Archiv für den June 2009

samstag

-, 20. June 2009

es ist wie jeden verdammten samstag, wenn das wetter einigermassen danach ist: die leute bohren, die leute hacken holz, sie presslufthammern, sie sägen, sie fegen, sie fällen bäume. anstatt einen der wenigen freien tage der woche einfach zu geniessen, nichts zu tun, die seele baumeln zu lassen, versuchen sie krampfhaft sich in irgendeiner weise zu betätigen, die zeit totzuschlagen, wie wenn sie eine lästige mücke wäre, bloss nicht faulenzen, was sollen denn die nachbarn denken.

ich bin einer dieser nachbarn und denke dann: ihr lemminge. ihr seid so eingenommen von dieser ausbeuterischen arbeitswelt, dass ihr verlernt habt die wenige freie zeit zu schätzen, die euch noch bleibt. das leben dauert nicht ewig, aber ihr würdet am liebsten sieben tage die woche arbeiten, weil ihr nicht wisst, was ein leben ohne arbeit überhaupt bedeutet. freizeit ist ein femdwort, das in eurem wortschatz seit jahren nicht mehr vorkommt. ihr habt vergessen, wie es sich anfühlt auf strassen zu fahren, die nicht permanent chronisch überlastet sind. durch die arbeit im büro bekommt ihr selbst vom wetter nichts mehr mit. wenn ihr morgens aus dem haus geht ist es dunkel und wenn ihr abends nach hause kommt auch. für bücher fehlt dann die konzentration, dann lieber ein oder zwei stunden vor die glotze, das strengt nicht an, da schläft man ein und morgen geht das ganze wieder von vorne los.

jeden verdammten samstag läuft es weiter, das roboter-programm: ausschlafen ist nicht möglich, was war das nochmal? eigentlich wolltest du nicht vor 12 uhr aufstehen, doch irgendwie funktioniert das nicht mehr. nach ein bis zwei stunden sinnlosem hin-und-her-wälzen im bett sitzt du um zehn uhr im wohnzimmer, trinkst die erste tasse kaffee, rauchst die erste zigarette des tages. eigentlich stört dich der rasenmäher in der ferne, so früh am morgen, doch das programm lässt dich das nur am rande mitkriegen. was sich wirklich abspielt, ist: verdammt, ich muss irgendetwas machen. unruhe, unzufriedenheit, die glieder können nicht mehr stillstehen, bloss kein leerlauf. wo soll ich nur anfangen? vorbereitung der präsentation? brainstorm für das meeting? verdammt, denkst du, wäre doch bloss schon montag. mein gott und morgen kommt auch noch der sonntag, was für ein elendes leben. du steigst unter die dusche, du ziehst dich an, das programm läuft weiter. du gehst in die garage, da steht dein auto. du steigst ein, steckst den schlüssel ins zündschloss. irgendwie hast du vergessen den richtigen gang einzulegen. du steigst aufs gas, du musst hier raus, ganz schnell. du hast kein ziel. du hast keinen airbag. du bist nicht angeschnalt. du fährst gegen die wand. die wirbelsäule hat sich unglücklich direkt durch das gehirn und die schädeldecke gebohrt, als du mit dem kopf erst gegen das lenkrad und dann durch die windschutzscheibe auf beton geknallt bist. dieser verdammte samstag.