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Die kommerzielle Okkupation des öffentlichen Raumes ist auch nicht mehr das, was sie mal war (Teil 1)

Frank, 2. Februar 2007

Nimm Mars, gib Gas

Hallo Hersteller des “wohl berühmtesten Schokoladenriegels der Welt”. Ein paar Euro mehr an die Werbeabteilung, für einen geringfügig pfiffigeren Claim, waren nicht drin?

Der dämlichste Blogkommentar aller Zeiten? Mindestens!

Frank, 1. Februar 2007

Gar nicht erst hart an der Grenze, sondern weit darüber hinaus ist ein Kommentar, den ich im Blog der PC-Spielezeitschrift Gamestar fand. Folgende Ausgangssituation: Ein verdienter deutscher Spieleprogrammierer stirbt. Der ehemalige Redakteur Mick Schnelle verfasst einen Nachruf. Nach dem für’s GS-Blog üblichen adoleszenten Kommentargeplänkel (“Erster” – “Doch nicht^^”), offenbart ein junger Leser seine ganz persönlichen Vorstellungen und Relationen in Sachen Taktgefühl, Weltbild und – schlicht – Logik via Blogkommentar:

Da kracht mein Kopf doch dreimal (mindestens!) laut krachend auf die Tischplatte, weil mir der Schmerz versichern soll, dass ich noch nicht in der Hölle bin. Hallooooo?!?! Mal abgesehen davon, dass es alleine in Mittel- und Südamerika von Cortez bis Pinochet dutzende bessere Beispiele für das personifizierte Böse gibt als ausgerechnet Fidel Castro – wie beschränkt muss man denn sein, Saddam als Beispiel für die absurde These heranzuziehen, dass “das Böse” eine größere Lebensspanne habe? Ach so: “aber vielleicht auch nicht, GRINS!!!!1elf”. Paraphrase: Ich habe keine Ahnung, brabbel aber trotzdem drauf los, weil ich ja dazu stehe, keine Ahnung zu haben. HNNNNG!

Fidel, Saddam, die Verwandtschaft. In einer Reihe – als Steigerung? Na gut… Vielleicht dachte der junge Mann ja an die Blähungen von Tante Elke und baute sich innerlich eine assoziative Verknüfung zu Saddams Giftgas-Völkermord…

Herr, lass Hirn regnen!

Standesdünkelzentralpostillenbashing

Frank, 28. Januar 2007


Foto: otzberg (cc)

Ein Grund dafür, warum ich die FAZ – trotz einiger guter Artikel – verachte, ist der intellektuell-abgehobene Nimbus, der das Blatt umgibt und auch umgeben soll. Den finde ich kaum erträglich.

Ein paar Zielgruppen-Klischees? Gerne. Es fängt beim Format an: 371 × 528 Millimeter darf man schon fast als separatistische Tendenz bezeichnen. Ein mit Rührei gefüllter Mund wird beim Frühstück niemals “Schatz, reichst Du mir mal bitte den FAZ-Sportteil?” hauchen, sie ist einfach zu großformatig um bei Tisch gelesen zu werden (wobei, die “Bild” ist noch größer – aber die hat auch eine höhere Schriftgröße und weniger Schachtelsätze). Im öffentlichen Raum sieht man das Blatt deswegen meist zusammengefaltet anzugstoffgefilterten Achselhöhlenmief atmen. Nein, die Frankfurter Allgemeine wird entweder vorgezeigt oder in schweren Ledermöbeln “genossen”, am besten mit Pfeife im Mundwinkel. FAZ-Leser sind über fünfzig, männlich, beruflich erfolgreich und fahren BMW oder Mercedes. Sie glauben an die Gesetze der Ökonomie und die Faulheit der anderen. Sie sind stets hart gegen sich selbst, allein schon indem sie das vollkommen unbunte und gediegen-steife Layout ertragen. Die dezente, aber prägnante Werbung spricht sie deswegen an, weil sie genau auf das Selbstbild der intellektuellen Elite abzielt: “Gehen Sie in Meinungsführung”, “Kopfstütze”. Alles klar, ihr mich auch.

Über Frank Schirrmacher reden wir gar nicht erst. Das kann die taz besser.

Dass das Feuilleton als links und/oder progressiv gilt – meinetwegen, mir egal. Solange, die Nase hart am Wind, für Bücher mit vollkommen abgehobenen FAZ-Zitaten wie diesem geworben wird, die keinen Zweifel zulassen, wer die Mehrzahl sein soll und wer die Minderheit:

faz die korrekturen

Spiegel-Leser wissen mehr, FAZ-Leser wissen alles. Und zwar besser. Eklig.

No matter what I do, I do it just for you

Frank, 22. Januar 2007

klaws

Castingshows sind nicht deswegen blöd, weil sie Müll sind. Der Großteil aktueller Fernsehunterhaltung ist das.

Castingshows sind blöd, weil man sich immer mal wieder dann doch verschämt dabei erwischt, sabbertriefend und vakuösen Hirnes “mitzufiebern”, wenn sich ein paar arme Tropfe von minderbemittelten Nord- oder Ostdeutschen dauer-ankacken lassen, weil sie sich zu wenig aufopfern für den Fast-Food-Popkultur-Endsieg, der bloß aus weiterer Selbstaufopferung, Prostitution und andauerndem Kampf gegen die Selbsterkenntnis der eigenen Bedeutungslosigkeit besteht. Mir ging’s zuletzt in der Pizzeria so, dass ich den Blick nicht abwenden konnte. Drei runde Fladen zu belegen, zu backen und einzupacken dauert schon so seine Zeit. Im TV lief RTL, eine Tanzshow. Ein schwuler Schwarzer wird in einem Intro als “Alessandro – Der Schweigsame” o.Ä. charakterisiert. Anschließend hüpft dieser mit überzeichnenden Gesten (die dort wohl verlangt werden) zu irgendwelchen beliebigen Tönen auf einer Turnmatte herum. Nach einer Minute fragt die Moderatorin, blond, Perlweißgrinsen, den Atomlesen Atemlosen, wie’s denn so war. Nichsozufrieden, Publikum spitze, danke an meinen Freund… Der nächste bitte! Pizza fertig.

Weißt Du was? Manchmal schau ich sowas gerne.

Warum sollte man leugnen, dass man das tut, “wenn’s halt grad kommt”? Ein kleiner sensationsgeiler Voyeur steckt doch in uns allen. Man muss die Schwachmaten da ja nicht mögen. Popstars, DSDS und alle Klonformate taugen 2007 genauso wenig, den Niedergang von Kultur und Jugend zu konstatieren wie z.B. Klingeltöne. Es gibt das einfach, ein Unterschichtsphänomen, das Alltagskultur geworden ist, so what? Wesentlich anstrengender als blechernes Rapgedudel oder bleiernes Popgefistel sind die, die sich als Gralshüter des guten Geschmacks aufspielen (während sie in anderen Kontexten Ironie und die topmoderne Koketterie mit Trashkultur zum Stil erheben). Wer sich dessen schämt, Bohlen zu gucken, dem D! beim Quengeln zuzuhören, Leuten beim Rumhampeln und Schlittschuhlaufen zuzusehen – sollte besser schweigen, anstatt in despektierlicher Ironie über andere zu urteilen, die dazu stehen. Was nicht heißen soll, dass dort nicht ausnahmslos Dreck produziert würde. Nur ist es eben unterhaltsamer Dreck, wenn man gerade für Dreck empfänglich ist.

Nebenbei: Das Erzeugnis von Castingshows sind Perversionen der Popmusik. Wenn das dort vermittelte Stilbild aber noch weiter verzerrt wird – so etwa wie wenn man Brei immer und immer wieder püriert – dann kommt so etwas heraus wie das, was Mr. Batz da fand: Ein Kobold mit “Superstar”-Frisurpracht namens Declan Galbraith trällert das Nationalheiligtum “An Angel” von der Kelly Family (Remember Angelo?), stilistisch ein brünftiger Lemming, der zuviel gekokst hat (Man beachte den Gesichtsausdruck!), in Flori Silbereisens neuer Stadlstation “Am laufenden Band”. Sieh selbst, geht das noch schlimmer? Ich habe es mir bis zum Schluß angesehen.

(Bild und Titel dieses Beitrags entstammen dem furchtbaren “Behind the Sun” von Alexander Klaws)

Burtal

Frank, 27. Dezember 2006

Hört man deutschen Hip Hop, lauscht man einer eigentümliche Form von energetischer Eloquenz und extremer Eleganz. Wilde Poesie mit mannhafter Pose vermengt, vermochten im letzten Jahrzehnt (und ja auch in diesem) eine ganze Jugendbewegung zu prägen. Ein Stil, eine Lebensauffassung gar, verbreitete sich, sprang über von Vorstadt zu Vorstadt, gewann immer mehr an Substanz und vermochte es, Würdenträger wie Sido und andere in die Feuilletons der Burgeoisie zu hieven. Die wurden in solchen Haushalten gelesen, deren Nachwuchs, oben im Jugendzimmer unter dem Dach, den Hip Hop schon längst verinnerlicht hatte. Und wenn man heute durch Zufall auf ein offenes Weblog trifft, in dem das gewaltlose, das verbale Kräftemessen zelebriert wird, wenn man die komplexen Syntaxen und Metren, die stilvollendeten Reime erblickt, dann geht einem das Herz über und man vermeint, den ersten Regungen eines neuen Hölderlin beizuwohnen:

ich spürh den frosch in meinen halz mein herz lässt sich nicht öffnen /
mein schwanz is lang wie vom pferd und er presst mich in die höhe /
der grund meines lebens ist leiden und denn sinn des leben zu finden /
wer sich mir in den weg stellt den werd ich ess geben von hinten/

(…)

egal ich kämpf weiter mit hass, ich glaub ich werder nicht normal /
beim battel werden deine kleider ganz nass, und ich werde dann burtal/
ihr wisst nicht was für eine dreprission mich dann nachts anfällt /
es ist nicht normal wie wenn von deinem unterleib, dein schwanz abfällt/

BloodyP: Schmerz

[Bild: revraikes (cc)]

Betrifft: Tokio Hotel

Frank, 25. Dezember 2006

th1

Quelle: http://www.zeit.de/online/2006/45/bildergalerie-tokiohotel?9

Wen die Dame in der Mitte wohl anbetet? Ganz klar: den Toooooooom!

Rolltreppen

Frank, 20. Dezember 2006

Meistens geht die unmotorisierte Treppe schneller. ‘S liegt in der Natur der Sache: In touristischen Einzugsgebieten offenbart sich häufig die Inkompatibilität des Touristen-an-sich mit dem urbanen Leben eindrucksvoll, indem auf einer Rolltreppe gestanden wird.


Argh: Menschen auf einer Rolltreppe
[Foto: herrtobe (cc)]

Im gleißenden Licht der Lebens-, aber auch der Rolltreppenmitte in das Obergeschoss S-Bahnsteig am Alexanderplatz fährt er oder sie aufwärts, bepackt mit La Fayette- und KaDeWe-Tüten und scheint es zu genießen, das die Sonne in prachtvoller Langsamkeit immer mehr Partien seines Oberkörpers erhellt und Fragen nach der Relativität von Bewegung ihren/seinen Geist stroboskopartig durchzucken, während ich innerlich, wenige Zentimeter hinter bewusster Person, Go fuck yourself fluche.

Artig darum bittend, vorbei gelassen zu werden, ist mir schon im Ansatz klar, dass es zwecklos ist. Dass die blockierende Person sich erst einmal umdrehen wird und mir mit latent dümmlichem, fragendem Blick etwas Irrelevantes mitteilen will, dass entweder Shoppingabsicht, Herkunft oder “Müsst ihr Städter immer so hektisch sein?” sein könnte, ehe sie mich vorbeilässt, ich aber sowieso keine Chance habe die Bahn zu erwischen, die mich als letzte hätte pünktlich zum Uniseminar befördern können, weil in dem Moment in dem ich den Bahnsteig erreiche – die Tür schließt.

Diese Situation ist weder Einzelfall, noch gibt es für sie keine Steigerungen: Schlimm wird’s bei Paaren, die halten Händchen. Oder Schulklassen, die blöken, blockieren und riechen schlecht.

Links gehen, rechts stehen ist eine alte Weisheit, die uns Marie von Ebner-Eschenbach oder irgendjemand anders hinterließ. Eine Regel, die zwar schlecht ist für die Rolltreppe wegen der ungleichmäßigen Gewichtsbelastung des Geräts, gut hingegen für das Nervenkostum der Mitmenschen, vor allem der “Ureinwohner”. Wegen der viel beschworenen Eigenverantwortung aber, wie gesagt, sollte man – wenn in Eile – am besten gleich die “normale” Treppe nehmen. Wenn es denn eine gibt! Die nagenden Fragen jedoch verbleiben unverzagt: Könnt ihr euch nicht vorstellen, dass es in Berlin Menschen gibt, die keinen Urlaub machen, die Ziele im wörtlichen Sinn haben? Ja, gibt’s denn nicht wenigstens ein paar Rolltreppen als Anschauungs- und Lernobjekt bei euch? Oder anders: Hat Baden-Würtemberg keine Einkaufszentren?

Hngh! Argh! Grrrmpf!

Frank, 28. November 2006

Verdammter Mist, nichts klappt mit diesem WordPress-Theme! Ich dreh nochmal durch!

Nicht klappen tut:

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Am besten, ich versuch’s heute nicht mehr weiter, sonst krieg ich noch ‘nen Herzkasper.