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Das Unangepasste Verhalten Großstädtischer Studenten Zu Stoßzeiten

ovit, 24. Juni 2007

Wenn mir eins bei der Bewegung in der Öffentlichkeit wichtig ist, dann ist es Rücksichtnahme auf Mitmenschen, und zwar in der Form, dass man einfach nur ungern anderen im Weg steht, sie behindert, sie aufhält, sie anrempelt, ihre Wege kreuzt usw. Jeder steuert seinen Beitrag zum Erhalt der sozialen Ordnung bei. Verhält sich jeder der Situation angemessen, gibt es kaum Konfliktpotential und erst recht keinen anhaltenden Hass.
Die Pause zwischen Vorlesungen ist kurz und sie findet für alle Studenten gleichzeitig statt. Um die Mittagszeit herum scheint auch ideale Studentenzeit zu sein. Entweder befindet man sich zwischen den Veranstaltungen und man gönnt sich ein “gutes” Frühstück zu niedrigen Preisen. Jedenfalls ist dieser Zustand ein Ausnahmezustand. Überall sind Menschen die in Richtung Kartenaufladegerät strömen oder gleich in Richtung Essen oder sich mit einem Essen ausgestattet auf den Hinterhof setzen.
Der Eingang zu dieser Mensa ist schmal. Die Schwingtüren sind nicht ausladend (auch nicht einladend) und ein Strom Menschen zwängt sich rein, der Andere raus. Kein Grund aber, sich in diesem Bereich nicht auch ein bisschen Zeit für ein kleines Pläuschen zu nehmen. Auch wenn ständig Leute auf einen auflaufen, trifft man regelmäßig kleiner 2er und 3er Grüppchen an, die es sich im Eingangsbereich gemütlich machen. Sich unterhaltende Studenten verbrauchen scheinbar zu viel Aufmerksamkeit für ihre hochgestochenen Mensadiskussionen, dass ihnen ihre eigene überflüssige Existenz und ihre unfassbare Deplatziertheit kaum noch auffällt. Stau hin oder her: das Thema wird jetzt noch beendet!, so zischt es wohl durch ihre Köpfe. Zu gerne würde ich den Ellbogen ausfahren, aber damit würde ich vor allem den Menschen stören, der sich mit seinem Essen in der Hand auf der anderen Seite versucht durchzuquetschen.
Gleiches Desaster am Kartenaufladegerät. Seine Bedienung wird mit einem Zettel erklärt: “Erst Geld reinstecken, dann Karte vor das Gerät halten.” Puh! Das ist für einen großstädtischen Studenten harter Tobak. Wurde doch gerade sehr viel Energie für das im Weg rumstehen verplempert und jetzt auch noch Geld in einen Automaten stecken und irgendwie so eine Karte aufladen. Da wird also Karte rangehalten und das Geld reingesteckt in allen möglichen Abfolgen nur nie in der dort groß angegebenen. Die Schlangen an der Essensausgabe werden merklich länger und man steht hinter Menschen, die noch 10 Euro auf ihrer Karte haben und schon wieder völlig überfordert sind und scheinbar dringend mehr Geld auf der Karte benötigen. Man müsste sich den Hinterkopf schnappen, diesen heftig gegen die Bedienungsanleitung befördern und darauf hoffen, dass es irgendeine Wirkung hervorruft. Kleine Gruppen sah ich vor diesem Gerät stehen und rätseln, und zwar nicht nur zum Semesteranfang, sondern auch mittendrin und fast am Ende.
So viel zum Thema “unsere zukünftigen Bildungselite”. Wie sollen diese Menschen komplexe gesellschaftlich relevante Vorgänge steuern, wenn sie ihr eigenes Handeln nicht steuern können, einfachste Dinge des Zusammenlebens und der Maschinen nicht beherrschen, ja, manchmal frag ich mich, wie die Mensa nur so viel Dummheit auf einmal anziehen kann. Irgendwo steht da wohl ein Idiotiemagnet rum. Tag für Tag und Woche für Woche.

P.S. die Frau, die am Imbissschalter neben diesem Gerät steht, ruft immer, wenn jemand mal wieder versagt “Erst das Geld, dann die Karte” rüber. Dieser Satz wird ihr am Ende der Schicht mit Sicherheit zum Hals raushängen. Und diese Frau arbeitet jeden Tag an diesem Schalter. Dieser Frau widme ich diesen Eintrag. Denn diese Frau bekommt jeden Tag die volle Härte der Idiotie zu spüren. Diese Frau tut mir leid.

Malte und das StudiVZ

ovit, 20. Juni 2007

Zum Thema StudiVZ wurde alles gesagt. Auf der Blogbar, auf Spreeblick und auf allen anderen Blogs, die sich an die großen Themen anhängen. Doch jetzt ist das StudiVZ die meistgeklickte Seite im Internet. Das geht so nicht, dachte sich Malte von Spreeblick und wärmt das Thema mal wieder auf.

Zuerst brauchen wir den Beweis, dass Studenten dumm sind. Der ist natürlich einfach. Da Blogs ja ausschließlich hochgebildete Menschen ansprechen – die Macher sind alle Teil der Bildungselite – müssen eben die Massenmedien herhalten:

Aber auch Spiegel Online und das ZDF berichteten und listeten die Recherche-Ergebnisse der Blogs auf. Es lief also aus Bloggersicht ganz wunderbar. Deutschlands Studenten lesen jedoch nicht nur keine Blogs, auch das größte Online-Magazin schreit in einen abgeholzten Wald hinein.

Die Motivation der Studenten ist auch leicht gefunden.

Sie wollen Kontakte vortäuschen wie die Erwachsenen bei Xing.

Und um das ganze auch mal mit Erfahrungen aus der eigenen erlebten Welt zu unterlegen, kommt die Freundin einer Freundin ins Spiel, die sich scheinbar gerne und aktiv und wohl auch mit einem gesunden Sendungsbewusstsein auf StudiVZ austobt.

Diese Freundin braucht also vermutlich keine aufklärerischen Artikel, sie braucht einen Psychologen. Besser: Eine Gehirnwäsche. Noch besser. Eine Gehirnhochglanzpolitur.

Verwerflich, wenn jemand Fotos von sich ins Internet stellt. Mit brauner Haut und weißen Zähnchen. Dagegen scheint es aber völlig in Ordnung, wenn man per Blog erstmal eine Diagnose stellt. Ich würde wenig Vergnügen empfinden, würde jemand über eine Ecke von mir behaupten, dass ich mal einen Psychotherapeuten aufsuchen sollte. Aber für Malte geht das in Ordnung. Ist ja schließlich auch nichts bei. (Vielleicht ist diese Freundin auch nur ein Produkt der Phantasie, damit sich so ein Eintrag auch ein bisschen ausschmückt…)

Girls with low Self-Esteem und Boys mit Kontaktneurodermitis, ist das die deutsche Studentenschaft?
Scheint so.

Ja. In deiner Welt schon.

Männer mit überzogenem Ego, die glauben, alles besser zu wissen, sieht so der deutsche Blogger aus? Scheint so.
Ausländer werden übrigens im StudiVZ und der deutschsprachigen Blogosphäre auch nicht zugelassen.

Anschließend stellt Björn Grau in den Kommentaren interessante Fragen:

Ging es nicht eigentlich in Maltes Post um den Einfluss der Blogosphäre als Informationsinstanz auf individuelle Entscheidungen, wie ich mich bezüglich bestimmter Firmen verhalte?

Ja Björn, es kann gerne darum gehen, wie DU dich bezüglich bestimmter Firmen verhalten kannst. Ist ja schließlich eine individuelle Entscheidung aus der wir keine allgemeingültige Handlungsnorm für alle Studenten und Studentinnen ableiten können und sollten. (Studierende sagt man nicht!)

Ging es vielleicht nicht auch um die Frage, warum die angeblich bildungselitäre Blogosphäre so wenig Einfluss hat auf die bei StudiVZ versammelte angebliche Bildungselite?

Laut Malte sind die Studenten zu dumm und brauchen Therapie! Das “angeblich” vor “bildungselitäre Blogosphäre” kann allerdings auch gestrichen werden.

Ging es NEBEN den oben genannten Punkten nicht lediglich zusätzlich um die Frage, warum die Bildungselite bei StudiVZ zu nicht unerheblichen Teilen durch Saufen, Sexismus, Voyeurismus und ähnliche Dummheiten unheimlich sinnentleerte Selbstbespaßung auffält?

Vielleicht bilden die dort registrierten Studenten ein Querschnitt der Realität ab? Und es sind ja auch noch Kinder und Jugendliche (die Erwachsenen sind bei XING!). Sollten die das dann nicht dürfen? Und wer bestimmt die Norm, wie man sich im Internet darzustellen hat? Alle möglichst gleich und anständig. Scheiß auf Diversifität. Jeder wie ein Blogger. Dann wäre unsere Welt moralisch völlig in Ordnung und die Menschheit wäre auch noch hochgebildet.

Habt Ihr schonmal darüber nachgedacht, dass naives Fragen (”Wozu machen wir das hier eigentlich?”) ein rhetorischer Kunstgriff sein kann?

Ja. Kann ein Kunstgriff sein. Der Artikel im allgemeinen scheint ein allumfassender Kunstgriff zu sein. Ins Klo nämlich.

Es wird also pauschalisiert und überspitzt, um die Probleme offen zu legen und da hinein dann mit dem moralischen Finger der fragt: wie können so viele Studenten nur so dumm sein?

Oder aber: wie kann man, wenn man von so vielen Leuten gelesen wird, sich nur solch dummes Zeug erlauben und 1.000.000 Millionen Usern das Vermögen absprechen, ihr eigenes Handeln zu hinterfragen, ohne bei sich selbst anzufangen? Wenigstens ist da aber einer absolut kritikresistent. Denn wer alles besser weiß und kann, muss sich von Studenten nichts erzählen lassen. Bravo.

Das Schauspieltalent von Heidi Klum

ovit, 25. Mai 2007

Ich habe keinen Fernseher. Das rettet meine letzten funktionierenden Gehirnzellen vor dem totalen Kollaps. Denn Fernsehstrahlung kocht das Gehirn weich. Wenn man es dabei richtig würzt, zum Beispiel mit Bier, Chips, Erdnüssen und zur Geschmacksanhebung mit ein wenig Schokolade, dann entsteht aus so einem eingekochten Gehirn eine lecker Suppe.
Aber das war ja gar nicht der Anlass. Auch nicht so eine Castingshow wie “Germany’s Next Topmodel”. Denn ich mag Castingshows. Das Fernsehen generiert sich ihre eigenen Inhalte und kann damit vollig unabhängig vom dem, was vor der Mattscheibe passiert, funktionieren. Selbstreferentiell zu sein hat schließlich schon viele Medienformen vor dem Burn-Out gerettet. Castingshows generieren Tränen, Skandale, Schlagzeilen und eben eine Menge Nachrichten, die die Welt nicht braucht. Ich bin einfach Anhänger vom Boulevard. Und die DSDS- und Topmodel-Blogs hab ich mir alle abonniert, denn so eine Abonnement kostet ja nichts.
Toll, wie unsere Heidi da also Woche für Woche das neue Topmodel gecastet hat. Bruce brachte ihnen das Weinen und Laufen bei, die anderen, wie man sich noch schöner schminken kann und unsere Heidi hat sie gewissenhaft auf das harte Leben als Model eingestellt und den Kücken immer wieder verdeutlicht, auf was beim Modeln ankommt. Man muss in andere Rollen reinschlüpfen, von einer Sekunde auf die Andere andere Emotionen zeigen, aus sich herauskommen, die ganze Scheiße da eben auch ausleben. Und da bietet unsere Heidi eben das beste Vorbild. Stocksteif steht sie da vor ihrem bekackten Jurytisch und versucht krampfhaft die Texte zu erzählen, die ihr ein Redakteur wohl vorher schrieb, damit die Sache möglich spannend rüberkommt. Jemand so unbegabtes vor einer Kamera zu sehen tut sehr weh, noch mehr schmerzt aber der Zustand, dass unsere Heidi zu verkaufen versucht, was sie selbst nicht kann. So ein kleiner Hintern und so ein riesen Stock drin, tut das nicht weh, liebe Heidi? Mach dich doch bitte mal locker oder lerne die Texte wenigstens auswendig.
Und ja, ich habe auch ohne Fernseher diesen Unsinn für wenige Minuten gesehen. Und für dich – - – - – lieber Ovit – - – - habe ich – - – - – - – - – - – - – - – - – heute – - – - – - – - – - leider – - – - – - – - – kein – - Bild – - – - – *ausdemhintegrundhörtmanbruceweinen* – - – - – - – - Heidi, gib Ruhe. Unerträglich.

Modelfoto: dvux (cc)

Verbietet Sarah Connor!

ovit, 4. April 2007

Sarah Connor (Oberst am Trällern)

Wer hat eigentlich Sarah Connor erlaubt? Im Vorprogramm des “Boxkampf des Jahres” durfte dir Frau mal wieder ihre Nase präsentieren. Und das Ganze natürlich um 30 Kilogramm erleichtert, seit der Geburt ihrer Tochter. Mit ausgestreckten Armen stand sie da im Ring, sang im Vollplayback in ihr Mikrofon und verstreute einen Pathos, den ich nicht mal aus einer meiner Körperöffnung herausdrücken wollen würde. Ein Gospelchor durfte selbstverständlich auch nicht fehlen, klar. “The Impossible Dream” ist leider wahr, Sarah Connor ist wieder da.
Kann diese Frau mit ihrem Ehemann nicht einfach noch eine Fußballmannschaft zeugen und diese dann werfen? Oder weitere 60 Kilogramm abnehmen? Und wie konnte sie nur ohne eine Rolle in einer Daily Soap so erfolgreich werden? Tokio Hotel als Popphänomen für Frühpubertierende kann ich mir noch erklären. Sarah Connor als Spackenmusikerin für Spacken allerdings nicht. Der weibliche Dieter Bohlen. Keiner kauft sich diesen Mist, aber in den Charts immer ganz oben zu finden.
Man erinnere sich mal an ihren Auftritt bei “Wetten dass”, bei dem man wohl ihr Schamhaar sah und ein Raunen durch die Zielgruppe Ü50 ging, oder “Sarah und Marc in Love” mit einem Kind ohne Gesicht und mehr Schmalz im Fernsehen als ich nach drei Tagen ohne Waschen in den Haaren.
Herr schmeiß Feuer vom Himmel. Der mediale Sarah-Connor-Wahnsinn scheint in den Startlöchern zu stehen. Zu Hülf!

Foto: René_Berlin (cc)

Werbeschmutz statt Umweltschutz

ovit, 21. März 2007

Tatort: Berlin Oberbaumbrücke.

Berlin bei Nacht hat was. Die Oberbaumbrücke bietet einen fantastischen Blick über die Stadt, mit dem Abend und der hereinbrechenden Nacht knipsen die Menschen in ihren Wohnungen die Lichter an und alles ergibt eine wunderbare Kulisse für den Spaziergang. Jedoch hat dieses Lichtermeer auch etwas verschwenderisches. Eine wahnsinnige Lichtglocke steht über der Stadt.

Die Eigenwerbung des Universal Gebäudes ist bekannt. Die müssen es ja haben, denkt man sich. Und dann am Ende der Brücke eine Litfaßsäule, die natürlich die gesamte Nacht beleuchtet ist, aber das reicht ja heutzutage auch kaum noch. Das menschliche Auge ist so an die Werbung gewöhnt, dass es sie kaum noch wahrnimmt. Also packt man einen riesigen Halogenstrahler oben drauf, der dann die ganze Nacht über ein gleißenden Lichtstrahl in den Himmel schickt. Und 20 Meter weiter die nächste beleuchtete Werbetafel und so gestaltet sich das gesamte zu sehende Bild. Und am Horizont die riesige iPod Werbung am Eckhaus Wahrschauer Straße. Stilvoll in Szene gesetzt mit einer großen Menge Scheinwerfer. Kostet ja nicht so viel, der Strom, und gerade eine Firma wie Apple hat es ja, aber moment, Strom kostet ja nicht nur Geld, sondern verschmutzt ja auch noch die Umwelt!

Gott sei Dank reden wir darüber, die Glühbirnen endlich zu verbieten. Da werde ich mir heute direkt mal einen großen Schwung Energiesparlampen kaufen. Damit genug Strom übrig bleibt für die unzählbare beleuchtete Werbung des Nachts. Vielleicht sollten wir uns fragen wo denn Umweltschutz anfängt und vielleicht sollten wir die Rechnung, was Werbung Nachts einbringt und welche Kosten und Folgen das alles hat, nicht aufstellen, sondern so etwas schlichtweg verbieten. Es wäre ein Anfang. Und ich drehe mir dann auch bestimmt bald mal ein paar Energiesparlampen rein.

Das neue Wir-Gefühl

ovit, 13. Februar 2007

Endlich ist es da! Die einen Theoretiker würden behaupten, dass das Internet den Menschen noch mehr aus seinen alltäglichen Strukturen herausreißt, dass das Internet die Kommunikation zwischen Menschen noch mehr anonymisiert und er damit nur noch egozentrischer wird.
Doch neuerdings gibt es wohl eine neue Form der Solidarität. Die Spreeblicker behaupten, dass Sascha Lobo “als Vertreter von uns in einer Talkshow aufgetreten ist, oder in diesem Blog hier wird behauptet, dass wir “gerade eh einen kollektiven Gedankenstau” haben.
Und ich denke mir ganz in einem weiteren Spreeblicksinne: Ihr, nicht ich!
Habe ich Sascha Lobo zu meinem Vertreter ernannt oder jemals von einem Gedankenstau gesprochen? Bevor man mich irgendwo mit einbezieht und dieses neue “Wir” strapaziert, möge man mich bitte vorher fragen, oder dieses “Wir” einschränken, oder doch ganz einfach lieber immer erstmal schön von sich selbst ausgehen. Dann haben solche Aussagen auch einen entsprechenden Wahrheitsgehalt.

Wirf mal das Stöckchen rüber!

ovit, 31. Januar 2007

Die Beantwortung von Fragebögen scheint dem Menschen von Natur aus im Blut zu liegen. Nachdem eine kurze Hemmschwelle überwunden und mit dem Ausfüllen eines Fragebogen begonnen wurde, wird alles was möglich ist, angekreuzt und ausgefüllt und mit bestem Gewissen beantwortet. Als Ausnahme muss das Befüllen von Amtsformularen gelten. Die sehen zwar manchmal aus wie Fragebögen und werden mit ähnlichem Unwissen ausgefüllt, haben einen unterirdischen Spaßfaktor und sind eher ein Horrortrip.

Um die eigenen Antworten aber auch richtig einzuschätzen, bringt ein Fragebogen auch nur dann etwas, wenn möglichst viele ihn ausfüllen. Das ist wie in der Marktforschung. Da befragt man zur Sonntagsfrage nicht nur eine Person, sondern eher mal lieber ein paar Hundert. Das nennt man dann repräsentative Umfrage. Darum enden diese neuen, digitalen Fragebögen üblicherweise mit der Frage, wer denn noch bitte die eben gerade beantworteten Fragen beantworten soll. Bis hierhin kann man über die Blödheit der Fragen, die Unlust in den Antworten und die Unsinnigkeit des Weiterreichens schimpfen, doch dann landen alle Menschen üblicherweise in der Tierwelt. Da wird der Fragebogen nicht von dem Herrn XY übernommen oder man hat ihn nicht bei Frau YX gefunden sondern man bekommt STÖCKCHEN zugeworfen. Und die hebt man dann auf, abgerichtet wie man ist, aber bringt dieses eben nicht zurück (Hunde können sowas!) sondern kaut lieber selbst etwas auf diesem STÖCKCHEN herum, um es am Ende wieder weg zu schmeißen, also zu den nächsten Menschen, die auf Hund machen.

Das ist mittlerweile so ein geflügeltes Wort und so von der breiten Masse akzeptiert, dass das Schneeballsystem in der Fachsprache schon in Stöckchensystem umbenannt wurde. Denn darauf fällt der abgerichtete Hund Mensch wieder herein. Bei dem Wort Schneeballsystem läuten direkt die Alarmglocken, liegt irgendwo aber so ein STÖCKCHEN herum, hebt er es schnell auf und wirft es an mindestens fünf Leute weiter. Denn wenn man das nicht macht, dann passiert in den nächsten 48 Stunden ein Unglück, das Konto wird zum Beispiel ausgeraubt, oder ein Kind stirbt in Afrika, oder die Hunde übernehmen die Kontrolle über die Menschheit. Verübeln würde ich es ihnen nicht.

Mein letztes Nokia Handy – 6230i-gitt

ovit, 27. November 2006

So. Das war es. Es ist mein zweites und auch letztes Handy dieser Firma. Das erste lag irgendwann auf einer Party mitten im Schmand, der sich bei solchen Gegebenheiten ansammelt, auf dem Boden. Also in einem Gemisch aus Bier, Schweiß, Schuhdreck und Urin. Mit viel Knirschen in den Tasten konnte man aber damit noch wunderbar viel zu kurze Kurznachrichten schreiben, seinen PIN eingeben und nach Namen im Telefonbuch suchen. Nach zwei Jahren war ich froh, dass ich es in den Schrank legen konnte, um mich nie wieder über diese knirschende Tastatur zu ärgern. Wenigstens hat das Handy über einen mir unbekannten Zeitraum im Schmand einer Party eben jene gerockt. Das ist auch eine nicht zu verachtende Leistung.

Doch nun eben jenes Nokia-Handy. Freundlich lasse ich es in meiner Hosentasche unbenutzte Spermien abtöten, beanspruche es nicht allzu oft und auch äußerlich hat es bisher nicht viel Schaden genommen. Und auch auf den Parties lasse ich es mittlerweile ruhiger angehen. Jedoch ist das zu viel Anspruch an ein Nokia-Handy. Nach nur über einem Jahr haben sich die Tasten 3, 6 und 9 überlegt, hin und wieder nicht zu funktionieren. Klappe auf, rum- und reinpusten, schütteln, wackeln, drücken, bis sich die Tasten 3, 6 und 9 überreden lassen, doch wieder die Arbeit aufzunehmen. Mittlerweile lasse ich die Klappe zu und drücke nervös so lange auf den Tasten herum, bis sie anspringen, tue dann mit meinem Handy schnell das, was alle damit tun, überlege mir ganz genau, ob ich noch irgendwen kontaktieren muss und stecke es dann wieder in die Hosentasche. Vielleicht braucht es ein goldenes Kissen, auf das man es betten muss?

Oder vielleicht ist dieses Handy schlichtweg Vollschrott?

Wenigstens funktioniert die 110 immer. Und die PIN habe auch geändert. Da kam nämlich die 6 und die 9 drin vor. Und das ist dann schon aufregend, wenn man sein Handy nicht mehr anbekommt. Andere lustige Fehlermeldungen findet man dann in einem Nokia-Forum.