick dieser grausigen Wortkombination. Linkliebe – Ich pop(p) mit meinem Blog. Kinderherrgottherrschaftszeiten, wo ist die Liebe bei euch eigentlich hingegangen?

…denn das Rudel tollt, wenn der Rubel rollt!

.markus, 4. Juli 2007

Da man bei diesem Thema, die einzelnen Bäume – gegen die man pinkeln könnte – vor lauter Wald nicht mehr sehen kann, kommt hier nun die ungeschminkte Abrechnung mit der ganzen Sparte von Schmalspurtagebuchschreibern, den SEO-Jüngern, den Backlink-Checkern, Blogcharts-Geilen und den Google-Fischern, ja ja ganz genau, endlich!
Jedes Blog ist ein Unikat, weil jeder Blogger ein Individuum ist, sage ich gerne mal (jedenfalls im übertragenen Sinn) und will damit meinen, wie schwachsinnig eine Kategorisierung ist, mit der man sich als Gemeinschaft, als Blogosphäre ansieht.

Ich lag ja sowas von falsch.

Diese Blogosphäre gibt es und sie bezeichnet sich selbst auch völlig ironiefrei so. Hier werden die Mücken von A-Bloggern zu Elefanten aufgeblasen, hier wird Keyword-optimiert geschrieben und hier findet man die Gründe, warum sich Blogs nie als wirklich bedeutsames Medium etablieren konnten. Es sind die seichten Gewässer, in denen die Wellen Schaum schlagen und die gähnenden Abgründe der Langweile.
Es sind die Blogs, die für Traffic geschrieben und die auf Traffic optimiert werden. Die Blogger die sich fragen “Wie mache ich mein Blog bekannt”, bevor sie sich der weitaus wichtigeren Frage gestellt haben: “Warum sollte ich denn mein Blog überhaupt bekannt machen?”
Jeder kleine Furz, der ein paar Klickzahlen verspricht, wird getrackbackt und kommentiert. Jede Diskussion, von der man sich ein paar Besucher erhofft, wird durch sie verwässert. Man macht “Link-Love”-Spielchen und regt sich dann erbärmlicherweise darüber auf, wenn der Betreiber von deutscheblogcharts.de sie nicht in die Statistik einfließen lässt. Man geilt sich an dem Traffic auf, den man durch die Google-Zensur eines bekannten Pornovideoportals bekommt, man freut sich über jeden Suchmaschinen-Versager, der sich auf die Seite verirrt und dann auf eines der zahllosen Werbebanner klickt.
Derbes Unwohlsein entwickelt sich bei mir in der Magengrube, wenn ich wieder einmal über diese Ansammlung von Schwachsinn, tausend Mal nachgeplapperten Standardmeinungen und über diese trafficgeile Keywordschreibe stolpere.

“Yigg mich” schreit es einem aus zwischen der Werbung platzierten Beiträgen. “Klick mich”, blinkt es überall. “Linkst du mich, linke ich dich”, hört man überall. “Links sind die Währung der Blogosphäre “, sagen die gerne und schielen auf Technorati.

Es bereitete mir ehrlich gesagt Mühe diesen Artikel in der CrapLogschen Form zu schreiben, denn eigentlich ist das alles nur eins – traurig und überflüssig.

Wenn Autodestruktion Lifestyle wird

Frank, 28. April 2007

Kommt doch da neulich ein ernst gemeinter Beitrag im InfoRadio darüber, dass die +neu+neu+neu+ Generation iPod in so etwa 25 Jahren tutto an Hörschäden leiden wird, weil die stete Verfügbarkeit und Mobilität von Musik zum zu lauten Hören einlade. Der Hörsturz und sein Lebensabschnittsgefährte, der Tinnitus, stünden heute schon in der Biographie vieler Menschen so fest, als seien sie in Stein gemeißelt. Untermalt wurde der Beitrag von einem beschwörend-besorgten Sprecher, der die obligatorischen Vergleiche mit Rasenmähern und landenden Flugzeugen anbrachte.

Ja sicher, Leute. Selbst mit meinem lebenszeitlich arg begrenzten Erfahrungsschatz weiß ich, dass jenes Genöle bis ins Detail identisch ist mit dem über die Techno-Fans in den Neunzjern. Die Walkmen machten ebenso schon die jungen Leute zu Tauben tauben. Und Manowar – die lauteste Band der Welt – hat schon etliche Existenzen zerstört! Wer da mal auf einem Konzert war, hat später keine Chancen mehr auf dem Arbeitsmarkt. Ganz schlimm: The Who! Die haben ja alle keine Trommelfelle mehr und musizieren quasi auf’s Geratewohl. Da bluten die Ohren der versammelten Konzertbesucher so doll, dass man hinterher den Boden nicht mehr erkennen kann. Der Beat und der Jazz[1] zudem korrumpierten seinerzeit als Dreingabe noch moralisch. Von Beethoven wollen wir gar nicht erst anfangen. Der Tatbestand zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte: Noch nie hat ein erwachsener Mensch je etwas gehört!!!1

Ein Teufelszeug, diese EiPötte. Wusste ich schon immer. Pfui.

Symbolfoto: *ejk* (cc)

  1. bitte so aussprechen: der Bieht und der Jatz [zurück]

Maske 140

Frank, 13. Februar 2007

Schade dass man dieses Zitat aus dem Radio vorhin nirgendwo im Internet niedergeschrieben findet, aber dafür sind wir ja da. Der Trainer des demnächst back-come-nden Legendenboxers Henry Maske nämlich stellte anlässlich einer heute stattgefundenen Zustandsdemonstration fest, dass sein Schützling aktuell bereits ein Leistungsniveau von 110 Prozent aufweise. Dieses werde sich allerdings bis zum Kampftag noch durch intensives Sparring und allerlei Seilchenhüpfen (machen Boxer ja immer) auf 140 Prozent erhöhen!

Nun weiss man auch als jemand, der dem Bohei um diese unverständlicherweise als Sport anerkannte, institutionalisierte Prügelei nichts abgewinnen kann, dass das ganz schön viel ist. Einhundertvierzig, ach Du grüne Neune, das sind ja noch mehr als einhundertzehn Prozent und damit nicht nur mehr als alles, sondern mehr als mehr als alles. Oh Freude über die Allgemeinplätze aus Kehlen im Umfeld Sport! Es bleibt mir nur, wie stets, unaufrichtiges Staunen, ebenso wie Hoffen. Hoffen, dass Maskes Gegner Virgil Hill nicht imstand ist und 150 Prozent “aus sich herausholt”.

Rocken

Frank, 12. Februar 2007

buffywillow

Dieser bizarre Dialog unter einem Flickr-Foto erinnert mich an eine Szene bei Buffy.

Die Story: Irgendein böser Vampir hat Schokoriegel hergestellt. Verspeist ein “Erwachsener” einen solchen, verwandelt er sich geistig in einen pubertierenden Halbstarken. Eine Bande von denen hat nun die Sunnydale High School geentert und als anarchischen Akt riesengroß “KISS ROCKS!” an die Wand gepinselt. Willow so zu Buffy:

“Warum sollte irgendjemand Steine küssen wollen?”

Was ich damit sagen will: Die Bezeichnung etwas bzw. jemand “rocke” ist in meinen Augen und – viel mehr – Ohren nicht mehr zeitgemäß. Eher angestaubter Teil einer sich im Kollektiv als unangepasst und wortwörtlich unabhängig verstanden wissen wollenden Jugendkultur, die sich vor Jahren selbst ad absurdum geführt hat. Denn heutzutage “rockt” ja alles. Ich war noch nie auf einer Großraum-LAN-Party, kann mir aber vorstellen, dass man das da an jeder Ecke hört.

[Dieser Beitrag ist recyclet. Er passte gut und wir haben ich habe gerade eh einen kollektiven individuellen Gedankenstau.]

Die kommerzielle Okkupation des öffentlichen Raumes ist auch nicht mehr das, was sie mal war (Teil 3)

Frank, 4. Februar 2007

sms

Dieses Bild enthält zwei Fehler. Wer findet sie?

Rolltreppen

Frank, 20. Dezember 2006

Meistens geht die unmotorisierte Treppe schneller. ‘S liegt in der Natur der Sache: In touristischen Einzugsgebieten offenbart sich häufig die Inkompatibilität des Touristen-an-sich mit dem urbanen Leben eindrucksvoll, indem auf einer Rolltreppe gestanden wird.


Argh: Menschen auf einer Rolltreppe
[Foto: herrtobe (cc)]

Im gleißenden Licht der Lebens-, aber auch der Rolltreppenmitte in das Obergeschoss S-Bahnsteig am Alexanderplatz fährt er oder sie aufwärts, bepackt mit La Fayette- und KaDeWe-Tüten und scheint es zu genießen, das die Sonne in prachtvoller Langsamkeit immer mehr Partien seines Oberkörpers erhellt und Fragen nach der Relativität von Bewegung ihren/seinen Geist stroboskopartig durchzucken, während ich innerlich, wenige Zentimeter hinter bewusster Person, Go fuck yourself fluche.

Artig darum bittend, vorbei gelassen zu werden, ist mir schon im Ansatz klar, dass es zwecklos ist. Dass die blockierende Person sich erst einmal umdrehen wird und mir mit latent dümmlichem, fragendem Blick etwas Irrelevantes mitteilen will, dass entweder Shoppingabsicht, Herkunft oder “Müsst ihr Städter immer so hektisch sein?” sein könnte, ehe sie mich vorbeilässt, ich aber sowieso keine Chance habe die Bahn zu erwischen, die mich als letzte hätte pünktlich zum Uniseminar befördern können, weil in dem Moment in dem ich den Bahnsteig erreiche – die Tür schließt.

Diese Situation ist weder Einzelfall, noch gibt es für sie keine Steigerungen: Schlimm wird’s bei Paaren, die halten Händchen. Oder Schulklassen, die blöken, blockieren und riechen schlecht.

Links gehen, rechts stehen ist eine alte Weisheit, die uns Marie von Ebner-Eschenbach oder irgendjemand anders hinterließ. Eine Regel, die zwar schlecht ist für die Rolltreppe wegen der ungleichmäßigen Gewichtsbelastung des Geräts, gut hingegen für das Nervenkostum der Mitmenschen, vor allem der “Ureinwohner”. Wegen der viel beschworenen Eigenverantwortung aber, wie gesagt, sollte man – wenn in Eile – am besten gleich die “normale” Treppe nehmen. Wenn es denn eine gibt! Die nagenden Fragen jedoch verbleiben unverzagt: Könnt ihr euch nicht vorstellen, dass es in Berlin Menschen gibt, die keinen Urlaub machen, die Ziele im wörtlichen Sinn haben? Ja, gibt’s denn nicht wenigstens ein paar Rolltreppen als Anschauungs- und Lernobjekt bei euch? Oder anders: Hat Baden-Würtemberg keine Einkaufszentren?