Archiv für den August 2008

Welche Worte mit Haus… suchen wir?

ovit, 28. August 2008

Dieser Artikel hat, bevor er auch nur ansatzweise verfasst wurde, die irrsinnigste Wandlung durchgemacht, die sich ein nicht selbstdenkender Artikel nur denken kann. Ursprünglich war es natürlich ein craplogscher Hassartikel. Im Mittelpunkt hätte nicht mal das Format Call-in-TV gestanden, denn da bin ich großer Fan von – ich erinner mich an Abende, an denen ich durch den Konsum alkoholischer Genussmittel nur schwerlich geradeaus schauen konnte, aber zu fein war, um mich zu betten, und so mich also von einem mir willkürlich durch den Dienstplan vorgesetzten Moderator von der Möglichkeit des geruhsamen Schlafes abhielt.
Es gibt aber diese eine Sendung mit dieser einen Moderatorin, die da in ihrem Studio sitzt, um sich von einem Ventilator ins Gesicht blasen zu lassen, um den “Sexfaktor” ins Unermessliche zu treiben um dann bei Schnellraterunden ohne Telefonklingeln ohne Schlagfertigkeit und langweiliger als eine Schlaftablette auf Opium sich selbst im Studiomonitor anzugucken oder wahlweise in die Kamera zu lächeln, dass man mehr kotzen möchte, als man Galle in sich hat.
Bei der Suche auf Youtube fand ich dann ein Video dieser Moderatorin, dass dann eine dieser Wenden darstellt. Da ist es gar nicht mehr der Hass auf diese Frau, sondern die Absurdität der Rätsellösung, denn welche Wörter mit Haus… wurden in den vergangenen drei bis vier Stunden wohl gesucht?


Ohne vorher das Video gesehen zu haben, lohnt es sich nicht weiterzulesen! Und das Video lohnt sich wirklich, der Rest des Geschriebenen eher nicht!
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Die Windmühlen des Marco K

Frank, 22. August 2008

Marco K ist ein junger Schreiberling, der für die Freiheit einsteht. Und er nimmt sich Freiheiten, konsequent. Etwa jene, bei “eigentümlich frei” ganz im Gegensatz zu den verhassten Latte Macchiato süffelnden “Luxussozialisten” Kinderarbeit zu verteidigen und in der rechtskonservativen “Blauen Narzisse” die Brothers Keepers als “schwarze Hassprediger” zu bezeichnen. Auch in seinen sonstigen Absonderungen verdeutlicht der junge Mann, dass dort wo sich unbeschwerter Nationalismus und ökonomistischer Marktfetisch in zärtlicher Umarmung vereinen, der gemeine Kotzbrocken seine Heimstatt hat, einem Ort, wo auch linkspolitische, Staats- und Überfremdungsparanoia an den Wänden wuchern wie prächtig gepflegte Schimmelpilzkulturen.

Sein eigenes Blog nennt K programmatisch opponent.de. K opponiert zum Beispiel gegen den fiesen Mindestlohn. Denn der ist interventionistisch, genau wie grundsätzlich alle fixierten Standards der Menschenwürde. Weil man den Lesern seines Blogs ja mal etwas zum Lachen, was Witziges, Bissiges an die Hand geben will, verzog er sich jüngst in den Keller und kam kurz darauf mit folgender Collage wieder heraus:

Humor wie '33: Hitler und der Mindestlohn

Ich schlapp mich lach. Hitler! Förrr den Mindestlohn! Auf einer Seite des Deutschen Gewerkschaftsbunds! Prust. Na klar, denn im Nationalsozialismus steckt ja auch der Sozialismus drin, gell? Zum Niederknien (und Fußbodenpizza backen).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund bekam das spitz und fand’s nicht komisch. So erhielt K gestern einen Brief mit folgendem Inhalt:

Sehr geehrter Herr K,

hiermit fordern wir Sie auf, den auf Ihrer Internetseite www.opponent.de eingestellten, der im Wesentlichen Inhalte unserer Internetseite www.mindestlohn.de sowie das DGB-Logo zeigt, umgehend von ihrer Internetseite zu nehmen. Sollte dies nicht bis

Freitag, den 22. August 2008, 10.00 Uhr vormittags

geschehen, behalten wir uns ausdrücklich alle in Betracht kommenden strafrechtlichen wie zivilrechtlichen Schritte gegen Sie vor. Wir weisen Sie insbesondere darauf hin, dass Sie keine Erlaubnis haben, das DGB-Logo zu verwenden.

Mit freundlichem Gruß

Reinhard D

Klar ist es etwas harsch, auf einen popeligen Blogger und seine solcherlei geradezu Mitleid erregende Versuche, lustig zu sein, zu reagieren. Aber es ist ihr gutes Recht. Zumal der DGB rechtsmittelmäßig sicher adäquat ausstaffiert ist und auch gleich eine Abmahnung hätte verschicken können. Und dass das kostet, weiß man ja seit den diversen “Brötchengates”, die die deutsche Bloglandschaft erschütterten.

Oh tempora, oh mores! Der stalinofaschistische DGB droht uns Monokulti-Heten mit Staatsgewalt plärrt es da aus dem Opponentenblog. Um Solidarität heischend erklärt K:

Ich akzeptiere die Drohung mit Initiierung staatlicher Gewalt gegen mich durch den DGB-Bundesvorstand nicht und werde der Aufforderung aus ethischen Gründen nicht nachkommen. (…bla…)

Darüber hinaus empfinde ich die Drohung durch den DGB nicht nur als Beweis für die Humorlosigkeit der Gewerkschaftsbürokraten, was schließlich noch zu verschmerzen wäre, sondern als offenen Angriff auf die unantastbaren Freiheiten des Individuums, welche die Grundlage für eine friedliche und freie Gesellschaft bilden, im Unterschied zu einem menschenverachtenden, freiheitsfeindlichen Regime wie etwa der DDR, das durch die deutsche Gewerkschaftsbewegung maßgeblich gestützt wurde. (…bla…)

Gewerkschaftsvertreter haben heute einmal mehr ihre Maske fallen gelassen, hinter der sich die hässliche Fratze der Menschen- und Freiheitsfeindlichkeit verbirgt. Die Drohung gegen mich wird nicht dazu führen, dass ich mich dem Willen des DGB beuge. Vielmehr sehe ich es ab sofort als primär an, Widerstand gegen (staatlich protegierte) Gewerkschaften auf allen Ebenen zu leisten und zu unterstützen.

Ich möchte alle Menschen, insbesondere alle Blogger, dazu aufrufen, dem Abmahnwahn hierzulande, dem Drohen mit staatlicher Gewalt, den Einschüchterungsversuchen staatlicher, halbstaatlicher und privater Akteure nicht schweigend zu begegnen, sondern aktiv Widerstand zu leisten. Freiheit ist ein zerbrechliches Gut, das jeden Tag wieder erkämpft und bewahrt werden muss. Einmal verloren, ist die Freiheit nur unter größten Opfern zurückzuerlangen. Gehen wir den Weg in die Tyrannei, den dieses Land schon all zu lange beschritten hat, nicht weiter!

K spielt sich also auf als Vertreter von Meinungsfreiheit, Kämpfer gegen Zensur und Staat, hier verkörpert in Gewerkschaft und Justiz. Nun ja, jedem seinen eigenen Größenwahn. Lieber Marco, darf ich fragen, ob du dich, wenn du bei der Steuererklärung schummelst, wie William Wallace fühlst, beim Schwarzfahren wie Che Guevara, beim besoffenen Autofahren wie Mahatma Gandhi?

Von mir, lieber Marco, gibt’s keine Solidarität, allerhöchstens etwas Mitleid. Denn es hat schon etwas Don Quixote-artiges, sich selbst und das eigene verkackte Weltbild so aufzublähen, dass man meint aus einer nicht lustigen, nein – wirklich einfach nicht lustigen, grafischen Nazi-Gleichsetzung eine Verteidigung angeblich liberaler Werte zu konstruieren. Vorzugeben, dass eine solch erbärmliche Albernheit Satire sei, anderen vorzuwerfen, sie seien humorlos, wenn sie den Humor darin nicht entdecken.

Anderswo kommt man in der Besprechung des Falles gleich mit Arbeiterdichtern:

Kurt Tucholsky (1890-1935) war ein linker Intelletikueller, trat für die Arbeiterbewegung ein und seine Werke wurden wie viele andere auch im Mai 1933 von wildgewordenen Nationalsozialistischen Studenten verbrannt.

Der Schriftsteller, Journalist und Gesellschaftskritiker ist bis heute eine viel- und gernzitierte Persönlichkeit. Eines seiner bekanntesten Zitate lautet

“Was darf Satire? Alles.”

Kurt Tucholsky hatte durchaus recht. Aber wenn so etwas wie obiges Werk schon die Schöpfungshöhe von Satire erreicht, dann bin ich dafür den Begriff gleich ganz zu entgrenzen. Dann wäre ich dafür — und das meine ich hier nur metaphorisch — auch einen Tritt in die Fresse als Satire zu liberalisieren. Lustig wär’s zumindest.

[via gulli]

Die Geschichte vom König mit dem Steingesicht

Sebastian, 20. August 2008

Sein breites Lächeln hatte etwas unangenehm Ergötzliches, und man wußte nicht, ob man ihm Prügel oder Beifall zollen sollte. – Heinrich Heine

Es wird spät manchmal. Ich streife dann durch die Fernsehlandschaft auf der Suche nach der Erlösung durch die Müdigkeit, welche jedoch zuweilen auf sich warten und mich mit meinen Qualen alleine lässt. Doch dieser Nächte trifft man häufig auf ein Reich voller Wunder und Magie. Jenseits auch rezeptionsmäßig längst ausgetretener Pfade voller Schmutz, Sex und Abzockkriminalität gibt es eine kleine Welt, die so heil ist, so wunderschön, dass man sich endlos in ihr verlieren möchte.

In einer idyllischen Berghütte inmitten einer wunderschönen Landschaft erschien mir ein Fabelwesen, so rein und voller Güte, so voller Glanz, dass ich Tränen in den Augen hatte. Es war eine zauberhafte, androgyne Fee, welche sich mir als Ekki vorstellte. Nicht nur ihr Aussehen war sagenhaft, nein, auch die Stimme so lieblich, dass ich Angst hatte, sie könnte an meinen Ohren in kleine, wunderschöne Kristalle zerschellen. Doch sie sprach in eigenen, vor Schönheit nicht wörtlich wiederzugebenen Versen: “Nicht ich bin es, den Du suchst. Ich bin nur die Dienerin das Höchsten von uns. Des Königs. Ich werde Dich nun durch sein Reich führen, und am Ende wirst auch Du ihn lobpreisen!” Und so sollte es sein…

Der König. Es fiel mir schwer zu glauben, dass Ekki, die Fee, Untertan eines anderen Wesens sein könnte. Wie schön musste der König sein? Was war der Zauber, der ihn umgab?
Als ich ihn sah, war ich erschrocken. Nein, dieser König war nicht schön. Er war auch nicht hässlich. Er war wie ein Stein, den man an einem Ufer eines Flusses fand. Glatt, abgeschliffen, unangreifbar. Emotionslos. Konnte das wahr sein? War dies der König, der über dieses wunderschöne Land regierte? “Ich sehe”, sprach Ekki, “ich sehe Dein Unverständnis. Doch höre meine Worte: Dies ist Ricky King, Herrscher über das Land der Instrumentalgitarrenmusik, Führer der Silberhaararmee, Bezwinger der Stratocaster!” Wie konnte ich das nicht glauben? Er trug die Insignien eines Königs: Goldene Stimmgabel, goldener Echo, goldene Europa. Dazu der majästetische Schild, den er vor sich hertrug, in Form einer weissen Harfe. Aber warum?… Warum dieses Gesicht aus Stein, dass nicht in der Lage war, sich auch nur einen Milimeter zu rühren?

“Warum dieser kalte Blick, fragst Du?” Der König sprach mich direkt an. “Auf mir lastet ein Fluch! Jahre habe ich gekämpft, in den finstersten Landen. Im ganzen Reich habe ich mich in die tiefsten Tiefen der Bierzelte, Küchenmärkte und Schützenfeste gewagt, um meine Weisen ans Volk zu bringen. Doch die Zeit hat an mir genagt, mein Freund, und wo ich einst der unangefochtene Feldherrscher war, treten jüngere an, mich herauszufordern. Ich bin des Klampfes müde und leid. Mein Gesicht ist nurmehr eine Maske, die ich auftrage, um meine Verbitterung zu kaschieren. Leider verlor ich die Kontrolle über diese Maske schon vor langer, langer Zeit.”

Und ich verstand. Ich drehte mich zu Ekki und sah, dass eine Träne seine (ihre?) porzellanartige Haut hinunterrann. Ich fing hemmungslos an zu weinen, und so tat es mir dann auch Ekki nach. Wir waren so traurig und frustriert über das Schicksal des Königs, Ricky King. Doch als wir ihn ansahen, geschah etwas mit uns. In uns. Ja, es war eine starre Maske, die sich auf Ricky Kings Gesicht gesetzt hatte, aber es war eine Maske des Lächelns. Und so geschah es, dass Ricky King sein Harfenschild hochhob und sprach:

“Grämet euch nicht, meine Lieben, grämet euch nicht. Nie habe ich meine eigentliche Macht verloren, die Macht, die Menschen mit meinen Weisen glücklich zu machen. Und auch ihr sollt wieder jauchzen und frohlocken. C’est verde!”


(Direktlink)

reich, dumm, iphone

-, 8. August 2008

sagt doch alle, was ihr wollt, aber diese 999$-applikation für das iphone ist das beste programm, das es gibt. es kann rein gar nix, lediglich ein rotes juwel erscheint (hey, ein juwel! virtuell! mega!) und der schriftzug “I am rich”. das geilste: sechs amerikaner und zwei europäer kauften dieses programm. innerhalb 24 stunden! wtf!?

eine tiefenpsychologische analyse könnte man jetzt starten, aber eigentlich lässt sich alles in wenigen worten zusammenfassen:

you bought “I am rich”? you are dumb. and I am dead serious. go find a doctor. now.

genauer gesagt sollte man sich als käufer überlegen, ob man an seinem lebensstil nicht drastisch etwas ändert, denn solche entscheidungen haben keine zukunft. ich würde begrüssen, wenn man photos und einen kurzen überblick des lebenslaufs dieser acht gebrochenen seelen in erfahrung bringen würde. was sind das für menschen? sind es menschen? sind sie nur reich oder auch blöd? man kann zuweilen verzweifeln, wie wenig gehirn da draussen ist. au weia.

zwischenzeitlich hat apple natürlich diese applikation entfernt. das ist sehr schade. ich würde demjenigen, der es erstellt hat, gerne auf die schulter klopfen, denn er hat eines verstanden: fuck you all. und speziell apple und das iphone. eigentlich hätte dieses programm von mir stammen können. so sehe ich nämlich diese verkorksten apple-jünger und technisch dürfte es gerade reichen. zu dumm nur, dass ich nie ein iphone besitzen werde, denn dann hätte ich einen teil meiner strassen-kredebilität verloren; ich bashe dieses unnütze telefon, seit es erhältlich ist (siehe) und das wird sich in zukunft auch nicht ändern.

ich werde mich entschieden dafür einsetzen, “I am rich” wieder zum leben zu erwecken. so gehts ja nicht, hier wurde der nagel auf den berühmten kopf getroffen. vielleicht kann man das ausweiten: auf andere handys oder eventuell sogar auf pc-ebene. we’ll see…

Big Mac Apple

Frank, 7. August 2008

Die Firma Apple stellt, zumeist wohl solide Produkte mit einem Hauch postmoderner Noblesse her. Dank einer PR, die jeder weltanschaulichen Bewegung zur Ehre gereichen würde, schafft die Firma es, mit Hilfe ihrer sich viel zu oft willenlos dem untereinander befeuerten Konsumzwang ergebenden Kundschaft, Hardware mit ein wenig Klavierlackbespritzung zum doppelten Preis wie handelsübliche PCs zu verticken. Aber dafür bekommt der Konsumzombie Mac-Besitzer ja auch etwas geboten: Einen Hauch von Individualität! Wie etwa die vier Studenten, von denen mir ein Freund erzählte, die in der Mensa stoisch in einer Reihe sitzend je auf ihrem eigenen MacBook-Bildschirm das StudiVZ anglotzten. Herausstechende Persönlichkeiten, die Guten, zweifelsohne. Es sah angeblich nur ein wenig lächerlich aus.

iPhone App, die nichts machtEs mag angesichts des Mehr an Lifestyle, für den Apples Käufer bestens löhnen, wenig erschüttern, sondern eher konsequent scheinen, dass im neuen Anwendungsladen für das immer noch nicht Copy&Paste beherrschende Apple-Smartphone, das mit dem kleinem i vornedran (Kostenpunkt “kleines i”: geschätzt 99€), eine Applikation mit dem Namen “I am rich” verhökert wurde, welche eintausend Dollar minus einen Cent kostete und exakt: Nichts machte. Lediglich ein roter Edelstein, mutmaßlich ein Rubin wird nach Installation auf dem ach so revolutionär zweifingrig bedienbaren Touchscreen, falls von fettigen Fingerabdrücken unbefleckt, dargestellt, der den ebenfalls mit iPhones, aber nicht jener Luxus-Applikation ausgestatteten Freunden in Erwartung von Respekt und Neid bekundendem Schulterklopfen gezeigt werden kann.

Nun wurde diese Anwendung leider aus dem AppStore entfernt. Und dennoch gibt es mindestens einen Menschen, der sie gekauft hat — wenn auch aus Versehen.

Ich kaufte die 1000-Dollar-Anwendung

Ich bitte um Verzeihung, aber der Leser wird sich an dieser Stelle eine Prise Häme meinerseits denken müssen.

Lee5279xx, was bist du doch für ein Vollhorst.

[via ycombinator]