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Gehirnwäsche

Cuba Libre Jr., 24. April 2010

Lochfraß! Dieser längst vergessene, wohlgleich schöne Terminus des 90er-Jahre Werbesprechs (vgl. Gefrierbrand) beschreibt die Porösierung des Waschmaschineninneren (ein Knallerwort jagt das nächste) durch Verkalkung. Dieter Bürgy lässt grüßen:

Ob das denn nun auch die Ursache für das Ableben unseres Waschtrockners (für technikinteressierte: keine Ahnung, welches Modell, get a life!) war, wer weiss das schon? Ich nicht! Es ist aber auch egal, ein neues Gerät stand längst auf der Liste.

[...] < - Ausgelassen werden an dieser Stelle sämtliche handelsüblichen Rants über lange Lieferzeit, mangelnde Beratung oder überteuerte Preise, wer will denn sowas wissen? "Unterhaltsam" wird sowas ja erst bei Lieferung. Weiterlesen »

Coole Sprüche

Cuba Libre Jr., 6. Februar 2010

Nach dem durchschlagenden Erfolg von Coole Sätze, lesen Sie nun: Coole Sprüche. Aufgefangen wurden sie unter der Rubrik “Lieblingszitat” im Netzwerkprofil einer einzigen Person, die ob der Masse an Lebensweisheiten wohl der glücklichste Mensch der Erde sein dürfte.

Nur weil Dich jemand nicht so liebt wie Du es Dir wünschst, heisst das nicht, dass er Dich nicht mit ganzer Seele liebt !!!

In der Tradition des epischen Dramas werden bereits zu Beginn Grundlagen geliefert, die sich durch das gesamte Werk ziehen. Hier insbesondere die vom Rest des Satzes abgetrennten mehrfach auftretenden Ausrufezeichen. Diesen Satz sollten sich übrigens alle, die sich von Stalkern verfolgt fühlen, ruhig einmal zu Herzen nehmen. Sie lieben euch doch !!! (also stellt euch nicht so an)

Freunde werden nie verloren gehen, wenn sie fest im herzen stehen, drum wenn du auch mal nicht viel hörst von mir, bin ich in gedanken oft bei dir!

Der klassische Reim als Ausdruck unerfüllter Sehnsüchte feiert hier Urständ, ein Wort, das ich nie begriffen und wahrscheinlich falsch angewendet habe. Heisst es nicht sogar “fröhlich Urständ”? Müsste man mal googeln.

Allein sein zu müssen ist das schwerste, allein sein zu können das schönste!

müssen=doof können=gut; der ewige Kampf des Rebellentums gegen kapitalistisch-imperialistisch geprägte Zwänge lässt sich auch auf das Alleinsein per se anwenden und erreicht dadurch eine philosophische Tiefe, die staunen lässt. Betrachtet man diese Aussage jedoch etwas näher, entpuppt sie sich als Scheissdreck, kann man nämlich allein sein ohne zu dürfen, ist das auch eine Qual.

Werde ein besserer Mensch und vergewissere Dich zu wissen wer DU bist, bevor Du jemand anderen kennenlernst und darauf wartest, dass er weiß wer Du bist.

Dem Satz fehlt jeglicher “Pfiff”, man ist schon nach rund der Hälfte eingeschlafen und ich verstehe ihn nicht. Was ist die Aufforderung? Also erst einmal allein sein (s. o.), bis man sich selbst kennt (und besser geworden ist), erst dann jemanden kennenlernen, und sich ab dann nicht mehr verändern. Oder wie?

Strenge Dich nicht so an, denn die besten Dinge passieren, wenn Du sie am wenigsten erwartest.

Eine Maxime, die man teilen kann und ein erfrischender Kontrast zum üblichen “Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren”, dass sich der typische DSDS-Loser auf’s Kissen gestickt hat, um seine Trotzhaltung mit einer “Argumentation” zu unterfüttern. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es auch gerade die schlimmsten Dinge sind, die passieren, wenn man es am wenigsten erwartet, es sei an eine Werbung für ein Durchfallmittel erinnert: “Oh Mist, dieser Durchfall kommt immer dann, wenn es am wenigsten passt” (und nämlich nie, wenn es gerade günstig wäre).

Ehre jene Menschen, denen Ehre gebührt !

Oho, der alte Bibelgassenhauer im neuen Gewand. Aber warum? Weil, rantrant, junge Menschen Aussagen wie “Ehre, wem Ehre gebührt” gar nicht mehr verstehen würden.

Wer etwas will, findet Wege. Wer etwas nicht will, findet Gründe…

… die drei Punkte, die diesen Satz abschließen, vermitteln schlechtes Gewissen, sie sagen “ja genau, DU bist gemeint”. Passive-agressive guy on tour.

Ein Herz kann nicht fühlen, was es nicht fühlen will !

Haklo? Herzschmerz?

Die Freundschaft ist eine Kunst der Distanz, so wie die Liebe eine Kunst der Nähe ist!

L’art pour l’art, tralala, man muss nicht alles zur Kunstform erheben, weil man außer dem Anquatschen in der “Disse” sonst nichts kann, und wer 5000 Freunde bei Facebook hat ist deswegen noch lange kein Künstler, und wenn, möchte ich mich von dieser Kunst distanzieren, bei aller Liebe, in aller Freundschaft.

Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken !

So sagt man es einem, ebenso wie man die Typen, die einen nach der Schule verkloppen, “einfach nicht beachten” soll, denn SIE sind es, die schwach sind, man selbst ist der Starke, der auf die Fresse kriegt, aber den Schmerz erträgt man, denn “Indianer kennen keinen Schmerz”, und auch rauchen ist schwach, und Milch macht stark. Sich solche Lebenslügen wie auch die da oben als erwachsener Mensch in sein Profil zu packen, macht mich einfach nur traurig.

“IcH bin LuXuS uNd LuXuS kaNn NIcHT jEdeR HaBeN!” :D

AbeEr GiB mIr EiNeN pRoSeCcO aUs UnD iCh WeRdE zUm StÜcK bIlLiGeS fIcKfLeIsCh OhNe SeLbStAcHtUnG :D

Spiele nicht mit dem Feuer -sonst spielt das Feuer mit dir!

Beim “remixen” altbekannter Zitate tun sich manchmal, hihi, Abgründe auf. Es langweilt.

Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten!

Das ist jetzt albern. Gehirngewaschen (s. a. gefriergetrocknet) durch jahrelanges Wiederholen von Durchhalteparolen von allen Seiten gehen neue Sinnspruchausdenker dazu über, irgendwelche Fülltexte nurmehr mit dem Wort “durchhalten” zu garnieren und dann wird das schon richtig sein. Ein Sinn ist nicht mehr vonnöten, die Botschaft kommt schon an. Wer sich solche Sätze zu Herzen nimmt, denkt eh über nichts mehr nach.

Der Vorteil klug zu sein besteht darin, sich dumm stellen zu können !

:-D Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz :-D und der Selbstsuggestionen mehr sind naturgemäß immer dort vorzufinden, wo sie am wenigsten verloren haben. Denn merke: Der Vorteil klug zu sein besteht darin, klug zu sein.

LIeBe MiCh daNn, wEnN iCh eS aM wEnIgSTeN vERdiEnT hAbE, dEnN DaNn bRaUcHe iCh eS aM mEiSteN !

Diese zweifelsfrei im Vollsuff entstandene Rechtfertigung, sich nicht mit seinen Fehlern auseinandersetzen zu müssen, ist in der Anwendung keine schöne Vorstellung. In meiner Phantasie breitet sich das Bild eines verkrachten Paares auf dem gemeinsamen Bett aus. Er schaut grimmig auf den Wecker, der 04:23 Uhr morgens zeigt und mag sich nicht zu ihr wenden. Sie, die ihm gerade gestanden hat, mit einem anderen “rumgeleckt” zu haben, schluchzt und versteht nicht, dass er sie nicht umarmt. Sie, die doch immer alles für ihn getan hat und die es gewohnt war, im Mittelpunkt zu stehen, kann sich auch nun so garnicht in seine Lage versetzen. Mit einem Mal sprudelt es aus ihr heraus: “Interessiert es dich eigentlich gar nicht, wie ICH mich dabei fühle???” So geschieht es, hier in Deutschland, mitten unter uns, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Denk mal drüber nach!

Am schwersten lernt man im Leben, welche Brücken man benutzen und welche man abbrechen soll !

Bridge Builder!

Es ist keine Kunst zu bekommen was man will. Die Kunst ist es, noch zu wollen wenn man es hat !!

Nun geht mir Eckart von Hischhausen mit seiner Dauerpräsenz in deutschen Talkshows seit geraumer Zeit gehörig auf den Sack, und es dürfte niemanden geben, dem er’s noch nicht in die Ohren gepresst hat: es ist ein neurophysiologisch längst erforschtes Phänomen, dass das Glücksgefühl zum Beispiel einer neuen Elektronik nur relativ kurz anhält und man sich schon nach dem nächsten Spielzeug sehnt – das sogenannte Apple-Syndrom. Es ist dennoch fragwürdig, daraus gleich zu ziehen, dass es keine Kunst sei, zu bekommen, was man will, es ist sogar eine sehr große Kunst. Es ist die Kunst des Aufbruchs zwischen Distanz und Nähe, ergo zwischen Freundschaft und Liebe (s. o.). Zu bekommen, was man will, ist die Distanz zum Objekt auf größtmögliche Nähe zu reduzieren.

Lieber auf neuen Wegen stolpern, als auf alten Wegen stehen bleiben !!!

Und dabei die schönen Blumen und die Natur zertrampeln, wie? Eine leere Hülse ist das, man weiss ja nicht, wo die neuen Straßen hinführen, bestenfalls werden ja heute noch Zubringerstraßen zu neuen Media Märkten gebaut, die ihrerseits die “grünen Wiesen” des Stadtrandbezirks plätten. Ebenso dumm sind ja die, die “gegen Strom schwimmen”, da nur “tote Fische” mit dem Strom schwimmen, dabei hat doch jeder gelernt, dass man sich gefälligst ein Stück mittreiben zu lassen hat, um sich ans Ufer zu bewegen und dann ganz auszusteigen. Aber viel Spaß beim Gegenanschwimmen und dabei nicht vorwärts kommen.

Who’s gonna drive you home, tonight?

Cuba Libre Jr., 5. Dezember 2009

Sicherheit wird großgeschrieben im Straßenverkehr (ist ja auch ein “Dingwort”) und großgeschrieben wird auseinandergeschrieben, eigentlich. Vielleicht aber auch nicht. Man blickt ja nicht durch, nicht einmal der Berufsstand des Lektorats hat Bock noch einmal über die Titelseiten der Bücher rüberzuschauen, die es zur Veröffentlichung freigibt (wer sich dieses Buch über diesen Link bestellt, tut uns einen Gefallen: wir kriegen zwar kein amazon-Partnerlink-Geld, so einen Quatsch gibt’s hier nicht, aber es gibt einen Dummen mehr auf dieser Welt, und davon leben wir ja hier).

3 Airbags
Für mehr Sicherheit: der Dreifach-Airbag

Michael Schanze und Rolf Zuckowski haben es uns in abertausenden von Liedern eingetrichtert: Obacht auf der Straße! “Mein Platz im Auto ist hinten”, da weiss man Bescheid. Ich bin also sensibilisiert und ziehe es daher vor, den öffentlichen Personennahverkehr in Anspruch zu nehmen, um von A nach, na? eben: B zu kommen. Dementsprechend selten kriege ich unser Auto, das wir dennoch haben, zu Gesicht, denn Parkplätze sind rar vor unserer Haustür. Wenn ein Auto nur lange genug unbenutzt an einer Stelle steht, steigt schon aus rein statistischen Gründen die Wahrscheinlichkeit, dass irgendetwas damit passiert. Es ist ja garnicht lange her, da hatten wir das Auto einen runden Monat, als uns “die Schweine” die Frontscheibe eingeschlagen haben. Das war unsere eigene Schuld, einen neuen Wagen geradezu provozierend sauber an den vordersten Parkplatz der Straße zu stellen. Lehrjahre sind Herrenjahre, unser Lehrgeld haben wir bezahlt, das lassen wir uns eine Lehre sein etc. Das sollte uns nicht noch einmal passieren!

Und jetzt halt doch wieder: Nach unserer letzten Fahrt vor zwei Wochen ließen wir das Auto Auto sein und gingen unserer Wege. Und gäbe es just an diesem jetzigen Abend keinen Sonderfall, der mich dazu brachte, zu später Stunde noch einmal unser Auto aufzusuchen, wir wüssten noch übernächste Woche nicht, dass der Wagen bereits vor über einer Woche abgeschleppt wurde, um einer Baustelle Platz zu machen. Bescheid geben die einem ja nicht. Im Gegenteil darf man sich auf der entsprechenden Informationsseite anpampen lassen (“entweder gestohlen (was elten (sic!) der Fall ist) oder abgeschleppt”), dass es doch genug Parkraum gäbe und man sich nur ein wenig Mühe geben müsse bei der Suche. Ja offensichtlich wohl nicht!

Und darum noch einmal, liebe Kinder, Eltern, Großeltern und unsere Freunde in Österreich und der Schweiz die Riesenbitte: passt auf im Straßenverkehr! Achtet auf eure Autos, werft gelegentlich mal einen Molotowcocktail Blick drauf und wenn es hart auf hart kommt und die Karre doch futsch ist, haltet euch an die Weisheit von youtube-User sCrIpTeRzU:
scripterzu

Pink’s not dead (yet)

Cuba Libre Jr., 31. Oktober 2009

pink

Während es den Rest des Jahres eben ihre Aufgabe ist, auf die “freche Mädchen”-Attitüde Pubertierender abzuzielen und ihnen mit dem ewig gleichen, harmlosen Blödsinn einzureden, total anti und rebellisch zu sein. Popröhre! Wie mich das schon wieder aufregt, dass sie sich hier aufregt, SIE!

Der Mann, der Der Mann, der Gott verklagte, verklagte

Cuba Libre Jr., 1. August 2009

Müller, diese Drogerie-Medienmarkt-Chimäre, in der das einzige akzeptierte Zahlungsmittel “Gutscheine” zu sein scheint, lockte uns mit dem Versprechen, 5 Filme für 20 Euro abgreifen zu können. Zum Glück lag hier seit etlichen Monaten noch ein Gutschein mit eben diesem Gegenwert bei uns herum, mit dem wir nichts anzufangen wussten, so wie überhaupt Gutscheine bei uns eine sehr lange Verweildauer pflegen. Wer den Rabattbon nicht ehrt, ist den Gutschein nicht wert. Es war bereits kurz vor Ladenschluss, als wir uns durch die Reihe “guter und bewährter” Titel, sprich unverkäuflichem Mist, wühlten, als das Personal wie von Sinnen anfing zu tanzen. Das wiederum lag an der grässlichen Musik, die da auf einmal tönte: “Wir sagen dankeschön, 20 Jahre Die Flippers”, ein an sich unhaltbarer Zustand: 20 Jahre Die Flippers. (Erschrocken stelle ich während des Schreibens fest, dass just dieses Jahr eine Neuauflage des Lieds erschien: 40 Jahre Die Flippers.)

Das Lied, so verstanden wir, spielte das Personal nicht zum Spaß, so wie Personal ja grundsätzlich und per definitionem niemals etwas zum Spaß tut, sondern um die Jüngerschaft schnell und effektiv aus ihrem Tempel zu vertreiben: Feierabend. Nun waren wir durch ein paar Filme schon angefixt und wollten die fünfe voll machen, weswegen wir recht wahllos noch zulangten und die durch den Schlagerbeat schon völlig losgelösten Kassierer (hätte es nicht eine Durchsage, die den Ladenschluss ankündigt, auch getan? Wir bekamen dieses Ansinnen erst mit, also wir schon die letzten auf der ganzen Etage waren) noch einmal aus der Vorfreude auf ihr Feierabendbier und dem Fun Freitag mit einer neuen Sendung namens “Schmitz in the City” rissen.

So verließen wir den Laden mit den Filmen Wenn der Wind weht, dem meist nachgefragten Film überhaupt, da ihn jeder als Kind gesehen hat, von seiner Wirkung komplett verstört wurde und jetzt eben überall nach diesem Zeichentrick mit dem alten Ehepaar, das einen Atomschlag überlebt, sucht, Running Scared, der Odyssee mehrerer Protagonisten und einer Kanone durch die Nacht (sehr empfehlenswert), She’s having a baby *sigh*, Zug des Lebens, von dem ich noch nie gehört habe, an den ich aber mal vorsichtig optimistisch rangehe und dem Grund, warum ich mich bei diesem Dreckswetter (Sonne!) überhaupt an die Tastatur bemühe, die Heilige Pflicht des notorischen Meckerers verlangt jedoch danach: Der Mann der (sic!) Gott verklagte. Weiterlesen »

Liebes Arschloch,

Cuba Libre Jr., 24. Mai 2009

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eigentlich müsste ich Dir ja auch ein wenig dankbar sein. Nicht unbedingt dafür, dass Du unser Auto nicht auch gleich ganz abgefackelt hast, anstatt nur mit einem Stein wie blöd auf die Frontscheibe einzuschlagen (ist schließlich ein Franzose!), sondern dass ich andernfalls nicht mit der Bahn gefahren wäre und folgene menschliche und allzumenschliche Begebenheiten doch glatt an mir vorbeigezogen wären:

- die gelöste Stimmung bei 30° C in einem Hauptbahnhof am letzen Bundesligaspieltag.

- das unglaubliche Glück, dass einem als Nerd widerfährt, wenn man eine Busfahrkarte ausgehändigt bekommt, die einen als leeten Zeitgenossen ausweist.

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- die Erkenntnis, dass der Sindelfinger Puff zwischen Ikea und Moschee seinen Mitarbeitern T-Shirts ausgibt, die ihn als als eben stolzen solchen erkennbar machen und gleich auf den Internetauftritt des Etablissments hinweisen. Ein T-Shirt, das man gerne trägt! Und nächstes mal: ruhig Kopf hoch!

- einen herrlichen Trialog dreier NaturheilärztInnenInnenInnen, die sich einem unglaublichen Hirngewichse über die verlorengegangene Matriacharkultur alter Mayaindianer(Innen!) hingaben, wobei jede versuchte, die anderen durch noch profunderes Fachwissen auszustechen. Eine zweifelte sogar an, dass überhaupt je eine Kultur ein nennenswertes Matriachart hervorgebracht hat *empör* Eine Unterhaltung, die ein Freund des Alltags auf keinen Fall hätte verpassen wollen.

Nein, es hat schon alles seine Ordnung so. Insofern bin ich Dir auch nur ein bisschen böse. Ein Arschloch bist Du aber trotzdem, Du konntest ja nicht ahnen, dass ich mich auch noch über die kleinen Dinge freuen kann. Denn wer kann das schon? Du? Wohl nicht…

Was er dort als unschön empfindet

Cuba Libre Jr., 30. April 2009

Killerspieldebatten öden mich seit jeher an. Eine nie älter als 19 werden wollende Leserschaft diverser Gamemagazine, die ihre Leserbriefe vorwiegend mit lateinischen Zitaten einleitet, um seriös zu klingen befindet sich im ewigen Kampf gegen die offensichtlich nie abtreten wollenden Opportunisten, denen die Materie egal ist und eben jenen anderern Politikern, denen Computer fremd sind und die deshalb Angst vor dieser Welt haben. Ich ging also nicht davon aus, emotional besonders gefordert zu werden, als ich an diesem morgen eine Diskussion zum Thema zu lesen gedachtetetete. Erare humanum est! (oder so, ICH kann ja kein Latein!), denn schon bald begann ich zur Melodei eines bekannten Hits vor mich hin zu summen: Can’t stop raging.

creye

Was sind eigentlich „Killerspiele”? Bei Supermario werden Frösche getötet, also ist es ein „Killerspiel”?
Wer entscheidet, was ein Killerspiel ist und was nicht?

Lieber Jakob, dieser gut abgehangene Witz geht anders, es handelt sich nämlich nicht um Frösche, die bei Super Mario getötet werden, sondern um Schildkröten, Pilze, Fische und ähnliches Geschmeiss. Lediglich in Super Mario 3 könnte man ein Auge zudrücken, springt Mario hier doch höchstselbst in einen Froschanzug, um besser schwimmen zu können. Wird er hier getötet, geschieht dieses entweder durch Suizid oder eben durch Gegner, die im Spiel eindeutig als negativ dargestellt werden, Gewalt hierdurch also als falsch gewertet wird, um im BpjM-Sprech zu, ja, sprechen. Bleibt festzuhalten. Die Entscheidung, was ein Killerspiel ist und was nicht, bleibt jedenfalls nicht Dir überlassen.

Meiner Meinung nach führen Computerspiele zur desozialisation, der Konsum von jeglichen Spielen und online Medien im Übermaß.
Die Online-”Freunde” trifft man nur zum virtuellen Spaziergang!
Abends wird gezockt satt Party zu machen. Führt das nicht auf langzeit zu psychischen Störungen?

Da ist viel Wahres dran, bzw. nur ein bisschen bzw. naja. Das Zauberwort in deinem ersten Satz heisst Übermaß. Warum gilt dieses aber ausgerechnet für Computerspiele und online Medien (sick!!!)? Führt nicht der übermäßige Gebrauch von zum Beispiel Drogen viel mehr zur Desozialisation, ein Wort, das mir übrigens beim Ausschreiben immer wieder Kummer macht (kleiner Zwischenrant)? Ist es nicht sowieso immer die Dosis, die das Gift macht? Wo genau ist denn jetzt die Argumentation?
Und was, lieber Jakob, ist nun eigentlich dagegen einzuwenden, sich mit “Online”-Freunden, pardon, Online-”Freunden” zu einem virtuellen Spaziergang zu treffen um über Themen zu reden, die man relevant findet, oder eben auch irrelevant (ein wichtiger Aspekt bei Freundschaften ist ja die gemeinsam zelebrierte Redundanz), meinetwegen auch, um gemeinsam Orks abzuschlachten, ja, abzuschlachten? Ist es nicht gehaltvoller, als sich total real (englischer Ausdruck, slang) auf einer Parkbank dumm zu saufen? Welcher Irrglaube verleitet Dich eigentlich dazu, qualitative Maßstäbe an die freundschaftlichen Beziehungen fremder Menschen anlegen zu können?

Man muss berücksichtigen, dass nur ein minimaler Teil der Gamer und Web-Junkies Amokläuft.
Es handelt sich also um Ausnahmefälle, wenn auch schreckliche, allerdings sollte man das Computerspielen nicht generell verbieten.

Man sollte überdies auch beachten, dass generell nur ein minimaler Teil aller Menschen überhaupt Amok läuft. Es handelt sich also nur um Ausnahmefälle, wenn auch schreckliche, allerdings sollte man das Dasein nicht generell verbieten.

Bis hierhin, und das ist ja das Irrwitzige, war das alles ja weder neu noch originell, und ganz sicher nichts, weswegen ich hier ein großes Fass aufmachen würde. Derlei Dumpfsinn wie dort oben liest man ja allenthalben und würde man dafür jedesmal die Tastatur zwecks Reaktion bemühen, man käme ja garnicht mehr zum Spazierang, online oder offline, mit Freunden oder halt doch nur “Freunden”. Nein, es ist folgender hinterhergeworfener Kommentar Deinerseits, der meine Augen zusammenkneifen ließ:

Noch ein Kommentar!
Was ich hier als unschön empfinde, dass du allen Link in den Kommentaren ein nofollow verpasst.
Dadurch bringt der Kommentar Suchmaschinentechnisch gar nichts. Eigentlich ist es doch unter Bloggern so üblich, dass (vernünftige) Kommentare durch den Backlink quasi belohnt werden!

Ja Herrschaftszeiten, heulheuldoch. Diesen ganzen obigen Erguss unter der Fahne des “erstbesten Gedankens, der einem so kommt” also nur, um ein paar zusätzliche Klicks abzugreifen, um deiner traurigen Existenz also SEO-Nachwuchs ein wenig Berechtigung zu geben, um, quasi, belohnt zu werden? Nun weiss man ja, auf welchen sektenähnlichen Blogs und Foren euresgleichen euch vorwiegend aufhaltet, auf denen ihr euch dann einen runterholt auf Linklisten, den neuesten Suchbegriffen und sonstigem irrelevanten Schmonz und ihr euch austauscht über dien pixelgenau besten Platz, an dem man seine Blogroll setzen muss und wie genau man eigentlich eine Überschrift schreiben muss, um wahrgenommen zu werden, wenn man inhaltlich schon nichts zu sagen hat. Aber muss man sich von so einem sagen lassen, was Leben heisst? Nein? Siehste!

Auf Stefans richtige Erwiderung, dass eine Diskussion, die sich aus einem Kommentar ergibt, doch eigentlich der Belohnung genug sein müsse, konterst Du mit unsympathischer Lernresistenz folgendes:

Und was bringt es wenn auf einer Seite alle externen Links ein nofollow erhalten? Denkst du, dass bringt SEO-Technisch was?
Die Linkpower für interne Links wird meines wissens nach nicht von den externen Links auf ner Seite beeiträchtigt.

Du verkennst, dass dieses SEO-Gehabe ein leeres ist. Dass sich eben außer ein paar versprengten Taugenichtsen so rein niemand dafür interessiert und dass sich eben niemand, der ein Anliegen hat, Gedanken macht, ob “dass SEO-Technisch etwas bringt”, was er schreibt oder wie er sein Blog administriert. Du verschwendest zu viel Zeit ein eine Thematik, die weniger Fans und Relevanz hat als Magic: The Gathering, so wie ich hier unnötig viel Adrenalin auf Dich verschwende, und es sei angemerkt, dass Magic: The Gathering-Fans sehr wohl um ihren Status in der Gesellschaft wissen und sich deswegen nicht als Bestimmer aufführen, die anderen Leuten erzählen, wie sie ihr Blog zu führen haben. Ey. Es ist schon ein Witz, aber kein guter, mit welchen Worten Du schließt:

Aber klar, es geht ja auch noch um was anderes als SEO im Internet, nämlich um sinnvolle Kommunikation. Viele Blogger kommentieren auch lediglich zum Zweck des kommentierens, was unschön ist!

Lg, Jakob

Nicht reden, machen!

Die Verlosung der Gesellschaft

Cuba Libre Jr., 2. Februar 2009

Schenkt man Menschen Glauben, die sich in den letzten Tagen von ihrem Fernseher losreissen konnten “um noch einige Besorgungen zu machen”, stapelte sich die deutsche Verfügungsmasse (mal wieder) in deutschen Trinkhallen und sonstigen Lottoannahmestellen, um ein paar Kreuze zu machen, nicht, um sich Volksvertreter zu wählen, hier immerhin scheint das Volk verstanden zu haben, dass es nichts bringt, sondern um die “Steuer für Menschen, die kein Mathe können” (Quelle: irgendwo aufgeschnappt) abzuführen.

macs

(Spreeblick-Kommentatoren, Symbolbild)

Das ist noch halbwegs harmlos, da man diesen Unfug anonym durchziehen kann, wobei dieses Recht mit einer nicht unerheblichen Menge Geld abgegolten wird. Schlimm wird es, wenn Verlosungen an Bedingungen geknüpft werden, was vorhersehbar immer damit endet, dass sich eine nicht zu unterschätzende Masse nicht entblödet, einen peinlich-peinlichen (was soll man dazu sonst sagen?) Kommentar abzugeben, um einen begehrten Preis abzugreifen, der bis zur Sekunde vor dem Gewinnspiel noch überhaupt nicht begehrt, ja wahrscheinlich nicht einmal bekannt war. Denn sagt der Preisverleiher “Spring!”, folgt der Untertan und macht dazu noch wuff, und das meine ich nicht einmal im übertragenem Sinne, denn:

Kaum, dass Spreeblick per Twitter verlautbaren lässt, ein Handy unter die Leute zu bringen, wird der Kommentarbereich in nicht weniger als 2 Stunden mit weit über 100 Kommentaren geflutet von Leuten, die sich hin- und hergerissen sehen zwischen dem Drang, möglichst schnell einen Kommentar abzugeben, um bemerkt zu werden (endlich einmal!) und der Vorgabe, kreativ seine Geekness zu illustrieren. Durch diesen Zwiespalt völlig überfordert, versucht sich der Großteil am Humor und scheitert kläglich, wenn er Dinge schreibt wie


Meine Hündin heißt Beta und bellt «wtf» statt «wau». Wenn sie mal muss, dann kommt nur Code. Also bitte.

oder mehreren Dutzend Derivaten von


Das ist ja mal eine 1337e Verlosung. \/\/4|\|7 G1 plz. k thx?! cu. xD

was in diesem Fall immerhin insofern an Komik gewinnt, als dass dieser Kommentar um 13:37 Uhr abgegeben wurde.

Eine andere Qualität gewinnt dieser Gewinnspielirrsinn jedoch, wenn der Leser nicht mehr Teilnehmer, sondern Teil des Gewinnspiels wird, ja zum Gewinn selber. In einer unsäglichen Aktion rief Sascha Lobo zur allgemeinen Followerverlosung auf, in der die gegenseitige Vernetzung von Menschen degradiert wurde zu einem Witz zur Ankurbelung der Bekanntheit des neues Must-read und um noch einmal klarzustellen, wer hier der kreative ist. Auch die Teilnehmer waren sich des Blödsinns wohlbewusst und packten ihre Teilnahmetweets in selbstironische Watte á la “Diese #Followerverlosung ist ja total albern *grins*” o.ä., so genau kann ich das nicht zitieren, da mich bei diesen Tweets derart heftiger Juckreiz packte, dass ich spontan alle Teilnehmer aus meiner Liste warf. Es fehlte sowieso ein Kalibrierungsrichtwert zur Entschlackung, dieser erschien mir durchaus angemessen. Der Gewinner darf sich nun über ein paar Follower mehr freuen, denen er völlig egal ist, was ihn aber nicht weiter stören dürfte, ging es ihm doch wie allen anderen lediglich um die selbsttragende Aufmerksamkeit, die sich so auch ohne Inhalte schnell generieren lässt. Herzlichen Glückwunsch!