Archiv für die Kategorie ‘Fremdschämen’

Kuschelrock

Frank, 19. Januar 2009

Leise weht der Sommerwind um die Palmen Floridas und trägt uns eine Melodie ans Ohr, die von Herzeleid und Hoffnung, von Sehnsucht und Vergessenwollen, von Qual und Erlösung kündet. Vergesst Rick Astley, dieser Song ist noch intensiver: Mark Gormley mit seinem Hit “Without You”.


YouTube direkt: Normal | HiQ | Download

Die 8 Songs umfassende CD kann im UZ General Store gekauft werden. [via]

Kerner!

Cuba Libre Jr., 14. November 2008

Dass Du dein Handwerk unter anderem in den Untiefen der menschenverachtenden Sat.1-Talkshow-Szene gelernt hast, ist allgemein bekannt. Ebenso die Tatsache, dass Dir nach einem Amoklauf an einer Schule nichts besseres einfällt, als einen 11-jährigen Augenzeugen wiederholt zu fragen, wie genau er die Situation erlebt hat, bzw. mit einem 14-jährigen Vergewaltigungsopfer selbiges zu tun: geschenkt.

Auch dein Duckmäusertum, die absolute Unfähigkeit, Stellung zu beziehen und gleichzeitig doch deine Agenda (bzw. die Unternehmen, für die Du wirbst) anzubringen, sind nichts neues. Ebenso hast Du es Dir in der Bohlen-Bild-Business-Clique bequem gemacht, was okay wäre, würdet ihr euch nicht immer und immer wieder anmaßen, die Gesellschaft, in der wir leben, zu prägen und zu repräsentieren.

Man weiss also ungefähr, was man von Dir zu halten hat. Warum kriege ich dann trotzdem Wutausschlag (häh?), wenn ich Sätze höre wie gestern folgenden:

*jammerjammerjammer über Erbschaftssteuer, in Österreich gibt’s das nicht, (“ich bin Fan von Österreich”)* Ich will ja nicht jammern, aber ich mach das ja auch für meine Zuschauer!

Und warum hat dein Publikum, das nicht weiss, dass es von der Erbschaftssteuer höchstwahrscheinlich nicht einmal betroffen ist und garnicht merkt, dass es grade von Dir missbraucht wurde, um deine Abscheu vor dem Sozialstaat zeigen zu können, ohne sie zeigen zu müssen, eigentlich nichts besseres zu tun als gehorsam zu applaudieren? Warum?

Die Windmühlen des Marco K

Frank, 22. August 2008

Marco K ist ein junger Schreiberling, der für die Freiheit einsteht. Und er nimmt sich Freiheiten, konsequent. Etwa jene, bei “eigentümlich frei” ganz im Gegensatz zu den verhassten Latte Macchiato süffelnden “Luxussozialisten” Kinderarbeit zu verteidigen und in der rechtskonservativen “Blauen Narzisse” die Brothers Keepers als “schwarze Hassprediger” zu bezeichnen. Auch in seinen sonstigen Absonderungen verdeutlicht der junge Mann, dass dort wo sich unbeschwerter Nationalismus und ökonomistischer Marktfetisch in zärtlicher Umarmung vereinen, der gemeine Kotzbrocken seine Heimstatt hat, einem Ort, wo auch linkspolitische, Staats- und Überfremdungsparanoia an den Wänden wuchern wie prächtig gepflegte Schimmelpilzkulturen.

Sein eigenes Blog nennt K programmatisch opponent.de. K opponiert zum Beispiel gegen den fiesen Mindestlohn. Denn der ist interventionistisch, genau wie grundsätzlich alle fixierten Standards der Menschenwürde. Weil man den Lesern seines Blogs ja mal etwas zum Lachen, was Witziges, Bissiges an die Hand geben will, verzog er sich jüngst in den Keller und kam kurz darauf mit folgender Collage wieder heraus:

Humor wie '33: Hitler und der Mindestlohn

Ich schlapp mich lach. Hitler! Förrr den Mindestlohn! Auf einer Seite des Deutschen Gewerkschaftsbunds! Prust. Na klar, denn im Nationalsozialismus steckt ja auch der Sozialismus drin, gell? Zum Niederknien (und Fußbodenpizza backen).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bekam das spitz und fand’s nicht komisch. So erhielt K gestern einen Brief mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrter Herr K,

hiermit fordern wir Sie auf, den auf Ihrer Internetseite www.opponent.de eingestellten, der im Wesentlichen Inhalte unserer Internetseite www.mindestlohn.de sowie das DGB-Logo zeigt, umgehend von ihrer Internetseite zu nehmen. Sollte dies nicht bis

Freitag, den 22. August 2008, 10.00 Uhr vormittags

geschehen, behalten wir uns ausdrücklich alle in Betracht kommenden strafrechtlichen wie zivilrechtlichen Schritte gegen Sie vor. Wir weisen Sie insbesondere darauf hin, dass Sie keine Erlaubnis haben, das DGB-Logo zu verwenden.

Mit freundlichem Gruß

Reinhard D

Klar ist es etwas harsch, auf einen popeligen Blogger und seine solcherlei geradezu Mitleid erregende Versuche, lustig zu sein, zu reagieren. Aber es ist ihr gutes Recht. Zumal der DGB rechtsmittelmäßig sicher adäquat ausstaffiert ist und auch gleich eine Abmahnung hätte verschicken können. Und dass das kostet, weiß man ja seit den diversen “Brötchengates”, die die deutsche Bloglandschaft erschütterten.

Oh tempora, oh mores! Der stalinofaschistische DGB droht uns Monokulti-Heten mit Staatsgewalt plärrt es da aus dem Opponentenblog. Um Solidarität heischend erklärt K:

Ich akzeptiere die Drohung mit Initiierung staatlicher Gewalt gegen mich durch den DGB-Bundesvorstand nicht und werde der Aufforderung aus ethischen Gründen nicht nachkommen. (…bla…)

Darüber hinaus empfinde ich die Drohung durch den DGB nicht nur als Beweis für die Humorlosigkeit der Gewerkschaftsbürokraten, was schließlich noch zu verschmerzen wäre, sondern als offenen Angriff auf die unantastbaren Freiheiten des Individuums, welche die Grundlage für eine friedliche und freie Gesellschaft bilden, im Unterschied zu einem menschenverachtenden, freiheitsfeindlichen Regime wie etwa der DDR, das durch die deutsche Gewerkschaftsbewegung maßgeblich gestützt wurde. (…bla…)

Gewerkschaftsvertreter haben heute einmal mehr ihre Maske fallen gelassen, hinter der sich die hässliche Fratze der Menschen- und Freiheitsfeindlichkeit verbirgt. Die Drohung gegen mich wird nicht dazu führen, dass ich mich dem Willen des DGB beuge. Vielmehr sehe ich es ab sofort als primär an, Widerstand gegen (staatlich protegierte) Gewerkschaften auf allen Ebenen zu leisten und zu unterstützen.

Ich möchte alle Menschen, insbesondere alle Blogger, dazu aufrufen, dem Abmahnwahn hierzulande, dem Drohen mit staatlicher Gewalt, den Einschüchterungsversuchen staatlicher, halbstaatlicher und privater Akteure nicht schweigend zu begegnen, sondern aktiv Widerstand zu leisten. Freiheit ist ein zerbrechliches Gut, das jeden Tag wieder erkämpft und bewahrt werden muss. Einmal verloren, ist die Freiheit nur unter größten Opfern zurückzuerlangen. Gehen wir den Weg in die Tyrannei, den dieses Land schon all zu lange beschritten hat, nicht weiter!

K spielt sich also auf als Vertreter von Meinungsfreiheit, Kämpfer gegen Zensur und Staat, hier verkörpert in Gewerkschaft und Justiz. Nun ja, jedem seinen eigenen Größenwahn. Lieber Marco, darf ich fragen, ob du dich, wenn du bei der Steuererklärung schummelst, wie William Wallace fühlst, beim Schwarzfahren wie Che Guevara, beim besoffenen Autofahren wie Mahatma Gandhi?

Von mir, lieber Marco, gibt’s keine Solidarität, allerhöchstens etwas Mitleid. Denn es hat schon etwas Don Quixote-artiges, sich selbst und das eigene verkackte Weltbild so aufzublähen, dass man meint aus einer nicht lustigen, nein – wirklich einfach nicht lustigen, grafischen Nazi-Gleichsetzung eine Verteidigung angeblich liberaler Werte zu konstruieren. Vorzugeben, dass eine solch erbärmliche Albernheit Satire sei, anderen vorzuwerfen, sie seien humorlos, wenn sie den Humor darin nicht entdecken.

Anderswo kommt man in der Besprechung des Falles gleich mit Arbeiterdichtern:

Kurt Tucholsky (1890-1935) war ein linker Intelletikueller, trat für die Arbeiterbewegung ein und seine Werke wurden wie viele andere auch im Mai 1933 von wildgewordenen Nationalsozialistischen Studenten verbrannt.

Der Schriftsteller, Journalist und Gesellschaftskritiker ist bis heute eine viel- und gernzitierte Persönlichkeit. Eines seiner bekanntesten Zitate lautet

“Was darf Satire? Alles.”

Kurt Tucholsky hatte durchaus recht. Aber wenn so etwas wie obiges Werk schon die Schöpfungshöhe von Satire erreicht, dann bin ich dafür den Begriff gleich ganz zu entgrenzen. Dann wäre ich dafür — und das meine ich hier nur metaphorisch — auch einen Tritt in die Fresse als Satire zu liberalisieren. Lustig wär’s zumindest.

[via gulli]

Big Mac Apple

Frank, 7. August 2008

Die Firma Apple stellt, zumeist wohl solide Produkte mit einem Hauch postmoderner Noblesse her. Dank einer PR, die jeder weltanschaulichen Bewegung zur Ehre gereichen würde, schafft die Firma es, mit Hilfe ihrer sich viel zu oft willenlos dem untereinander befeuerten Konsumzwang ergebenden Kundschaft, Hardware mit ein wenig Klavierlackbespritzung zum doppelten Preis wie handelsübliche PCs zu verticken. Aber dafür bekommt der Konsumzombie Mac-Besitzer ja auch etwas geboten: Einen Hauch von Individualität! Wie etwa die vier Studenten, von denen mir ein Freund erzählte, die in der Mensa stoisch in einer Reihe sitzend je auf ihrem eigenen MacBook-Bildschirm das StudiVZ anglotzten. Herausstechende Persönlichkeiten, die Guten, zweifelsohne. Es sah angeblich nur ein wenig lächerlich aus.

iPhone App, die nichts machtEs mag angesichts des Mehr an Lifestyle, für den Apples Käufer bestens löhnen, wenig erschüttern, sondern eher konsequent scheinen, dass im neuen Anwendungsladen für das immer noch nicht Copy&Paste beherrschende Apple-Smartphone, das mit dem kleinem i vornedran (Kostenpunkt “kleines i”: geschätzt 99€), eine Applikation mit dem Namen “I am rich” verhökert wurde, welche eintausend Dollar minus einen Cent kostete und exakt: Nichts machte. Lediglich ein roter Edelstein, mutmaßlich ein Rubin wird nach Installation auf dem ach so revolutionär zweifingrig bedienbaren Touchscreen, falls von fettigen Fingerabdrücken unbefleckt, dargestellt, der den ebenfalls mit iPhones, aber nicht jener Luxus-Applikation ausgestatteten Freunden in Erwartung von Respekt und Neid bekundendem Schulterklopfen gezeigt werden kann.

Nun wurde diese Anwendung leider aus dem AppStore entfernt. Und dennoch gibt es mindestens einen Menschen, der sie gekauft hat — wenn auch aus Versehen.

Ich kaufte die 1000-Dollar-Anwendung

Ich bitte um Verzeihung, aber der Leser wird sich an dieser Stelle eine Prise Häme meinerseits denken müssen.

Lee5279xx, was bist du doch für ein Vollhorst.

[via ycombinator]

Chocolate Milkshake

Simon, 30. Juli 2008

Ihr kennt ja vielleicht diesen komprimierten Ekel, den die überfüllten McDonald’s-Filialen an Großstadtbahnhöfen kurz vor Sonnenaufgang am Wochenende verströmen, wenn alkoholvergiftete Fünfzehnjährige, dreivierteltote Junkies und die obligatorische Gruppe der Goldkettchentürken sich versammeln, um überzuckerte Fettbomben in sich reinzuschieben, während die Geruchsorgane mit einer Mischung aus Schweiß, Kotze, Alkohol, Putzmittel und Fritierfett zu kämpfen haben.

Doch auch diese Abartigkeit lässt sich noch steigern, garniert mit einer extra großen Portion Rassismus und Sexismus: Willkommen in Chicago. Willkommen im The Wieners Circle, wo man sich mit Bitch oder Cocksucker begrüßt, wo der Schokoladenmilchshake 40$ kostet und nicht auf der Karte steht, wo Fremdschämen eine neue Dimension erreicht.

Peer reviewed

Cuba Libre Jr., 20. März 2008

Du hast es geschafft, Peer, die Leute reden wieder von Dir, nachdem sie dachten Du wärst weg, auf und davon und krepiert. Shit, das ist zu emotional, ich bin ganz ruhig, rational, ich geh back zum Anfang und sag es Dir noch einmal.

Lieber Peer, Du bist jetzt also ein Gangsta-Rapper, nein, viel witziger, ein RaPeer, oh wow. Umgeben von tighten Bitches, die Dich würde-und hüllenlos umschmeicheln und hippen Slangausdrücken direkt aus dem PONS-Wörterbuch der Jugendsprache 2008 schickst Du Dich an, der Jungwählerschaft mit dem eher wenig subtilen Raptitel “I love Cash” den Segen des Geldes nahezubringen. Bzw, haha, ist ja alles nur ein kleiner Gag der PR-Agentur Deines Ministeriums, welche sich offensichtlich in tiefstem Zorn und voller Rachelust von Dir trennt. (Kleine Zwischenfrage, aber wtf? Wozu braucht ein Ministerium eigentlich eine PR-Agentur? Damit der Bürger sich nicht für ein anderes Finanzministerium entscheidet? Lass es, ich kenne die Antwort: Dem Bürger soll kommuniziert werdschnaaaarch. Andere hätten die Idee, die sich in etwa auf dem Niveau der Flashgams der späten 90er befindet, übrigens für einen Bruchteil des vermutlich unfassbar riesigen Budgets realisiert.)

johnnyCash

Don’t fuck with Cash.

Denn es sei Dir hiermit gesagt: Das ist ganz, ganz große Scheisse. Die Idee, Politiker auf Gedeih und Verderb auf jung zu trimmen, habe ich in dem Augenblick für verfehlt erklärt, als ich im Schleswig-Holsteinischen Wahlkampf 2000 mit ansehen musste, wie Volker Rühe (CDU) in einer Disco zu “fetziger” Technomusik “gegroovt” hat. Ich habe heute noch Phantomschmerzen an den Stellen, an denen sich früher die für’s Fremdschämen zuständigen Synapsen befanden. Und grade jetzt pocht es wieder ganz gewaltig.

Witzig ist aber die Idee, dass man Dir einen echten Afro aufsetzen kann, denn der Rap hat seine Roots ja bekanntermaßen in der schwarzen Kultur (schon die Sklaven auf den Baumwollfeldern haben Sprechgesang performt, da ihnen das Singen verboten war, Quelle: Eine Beepworld-Seite eines 16-jährigen Nachwuchsrappers). Gut, die Inhalte waren damals noch andere, ging es doch eher um die Anprangerung sozialer Missstände, was heute wohl nicht mehr “cool” ist, aber dem Geiste der Rebellion entsprechend als Mitglied der altehrwürdigen SPD das Kapital als solches zu feiern, hat natürlich auch was, insofern finde ich die Aktion schon “real” (sprich: riel). Tipp: Weiter Cash geil finden, aber als Beat die Internationale drunterlegen, das wäre fett.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich im Bundestag genug Mitarbeiter finden, die für euch das Internet bedienen, denn dank viralem Marketing, katalysiert durch den ein wenig aufdringlichen Button neben Deinem DJ-Pult, wird das “Ding” sicher bald seine Runde durch sämtliche Büros Deiner Homies machen. Peace, I’m outtahe.

Bla Bla, Plattitüden

.markus, 8. Februar 2008

Die menschlichen Sprachverarbeitungsprogramme der Abteilung “Blogs & Kommentatoren GmbH” sind quantitativ unschlagbar. Im Überfluß (hier wahlweise auch als Adjektiv benutzbar) an Text, reiht sich Buchstabe an Buchstabe, Wort an Wort, Satz an Satz und bevor man sich’s versieht – zack – schlägt irgendwo wieder eine dieser Plattitüden zu. Sie verstecken sich ganz hinterhältig zwischen Floskeln und allgemeingültigen Aussagen, langweilen oder ärgern den Leser, während sich der Verfasser noch immer besonders eloquent und geistreich wähnt.
Die weisen Worte kluger Köpfe zieren ja dank Zitatdatenbanken und Copy & Paste allzu häufig diverse Blog-Artikel, oft brutal in einen Zusammenhang mit der darunter liegenden Ansammlung von Buchstaben gepfercht. Allein die Summe der Verwendung des gebräuchlichsten Einstein-Zitates ist unendlich. Da kann man sich sicher sein. Hinter jede nicht ganz von Zweifeln befreite Statistik wird der olle Churchill geklemmt, mit dem ihm zugeschriebenen Spruch. Willkürlich gestreute Zitate als Aufhänger sinnbefreiter Textwülste sind aber nur eine kleine Plage. Viele wählen ihre Zitate zwar nicht besonders originell, aber dafür immerhin im Zusammenhang aus. Für Zweisatzartikel mit Link und Youtube-Video braucht’s ja auch kein Spruch von Bertolt Brecht. Da muss man geradezu dankbar sein.
Ganz grausig sind dagegen die Plattitüden. Die vor lauter Spruchreifheit durch und durch faul gewordenen Sprichwörter. Das textliche Äquivalent vom verbalen “Stammtisch-Jaja”. Es sind die leeren Worthülsen, die das bescheidene Gemüt des Ausscheiders aufzeigen, wenn mal wieder ohne wirkliche Aussage eine Diskussionsbeteiligung simuliert wird.
Ganz oben auf der Lieblingshassliste der Top-Plattitüden steht bei mir “Und das im Land der Dichter und Denker…”, wahlos unter irgendein Deutschland betreffendes Thema geklatscht. Ich bekomme von solch schaurig seichten Worten so ‘ne harte Gänsehaut, dass man damit Igel frisieren könnte.

Chefredakteure, miese Wortspiele, Blogs, SEO-Spammer: Alles Arschlöcher

Frank, 6. Februar 2008

Vögel
Danke, Gott. Für’s Spatzenpfifferl!

Eigentlich sollte ich mir abgewöhnen, Blogs zu lesen. Warum? Weil’s mir Spaß macht. Ja, das ist paradox, aber auch ein Beispiel, wie man einen Blogartikel halbwegs elegant einleiten könnte.

Bei neun von zehn mir unbekannten Blogs finden sich aber statt solch netter Hooks am Anfang von Artikeln zu Themen die mich interessieren könnten, die ich vielleicht sogar wahnsinnig gerne lesen würde, lediglich Massengräber von YouTube-Videos, Plugin-Spielwiesen, unreflektiertes Werbegeseiher der Apple-Templer, öde Ereignisse aus dem öden Leben öder Menschen, A-Blogger-Speichelgelecke, Spam jeder Art, SEO-Dreck und vor allem – die Beulenpest unter den Blogkrankheiten – Spatzenpfifferl

Diesen hübschen Begriff habe ich soeben höchstselbst erfunden. Er beschreibt jene Blogartikel, die keinen Arsch interessieren, weil das Thema durch ist, überall behandelt wird, jeder eine Meinung dazu hat, kurz: die Spatzen den Artikelinhalt bereits von den Dächern pfeifen. Nehmen wir zum Beispiel Stefan Aust. Der wurde ja vor ein paar Monaten von der Spiegel-Belegschaft durch Vertrags-Nichtverlängerung abgestraft, mutmaßlich dafür, ein tyrannischer Volldepp zu sein. Okay, das war die Nachricht, mehr muss man darüber nicht verlieren. Was aber macht die Blogosphäre? Ergeht sich dutzendweise in Wortspielorgien (“Aus! für Aust”, “Aust die Maus”, “Aust-ritt”, “Aust, das Spiel ist Aus!”, “Austgespielt”, “Stefan Aus”, “Austisten unter sich” und viele mehr) und mutmaßt langweiligerweise, wer denn der Nachfolger des enthusiastischen Windradhassers und Pornoblättchenkolumnisten mit Pferdefaible wird – als ob nicht völlig klar wäre, dass der nächste “auf dem Thron” als Grundvoraussetzung nur ein ebensolcher Dödel werden kann. Ist ja dann auch so gekommen, zu 50 Prozent mindestens.

Jetzt schlägt’s jedoch 13: Stefan Aust ist nicht nur ein Penner, sondern auch noch ein geldgeiler Idiot, versucht sich knapp 5 Millionen vor Gericht zu ergaunern, wird deswegen verfrüht geschasst — und wo muss ich das erfahren? In meinem Feedreader, einem Medienblog, unter der grenzdebil wortverspielten Überschrift: “Aust und vorbei”.

Weiterlesen »