Archiv für den February 2009

elektronischer personalausweis

-, 24. February 2009

der oberwitz bei einem personalausweis ist, dass ich eine gebühr für eine herstellung von etwas zahlen muss, das mir nicht einmal gehört. jeder personalausweis/reisepass gehört nämlich der bundesrepublik deutschland.

nun kommt ab ende 2010 etwas, das logischerweise unvermeidlich war: der elektronische personalausweis. das hätte sich der adolf auch nicht besser ausdenken können, vor allem wegen dem “biometrischen foto” und zwei digitalisierten fingerabdrücken und, auf wunsch, einer “e-id-funktion”, die “private und geschäftliche internetanwendungen sicherer machen soll”. ha! wer’s glaubt… am ende erzählen sie uns auch noch, das ding sei überhaupt nicht hackbar…

kann mir mal jemand bitte ein flugticket kaufen, ich muss schnellstens weg hier.

ach so, kleine verschwörungstheorie am rande: schonmal aufgefallen, dass auf ausweisen, lohnsteuerkarten und noch vielem mehr der name immer in grossbuchstaben angegeben ist? nun, die theorie kommt aus england, die besagt, das müsse sein, denn dadurch ist man gar nicht selbst gemeint, sondern eine kapital-/treuhandgesellschaft, die von der regierung durch das finanzamt zum zeitpunkt der geburt geschaffen wurde. regierungen sind nämlich auch kapitalgesellschaften, die nach dem recht der wirtschaft, dem vertragsrecht handeln. die gesetze einer regierung gelten nur für gesellschaften und nicht für menschen aus fleisch und blut. think about it.

Trolleyfahrerarsch, TRAG DAS DING!

ovit, 23. February 2009

Trolleyfahrerarsch
Symbolbild von Trolleyfahrer auf ruhigem Untergrund by supatexta (cc)

Eine neue Lärmbelästigung ganz besonderer Güte hat Einzug in hiesige Landstriche erhalten. An der Kante einer jeden Gehwegplatte dröhnt es, auf dem Kopfsteinpflaster erst recht. Oft tauchen diese Unmenschen auch noch in kleinen Gruppen auf und der Geräuschpegel wächst expontiell und treibt einen schier in den Wahnsinn. RATRATRATRATRATRATRATRAT. Lieber Leute mit diesen verkackten Trolleys, tragt euren Scheißkoffer, wie ihr es schon immer gemacht habt! Diese Trolleys sind weder hübsch, noch lässig, noch bequem, sondern eine reine Qual. Eine Tortur. Eine Belästigung für eure Mitmenschen. RATRATRATRATRATRATRATRATRAT. Es ist eine Lärmhölle, das Ding verdreckt eh nur, so dicht über dem Boden. Es gibt nämlich Menschen, die können sich sonst nicht entspannen, wenn sie sich in eurer Umgebung befinden, weil ihr mit eurem beschissenen Ding die ganze Umwelt verpestet mit sinnlosem und vor allem viel zu lauten Krach. Es gibt eben nicht überall Beton, sondern Oberflächenbeschaffenheiten, die nicht zwingend ebend sind. Und von alleine sind die Oberflächen gar nicht laut, nur wenn sie mit eurer verschissenen Bequemlichkeit in Kontakt kommen.

Anekdote: Als vor mir vor kurzem ein Trolleyfahrer zur Selbstorientierung nach der Überquerung einer Kopfsteinpflasterstraße stehen blieb, da herrschte plötzlich himmlische Ruhe um einen herum und gleich auch in einem selbst. Ein Moment des reinen Glücks, der mich laut aufschreien lies, wie wunderbar ruhig es plötzlich sei. In Zukunft werde ich Trolleyfahrer vor mir bitten, ihre Scheiße, die sie hinter sich herziehen, aufzuheben. Damit keinem von uns beiden etwas schlimmes passiert. Wehrt euch gegen diese rücksichtslosen faschistischen Schweine! Brennt alle Trolleys nieder! Gegen die imperialistische Bequemlichkeit!

Ich habe früher regelmäßig “GZSZ” geschaut. Und zwar gerne.

Frank, 13. February 2009

Die Essenz des Liberalen liegt nicht in Guido Westerwelles Agitation gegen Mindestlöhne. Sie liegt in einer Einstellung gegenüber dem und den Anderen, die in etwa besagt: Jeder soll nach seiner Façon glücklich sein (solange er damit seinem Nächsten nicht schadet). In dem Sinne hat der liebe Liberale auch nichts dagegen, wenn sich sein Nächster Abend für Abend mit den schlimmsten Machwerken audiovisueller Unterhaltung beschwallen lässt. Dies schließt Modelcastings, Volksmusik, Daily Talks, Soaps und Telenovelas sowie Stefan Raab ausdrücklich mit ein.

Also bitte, Jungs und Mädchen. Schaut euch in Herrgottsnamen diesen Musikwettbewerb an. Von mir aus gern. Verschweigt es oder erzählt es — ganz gewiss wird euch niemand dafür den Kopf abreißen. Bloß: Steht dazu, vor allem vor euch selbst! Hört bitte auf, euch mit holzhammerdauerironischer Pseudodistanziertheit zu legitimieren.

tweet1

tweet2

Für ein Programm, das einem nicht gefällt gibt es immer noch den Aus-Schalter (und andere Methoden). Sich marktschreierisch über den Dünnpfiff zu mokieren, den man da gerade konsumiert, wirkt hingegen unfreiwillig albern.

1234567890

-, 13. February 2009

heute ist das offizielle ende der welt: zum einen ist es freitag der 13., aber nicht irgendein freitag, sondern der tag, an dem die unix-zeit 1234567890 anzeigen wird. den countdown findet man bei: http://coolepochcountdown.com/. es sind wohl nur noch acht stunden.

die unix-zeit heisst so wegen dem betriebssystem, zählt die sekunden seit dem 1. januar 1970, aber ohne schaltsekunden.

ich hoffe ihr habt euer testament gemacht, vergesst 2012, es bleibt keine zeit mehr!!11!!! macht doch eine abschieds-party oder so oder geht ins kino oder lauft amok oder raubt eine bank aus!

Aaaaaaaaaaarcor

.markus, 5. February 2009

Auch wenn es schon tausendmal gesagt wurde. Auch wenn es schon breite, ausgetretene Pfade sind. Auch wenn es der Hut vom Urururopa ist. Und auch wenn es tausendmal interessantere und wichtigere Dinge gibt, die einen bewegen: Der Service von Telekommunikationsfirmen ist einfach beschissen!

“Deutsche Bahn mahnt Netzpolitik ab”, Variationen

Frank, 3. February 2009

Wrapped Reichstag
Symbolbild zu “Hauptstaedtchen in Zeltbahnkombi” by GertrudK (cc)

 

Wortumstellungen

  • Deutsche Mahn bahnt Netzpolitik ab
  • Deutsche Politik mahnt Bahnnetz ab
  • Deutsches Netz mahnt Bahnpolitik ab
  • Bahndeutsch mahnt Politiknetz ab
  • Politiknetz mahnt Bahndeutsch ab
  • Mahnbahn netzt Deutschpolitik ab
  • Deutsche Abnetz mahnt Bahnpolitik

 

Annagramme

  • Antipathetische Bautzen, blond, km/h
  • Kapitelabschnitt hoehnt zum Abend
  • Hoeh petzt Nachtmusikantenabbild
  • Analphabetentum hektisch Binz Tod
  • Pistolenkabinett zaehmt Handbuch
  • Hauptstaedtchen in Zeltbahnkombi
  • Abendplaetzchen – Thomkins Tubahit
  • Nichtbesitzendenpakt: Holm haut ab
  • Knabenphantasie mutzt Bohle dicht
  • Kindbett-Opa: “Habt Heimatschnulzen!”
  • Bibliothekenschatz hupte man Tand

 

Sinngemäße Wiedergabe

  • Solidaritätsechauffage bringt Trackbacktraffic

 

(Anlass, Reaktionen)

Die Verlosung der Gesellschaft

Sebastian, 2. February 2009

Schenkt man Menschen Glauben, die sich in den letzten Tagen von ihrem Fernseher losreissen konnten “um noch einige Besorgungen zu machen”, stapelte sich die deutsche Verfügungsmasse (mal wieder) in deutschen Trinkhallen und sonstigen Lottoannahmestellen, um ein paar Kreuze zu machen, nicht, um sich Volksvertreter zu wählen, hier immerhin scheint das Volk verstanden zu haben, dass es nichts bringt, sondern um die “Steuer für Menschen, die kein Mathe können” (Quelle: irgendwo aufgeschnappt) abzuführen.

macs

(Spreeblick-Kommentatoren, Symbolbild)

Das ist noch halbwegs harmlos, da man diesen Unfug anonym durchziehen kann, wobei dieses Recht mit einer nicht unerheblichen Menge Geld abgegolten wird. Schlimm wird es, wenn Verlosungen an Bedingungen geknüpft werden, was vorhersehbar immer damit endet, dass sich eine nicht zu unterschätzende Masse nicht entblödet, einen peinlich-peinlichen (was soll man dazu sonst sagen?) Kommentar abzugeben, um einen begehrten Preis abzugreifen, der bis zur Sekunde vor dem Gewinnspiel noch überhaupt nicht begehrt, ja wahrscheinlich nicht einmal bekannt war. Denn sagt der Preisverleiher “Spring!”, folgt der Untertan und macht dazu noch wuff, und das meine ich nicht einmal im übertragenem Sinne, denn:

Kaum, dass Spreeblick per Twitter verlautbaren lässt, ein Handy unter die Leute zu bringen, wird der Kommentarbereich in nicht weniger als 2 Stunden mit weit über 100 Kommentaren geflutet von Leuten, die sich hin- und hergerissen sehen zwischen dem Drang, möglichst schnell einen Kommentar abzugeben, um bemerkt zu werden (endlich einmal!) und der Vorgabe, kreativ seine Geekness zu illustrieren. Durch diesen Zwiespalt völlig überfordert, versucht sich der Großteil am Humor und scheitert kläglich, wenn er Dinge schreibt wie

Meine Hündin heißt Beta und bellt «wtf» statt «wau». Wenn sie mal muss, dann kommt nur Code. Also bitte.

oder mehreren Dutzend Derivaten von

Das ist ja mal eine 1337e Verlosung. \/\/4|\|7 G1 plz. k thx?! cu. xD

was in diesem Fall immerhin insofern an Komik gewinnt, als dass dieser Kommentar um 13:37 Uhr abgegeben wurde.

Eine andere Qualität gewinnt dieser Gewinnspielirrsinn jedoch, wenn der Leser nicht mehr Teilnehmer, sondern Teil des Gewinnspiels wird, ja zum Gewinn selber. In einer unsäglichen Aktion rief Sascha Lobo zur allgemeinen Followerverlosung auf, in der die gegenseitige Vernetzung von Menschen degradiert wurde zu einem Witz zur Ankurbelung der Bekanntheit des neues Must-read und um noch einmal klarzustellen, wer hier der kreative ist. Auch die Teilnehmer waren sich des Blödsinns wohlbewusst und packten ihre Teilnahmetweets in selbstironische Watte á la “Diese #Followerverlosung ist ja total albern *grins*” o.ä., so genau kann ich das nicht zitieren, da mich bei diesen Tweets derart heftiger Juckreiz packte, dass ich spontan alle Teilnehmer aus meiner Liste warf. Es fehlte sowieso ein Kalibrierungsrichtwert zur Entschlackung, dieser erschien mir durchaus angemessen. Der Gewinner darf sich nun über ein paar Follower mehr freuen, denen er völlig egal ist, was ihn aber nicht weiter stören dürfte, ging es ihm doch wie allen anderen lediglich um die selbsttragende Aufmerksamkeit, die sich so auch ohne Inhalte schnell generieren lässt. Herzlichen Glückwunsch!