Autorenarchiv

Open Brain 2.0

.markus, 28. Oktober 2007

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Foto: YGGG (cc)

Für die Sieben-Meilen-Stiefel des rasanten technischen Fortschritts findet sich heute immer eine begeisterte Masse, die freiwillig in diese schlüpft, um als Wirtschaftszombi-Armee bereitwillig für den Fortschritt zu marschieren. Aber nicht alles was neu ist, glänzt. Terry Pratchett schrieb mal in einem seiner Scheibenweltbücher:

“Wenn man einen Knopf aufstellen würde, mit der Aufschrift >Ende der Welt Knopf, NICHT DRÜCKEN<, die Farbe hätte nicht mal Zeit zu trocknen”.

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Über die Reparatur und Optimierung von Kindern

.markus, 16. Oktober 2007

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Kinder sind unsere Zukunft. Ein Satz, der in jeder Bildungsdebatte als unangefochtenes Fundament festzementiert wird. Darüber planen die Architekten der Staatspädagogik und Bildungspolitik jedoch ein garstiges Haus, in dem wir und unsere Kinder lernen sollen. So sehr die Debatte über die Bildung auch gespalten scheint, eins eint die Disputanten, die Optimierung von heranwachsenden vollfunktionstüchtigen Arbeitskräften, die im jungen Alter für den globalen Wirtschaftsmarktkampf gerüstet werden sollen.
Die einseitige Ausrichtung der Bildung auf Wirtschaftlichkeit und Produktivität erschreckt mich immer mehr, weil es der symptomatische Ausdruck eines neoliberalen und wirtschaftsfaschistischen Menschenbildes ist, dem auch das zynische Wort “Humankapital” entspringt.

Solche Fernsehdebatten sind entsetzlich. Neben dem unbändigen Wunsch volltrunken und pöbelnd dabei zu sitzen und schallend laut, über jeden dummen Spruch, über jeder hohle Phrase zu lachen, überkommt mich eine schaudernde Gänsehaut, wenn ich solch Vokabular und Gedanken höre.
Wenn die aktuelle Forschung festgestellt hat, dass 30% (Oder so. Fakten, Fakten, Fakten gibts im Focus) der Gehirnkapazität bei einem fünfjährigen Kind ungenutzt bleiben, schreit das förmlich nach einer schulischen Frühförderung. Man könnte einem Neugeborenen ja auch gleich mal das Alphabet vor den Latz knallen, wenn es das Licht der Welt erblickt. Da schlummert noch ungeahntes Potential! Ansonsten, Kinder sind eine denkbar schlechte Kapitalanlage mit furchtbar mieser Rendite für Eltern und für Vater Staat. Erst der teure Kindergarten, dann die Schule – das undankbare Pack schließt mit einem durchschnittlichen Abitur und bricht sein Studium später ab, fehlt dann der Wirtschaft als Leistungsträger und Konsument.
Etwas anderes als Akademiker geht schon mal gar nicht und als solcher hat man sich gefälligst zu vermehren, um putzige kleine Akademikerkinder in die Welt zu setzen. In klassischen Ausbildungsberufen kann man ja schlecht so zwei, drei, vier Nobelpreise am Tag für Deutschland holen und im internationalen Vergleich, sich auch nicht mehr sehen lassen. Schreiner, Friseur, Elektriker, die kannste alle vergessen. Hat keine Zukunft, wir müssen unsere Kinder optimieren, Bildungsschäden reparieren und unsere Defizite ausgleichen. Sonst kacken wir ab und die Japaner mit ihren Bildungskasernen überholen uns, überbervölkern die Welt mit Nobelpreisgewinnern und PISA-Spitzensitzplätzen in der ersten Reihe.

Dass unser Bildungssystem krankt, ist keine Frage. Es krankt aber wegen (und an) der Ausrichtung auf wirtschaftliche Interessen und an der mangelnden Bereitschaft in Menschen und nicht in “Humankapital” zu investieren – zu investieren mit Stellenwert, Personal und Geld.
Bildung ist nicht Wissen, Qualität ist nicht Quantität und der Wert von Bildung kann nicht in wirtschaftlichen Größen gemessen werden. Kinder sind unsere Zukunft, so oder so – was für eine, das ist noch die Frage.

Foto: Cyborg (cc)

Linkliebe

.markus, 14. August 2007

Die Erbärmlichkeiten der Inhaltlosen, die verzweifelt Buchstaben zwischen Leerzeichen pressen, zogen kaum beachtet an mir vorbei, hier unkommentiert. Anderenorts widmete man ihnen ein paar noch viel zu nette Zeilen, aber da trete ich jetzt gerne nach.
Wie armselig sind die Spammer, die mit eingeklemmten Schwanz zwischen Google und Technorati hin und her winseln, die billigste Anbiederungsversuche freudig jaulend begrüßen und die sich im Schlamm der Schlacht um Klickzahlen suhlen.

Lust auf ein kleines Blog-Spielchen zur Sommerzeit? Bock auf mehr Backlinks und höhere Autorität bei Technorati?

So klingt es, wenn die Webpopkultur mit den Begrifflichkeiten des RTL-ruf-an-und-gewinne-Niveaus vögelt. Wenn es wenigstens um Spaß und Unterhaltung (wie bei “Stöckchen” (manchmal)) gehen würde, aber nein, hier entlarven sich die Protagonisten der Linkspiele selbst. Es geht um die Anerkennung der Anerkennung willen, um eine Profilierungssucht, die nur den Wunsch des Erfolges kennt, ohne jegliche Hintergrundlage. Der Künstler, der Klinken putzt, darf nicht verdammt werden – der Schreier, der Inhaltslosigkeit mit dem Gerede über Inhalt verbirgt, muss.

Während sie mit vollautomatischen Feuerwaffen Jagd auf Schwärme machen, schießt “SEO & SEM & skuub” den allergrößten Vogel ab. Linkliebe nennt sich das. Und wieder kommt dieses Gefühl hoch, das sich nicht entscheiden kann ob es Lachen oder Weinen soll, beim Anblick dieser grausigen Wortkombination. Linkliebe – Ich pop(p) mit meinem Blog. Kinderherrgottherrschaftszeiten, wo ist die Liebe bei euch eigentlich hingegangen?

Gift und Galileo

.markus, 19. Juli 2007

GalileoTote Menschen haben es bekanntlich nicht leicht, was ihnen selber aber nichts mehr ausmachen dürfte – weil sie ja tot sind.

Karl Marx müsste beim Wissen um den real existierenden Sozialismus wahrscheinlich derart im Grabe rotieren, dass man damit Strom für den ganzen ehemaligen Ostblock erzeugen könnte. Galileo Galilei würde vermutlich vom schiefen Turm von Pisa springen, wenn er erfahren müsste, welch ein pseudowissenschaftlicher Müll seinen Namen trägt, der kaum das Wort Info in Infotainment verdient und der 2-3 Fakten mit viel Rauch auf 70 Minuten aufbläst.

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…denn das Rudel tollt, wenn der Rubel rollt!

.markus, 4. Juli 2007

Da man bei diesem Thema, die einzelnen Bäume – gegen die man pinkeln könnte – vor lauter Wald nicht mehr sehen kann, kommt hier nun die ungeschminkte Abrechnung mit der ganzen Sparte von Schmalspurtagebuchschreibern, den SEO-Jüngern, den Backlink-Checkern, Blogcharts-Geilen und den Google-Fischern, ja ja ganz genau, endlich!
Jedes Blog ist ein Unikat, weil jeder Blogger ein Individuum ist, sage ich gerne mal (jedenfalls im übertragenen Sinn) und will damit meinen, wie schwachsinnig eine Kategorisierung ist, mit der man sich als Gemeinschaft, als Blogosphäre ansieht.

Ich lag ja sowas von falsch.

Diese Blogosphäre gibt es und sie bezeichnet sich selbst auch völlig ironiefrei so. Hier werden die Mücken von A-Bloggern zu Elefanten aufgeblasen, hier wird Keyword-optimiert geschrieben und hier findet man die Gründe, warum sich Blogs nie als wirklich bedeutsames Medium etablieren konnten. Es sind die seichten Gewässer, in denen die Wellen Schaum schlagen und die gähnenden Abgründe der Langweile.
Es sind die Blogs, die für Traffic geschrieben und die auf Traffic optimiert werden. Die Blogger die sich fragen “Wie mache ich mein Blog bekannt”, bevor sie sich der weitaus wichtigeren Frage gestellt haben: “Warum sollte ich denn mein Blog überhaupt bekannt machen?”
Jeder kleine Furz, der ein paar Klickzahlen verspricht, wird getrackbackt und kommentiert. Jede Diskussion, von der man sich ein paar Besucher erhofft, wird durch sie verwässert. Man macht “Link-Love”-Spielchen und regt sich dann erbärmlicherweise darüber auf, wenn der Betreiber von deutscheblogcharts.de sie nicht in die Statistik einfließen lässt. Man geilt sich an dem Traffic auf, den man durch die Google-Zensur eines bekannten Pornovideoportals bekommt, man freut sich über jeden Suchmaschinen-Versager, der sich auf die Seite verirrt und dann auf eines der zahllosen Werbebanner klickt.
Derbes Unwohlsein entwickelt sich bei mir in der Magengrube, wenn ich wieder einmal über diese Ansammlung von Schwachsinn, tausend Mal nachgeplapperten Standardmeinungen und über diese trafficgeile Keywordschreibe stolpere.

“Yigg mich” schreit es einem aus zwischen der Werbung platzierten Beiträgen. “Klick mich”, blinkt es überall. “Linkst du mich, linke ich dich”, hört man überall. “Links sind die Währung der Blogosphäre “, sagen die gerne und schielen auf Technorati.

Es bereitete mir ehrlich gesagt Mühe diesen Artikel in der CrapLogschen Form zu schreiben, denn eigentlich ist das alles nur eins – traurig und überflüssig.

Man kann, man darf, man muss

.markus, 21. April 2007

Man kann, man darf, man muss sich auch über Adolf Hitler und das 3. Reich lustig machen können. Wie weit darf Satire gehen? Soweit sie will, so lange sie witzig ist! Dass die Tageszeitungen Führers Geburtstag natürlich nicht unbemerkt verstreichen lassen können, leuchtet ja noch ein. Dass Satire dabei ein nützliches Stilmittel darstellt, ist auch durchaus verständlich. Aber bitte nichtso:

Adolf Hitler – der Knuddelbär, der zu viel furzte” (via)

Satire darf auch weh tun. In ihrer Aussage, aber nicht in ihrer Form.
Hans Grimm von der WELT hat das wohl nicht verstanden und liefert uns einen Artikel, der zudem noch humoristisch an die “Fritzchen-Witze” unserer Kindheit anknüpft.

Please Disurbanize

.markus, 8. April 2007

Beginnen wir am Anfang. Mit einer persönlichen Einleitung, die darauf aufgebaut ist, wie ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge vorm Fernseher saß. Ha! Da hatten es meine Augen noch wirklich gut. Meine Ohren, meine armen geplagten Ohren bluteten.
RTL II, Werbepause. Knut ist gut. Mit einsamen Singles flirten für 1.99 € pro SMS. Dein persönliches Horoskop aufs Handy. Ihr kennt das ja. Ich nicht, ich bin weitgehend fernsehabstinent und jedesmal aufs neue fasziniert und entsetzt.

Mich überkommt nun der Drang wahllos Fäkalworte in den Mund zu nehmen, um zu beschreiben, was ich da sehen und hören musste, aber ich will und werde mir meine Flüche für wichtigeres aufbewahren.

Der medial ge(un)bildete Leser wird es anhand der Überschrift sicher schon geahnt haben. Es geht um:

Urbanize – Warten auf Dich

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Die Blogosphärische Sprache

.markus, 6. März 2007

Was bestimmt eigentlich die Qualität von Blogs?? Gibt es soetwas wie eine Blogosphärische Sprache?? Ich persönlich bin ja der Meinung, dass ein gutes Blog solch eine Sprache spricht. Es ist etwas ganz eigenes. Aber nicht jeder kann diese bestimmte Blogtextsprache auch niederschreiben. Ich kenne Blogs da sitzen Journalisten dahinter, diese schreiben ja solch einen Unsinn das einem der Bildschirm schmilzt. Und ich kenne Arbeitslose Harz4 Empfänger, die solche eine textliche Form perfekt sprechen und deren Blogs ein Paradies textlicher Sprache sind.

Es sind teilweise sehr unterschiedliche Blogs, doch die meisten Blogs in der Blogosphäre die solch eine Sprache perfekt niederschreiben kommen eindeutig aus der IT-Branche. Ich kenne z.b nur sehr wenige Blogs, die textlich anspruchvoll schreiben und wo es z.B über ganz private Dinge geht. Auch durchforsten diejenigen textlich begabteren Blogger, die Blogosphäre mehr als herkömmliche Blogger.

Die Blogphilosophie des Alexander Stritt. Kritisieren wir der Abwechslung willen, in mehreren Formen:

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