Autorenarchiv

Aaaaaaaaaaarcor

.markus, 5. February 2009

Auch wenn es schon tausendmal gesagt wurde. Auch wenn es schon breite, ausgetretene Pfade sind. Auch wenn es der Hut vom Urururopa ist. Und auch wenn es tausendmal interessantere und wichtigere Dinge gibt, die einen bewegen: Der Service von Telekommunikationsfirmen ist einfach beschissen!

Schnee von nirgendwann

.markus, 16. January 2009

Es hat heute hier nicht geschneit. Das ist die relevanteste Information in diesem Beitrag. Man kann “der Blogsphäre” viel vorwerfen, aber nicht, dass sie nicht genügend Stoff für das Craplog liefern würde und einige Dinge dürfen hier nicht unkommentiert bleiben, nicht weil sie bedeutend sind, sondern weil sie in gewissen Blogs zur Bedeutung aufgeblasen wurden. Die aktuell schwirrende Mücke, die einem überall als Elefant entgegengetrampelt kommt, ist der Verkauf des “des meistverlinkten Blogs in Deutschland” mit seinem Premium-Content, Buzz & Businessbullshit inclusive.

Lass uns doch bitte wieder übers Wetter reden, oder über die theoretische Möglichkeit, dass ein Sack Getreide in einem fernen Land umfallen könnte. Soderle.

Sei artig und bedank dich bei dem netten Onkel

.markus, 3. December 2008

wer bild texte liest ist doof

Ja ist denn heute schon Bundestagswahl? Erst kämpft die CDU gegen die Windmühlen der deutschen Sprachveruntreuung, dann besinnt sich die SPD urplötzlich auf ihre sozialen Wurzeln und schlägt “Shopping-Gutscheine” vor. Ich habe gerade mal meine durchschnittliche Kauflaune mittels irgendeinem Geschäftsklimaindex (oder einem Thermometer) gemessen und erstaunt festgestellt, dass wenn sich denn so ein Shopping-Gutschein zu mir verirren würde, ich die komplette Konjunktur derart anheizen könnte, dass die Sonne als Hitzequelle konkurrenzunfähig werden würde und Konkurs anmelden müsste.
Ich würde das Geld ja nehmen. Mal ehrlich ein paar hundert Tacken für lau, da geh ich nicht auf die Straße dagegen. Und wenn gerade eine marode Bank nach der anderen sich ihre Vorweihnachtsgeschenke beim Staat abholt, könnte man ja denken, dass auch der kleine, gemeine, durchschnittliche Bürger eine Konjunktur-Direktinjektion verdient hätte. Könnte man denken. Nun sieht das leider so aus, dass unser lieber Staat die Kohle auch nicht ganz so flüssig hat, sondern sie nur kurzfristig hergibt, dass sie mittelfristig wieder zurückkommt, um langfristig wieder in kurzfristige Konjunktupakte investiert werden zu können.

Kurze Werbepause: Betrachten Sie die schön Welt da draußen oder drinnen, drücken sie Ihre oder Ihren Liebste/n ganz kräftig und genießen Sie einfach mal den Moment. Sie dürfen jetzt auch lachen, das soll schließlich gesund sein (Diese Werbepause wurde Ihnen präsentiert von keiner Kaffeemarke, keinem Waschmittel und keiner Automarke. Sie brauchen nichts zu kaufen. Wir wünschen Ihnen einfach nur ein wunderbares Leben)

Ich komme mir manchmal blöd vor. Etwa wenn mich eine Verkäuferin nach meiner Payback, Getback oder Deutschland-sammelt-Punkte-sammeln-Sie-mit-Karte fragt oder ich mit heruntergelassenen Hosen auf einem Marktplatz stehe (was eher selten vorkommt). Ich komme mir auch blöd vor, wenn ich das Gefühl vermittelt bekomme, ein dummes Wirtschaf zu sein, das mit Kauflaunenstatistiken berechnet wird. Ach, was man mit dem gesamten Geld alles machen könnte: Bayern militärisch besetzen, die ABCD-Prominenz auf den Mond fliegen (was vielleicht für den Mann darin gemein wäre), ein kleines Geschäftsessen für die Manager der Deutschen Bank oder…

… oder einfach mal richtig investieren. In die Zukunft. Langfristig. In eine bessere Gesellschaft. In Bildung. In Forschung. In Kultur. Es ist doch verdammtnochmal nicht mehr zeitgemäß, so eine Arschlochgesellschaft zu sein, deren Grundlagen Konsument und Konjunktur sind. Oder?

Imagepolitur

.markus, 1. October 2008

Es ist angerichtet. Die Hauptmahlzeit besteht heute aus unfreiwilliger Komik mit einem Schuss Idiotie (aus großen Flaschen). Man unkt ja gerne, dass die Regierung einen ins Grab bringen will – nein, sie wollen uns an der Urne haben. Möglichst frisch und unverbraucht. Die Bundeszentrale für politische Bildung verdross also die Politikverdrossenheit der Jugend und schickte Reiter in alle Himmelsrichtungen aus, die Rettung bringen sollten. Man trommelte einen “Gesprächskreis aus Fernsehsachverständigen” zusammen, dessen Ergebnis ich mir selbst mit abgründiger Boshaftigkeit nicht dämlicher hätte ausdenken können. Man kam auf “die Idee eines niedrigschwelligen, comedy-orientierten Politiknachrichten-Formates (…) als verfolgenswerten Ansatz zur Erreichung der genannten Zielgruppe“.
LOL, sagt der Jugendliche in mir. ROFL! Aber das ist alles wohl durchdacht, denn der ausgeklügelte Plan liest sich so:

“Es liegt eine Grobkonzeption des Sendungsformats vor (…). Als Format wurde die Erzählform der Sketch Comedy gewählt, die es zum einen erlaubt, mehrere Themen zu platzieren und zum anderen im Vergleich mit anderen Comedy-Formaten (Sit-Com u. a.) unter Jugendlichen auch die größte Akzeptanz hat. Als verbindendes Element der einzelnen Sketche soll eine ‘Presenterin’ fungieren, die in ihrem (fiktiven) Video-Blog, die Sketche anmoderiert und mit ihrer eigenen Meinung kommentiert. Diese Form der Kommunikation ist Jugendlichen vertraut und bei ihnen beliebt (myspace.com, schülerVZ.net, studiVZ.net). Die Sketche sollen die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen mit politischen Themen verbinden, ohne dabei belehrend zu wirken.”

Jo. Äh. Genau. Und wer im Glaushaus sitzt, sollte die Fenster putzen, damit’s von außen schön glänzt. Ich bin ja auch politikverdrossen. Vielleicht wird die Kampagne der Hit und zwischen hysterischen Lachanfällen über gelungene Pointen, nickt der junge Infotainmentierte zustimmend und verbreitet “boah, schau dir mal unsre coole regierung an. voll lol der clip, aber auch informativ” die heiteren Botschaften. Wer’s glaubt.

(Quelle und weiterführende Informationen: la deutsche vita)

Wie bin ich Gast, wie sollt ich’s sein?

.markus, 30. June 2008

Gäste sind das A und O der Gastronomie und auch noch das G S T R N M I E. Hunderte Bücher informieren, belehren und maßregeln den dienstbeflissenen Bediensteten im Umgang mit dem Kunden. Das Verhalten des Gastes selber, das sich eigentlich nur im Rahmen der natürlichen Höflichkeit und Aufmerksamkeit bewegen braucht, wird leider kaum angesprochen. Die allermeisten Gäste sind unkompliziert, manche gehen aber nur von einem einseitigen Kommunikationsmodell aus. Hier besteht dringender Aufklärungsbedarf, damit der Kellner nicht irgendwann die Theke mit den Zähnen küsst oder sich mit einer Kuchengabel böse Dinge antut.

Grundlegendes

Artikulation – die erste Silbe betont es – ist eine Kunst. Ein Leitthema, das sich hier durch alle Lektionen ziehen wird. Um grundlegenden Missverständnissen vorzubeugen, hilft es sehr, das Gewünschte in klarer (Aus-)Sprache und einer angemessenen Lautstärke zu bestellen. Selbst Frauen und babypopoglatten Jünglingen muss man allzu oft einen (metaphorischen) Bart andichten, wenn sie mal wieder “Nuschelsuppe” bestellen.

Lektion I – Die Auswahl und Bestellung

Dass Menschen in Verträgen nicht das Kleingedruckte lesen ist bedauerlich, aber nachvollziehbar. Doch auch größere Buchstaben scheinen manchmal keine besondere Anziehungskraft auszuüben. Gewisse Leute müssten unter meterhohen Stahlbetonbuchstaben begraben werden, um das Gewicht der Worte zu begreifen. Die Speisekarte ist keine Unterart der Tischdekoration, sondern tunlichst zu benutzen.
Der ausgesprochenen Bestellung geht ein Entscheidungsprozess voran, den der Gast allein durchmachen muss. Der Kellner (sollte!) kennt zwar Speis und Trank der Speise- und Getränkekarte, kann empfehlen und erklären, muss aber nicht existenziell an grundlegenden persönlichen Entscheidungsschwierigkeiten beteiligt sein. Bevor man also die Hand in die Höhe reckt, demonstrativ die Karte ablegt oder den Kellner mit Blicken anfunkt, sollte man zumindest die Stoßrichtung seiner Expedition in gastronomische Gefilde festlegen. Bei philosophischen Fragen, wie etwa “Wer bin ich und was mache ich eigentlich hier?” ist der Kellner nur bedingt fähig zu antworten. Ihn als interaktive Dropdown-Menükarte zu benutzen, kann für alle Beteiligten anstrengend sein. Warum erst einen Kaffee bestellen, wenn’s doch ein Cappuccino sein soll? Warum nicht gleich ein Weizen oder Pils bestellen, anstatt nur dumpf “Bier” zu sagen.

Lektion II – Der Tischservice

Die Auswahl ist getroffen, der Gast kann sich nun zurücklehnen und es sich gemütlich machen. Dabei wird gerne der Tascheninhalt über den Tisch ausgebreitet und das Großformat der Tageszeitung voll ausgenutzt. Ungemütlich ist das für den Träger von Speis und Trank, wenn die Stellfläche zwischen den Utensilien nur wenige Quadratzentimeter Tischplatte freilässt. Nicht jeder Kellner ist promovierter Zirkusjongleur und kann drei Teller balancierend mit dem vorderen Glied am kleinen Finger eine Zeitung falten oder Handys, Zigarettenschachteln und Geldbeutel zu einem Platz sparenden Turm stapeln – gerade wenn ihn der Gast dabei anschaut, wie Frühstücksfernsehen auf RTL II. Eine leichte Seitwärtsbewegung des Oberkörpers könnte die Tellerübergabe zudem noch mehr vereinfachen.

Gespeist und getrunken, der Gast ist fertig. Auch hier ist die Ausnutzung der vollen Tischplatte sehr beliebt und die Überreste und Utensilien einer Mahlzeit verteilen sich über diese. Von einem Gast kann man kaum verlangen, dass er die Teller stapelt, aber vielleicht, dass er zumindest eine halbwegs strategisch geschickte Platzierung für das notwendige Abräumen durch den Kellner wählt.

Lektion III – Der Zahlvorgang

Es lustiges Spielchen, spontan und gönnerhaft den Freund zum Essen einzuladen, oder zumindest einen Teil der Rechnung zu übernehmen, für den Kassierenden mitunter jedoch ein anstrengendes Verfahren, wenn sich eine genierte Bezahlungsdiskussion entspinnt, in deren Verlauf sich sekündlich die Bezahlanteile ändern. Die Goldmedaillen in der Kopfrechen-Olympiade sind rar, man darf also nicht unbedingt davon ausgehen, dass gerade dieser Kellner der Träger einer solchen ist. Während des Bezahlvorgangs zusätzlich ins Spiel gebrachte Scheine und Münzen, erhöhen zusätzlich den Verwirrfaktor. Trinkgeld nimmt der Bedienstete gern, aber genuschelte Trinkgeldsummen (siehe Grundlegendes) sorgen leicht für Missverständnisse und kurzzeitigen Unverhältnissen der Geldbörsen.

Lektion IV – Das Verlassen des Lokals

Das Verabschieden bietet ein reiches Repertoire an Wörtern und Sätzen, wovon gerne Gebrauch machen kann, um als Gast dem bemühten Angestellten der Gastronomie eine kleine letzte Höflichkeit zu erweisen.

Sie verlassen den amerikanischen Sektor

.markus, 9. March 2008

21221428 f4d39f66b9 o

Bild (cc)

Wenn man den ideologischen Populismus der letzten Politikdebatten folgt, muss man fast annehmen, wir sind nur noch einen Schritt von DDR-Verhältnissen entfernt. Die Linke schreckt gerade die letzten Hunde hinter dem Ofen hervor, die noch einmal die Parolen aus dem Kalten Krieg bellen dürfen und überhaupt bemüht man sich reflexartig aller dumpfen Vergleiche mit der DDR. Das treibt dann so bizarre Blüten, dass der als “Schraubenkönig” betitelte Milliardär Reinhold Würth sich öffentlich um sein Vermögen Sorgen machen darf und die Bundesrepublik Deutschland bereits auf einem “geradlinigen Weg in eine DDR-ähnliche Zeit, in eine Edel-DDR” sieht.

Edel-DDR. Ein Wort, das man sich auf der Zunge zergehen lassen muss. Edel-DDR. Mir zucken die Synapsen noch vom Lachkrampf, Herr Würth. Edel-DDR. Das müssen Sie mir erklären. Was bitteschön ist eine Edel-DDR?

Bla Bla, Plattitüden

.markus, 8. February 2008

Die menschlichen Sprachverarbeitungsprogramme der Abteilung “Blogs & Kommentatoren GmbH” sind quantitativ unschlagbar. Im Überfluß (hier wahlweise auch als Adjektiv benutzbar) an Text, reiht sich Buchstabe an Buchstabe, Wort an Wort, Satz an Satz und bevor man sich’s versieht – zack – schlägt irgendwo wieder eine dieser Plattitüden zu. Sie verstecken sich ganz hinterhältig zwischen Floskeln und allgemeingültigen Aussagen, langweilen oder ärgern den Leser, während sich der Verfasser noch immer besonders eloquent und geistreich wähnt.
Die weisen Worte kluger Köpfe zieren ja dank Zitatdatenbanken und Copy & Paste allzu häufig diverse Blog-Artikel, oft brutal in einen Zusammenhang mit der darunter liegenden Ansammlung von Buchstaben gepfercht. Allein die Summe der Verwendung des gebräuchlichsten Einstein-Zitates ist unendlich. Da kann man sich sicher sein. Hinter jede nicht ganz von Zweifeln befreite Statistik wird der olle Churchill geklemmt, mit dem ihm zugeschriebenen Spruch. Willkürlich gestreute Zitate als Aufhänger sinnbefreiter Textwülste sind aber nur eine kleine Plage. Viele wählen ihre Zitate zwar nicht besonders originell, aber dafür immerhin im Zusammenhang aus. Für Zweisatzartikel mit Link und Youtube-Video braucht’s ja auch kein Spruch von Bertolt Brecht. Da muss man geradezu dankbar sein.
Ganz grausig sind dagegen die Plattitüden. Die vor lauter Spruchreifheit durch und durch faul gewordenen Sprichwörter. Das textliche Äquivalent vom verbalen “Stammtisch-Jaja”. Es sind die leeren Worthülsen, die das bescheidene Gemüt des Ausscheiders aufzeigen, wenn mal wieder ohne wirkliche Aussage eine Diskussionsbeteiligung simuliert wird.
Ganz oben auf der Lieblingshassliste der Top-Plattitüden steht bei mir “Und das im Land der Dichter und Denker…”, wahlos unter irgendein Deutschland betreffendes Thema geklatscht. Ich bekomme von solch schaurig seichten Worten so ‘ne harte Gänsehaut, dass man damit Igel frisieren könnte.

AW: Eugenik und die allgemeine Gebärpflicht

.markus, 27. December 2007

175702402 46f84ebf9c b

Foto:pokpok313 (cc )

Klicke-di-Klick. Such. Klick. Klick. Klick. Such. Klick. Das Internet ist eine phantastische Möglichkeit um auf Dinge zu stoßen, von denen man bisher meinte, sie würden gar nicht existieren. Von den wunderbaren Seiten der Vernetzung mag ich hier nicht reden – wir befinden wir uns auf dem CrapLog – sondern von den Abgründen der freien Meinungsäußerung. Über den Senf von Leuten, die nicht einmal wissen, was Würstchen sind. Über den Wahnsinn, der manchmal nur 2-3 Klicks entfernt ist.
Weiterlesen »