Archiv für die Kategorie ‘Audiovisuelle Machwerke’

The Grundgesetz

pantoffelpunk, 30. June 2008

O.K., es ist nur ein Zweitverwertung, aber im Fernsehen gibt´s ja auch ständig Wiederholungen.

Nahallermarsch!

Bad things not always have a cause. Sometimes they’re just… Happening

Frank, 18. June 2008

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Gestern Abend haben wir acht Euro verbrannt. Das sind sechzehn Mark!!1! Was war geschehen? S. und ich haben es gewagt und sind in den neuen Film von M. Night Shyalaman (Shymalan? Shylanam? Who cares…) gegangen: The Happening. Im Prinzip war das 28 Days Later ohne alles, was den Film gut machte. Wir ahnten ja im Ansatz, was da auf uns zukommt, aber dass es so übel werden würde? Handlungsmäßig gibt es eigentlich nicht viel über den Film zu sagen, Kurzfassung: Marky Mark versucht sich und seine Patchwork-Kleinfamilie mit konsequent unlogischen Handlungsweisen vor dem Pollenflug des Todes — ja, hier killen Bäume Menschen, indem sie sie per Nervengift zum kreativen Selbstmord animieren — zu retten. Man rennt also einen Gutteil des Films vor, nun ja, Wind weg, der von wogenden Baumwipfeln illustriert wird. Zum Schluß sind viele tot und der Rest glücklich.

Exemplarische Szenen: Marky Mark ist ein reichlich scheeler und enerviert rumkumpelnder Biolehrer in New York. Lehrerversammlung in der Aula: Alarm! Man nimmt an, dass Terroristen im Central Park einen Nervengasangriff gestartet haben. Es gibt wohl auch sauviele Tote. Was tut man da? Alle Fenster schließen, Ruhe bewahren, große Versammlung in der Aula und abwarten, bis irgendjemand etwas Genaueres weiß? Nein, sebstverständlich nicht. Sämtliche Schüler und Lehrer werden, ab nach Hause mit euch, an die frische Luft geschickt! Marky Mark verabredet sich mit der Familie seines Kumpels, fährt nach Hause, trifft sich mit seiner Ische, findet Zeit noch Sachen zu packen, trifft sich an der Central Station mit der ganzen Baggage, erlebt eine angesichts der Terrorwarnung merkwürdig unpanische Bevölkerung am nicht sonderlich überfüllten Bahnhof und — oh Wunder — es fahren sogar noch Züge!

Der ganze Zug voll New Yorker kommt schließlich in einer gottverlassenen Kleinstadt zum Stehen, die Lokführer wollen nicht mehr weiterfahren. Warum? Nun, man hat den Kontakt nach überallhin verloren. Später hört man zwar, es sei nur die Ostküste betroffen, aber egal. Auch ob das Anhalten in der Pampa eine bessere Alternative ist, egal. In diesem Dörfchen gibt es jedenfalls eine Kneipe, die auf wundersame Weise genug Vorräte hat, um eine komplette Zugladung Leute zu sättigen. Im Etablissememt sieht man Fernsehen. Illustriert durch äußerst bedrohlich wirkende gelbe Punkte auf einer Karte (wirkt anscheinend anschaulicher als Livereportagen), wird gesagt dass die gesamte nördliche Ostküste gerade abnippelt. Alle geraten in Panik und fahren plötzlich mit Autos los, um über die Grenze des Gefahrengebiets zu flüchten. WTF: Woher kommen all diese Autos? Warum scheint es keine Probleme mit fehlenden Zündschüsseln zu geben? Egal. Marky Marks Kumpel gibt ihm seine achtjährige Tochter, weil er nach seiner Frau suchen will, die, nun ja, irgendwo ist. Hier geschieht meine Lieblingsszene des Films. Man sieht, wie ein Auto anhält. Marky Marks Frau: “Oh, da hält ein Auto hält an!”

The Happening
(“Fuck, da liegen tote Menschen. Wir können nicht weiterfahren” — Die hier gezeigten Gesichtsausdrücke variieren während des Films nur geringfügig)

Später flüchtet man, wie bereits erwähnt, vor dem Wind. Wir haben eine Großgruppe und eine Kleingruppe (zu der neben unseren drei Helden zwei nicht gerade traumatisiert wirkende Teenager gehören). Die Großgruppe befindet sich am Fuße des Hügels, die Kleingruppe obendrauf. Wer nippelt ab? Die Großgruppe natürlich! Denn der Wind weht selbstverständlich untenrum viel doller und macht dazu noch irgendwie gemeinsame Sache mit dem toxischen Nervengas, indem sie zusammen bevorzugt die größeren Menschenzusammenrottungen angreifen. Weil ist ja klar, mehr Menschen = größeres Gefahrenpotential für die Bäume, nicht wahr?

Muss ich mehr sagen? Nein, muss ich nicht. Dieser Film hat ein völlig missratenes Drehbruch und ausschließlich Hauptdarsteller, die agieren als hätten sie einen Baseballschläger im Arsch. Da herrscht kein bißchen Atmosphäre, stattdessen nur Logiklücken gewaltigen Ausmaßes, die durch ein paar Handlungsfragmente zusammengehalten werden. Sämtliche in “The Happening” vorhandenen Ansätze, die auch nur ein bisschen psychologisch interessant sein könnten (Warum mag Marky Marks Freund Marky Marks Ische nicht? Was passiert mit der Frau von Marky Marks Freund? Wie panikt die Bevölkerung? Warum will Marky Marks Ische Marky Mark nicht erzählen, dass sie mit Joey Tiramisu (!!!) essen war? Was haben die zwei für Eheprobleme? Warum ist die Eremiten-Omma so durch?) werden im Laufe des Films zugunsten schnarchiger Klischees fallengelassen. Schnitt und Kamera sind grottenschlecht, man erträgt die ständigen Gesichtstotalen irgendwann einfach nicht mehr und wenn man die Dialoge als hölzern bezeichnen will, muss man der Metapher eher Pressspan denn Kiefernholz zugrunde legen. Nicht mal einen Clou, eine geniale Wendung, wie man ihn eigentlich von diesem Scriptschreiber und Regisseur erwartet, bekommt man geliefert: Der Grund der Misere wird einem bereits nach einem Drittel des Films geliefert, wenn man ihn bis dahin auf Grund der zahlreich vorhanden Hinweise nicht längst selbst erraten hat, und bleibt auch die Erklärung wenn schon der Abspann läuft. Wie gesagt: Pollenflug. Weitere Lächerlichkeiten attestiert das Magazin “The New Republic” in einem sehr amüsanten Review [via Nerdcore auf Twitter].

Für mich ist “The Happening” klarer Anwärter auf die “Goldene Himbeere”. Unfassbar, dass M Night Sowieso dafür 10 Millionen Dollar erhalten haben soll. Gebt mir einen Park, drei Leute und eine Kamera, dann dreh ich euch bis Ende der Woche einen zweiten Teil.

Justice – STRESS

pantoffelpunk, 3. May 2008

Wer niemals eine Chance bekommt, an dem teilzuhaben, was das Umfeld als Lebensnotwendigkeiten definiert, dem bleibt nur Resignation. Alternative: Zerstören, was die Anderen lieben…

tube

Wie ich aufhörte, mich über Jimi Blue zu ärgen und lernte, Wilson Gonzales zu hassen

Frank, 23. April 2008

Die Geschichte der sich plötzlich zu höherem berufen fühlenden C-Prominenz ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Und auch heute gibt es noch viele Halbstarke, die glauben, weil sie hin und wieder auf der Straße erkannt werden und einen Fanclub besitzen (jeder hat einen Fanclub — selbst Mark Oh, Ralf Moeller und Kader Loth), müssten sie ihr innerstes nach außen kehren und endlich ihrer wahren Bestimmung folgen. Sie starten eine Gesangskarriere.

jimiblueDas frischeste Beispiel aus dieser nie enden wollenden Kette aus Dilletanz ist: Jimi Blue Ochsenknecht. Ja, ein so abgefahrener Aufdruck im gerade erst erhaltenen Perso — der Junge ist 16 — lässt natürlich die Option “Künstlername” wegfallen. Ladies and Gentlemen, wir reden ergo über: Jimi Blue. Was sollte der Sohn eines Ochsenknechts anderes werden als ein Kuhhirte, mag sich der unbeschlagene Leser fragen. Nun, leider spie der Himmel den Fank (nicht zu verwechseln mit dem Pank) auf das wurstlippige Opfer der eigenen Adoleszenz. Man mag sich ungern vorstellen, welcher zwielichtige Berater dem Ex-Kinderstar empfahl, es doch zur Abwechslung mal mit akustischer Soße zu probieren, aber Fakt ist, dass das Potential zum Größenwahn in ihm somit endgültig geweckt ward. Und so inszeniert sich im Lied “Hey Jimi” ungelenk und pseudolässig eine grotesk entstellte teutonische Kopie von Justin Timberlake in einer Staffage von Cheerleaderinnen, die debil grinsend mit ihren Arbeitsmarktqualifikationen wackeln, umrahmt von dreidimensionalen Buchstabenskulpturen und skurril-bunten Farben, die aber nun die Biederkeit in der das Gesamtwerk resultiert nicht im Geringsten zu übertünchen wissen.

Über die gleichsam schon abartig unterirdisch miese Ballade “All alone”, in der der junge Mann eine Rap-Performance noch (weit!) unter dem Niveau von Oli P. in seinen durchsten Zeiten abliefert, kann ich hier wegen akuter Gesichtspalme nur kurz eine exemplarische Stelle zitieren.

So here I am – starring at the wall
I can’t believe – that you’re really gone
My girlfriend, my only, my homie
Since you left I’m feeling cold and lonely

Zu recht!

Wenn das junge Ding im Fanfragen-Videozusammenschnitt, welches gerade die Startseite seiner Internetpräsenz ziert, auf die Frage, ob er sich denn sein Leben ohne die “Musik” und “Schauspiel”-“Karriere” vorstellen könne, antwortet

Nee, auf gar keinen Fall, weil… Sonst würd ich das nicht machen und (Es folgt ein kurzes Innehalten, mit gespreizten Fingern zeigt er seinen Handrücken, welcher sich schräg abwärts bewegt — Rappergestus!) … Yo!

dann ahnt man, welchen Einfluss amerikanischer Ghettokitsch auf den bürgerlichen Nachwuchs hierzulande hatte und hat: keinen Guten.

BildDoch ist das genug der Fremdscham für heute? Weit gefehlt. Denn Jimi Blue Ochsenknecht hat noch einen Bruder: Wilson Gonzales Ochsenknecht! Der ist 18 und macht ebenfalls Musik, laut Wikipedia “ganz im Gegenteil zur Rap-bezogenen Musik des Bruders” unter Einfluss von “Bands wie Queens of the Stone Age, Arctic Monkeys und Led Zeppelin”. Und das bringt selbst mich dazu, die ironische Distanz fallenzulassen. Ich bin fassungslos. Das ist nicht nur vermessen, das ist nicht nur peinlich — das ist Schrott! Da scheppert ein Schlagzeug arythmisch vor sich hin, da wird kaum ein Ton im Gesang getroffen, da werden im Video die ohnehin schon albernen Motive “Luftschlangen”, “Heimtrainergeradel” und “Wasserschwälle in Zeitlupe” endlos repetiert. Und vorgetragen von jemandem, der sich jung und hip fühlt, weil er vielleicht mal in einem RTL-Extra-Bericht von 2003 über (mittlerweile ja nun auch nicht mehr so) hippe Bands wie den Arctic Monkeys gehört hat und sich entsprechend kleidet, während das Liedthema “New York” nicht im mindestens berührt wird. Nein, nichtmal eine halbwegs ordentliche Produktion schafft es, das völlige Fehlen an musikalischer Begabung bei Wilson Ochsenknecht zu verstecken. Aber wenn es doch nur das wäre, fehlendes Talent kann man immer noch mit Attitüde oder Charme ausgleichen. Nein — dieses akustische Machwerk ist so komplett seelenlos, Daniel Küblböck in eskaliert, schlicht: Musik gewordener Brechreiz. Weswegen ich ausdrücklich davor warne, im folgenden Video auf den Abspielknopf zu drücken.

Peer reviewed

Sebastian, 20. March 2008

Du hast es geschafft, Peer, die Leute reden wieder von Dir, nachdem sie dachten Du wärst weg, auf und davon und krepiert. Shit, das ist zu emotional, ich bin ganz ruhig, rational, ich geh back zum Anfang und sag es Dir noch einmal.

Lieber Peer, Du bist jetzt also ein Gangsta-Rapper, nein, viel witziger, ein RaPeer, oh wow. Umgeben von tighten Bitches, die Dich würde-und hüllenlos umschmeicheln und hippen Slangausdrücken direkt aus dem PONS-Wörterbuch der Jugendsprache 2008 schickst Du Dich an, der Jungwählerschaft mit dem eher wenig subtilen Raptitel “I love Cash” den Segen des Geldes nahezubringen. Bzw, haha, ist ja alles nur ein kleiner Gag der PR-Agentur Deines Ministeriums, welche sich offensichtlich in tiefstem Zorn und voller Rachelust von Dir trennt. (Kleine Zwischenfrage, aber wtf? Wozu braucht ein Ministerium eigentlich eine PR-Agentur? Damit der Bürger sich nicht für ein anderes Finanzministerium entscheidet? Lass es, ich kenne die Antwort: Dem Bürger soll kommuniziert werdschnaaaarch. Andere hätten die Idee, die sich in etwa auf dem Niveau der Flashgams der späten 90er befindet, übrigens für einen Bruchteil des vermutlich unfassbar riesigen Budgets realisiert.)

johnnyCash

Don’t fuck with Cash.

Denn es sei Dir hiermit gesagt: Das ist ganz, ganz große Scheisse. Die Idee, Politiker auf Gedeih und Verderb auf jung zu trimmen, habe ich in dem Augenblick für verfehlt erklärt, als ich im Schleswig-Holsteinischen Wahlkampf 2000 mit ansehen musste, wie Volker Rühe (CDU) in einer Disco zu “fetziger” Technomusik “gegroovt” hat. Ich habe heute noch Phantomschmerzen an den Stellen, an denen sich früher die für’s Fremdschämen zuständigen Synapsen befanden. Und grade jetzt pocht es wieder ganz gewaltig.

Witzig ist aber die Idee, dass man Dir einen echten Afro aufsetzen kann, denn der Rap hat seine Roots ja bekanntermaßen in der schwarzen Kultur (schon die Sklaven auf den Baumwollfeldern haben Sprechgesang performt, da ihnen das Singen verboten war, Quelle: Eine Beepworld-Seite eines 16-jährigen Nachwuchsrappers). Gut, die Inhalte waren damals noch andere, ging es doch eher um die Anprangerung sozialer Missstände, was heute wohl nicht mehr “cool” ist, aber dem Geiste der Rebellion entsprechend als Mitglied der altehrwürdigen SPD das Kapital als solches zu feiern, hat natürlich auch was, insofern finde ich die Aktion schon “real” (sprich: riel). Tipp: Weiter Cash geil finden, aber als Beat die Internationale drunterlegen, das wäre fett.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich im Bundestag genug Mitarbeiter finden, die für euch das Internet bedienen, denn dank viralem Marketing, katalysiert durch den ein wenig aufdringlichen Button neben Deinem DJ-Pult, wird das “Ding” sicher bald seine Runde durch sämtliche Büros Deiner Homies machen. Peace, I’m outtahe.

be good? bigott.

Frank, 1. February 2008

Eine sogenannte Nachrichtensendung, die mich umfassend über die neuesten Weirdo-Stories von Britney Spears informiert, danach lang und breit über ihre Krankheitsgeschichte referiert, mir eine Diagnose für den “Ex-Teeniestar” an die Hand gibt (es ist was Psychisches), Bilder ihrer traurigen Kinder und ihres verstörten Ex-Ehemannes zeigt, danach noch ein paar flockige, tittenbetonte Ausschnitte aus Musikvideos des Mädels bringt und es wagt, sich zum Schluss auch nur im Ansatz kritisch gegenüber der Verfolgung Spears’ durch Paparazzi zu äußern, die gehört nicht nur nicht geschaut, die gehört geächtet.

Dies ist nur ein Grotesksong

Sebastian, 25. January 2008

Ach. Du. Scheisse. Ich musste jetzt erstmal ewig hin- und her überlegen, wo ich diesen Scheiss unterbringe: Ins msbwy, weil es ja irgendwie, also rein technisch, mit viel Liebe […] (Stunden später) Musik ist, oder ins craplog, weil ich mir ob der hirnverbrannten Scheisse, die ich da eben gehört habe, die Ohren abschneiden wollte. Mit einem Löffel. Ich meine, ich habe jetzt grad 3x das Wort Scheisse benutzt, das kommt auch nicht von ungefähr. Aufgrund des grotesken Charakters des Einspielers, der gleich folgt, habe ich mich für den Abfallkalender entschieden. Und für’s craplog. Ach, und für’s msbwy. By your powers combined!

Also, eben, bei Schmidt und Pocher, wurde es schon gezeigt, ich war so perplex, dass ich den Rest der Sendug nicht mehr klar denken konnte. Ich halte ja Hirnfrost nach wie vor für eine von Roseanne lancierte Urban Legend, aber Synapsenbrand, das gibt es, das habe ich eben gehabt nachdem ich dieses Video von Bernd Stelter gesehen habe:

Lebt denn der deutsche Holzmichl noch? Ja, der deutsche Michl lebt offensichtlich, auch wenn ich nie an ihn geglaubt habe (stilistische Dopplung: eigentlich hat sich die Legende schon früher in Luft aufgelöst.)

Meine Fresse, hier kommt ja alles zusammen: Karneval, Blut-Schweiss-Sperma-Durchhalteparolen, Jürgen Rüttgers zeigt demonstrative “Mit uns nicht!!!111”-Volksnähe. Eingebunden in absolute Arhythmik und dem, was “Die Deutschen *schluchz*” (Copyright Matthias Matussek) am besten können: Klatschen.

Der Bandwurm aus tieftriefigem Patriotismus (ich erhebe an dieser Stelle schonmal sämtliche Ansprüche an das Wort Kltrbereicherer, hihi) setzt sich, selbstverständlich, in den Kommentaren fort. So sagt z. B. Tassimausi:

Super !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Danke Bernd

Oder auch sehr schön tomtotal:

Hier spricht das Volk – Danke Bernd !!!

Aber am schönsten sagt es wohl schoggotv:

Das Lied gegen Nokia könnte noch zum Klingelton im laufenden Fasching werden.
Bernd Stelter, Dein Anti-Nokia Lied ist super, Danke!

PS für Nokia: Seht Euch das Video mit dem Anti-Nokia Lied gut an, so klingt und klingelt’s, wenn ein Volk zusammensteht und ziemlich wütend, dabei nicht machtlos ist.

bzw. xania2008:

Den Klingelton nehm ich sofort

Klingeltöne! Klingeltöne! Das ist also der neue Protest. Klingeltöne, nein: Protestklingeltöne! Auch für Nokia. Da muss man auch erstmal drauf kommen. Erstmal high-five an Bernd Stelter, dass er aus der Misere der Bochumer Arbeiter, die mir im Übrigen wirklich leid tun, noch ein paar Kröten zu ziehen vermag und nochmal dafür, dass hier sicher die volle Distanz der Verwertungskette gegangen wird. Bis zum Klingelton, welcher sich in der Verwertungsnahrungskette (gleich nochmal Besitzansprüche anmeld) bekanntlich ganz weit unten befindet.

Disclaimer: Ich halte Nokia im Übrigen für eine sehr gute Marke. Mein erstes Handy, das 3210, hat mir lange gute Dienste geleistet. Überhaupt war es seinerzeit das meistverbreitete Handy, weil’s einfach geil war. Das 6610i war auch sehr gut. Idiotensicher. Jetzt habe ich ein Motorola und das ist nur okay. Nokia: Daumen hoch!

Eine Welt aus Papier

Sebastian, 3. January 2008

In anderem Zusammenhang habe ich einmal Reinhard Mohr als den Franz-Josef Wagner von Spiegel Online bezeichnet. Dazu qualifiziert ihn die Tatsache, dass er wie dieser nichts mehr mitkriegt, nichts mehr mitkriegen will und zugleich als Folge und als Kompensation dieser Verfassung umso meinungsstärker auftreten zu müssen meint und auch zu dürfen glaubt. All dies wird derzeit trefflich illustriert durch den Artikel “Hartz Hunter Reloaded” vom Batz, den ich bei Gelegenheit durchzulesen bitte.

An dieser Stelle ein kurzes Apropos, quasi von “Netzaffe” zu Papieraffe an Herrn Bernd “Qualität” Graff sowie, quasi von “Pawlowschem Hund” zu Pawlowschem Pfau, an Herrn Johannes “lesenswerte Texte, die von Liebe handeln” Boie und all die anderen Verteidiger der Informationshochkultur gegen die Generation Klowand: Sie haben ja in Teilen Recht mit Ihrer Kritik an Bloggern und Blog-Kommentatoren. Aber sicherlich kennen Sie auch jene Redensart, in der Steine und ein Glashaus vorkommen. “Das wirkliche Schlachtfeld ist die Öffentlichkeit in unserem Land” sagte einmal Donald Rumsfeld, also einer, der in Machtfragen wohl als nicht ganz unbedarft angesehen werden kann, in bezug auf den Kampf um die öffentliche Meinung, den zu verlieren in der modernen Gesellschaft bedeutet, überhaupt zu verlieren. Und er sagte es im Kontext eines Gespräches über den Irakkrieg.


Bild: giginger (cc)

Bitte, Herr Graff, Herr Boie, Herr Schirrmacher etc., lesen Sie Batzens Beitrag, überwinden Sie Ihren Abscheu, der sicher toben wird, wenn Sie feststellen, dass darin Kraftausdrücke Verwendung finden und die Ortographie ihre Mängel hat, stoßen Sie bis zum Inhalt vor und – kehren Sie verdammt noch mal vor Ihrer eigenen Tür. Sie haben gesellschaftlichen Einfluss. Sie bereiten Kriege und Pogrome vor, Sie zetteln soziale Konflikte an, Sie impfen tagtäglich Millionen von Menschen die Überzeugung ein, Unrecht sei Recht, indem Sie es mit jener Teilnahmslosigkeit referieren, wiederkäuen und zur Gewohnheit machen, die Sie Professionalität nennen, und es auch gerne mal direkt herbeirufen. Sie schlagen Schlachten, ohne dafür rechenschaftspflichtig zu sein, und proklamieren jetzt, dass die Welt untergeht, wenn Sie dabei auch mal selbst eine kleine, symbolische Ohrfeige abbekommen.

Zählen Sie einfach mal die Leichen, über die die von Ihnen maßgeblich geschaffene öffentliche Meinung immerzu geht, bevor Sie schreibenden Privatleuten Vorhaltungen machen, weil diese den Journalistenknigge nicht gelesen haben, ihn vielleicht auch gar nicht lesen wollen und mit ihren ungehobelten Umgangsformen Ihr Feingefühl düpieren. Dann sähe man sich in diesen Kreisen vielleicht auch stärker veranlasst, Ihnen in dieser Sache überhaupt zuzuhören.